Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Indischer Monsun

Er erstreckt sich im Wesentlichen über den indischen Subkontinent, gehört jedoch auch zu einem größeren Verbundsystem von Monsunerscheinungen im Raum des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Besonderheiten
  2. 2. Entstehung und großräumige Zirkulation
  3. 3. Regen- und Trockenzeit
  4. 4. Schwankungen, Klimawandel und El Niño
  5. 5. Bedeutung für Kultur und Wasserversorgung
  6. 6. Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft

Grundprinzip und Besonderheiten

Der indische Monsun ist der größte Monsun der Welt und wird deshalb häufig einfach „der Monsun“ genannt. Er prägt vor allem den indischen Subkontinent, ist aber Teil eines größeren Monsunsystems über dem Indischen Ozean. Dessen Ausläufer reichen bis nach Süd- und Südostasien, Nordaustralien sowie Ostafrika.

Kennzeichnend ist der starke Gegensatz zwischen dem feuchten Sommermonsun und dem trockenen Wintermonsun. Im Sommer wirkt nördlich des nördlichen Wendekreises ein Hitzetief. Die Innertropische Konvergenzzone (ITC), also die Zone, in der bodennahe Luftströmungen zusammentreffen und aufsteigen, verlagert sich dabei bis auf 30° nördlicher Breite. Im Winter führen trockene Winde vom Festland zu einer ausgeprägten Trockenzeit und möglicherweise zu Dürren.

Wegen der großen Landfläche und besonders der tibetischen Hochebene reicht die Wirkung dieses Monsuns ungewöhnlich hoch in die Troposphäre, die unterste Schicht der Atmosphäre. Über Tibet kehrt sich der meridionale Temperaturgradient, also der Temperaturunterschied in Nord-Süd-Richtung, weit nach oben um. Auch die Windrichtungen wechseln jahreszeitlich bis über die 700-hPa-Isobare hinaus. Eine Isobare verbindet Orte gleichen Luftdrucks.

Damit unterscheidet sich der indische Monsun vom nordamerikanischen und westafrikanischen Monsun. In Indien bildet sich eine hochreichende Schicht feuchter Luft. Durch Advektion, also die horizontale Heranführung von Luftmassen, steigt die Luft auf und kühlt sich adiabatisch ab, das heißt ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung. Dadurch entstehen besonders starke Monsunregenfälle.

Entstehung und großräumige Zirkulation

Der Jahresgang entsteht durch das Zusammenspiel großräumiger Temperatur- und Druckverhältnisse, atmosphärischer Zirkulationsstrukturen und der Geländeformen. Himalaya und tibetische Hochebene sind dabei von zentraler Bedeutung.

Während des Wintermonsuns teilt sich der Jetstream, ein schmales Band sehr schneller Höhenwinde, am Pamirknoten in einen Nord- und einen Südoststrom. Der Südoststrom liegt beständig am Abfall des Himalayas und trägt zur Bildung eines stabilen Hochdruckgebiets über Nord-Zentralindien bei. Wo die beiden Höhenströmungen im Lee, also auf der windabgewandten Seite des Gebirges, zusammenlaufen, besteht eine zyklogenetische Tendenz zur Entstehung von Tiefdruckgebieten. Dies wirkt sich klimatisch bis nach Südjapan und China aus.

Im Sommer blockiert ein Höhenhoch über Tibet zunächst den südlichen Ast des Jetstreams. Dieser springt daraufhin zum nördlichen Jetstream am Kunlun Shan über. Die große, hoch gelegene, abgeschirmte und trockene tibetische Hochebene erwärmt die darüberliegende Luft besonders stark. Dadurch entsteht am Boden ein stabiles thermisches Tiefdruckgebiet.

Dieses Bodentief verstärkt die Luftströmung zum Kontinent. Die Luft am Fuß des Himalayas wird weniger stabil, während das winterliche Subtropenhoch über Indien verschwindet. Nach dem Ende des Wintermonsuns kann der Sommermonsun deshalb ungehindert eindringen; dieser plötzliche Beginn wird als „burst of monsoon“ bezeichnet. Das Tibet-Hoch und die Temperaturunterschiede erzeugen außerdem ein starkes Druckgefälle und eine östliche Höhenströmung, den Tropical Easterly Jet. Dessen Einfluss reicht bis in die Sahara, sodass der indische Monsun auch das globale Klima beeinflusst.

Regen- und Trockenzeit

Der Sommermonsun ist ein Südwestwind. Wenn die ITC auf der Nordhalbkugel liegt, überquert der Südostpassat den geografischen Äquator. Wegen der veränderten Wirkung der Corioliskraft wird er dabei zu einem Südwestwind umgelenkt. Der Sommermonsun setzt im Juni/Juli von Südwesten her ein und dauert bis September/Oktober.

