Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Internationale Standardbuchnummer
Internationale Standardbuchnummer. Nummer zur eindeutigen Kennzeichnung von Büchern und anderen Veröffentlichungen. Artikel · Diskussion.
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und Zweck
Die Internationale Standardbuchnummer (ISBN, englisch International Standard Book Number) ist eine Nummer zur eindeutigen Kennzeichnung von Büchern und anderen selbstständigen Veröffentlichungen mit redaktionellem Anteil, zum Beispiel Multimedia-Produkten.
Sie ist vor allem für Warenwirtschaftssysteme im Buchhandel wichtig, weil Bücher damit eindeutig bestellt, verkauft und verwaltet werden können. Auch viele Bibliotheken verwenden ISBN für Bestellsysteme und bibliotheksübergreifende Kataloge. Nationalbibliografien haben dagegen eigene Nummernsysteme. Für Zeitschriften und Schriftenreihen gibt es nicht die ISBN, sondern die Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke, die ISSN.
Entwicklung und Umstellung auf 13 Stellen
Ab Mitte der 1960er Jahre wurde in Europa, besonders in England an der London School of Economics and Political Science und bei der Publisher Association of Great Britain, über eine eindeutige internationale Identifikation von Büchern nachgedacht. In Deutschland arbeitete besonders Hans Jürgen Ehlers an der Einführung der ISBN.
1966 entstand im Umfeld von WHSmith und der britischen Buchbranche das System der Standard Book Numbering, kurz SBN. Es wurde 1967 von J. Whitaker & Sons, Ltd. in Großbritannien und 1968 von R. R. Bowker in den Vereinigten Staaten eingeführt. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) griff die Vorschläge 1968 auf, erweiterte die neunstellige SBN um eine weitere Stelle und veröffentlichte 1970 die Norm ISO 2108. In Deutschland wurde sie als DIN ISO 2108 übernommen. In der DDR wurde die ISBN erst im Oktober 1986 verbindlich eingeführt.
Der Standard wurde 1978, 1992 und 2005 überarbeitet. Bis Ende 2006 hatte eine ISBN zehn Stellen einschließlich Prüfziffer; dieses alte Format heißt heute ISBN 10. Weil es in Osteuropa und im englischen Sprachraum Engpässe bei neuen Nummern gab, wurde Anfang 2005 ein revidierter ISO-Standard für die dreizehnstellige ISBN eingeführt. Seit dem 1. Januar 2007 werden nur noch ISBN 13 vergeben. Der verfügbare Zahlenraum stieg dadurch von einer Milliarde Kombinationen auf 1,9 Milliarden. Außerdem wurde die ISBN mit dem EAN-System kompatibel. Die aktuelle 5. Auflage der Norm erschien 2017 und wurde 2023 überprüft und bestätigt.
Aufbau einer ISBN 13
Eine ISBN 13 besteht aus fünf Zahlengruppen, zum Beispiel ISBN 978-3-86680-192-9.
Das Präfix steht am Anfang und ist je nach Buch 978 oder 979. Bei der ISBN 10 gab es kein Präfix. Diese Nummern wurden der ISBN von GS1, Global Standards One, zugewiesen.
Die Gruppennummer, auch Ländernummer genannt, kennzeichnet eine nationale, geografische, sprachliche oder andere geeignete Gruppe. Sie wird von der internationalen ISBN-Agentur festgelegt und kann unterschiedlich viele Ziffern haben. Im Beispiel steht die 3 für deutschsprachig.
Die Verlagsnummer kennzeichnet den Verlag. Sie wird von einer nationalen oder regionalen ISBN-Agentur vergeben. Für Deutschland ist das die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels in Frankfurt am Main, für Österreich der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels in Wien und für die Schweiz der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband in Zürich.
Danach folgt die Titelnummer, auch Bandnummer genannt. Sie wird vom Verlag vergeben. Die Titelnummer unterscheidet separat verkäufliche Produkte, zum Beispiel verschiedene Bände oder unterschiedliche Einbände. Zum Schluss steht die Prüfziffer. Sie dient dazu, Eingabe- und Lesefehler zu erkennen: erkannt werden ein Einzelfehler, also genau eine falsche Ziffer, und die meisten Vertauschungen zweier Nachbarziffern. Bei ISBN 13 werden die Vertauschungen 0↔5, 1↔6, 2↔7, 3↔8 und 4↔9 nicht erkannt.
Nach ISO 2108 kann eine ISBN ohne Trennstriche oder mit Trennstrichen geschrieben werden. Bindestriche oder Leerzeichen haben keine lexikalische Bedeutung; sie verbessern nur die Lesbarkeit. In elektronischer Datenverarbeitung ist die Schreibweise ohne Trennzeichen zulässig, und die Nummer bleibt eindeutig.
