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Insektenkunde

Systematik und Taxonomie der Insekten · Angewandte Entomologie (Insekten als Nützlinge bzw. Schädlinge). Forstentomologie; landwirtschaftliche Entomologie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Teilgebiete
  3. 3. Entwicklung bis zum 18. Jahrhundert
  4. 4. Moderne Entomologie und Naturschutz
  5. 5. Fang und wissenschaftliche Sammlungen
  6. 6. Verhältnis des Menschen zu Insekten

Gegenstand und Bedeutung

Die Insektenkunde oder Entomologie ist der Zweig der Zoologie, der sich mit den Insekten (Insecta) beschäftigt. Insekten bilden die artenreichste Gruppe von Lebewesen. Fachleute auf diesem Gebiet heißen Entomologen.

Die Entomologie untersucht unter anderem Körperbau, Lebensweise, Entwicklung, Verbreitung, Verwandtschaft und Einteilung der Insekten. Sie ist außerdem praktisch bedeutsam, weil Insekten als Nützlinge, Schädlinge, Parasiten, Krankheitsüberträger und Hinweise bei kriminalistischen Untersuchungen auftreten können. Trotz intensiver Forschung ist die Artenvielfalt noch nicht vollständig erfasst: Rund 1,5 Millionen Arten sind bekannt, während die Gesamtzahl auf mehrere Millionen geschätzt wird.

Teilgebiete

Zu den grundlegenden Teilgebieten gehören Systematik und Taxonomie. Die Systematik ordnet Insekten nach ihren Merkmalen und Verwandtschaftsbeziehungen; die Taxonomie beschreibt, benennt und klassifiziert Arten. Die Faunistik erforscht, welche Arten in einem bestimmten Gebiet vorkommen, während sich die Insektenphysiologie mit den Lebensvorgängen und Funktionen des Insektenkörpers beschäftigt.

Die angewandte Entomologie untersucht Insekten vor allem in ihrer Bedeutung als Nützlinge oder Schädlinge. Dazu gehören die landwirtschaftliche Entomologie und die Forstentomologie. Die medizinische beziehungsweise entomologische Parasitologie befasst sich mit medizinisch bedeutsamen Insekten und Parasiten. Die forensische Entomologie nutzt Insekten für kriminologische Zwecke.

Daneben gibt es Fachrichtungen für einzelne Insektengruppen: Apidologie für Bienen, Dipterologie für Zweiflügler, Koleopterologie für Käfer, Lepidopterologie für Schmetterlinge, Myrmekologie für Ameisen, Odonatologie für Libellen, Orthopterologie für Heuschrecken und Heteropterologie für Wanzen.

Entwicklung bis zum 18. Jahrhundert

Als Ausgangspunkt der abendländischen systematischen Tierkunde gilt Aristoteles (384–322 v. Chr.) mit der Historia animalium. Er versuchte erstmals, Lebewesen zu beschreiben und zu klassifizieren. Insekten fasste er zusammen mit Spinnentieren, Tausendfüßern und Würmern als „blutlose Tiere“ auf. Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling kannte er bereits. Zugleich vertrat er die später widerlegte Urzeugung: Insekten könnten aus unbelebter Materie, faulendem Fleisch oder im Körper von Wirbeltieren entstehen. Francesco Redi widerlegte diese Vorstellung experimentell in Esperienze intorno alla generazione degl'insetti von 1668. Neben Aristoteles blieb Plinius der Ältere (ca. 23–79 n. Chr.) bis in die Neuzeit eine wichtige Quelle.

Im Mittelalter wurde Naturkunde im christlich geprägten Europa als Teil der Philosophie verstanden. Tiere wurden häufig danach gedeutet, welche göttlichen oder moralischen Lehren sich an ihnen zeigen ließen. Eigene Beobachtungen flossen zunehmend in Enzyklopädien ein, standen aber nicht im Mittelpunkt. Thomas von Cantimpré betrachtete beispielsweise den Bienenstaat als Vorbild einer idealen menschlichen Gemeinschaft.