Die feuchten ozeanischen Luftmassen erreichen zuerst die Westghats. Dort entsteht eine labile Schichtung der Atmosphäre, aus der anhaltender Monsunregen hervorgeht. Weil die hohen Niederschläge mehrere Monate dauern, heißt dieser Zeitraum Regenzeit. An Gebirgen wird die Luft zum Aufsteigen gezwungen; solcher Steigungsregen kann stellenweise mehr als 10.000 mm Jahresniederschlag bringen.

In der Region Cherrapunji beträgt der durchschnittliche Jahresgesamtniederschlag etwa 9000 mm. Dort wurde auch der globale Einzeljahresrekord von 26.461 mm registriert. Mawsynram im Bundesstaat Meghalaya besitzt mit 11.872 mm den weltweit höchsten gemittelten Jahresniederschlag. Ein großer Teil dieses Wassers fließt oberirdisch ab und verursacht in Bangladesch regelmäßig Flutkatastrophen.

Der Wintermonsun entspricht dem Nordostpassat. Er bringt kalte und trockene Luft aus dem Kältehoch über Sibirien. Er beginnt im September/Oktober und hält bis Juni/Juli an. Dieser niederschlagsarme Zeitraum wird Trockenzeit genannt. Nach einem schwachen Sommermonsun kann er sich zu einer Dürre ausweiten; in der Vergangenheit führte dies häufig zu großen Hungersnöten.

Die Ausbreitung und der Rückzug der Monsunfront lassen sich nicht für jedes Jahr tagesgenau festlegen. Die Front bewegt sich dynamisch und schwankt. Zeitangaben sind daher nur grobe Richtwerte. Als praktische Anzeichen für Beginn und Ende gelten das Auftreten beziehungsweise Verschwinden des Monsunregens.

Schwankungen, Klimawandel und El Niño

Insgesamt ist der indische Monsun eine verlässliche Klimaerscheinung, deren Verlauf zwischen einzelnen Jahren vergleichsweise wenig schwankt. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 852 mm bei einer Standardabweichung von 84 mm. Wetterbeobachtungen und daraus abgeleitete Trendanalysen deuten jedoch mittelfristig auf zunehmende Monsunniederschläge in Indien hin. Damit steigt die Gefahr von Überschwemmungen, deren Häufigkeit und Stärke bereits nachweisbar zunehmen. Als Ursache wird eine Kopplung an die globale Durchschnittstemperatur und damit an die globale Erwärmung angenommen.

Der Monsun steht außerdem in Wechselwirkung mit ENSO, einem gekoppelten System von Veränderungen in Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik, zu dem El Niño gehört. Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur im östlichen Pazifik wirken bis in den Indischen Ozean. Gilbert Walker, Leiter eines Observatoriums der britischen Kolonialverwaltung in Indien, verband den Southern Oscillation Index früh mit dem Ausbleiben oder der Abschwächung des indischen Sommermonsuns. Dieser Index beschreibt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von El Niño.

El Niño und Monsun beeinflussen sich, doch eine einfache direkte Beziehung erklärt den Monsun nicht vollständig. So brachte das Jahr 1997 trotz eines starken El Niño „normale“ Monsunregenfälle. Wichtig ist auch, wie stark sich die Luft über der tibetischen Hochebene erwärmt. Dies hängt unter anderem von ihrer Albedo, also dem Anteil des zurückgeworfenen Sonnenlichts, sowie von Ausdehnung und Höhe der Schneedecke ab. In den letzten Jahrzehnten hat der Einfluss von El Niño auf den indischen Monsun insgesamt abgenommen. Warum dies geschieht und ob die Veränderung dauerhaft ist, gilt als weitgehend ungeklärt.

Bedeutung für Kultur und Wasserversorgung

Die Monsunwinde förderten den Kulturaustausch im Raum des Indischen Ozeans. Besonders deutlich zeigt sich die kulturgeschichtliche Bedeutung des Monsuns an der Indus-Kultur. Schwankende Regenfälle machten eine zuverlässige Speicherung, Verteilung und Ableitung von Wasser notwendig.

Zwischen 3500 und 1500 v. Chr. erreichte der Wasserbau der Indus-Kultur ein Niveau, das die römische Hochkultur erst Jahrtausende später erreichte. In einigen Bereichen übertraf die Indus-Kultur dieses Niveau sogar; in vielen Regionen Indiens wurde es bis heute nicht wieder erreicht. Zu ihren Einrichtungen gehörten Bäder, Spültoiletten, Brunnen, Leitungs- und Kanalsysteme bis zu den Wohnhäusern sowie eine ausgereifte Kanalisation.

Die archäologischen Funde erlauben keine völlig sicheren Aussagen. Viele Hinweise sprechen jedoch für eine ausgeprägte Rückhaltewirtschaft, bei der Wasser gesammelt und gespeichert wurde. Sie könnte die Versorgung während der trockenen Wintermonate gesichert und damit eine wichtige Voraussetzung für eine stabile Hochkultur geschaffen haben. Ein solches System verlangte umfangreiches wasserbauliches Wissen und möglicherweise eine für dessen Anwendung und Bewahrung zuständige „Wasserelite“.

