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Der Monsun - Entstehung und Merkmale

13 Grad Ost16:09 3.287 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Willkommen auf meinem Kanal. Schön, dass du wieder mit vorbeischaust. Vielleicht hast du ja meine beiden Videos zum Thema Passatzirkulation gesehen. Wenn du das hast,
  2. dann kennst du dich mit der tropischen Zirkulation vielleicht auch schon ein Stück weit aus und dann weißt du auch, dass es innerhalb der tropischen Zirkulation Besonderheiten gibt,
  3. z.B. den Monsun. Und genau den wollen wir uns heute mal anschauen. Wir klären mal, ab wann ein tropischer Wind überhaupt zum Monsun wird und wir schauen uns mal
  4. das Standardbeispiel mit Südostasien und Indien an. Und ich zeig dir mal, wie diese typischen Wettererscheinungen im Sommer und Wintermonsunen zustande kommen. Auf geht's.
  5. Der Hauptantrieb für die Passatzirkulation ist ja das Druckgefälle am Erdboden zwischen den Hochdruckgebieten der Randtropen und der sogenannten innertropischen Konvergenz. Und genau
  6. das trifft auch auf den Monsun zu. Der Begriff Monsun stammt vom arabischen Wort Mausim ab, was so viel wie Jahreszeit bedeutet und damit ist auch bereits die Haupteigenschaft des Monsuns
  7. genannt. Es ist ein Wind, der jahreszeitlich seine Richtung ändert. Im Bereich Südostasiens wird der Begriff Monsun aber auch als genereller Begriff für das dortige Wettergeschehen verwendet.
  8. Dort ist der Monsun so stark ausgeprägt, dass er das Leben der Menschen stärker beeinflusst als irgendwo anders auf der Erde. Dort sorgt er nämlich für eine ausgeprägte
  9. Regen und Trockenzeit. Warum das so ist, klären wir gleich. Schauen wir erstmal auf diese Karte hier. Die zeigt dir mal die Gebiete, in denen man vom Monsun spricht. Du siehst, der Monsun
  10. tritt ausschließlich in den Tropen auf. Ist ja auch klar, er gehört ja zur Passatzirkulation. Und du siehst auch, dass die größten Gebiete mit dem Vorkommen von Monsunen in Südostasien liegen.
  11. Auch bei uns gibt es natürlich veränderliche Winde, aber deswegen sprechen wir hier bei uns noch lange nicht von Monsun, denn die Änderung der Windrichtung bei Monsun ist so charakteristisch,
  12. dass man sogar einen Wert definiert hat, ab welchem eine jahreszeitlich veränderliche Windrichtung als Monsun gilt. Man spricht vom sogenannten Monsunwinkel und dieser
  13. beträgt 120°. Das heißt, die vorherrschenden Windrichtungen im Januar und Juli müssen auf einer Windrose mindestens 120° auseinander liegen, dann ist es ein Monsun und dazu
  14. können wir uns mal diese Abbildung hier anschauen. Die stammt übrigens aus Indien. Das wirft natürlich die Frage auf, wie diese Windrichtungen überhaupt zustande kommen und
  15. warum sie sich im Jahresverlauf derart markant ändern. Noch mal ganz kurz zur Erinnerung. Winde in den Tropen wehen immer von den randtropischen Hochdruckgebieten in Richtung der ITC. Die ITC
  16. stellt ihrerseits den Bereich der stärksten Erwärmung dar. Normalerweise ergibt sich dadurch ein Wind, der von den Randtropen Richtung Äquator weht. Durch den Einfluss der Corioliskraft werden
  17. daraus der Nordost- und der Südostpassat. Und damit können wir zumindest schon mal eine der beiden Windrichtungen erklären, und zwar die Windrichtungen im jeweiligen Winterhalbjahr.
