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Interkultur

Interkultur Politik, die kulturelle Barrierefreiheit für die Individuen einer Gesellschaft der „Vielheit“ schaffen und „institutionelle Diskriminierung“

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Interkultur
  2. 2. Parapolis und gesellschaftliche Vielheit
  3. 3. Veränderung von Institutionen
  4. 4. Rezeption

Grundidee der Interkultur

Interkultur bezeichnet nach Mark Terkessidis eine Politik für eine Gesellschaft der „Vielheit“. Sie soll für alle Individuen kulturelle Barrierefreiheit ermöglichen und institutionelle Diskriminierung vermeiden. Terkessidis stellt den Begriff der Interkultur dem von ihm als „abgedankt“ bezeichneten Integrationsbegriff gegenüber.

Im Mittelpunkt stehen nicht Forderungen, dass sich einzelne Menschen an eine vermeintlich einheitliche Gesellschaft anpassen sollen. Stattdessen sollen Institutionen ihre Regeln und Arbeitsweisen so verändern, dass unterschiedliche individuelle Voraussetzungen und Lebensformen berücksichtigt werden. Interkultur schafft dabei nur einen Rahmen, in dem sich Individuen entfalten können.

Parapolis und gesellschaftliche Vielheit

Als Grundlage verwendet Terkessidis den Begriff „Parapolis“. Damit meint er ein urbanes Nebeneinander mobiler, unterschiedlicher und schnelllebiger Lebensentwürfe. In dieser Situation gibt es nach seiner Beschreibung „keine gemeinsame Vergangenheit mehr“, sondern nur noch einen „losen Zusammenhang“.

Deshalb sei es überholt, Einwanderung als „Störfall im Normablauf“ zu behandeln. Die sichtbare „Vielheit auf den Straßen“ soll vielmehr Ausgangspunkt für eine andere Vorstellung von der deutschen Bevölkerung sein. Die Zusammensetzung der Bevölkerung werde nicht wieder wie früher; mit dieser Lage müsse umgegangen werden. Viele damit verbundene Aufgaben ließen sich nicht einfach „lösen“, aber gestalten und managen.

Veränderung von Institutionen

Institutionen geben Antworten auf gesellschaftliche Fragen und Aufgaben. Interkultur fragt deshalb, wie diese Antworten zustande kommen und ob sie noch zeitgemäß sind. Terkessidis kritisiert, Institutionen nähmen zu wenig Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten.

Interkulturstiftende Maßnahmen sind pragmatische „Handlungsregeln“. Sie richten sich nicht zuerst an einzelne Personen, sondern an Institutionen. Geprüft werden Regeln, Routinen, Führungsstile, Ressourcen und Kommunikation: Sie sollen der Vielheit gerecht werden. Deren kleinste Einheit ist für Terkessidis das Individuum als „unangepasstes Wesen“ und als „Bündel von Unterschieden“.

Verändert werden sollen Muster, die bei migrantischer Vielheit vor allem die Anpassung der „Hinzugekommenen“ verlangen. Als Beispiel nennt der Text die Formel „Integration durch Sport“, bei der Menschen an „Gesellschafts- und Sportstrukturen in Deutschland“ angepasst werden sollen, statt Sportinstitutionen auf individuelle Voraussetzungen und Unterschiede auszurichten.

Interkultur bedeutet nach Terkessidis weder Einheitlichkeit noch Beliebigkeit. „Einheit, Einigkeit sind Fiktionen. Und sie sind auch nicht erstrebenswert.“ Nötig seien jedoch überprüfbare Ziele, Zeit und Flexibilität, um eingeschlagene Wege bei Bedarf wieder verlassen zu können. Den Integrationsbegriff hält er hierfür nicht mehr für passend und nennt ihn eine „Angstreaktion auf die Realität der Vielheit“; das Konzept habe „vor 30 Jahren abgedankt.“

Rezeption

Der Artikel weist darauf hin, dass wissenschaftliche Querverbindungen, die Wirkungsgeschichte des Begriffs und Kritik am konzeptionellen Ansatz noch fehlen. Nach Andreas Vierecke, Chefredakteur der Zeitschrift für Politik, stärkt Terkessidis’ Darstellung einer „Interkultur“ den Optimismus für eine lebenswerte Zukunft in einer offenen Gesellschaft jenseits der Debatten um Leitkultur und Multikulturalismus.

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