Seit dem 16. Jahrhundert erleichterten der Buchdruck und die Erkundung anderer Weltregionen die Verbreitung neuen Wissens. Naturwissenschaft entwickelte sich zu einer eigenständigeren Disziplin. Conrad Gessners Historia animalium von 1551–1558 gilt als wichtiger Schritt zur Begründung der Zoologie; der Insektenband erschien 1634. Ulisse Aldrovandis De animalibus insectis libri septem von 1602 fasste den damaligen Kenntnisstand zusammen.

Im 17. Jahrhundert ermöglichte besonders das Mikroskop eine genauere Untersuchung der Morphologie, also des Körperbaus, und eine bessere Unterscheidung der Arten. Marcello Malpighi untersuchte 1669 den Seidenspinner. Jan Swammerdam erforschte unter anderem Tracheenatmung und Verdauungssystem der Insekten.

Nach der Widerlegung der Urzeugung formulierte John Ray zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen biologischen Artbegriff. Er betrachtete Arten als feste Einheiten und schätzte weltweit 10.000 bis 20.000 Insektenarten, deutlich weniger als heutige Schätzungen. Maria Sibylla Merian, René-Antoine Ferchault de Réaumur, August Johann Rösel von Rosenhof und Carl De Geer beobachteten lebende Insekten und veröffentlichten genaue Abbildungen. Mit der wachsenden Zahl bekannter Arten gewann die Systematik an Bedeutung. Carl von Linné ordnete Insekten 1735 besonders nach ihren Flügeln. Johann Christian Fabricius verwendete vor allem die Mundwerkzeuge als Merkmal; mit Systema entomologiae sistens insectorum classes von 1775 gilt er als Begründer der Entomologie als eigenständiger Wissenschaft. Die Systematik der Insekten ist bis heute nicht abgeschlossen.

Moderne Entomologie und Naturschutz

Im frühen 19. Jahrhundert grenzten Jean-Baptiste de Lamarck, Georges Cuvier und William Elford Leach die Insekten weitgehend im heutigen Sinn von Spinnentieren, Tausendfüßern und Krebstieren ab. Hermann Burmeister richtete die Entomologie in seinem Handbuch der Entomologie von 1832–1855 konsequent auf naturwissenschaftliche Untersuchung, evolutionäre Entwicklung und Verwandtschaftsbeziehungen aus. Die Forschung spezialisierte sich zunehmend auf einzelne Insektenordnungen. Frühere Artbeschreibungen wurden kritisch überprüft, unterschiedliche Namen derselben Art als Synonyme zusammengeführt und übersehene Arten beschrieben. Verbesserte Mikroskope förderten die Erforschung des Körperbaus; in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam die Insekten-Embryologie, also die Untersuchung der frühen Entwicklung, hinzu.

Charles Darwins Werk veränderte den Zweck der Systematik: Sie sollte nicht mehr nur Ordnung schaffen, sondern durch den Vergleich anatomischer Merkmale die evolutionäre Verwandtschaft erklären. Im 20. Jahrhundert entwickelte Willi Hennig auf Grundlage entomologischer Studien die phylogenetische Systematik oder Kladistik. Sie ordnet Lebewesen nach ihrer Abstammung und wird auch in der Genetik verwendet. Seit den 1980er Jahren ergänzen genetische Verfahren die morphologischen und anatomischen Untersuchungen.

Mit der Zerstörung natürlicher Lebensräume drohen viele Arten auszusterben, bevor sie wissenschaftlich erfasst werden. Deshalb gewann der Artenschutz in der Entomologie an Bedeutung. Entomologen bestimmen heute beispielsweise den Artenbestand von Biotopen im Rahmen von Eingriffsregelung und Biotopkartierung. Edward O. Wilson prägte 1986 besonders den Begriff Biodiversität.