  18. Während der Sommer oder Wintersonnenwende verschiebt sich die ITC vom Äquator weg in Richtung der Wendekreise und damit strömen auch die Winde aus den randtropischen Hochdruckgebieten
  19. zunächst als normaler Passatwind in Richtung des Äquators. Beim Überqueren des Äquators wirkt die Coriolis-Kraft jedoch in die andere Richtung, sodass auch die Winde ihre Richtung ändern,
  20. sobald sie den Äquator überquert haben. Und ab jetzt bezeichnet man diese Winde als Monsun. Überquert der Nordostpassat den Äquator Richtung Süden, wird er zum Nordwestmonsun und überquert
  21. der Südostpassat den Äquator Richtung Norden, dann wird er zum Südwestmonsun. Über dem Meer verlagert sich die ITC nur wenig. Das liegt daran, dass die Meerestemperaturen nicht so stark schwanken wie
  22. die Temperaturen auf den Festländern. Damit bleibt die ITC immer noch in relativer Nähe zum Äquator und damit werden auch die Monsunwinde über den Ozeanen kaum sichtbar. Das hast du auch in dieser
  23. Karte hier gesehen, auf der die Monsune auch überwiegend auf den Festländern eingetragen sind. Kommen wir mal in den Bereich Südostasiens. Hier ist der Monsun besonders stark ausgeprägt und das
  24. liegt daran, dass der nördliche Wendekreis, der zu Sommerbeginn auf der Nordhalbkugel ja die meiste Sonneneinstrahlung abbekommt, hier in Meeresnähe oder direkt über das
  25. Meer verläuft. Damit wird es dort nicht so warm, wie auf den riesigen Landmassen nördlich davon. Das heißt, die ITC verläuft hier deutlich nördlich des Wendekreises und da dies der
  26. Bereich der stärksten Erwärmung ist, wird der Wind vom indischen Ozean in diese Gebiete hineinwehen. Wenn wir den Weg des Windes verfolgen, dann sehen wir, dass dieser hier infolge seiner
  27. Ablenkung extrem lange Wege über tropische Meere zurücklegt. Erst weht dieser Wind als normaler Südostpassat in Richtung des Äquators, dann ändert er seine Richtung und wird zum Südwestmonsun.
  28. Und auch hier legt er noch mal weite Strecken über den indischen Ozean zurück. Durch diesen Zickzackkurs hat die warme Luft besonders viel Zeit, Wasserdampf aus dem warmen Indischen
  29. Ozean aufzunehmen. Diese Konstellation ist hier besonders stark ausgeprägt, weshalb man mit dem Begriff Monsun häufig auch das Wettergeschehen in Südostasien und Indien in Verbindung bringt. Das
  30. Besondere an Südostasien und vor allem Indien ist auch, dass der Monsun hier eine deutlich ausgeprägte Regen- und Trockenzeit hervorbringt. Die Regenzeit im Sommer lässt sich auch relativ
  31. gut erklären. Wie schon gesagt, nimmt der Wind bei seinem Weg über den indischen Ozean sehr viel Feuchtigkeit auf. Und sobald dieser Wind die Küsten Indiens erreicht, kommt es vor allem
  32. an den Westghats zu intensivem Steigungsregen. Die Westghats sind ein Gebirgszug mit teilweise 2000 m Höhe, mitunter sogar noch mehr. Und wenn der Wind an diesem Gebirge aufgleitet,
  33. kommt es zum Staueffekt. Weht der Monsunwind dann weiter über das Hochland von Dekkan, das heißt also über Zentralindien, kommt es infolge der starken Erwärmung der Landmasse zum Aufstieg
  34. der Luftmassen und damit auch zu den typischen Konvektiosniederschlägen. Letztlich strömt diese Luft noch gegen den Himalaya-Hauptkamm. Auch hier kommt es noch mal zum Steigungsregen. In
  35. der aufsteigenden Luft kondensieren noch mal große Mengen an Wasserdampf, bilden Wolken und regnen sich ab. Die Niederschlagsmengen am Rand des Himalayas sind dabei in etwa vergleichbar
  36. mit denen an den Westghats. Zum Teil ist das sogar weniger, da die feuchte Luft ja bereits über den Westghats und auch über dem Hochland von Dekkan viel Wasser verloren hat. Es gibt aber eine
  37. gern zitierte Ausnahme, und zwar ist das der Ort Cherrapunji. Dieser liegt eingekesselt zwischen dem Himalaya und dem Patkaigebirge. Hier steigt die Luft nicht nur auf, sondern da sich diese