Die Notwendigkeit, trotz stark wechselnder Niederschläge eine ertragreiche Landwirtschaft zu betreiben, könnte den entscheidenden Anstoß für diesen Wasserbau und die damit verbundene „Wasserkultur“ gegeben haben. Das grundlegende Verhältnis zwischen Monsun, Landwirtschaft und menschlicher Gesellschaft ist bis heute von ähnlichen Abhängigkeiten geprägt.

Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft

Indien ist noch mehrheitlich ein Agrarland. Deshalb sind die Monsunniederschläge für Landwirtschaft, Wasser- und Lebensmittelversorgung lebenswichtig. Zugleich bedrohen extreme Regenfälle Städte und ländliche Gebiete. Waldrodungen erhöhen die Anfälligkeit für Bodenerosion und Überschwemmungen. Zusammen mit dem schnellen Bevölkerungswachstum und einem zunehmend instabilen Klima im Zuge der globalen Erwärmung entsteht daraus ein erhebliches Krisenpotenzial.

Ein zu schwacher oder ausbleibender Monsun hätte schwere Folgen: Felder müssten bewässert werden, Dürren könnten entstehen und bis zu 95 Prozent der Ernte ausfallen. Ein besonders starker Monsun verursacht dagegen Überschwemmungen, Unwetter, Obdachlosigkeit und Todesfälle. In der Monsunsaison 2005 starben etwa 1300 Menschen durch Fluten und Unwetter. 2006 waren bis zum 31. Juli bereits 480 Todesopfer zu verzeichnen.

Im Jahr 2007 verloren durch außergewöhnlich heftige Monsunfolgen etwa 21 Millionen Menschen in Indien, Nepal und Bangladesch ihr Obdach. Allein in Bihar, Uttar Pradesh und Assam starben bis Anfang August mehr als 120 Menschen. Nach wochenlangem Regen wurden Ende August 2008 in Bihar über 1,2 Millionen Menschen obdachlos; mehrere Hundert starben.

Der Verlauf des Monsuns beeinflusst neben der unmittelbaren Sicherheit der Bevölkerung auch die gesamte Wirtschaft. Besonders stark hängen die landwirtschaftlichen Erträge und der Tourismus von der jeweiligen Monsunsaison ab. Der Monsun ist somit zugleich lebensnotwendige Wasserquelle und eine bedeutende Naturgefahr.

Lernvideos zu Indischer Monsun

Weiterlesen

Monsun Der Monsun (von arabisch موسم mausim ‚Jahreszeit') ist eine großräumige Luftzirkulation der unteren Troposphäre, welche im Gebiet der Tropen und Subtropen … Indischer Ozean Der Indische Ozean liegt zum größten Teil auf der Südhalbkugel. Er grenzt an die Kontinente Afrika, Asien und Australien sowie an den Atlantischen Ozean … Australien Australien (amtlicher deutscher Name; englisch Commonwealth of Australia, deutsch veraltet Australischer Bund) ist ein Staat auf der Südhalbkugel der Erde, … Innertropische Konvergenzzone Sie ist durch Konvektionserscheinungen und durch eine – in der Regel – starke Quellbewölkung gekennzeichnet. Das bedeutet, dass die generelle Windstille in … Troposphäre In der Troposphäre sind etwa 90 Prozent der gesamten Luft sowie beinahe der gesamte Wasserdampf der Erdatmosphäre enthalten. Da sich in ihr der Großteil des … Wetterkarte Eine Wetterkarte im allgemeinen Sinn ist eine Landkarte, die die Wetterverhältnisse über ein geografisches Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt visuell … Globale Erwärmung Nach Abschätzung des IPCC sind 1,07 °C der 1,09 °C Erwärmung der Erdoberfläche zwischen 1850 und 1900 sowie zwischen 2011 und 2020 auf menschliche Aktivitäten … Bodenerosion Anhaltende Bodenerosion hat zunächst eine Verschlechterung der Qualität des Bodens (Bodendegradation) zur Folge. Seit 1945 summiert sich die von … Luv und Lee Luv [lu:f] und Lee [ le:] benennen die Seiten eines Objekts in Bezug zum Wind. Dabei ist Luv die dem Wind zugewandte und Lee die vom Wind abgewandte Seite. Jetstream Die warmen Luftmassen werden auf ihrem Weg zum Nordpol durch die Erdrotation abgelenkt, wobei sie ihre hohe Bahngeschwindigkeit beibehalten. Allgemeiner … Pamir (Gebirge) Der Pamir ist ein Hochgebirge in Zentralasien, das zum innerkontinentalen Gebirgssystem Hochasien gehört und zum Teil als Dach der Welt bezeichnet wird. Japan Japan ist zu großen Teilen (68,4 %) von Bergwäldern bedeckt. · Japan hat neun Ökoregionen, die das Klima und die Geographie der Inseln widerspiegeln. Sie reichen …