Prüfziffer berechnen
Die Prüfziffer ist die letzte Stelle der ISBN und wird aus den vorherigen Ziffern berechnet. Bei der ISBN 13 werden die ersten zwölf Ziffern addiert. Ziffern an geraden Positionen, also die zweite, vierte und so weiter, zählen dreifach. Danach wird die letzte Stelle der Summe von 10 subtrahiert. Ist das Ergebnis 10, wird die Prüfziffer 0. Die Gültigkeit einer ISBN 13 lässt sich prüfen, indem die abwechselnd mit 1 und 3 gewichtete Quersumme einschließlich Prüfziffer auf 0 endet, also modulo 10 den Rest 0 hat.
Für die ISBN 13 mit den ersten zwölf Ziffern z1 bis z12 gilt für die dreizehnte Ziffer: z13 = (10 - ((z1 + z3 + z5 + z7 + z9 + z11 + 3 · (z2 + z4 + z6 + z8 + z10 + z12)) mod 10)) mod 10.
Im Beispiel 978-3-7657-2781-? ergibt sich: 9 + 8 + 7 + 5 + 2 + 8 + 3 · (7 + 3 + 6 + 7 + 7 + 1) = 39 + 93 = 132. 132 mod 10 = 2, also 10 - 2 = 8. Die Prüfziffer ist 8.
Bei der ISBN 10 werden die ersten neun Ziffern von links nach rechts mit 1 bis 9 gewichtet und addiert. Der Rest bei Division durch 11 ist die Prüfziffer. Ergibt sich der Wert 10, wird als letztes Zeichen X verwendet, das als römische Zahl 10 verstanden werden kann. Mit den ersten neun Ziffern z1 bis z9 gilt: z10 = (1·z1 + 2·z2 + 3·z3 + 4·z4 + 5·z5 + 6·z6 + 7·z7 + 8·z8 + 9·z9) mod 11.
Beispiel: Bei 3-86680-192-? ergibt die Rechnung 3 + 16 + 18 + 24 + 40 + 0 + 7 + 72 + 18 = 198. 198 mod 11 = 0, also lautet die vollständige ISBN 3-86680-192-0.
EAN-Kopplung und Vergaberegeln
Das ISBN-System ist an das System internationaler Artikelnummern EAN gekoppelt. Dadurch können Bücher weltweit innerhalb des EAN-Systems in Warenwirtschaftssysteme übernommen werden, ohne dass nationale Strichcodes neu angebracht werden müssen. Weil die ersten drei Ziffern einer EAN normalerweise für das Registrierungsland stehen, wurde für Bücher ein eigenes „Buchland“ eingeführt. Für Bücher sind die EAN-Ländernummern 978 und 979-1 bis 979-9 vorgesehen. Das Präfix 979-0 ist von der International Standard Music Number (ISMN) belegt.
ISBN 13 sind mit der zugehörigen EAN-13 identisch, nur dass die EAN keine Bindestriche enthält. Auch eine ISBN 10 kann in das ISBN-13- beziehungsweise EAN-13-System überführt werden: Man stellt die Ziffernfolge 978 voran und ersetzt die alte Prüfziffer durch die neu berechnete EAN-Prüfziffer. Seit 2005 wird das System als GS1-Pressecode bezeichnet, weil es außer für Bücher auch für andere publizierte Medien wie Periodika und CD-ROM verwendet wird.
Eine ISBN soll eine nichtperiodische Veröffentlichung eines Verlags eindeutig identifizieren. Eine bereits verwendete ISBN soll nicht noch einmal verwendet werden. Neue Editionen oder andere Publikationsformen, etwa Taschenbuch statt Hardcover, brauchen jeweils eine eigene ISBN. Ausnahmen sind unveränderte Nachdrucke oder Auflagen mit nur kleinen Änderungen.
Nicht jedes Buch hat eine ISBN. In Deutschland vergibt nur die MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH ISBN-Verlagsnummern und einzelne ISBN. Diese dürfen nicht verkauft oder an einen anderen Verlag weitergegeben werden. Es gibt keine rechtliche Pflicht zur Verwendung einer ISBN. Manche Kleinverlage und Selbstverlage verzichten deshalb wegen Kosten und Aufwand darauf. Eine einzelne ISBN für Selbstverleger mit absehbar einmaliger Verlagsproduktion kostet derzeit 70 Euro plus Mehrwertsteuer (Stand 2024). Bei einer Verlagsnummer fällt eine Grundgebühr von 153,51 Euro plus Versandkosten an; dazu kommt eine Liste vergebbarer ISBN, deren Preis zwischen 22,61 Euro für zehn Nummern und 3.568,81 Euro für 100.000 Nummern liegt.
Andere Identifikationssysteme
Für andere Publikationsarten gibt es eigene Nummernsysteme. Dazu gehören ISAN für audiovisuelle Werke, ISMN für gedruckte und digitalisierte Notensätze, ISRC für Tonaufnahmen, ISRN für technische Berichte, ISSN für fortlaufende Sammelwerke wie Periodika und ISWC für musikalische Werke.
Daneben existieren weitere Identifikationsschlüssel, zum Beispiel VD 16 und VD 17 für Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachbereich, ESTC, OCLC Number, CODEN, DOI, EAN, EPC, LCCN, UCC und UPC.