  38. breite Senke, in der auch der Bhramaputra fließt, nach Norden hin zusätzlich verengt, wird die Luft hier faktisch wie ein Schwamm ausgequetscht. Die Region um den Ort Cherrapunji gilt als
  39. eine der regenreichsten Regionen der Erde. Hier können im Jahr mehr als 10.000 mm Niederschlag zusammenkommen. Fällt der Monsun heftiger aus, dann sind das auch mal schnell 26.000 mm. Also 26
  40. m Niederschlag pro Quadratmeter versteht sich. Zum Vergleich in Deutschland liegen die Jahressummen der Niederschläge normalerweise bei unter 1000 mm. Rekordhalter sind hier die Alpen. Dort können
  41. schon mal mehr als 2000 mm Niederschlag pro Jahr fallen. Auch wenn das sicherlich ein extremes Beispiel ist, siehst du doch, dass die Situation im Sommer in den Gebieten Indien und Südostasiens
  42. immer die gleiche ist. Der sogenannte Sommermonsun bringt den Regen. Es ist also die Regenzeit. Während des Winterhalbjahrs bleibt es dagegen ausgesprochen trocken. Auch dieser Effekt ist hier
  43. stärker ausgeprägt als anderswo auf der Erde. Die Zeit der Trockenheit wird hier in diesem Gebiet auch als Wintermonsun bezeichnet. Aber wie kommt es eigentlich zu dieser Trockenheit? Der Grund
  44. dafür ist ein Zusammenspiel von meteorologischen und reliefbedingten Besonderheiten in dieser Region. Im Winterhalbjahr kühlt das Hochland von Tibet sehr stark aus. In der Folge bildet
  45. sich dort ein kräftiges Hochdruckgebiet. Die ITC als Gegenspieler liegt hier einige 100 km südlich des Äquators. Der Wind strömt nun also aus diesem Hoch in Zentralasien in Richtung der ITC.
  46. Das Hochland von Tibet ist aber sehr trocken. Das liegt zum einen daran, dass ins Hochland von Tibet ja kaum Niederschläge kommen. Zur Erinnerung, die Monsunniederschläge erreichen das Hochland
  47. von Tibet ja kaum noch, da der größte Teil des Niederschlags bereits am Himalaya-Hauptkamm und davor im Hochland von Dekkan und davor an den Westghats abgeregnet ist. Zudem ist die Luft im
  48. Winter im Hochland von Tibet so kalt, dass sie ohnehin nur wenig Wasserdampf aufnehmen kann. Strömt diese Luft nun wieder über den Himalaya-Hauptkamm in Richtung
  49. Hochland von Dekkan, kommt es zusätzlich zu einer trockenadiabatischen Erwärmung dieser Luftmasse. Wenn du mit dem Begriff adiabatisch jetzt gerade mal nichts anfangen kannst,
  50. dann schau doch gern mal in meine Videos zum Thema Wolkenbildung und Föhn. Dort habe ich erklärt, wie aufsteigende oder absinkende Luftmassen ihre physikalischen Eigenschaften verändern. Zurück zu
  51. unserem Monsun. Vereinfacht gesagt bedeutet diese Zustandsänderung, dass die Luft beim Absinken über den Himalaya-Hauptkamm wärmer wird und zusätzlich weiter austrocknet. Und das führt auch dazu,
  52. dass die Luft im Bereich Südostasiens besonders trocken ist und der Wintermonsun nicht nur wenig Niederschläge mit sich bringt, sondern großflächig überhaupt keine Niederschläge. Ausnahmen sind hier
  53. die Insel Sri Lanka und auch einige Gebiete an der Ostküste Indiens. Hier weht der Nordostpassat teilweise über den Golf von Bengalen und kann dort etwas Feuchtigkeit aufnehmen. Somit gibt es
  54. auch im Winterhalbjahr in diesen Regionen einige Niederschläge. Es wird auch häufig diskutiert, ob der Wintermonsun nun warm oder kalt ist und ich glaube, das ist eher so eine
  55. subjektive Sache. Und ich gehe dazu mal auf die Seite climatecharts.net. Das ist die Seite, von der ich auch die ganzen anderen Klimadiagramme hier schon habe. Und ich habe mir mal für Indien
  56. zwei Stationen rausgesucht. Und zwar ist das zum einen Mumbai oder Bombay, wie es ja früher hieß. Und dann siehst du ja auch, dass die Temperaturen zwischen Sommer und Winter nicht sehr stark
  57. schwanken. Wir haben hier den kältesten Monat mit dem Januar, da sind es aber immer noch 24°. Das ist wärmer als die Sommertemperatur in allen Orten in Deutschland und die wärmsten Monate hier liegen