Insekten reagieren schnell auf Landschaftsveränderungen. Zahl und Zusammensetzung der gefundenen Arten können daher als Indikator, also als Anzeichen, für die Schutzwürdigkeit eines Gebietes dienen. Besonders untersucht werden empfindliche Gruppen wie Schmetterlinge, deren Raupen und erwachsene Tiere jeweils besondere Ansprüche an ihre Nahrung stellen.

Fang und wissenschaftliche Sammlungen

Insekten werden als landwirtschaftliche Schädlinge oder als Lästlinge bekämpft; früher waren Sammlungen aus ästhetischen Gründen ein verbreitetes Hobby. Wissenschaftlich gefangene Exemplare dienen als Datenbasis für faunistische oder genetische Studien, als Vergleichsmaterial zur Artbestimmung und als Speicher für Typen. Typen sind Belegexemplare, auf die sich die wissenschaftliche Beschreibung einer Art stützt.

Die wissenschaftliche Sammlung erfolgt meist gezielt und bedroht örtliche Populationen nach Darstellung des Artikels nicht; die wichtigste Gefährdung ist der Verlust geeigneter Lebensräume. Dennoch ist jeder Fang ein Eingriff in den Naturhaushalt. In Deutschland dürfen besonders oder streng geschützte Gruppen nur mit einer Sondergenehmigung der Naturschutzbehörden gesammelt werden, meist für wissenschaftliche Zwecke. Bei Fangautomaten wie Boden- oder Malaise-Fallen gelten Einschränkungen, weil unbeabsichtigt geschützte Arten hineingeraten können.

Aktive Methoden erfordern die Tätigkeit des Sammlers. Beim Käschern werden meist Netze eingesetzt. Beim Suchen untersucht man Boden, Holz, Steine, Vegetation oder verlassene Nester. Beim Lichtfang locken nachts eine Schwarzlichtlampe und ein weißes Tuch Insekten an, sodass Arten erfasst, gezählt und einzelne Exemplare entnommen werden können. Beim Klopfen hält man ein weißes Tuch unter einen Zweig und schlägt kurz gegen ihn; die herabfallenden Tiere lassen sich zählen. Weitere aktive Verfahren sind Autokäscher, Exhaustor-Fang mit dem eigenen Atemzug und Köder, die beispielsweise an Bäume gestrichen werden.

Bei passiven Methoden werden Fallen aufgestellt. Barber-Fallen sind ebenerdig eingegrabene Gefäße, die vor allem bodenlebende Tiere fangen; sie arbeiten nicht selektiv und müssen ständig kontrolliert werden. Weitere Beispiele sind Malaise-, Fenster- und Emergenzfallen. Lockstofffallen verwenden etwa Sexuallockstoffe, sogenannte Insektenpheromone. Auch Nahrungsmittel können Tiere anziehen; als Beispiel nennt der Artikel Pflaumenkuchen zum Anlocken verschiedener Wespenarten.

Verhältnis des Menschen zu Insekten

Menschen beschäftigten sich zunächst vor allem mit Arten von unmittelbarem Nutzen, Schaden oder religiös-mythischer Bedeutung. Die Honigbiene wird seit Jahrtausenden als Nutztier gehalten. Der Skarabäus wurde bereits im alten Ägypten dargestellt, während Wanderheuschrecken als Schadinsekten wahrgenommen wurden.

Insekten werden häufig pauschal als Schädlinge betrachtet, ignoriert oder mit Misstrauen verbunden. Nach dem Artikel änderten wissenschaftliche Erkenntnisse, Mikroskopie und allgemeine naturwissenschaftliche Bildung diese Haltung nicht grundlegend; für diese Aussagen weist der Artikel allerdings auf eine unzureichende Beleglage hin. Aufmerksame Beobachtung kann Unkenntnis jedoch in Neugier und Faszination verwandeln. Das Sammeln, besonders von Schmetterlingen, war zeitweise ein beliebtes Hobby. Heute eröffnet vor allem die Makrofotografie mit Digitalkameras vielen Menschen einen Zugang zur Welt der Insekten.

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