  58. bei 30°. Also ich glaube, die Menschen in Mumbai oder Bombay würden den Wintermonsun eher nicht als kalt empfinden. Das kann in Neu-Delhi, was ein Stück weiter nördlich liegt, schon mal ganz anders
  59. aussehen. Hier liegen die Wintertemperaturen im Januar bei nur noch 13,7° C. Der wärmste Monat hier ist der Juni mit 33,2°C. Und ich glaube, wenn man Temperaturen wie diese hier im Juni gewöhnt
  60. ist, dann empfindet man den Januar möglicherweise als kalt. Von daher möchte ich mich nicht wirklich festlegen, ob der Wintermonsun nun warm oder kalt ist. Ich denke, richtig objektive Aussagen
  61. dazu kann man einfach nicht machen. Letzter Punkt. Wie gehen Mensch und Natur eigentlich mit dieser Situation um? Die Natur hat sich mit entsprechender Vegetation an diesen drastischen
  62. Wechsel zwischen Regen und Trockenzeit angepasst. So haben sich hier Savannen und Monsunwälder als natürliche Vegetation durchgesetzt. Für den Menschen bietet diese Region durchaus Chancen für
  63. die Landwirtschaft aufgrund der recht warmen und feuchten Sommer. Auch Pflanzen, die Trockenphasen benötigen oder zumindest tolerieren, wie z.B. wie die Baumwolle lassen sich hier gut anbauen. Die
  64. Trockenheit im Winter stellt die Menschen jedoch vor größere Herausforderungen. Die Speicherung von Wasser oder der Wassertransport von den ständig wasserführenden Flüssen wie Ganges oder
  65. Bhramaputra helfen den Menschen aber mit dem Wassermangel im Winterhalbjahr klarzukommen. Dennoch besteht natürlich die Gefahr von Dürren während des Wintermonsuns auch der Sommermonsun
  66. bringt Gefahren. Typisch sind hier natürlich Überschwemmungen. wie z.B. auch im letzten Jahr, als der Monsun wieder einmal etwas heftiger ausfiel. Verstärkt werden diese
  67. Überschwemmungskatastrophen durch eine immer intensivere Landwirtschaft und eine ständig wachsende Siedlungsfläche. Ursache für beides ist die relativ schnell wachsende Bevölkerung. Die
  68. Umgestaltung der Natur und die Versiegelung der Fläche durch ständig wachsende Städte führt dazu, dass das Wasser nicht mehr zurückgehalten werden kann. Es kann nicht einsickern und
  69. fließt somit oberflächlich ab. Und dadurch werden die jährlichen Monsunniederschläge auch zunehmend zur Gefahr für die Menschen in den betroffenen Regionen. Hinzu kommt noch,
  70. dass der Klimawandel den Monsun verändert. Regen- und Trockenzeiten werden unregelmäßiger und wir schauen uns das hier mal an dem Beispiel Ahmadbad an. Und da sehen wir z.B., dass für den Juli 2017
  71. hier 821 mm Niederschlag gemessen wurden. 2 Jahre später 2019 waren es im gleichen Monat dagegen nur 95. Auch wenn die Menschen, die in dieser Region leben, sich an den Monsun angepasst
  72. haben und ihr Leben darauf ausgerichtet haben, bleibt der permanente Wechsel von Regen- und Trockenzeit dennoch eine Herausforderung. Fassen wir abschließend noch mal die wichtigsten Punkte
  73. zusammen. Der Monsun stellt eine Sonderform der Passatzirkulation da. Genau genommen ist es ein Passatwind, der beim Überqueren des Äquators seine Richtung ändert. In Indien und
  74. Südostasien gilt der Begriff Monsun auch quasi als Synonym für Jahreszeit. Man unterscheidet dort den Sommer- und den Wintermonsun. Der Wintermonsun entspricht dabei dem Nordostpassat,
  75. der hier gelegentlich auch Nordostmonsun genannt wird. Das Besondere an Indien und Südostasien ist die deutlich ausgeprägte Regenzeit im Sommer und die Trockenzeit im Winter. Die starken Regenfälle
  76. im Sommer lassen sich damit erklären, dass die ITC hier deutlich nördlich des Wendekreises liegt. Die Winde vom Indischen Ozean legen somit sehr lange Wege über warme Meere zurück und können sehr
  77. viel Wasserdampf aufnehmen. An den Gebirgen wie den Westghats und dem Himalaya kommt es somit zu Steigungsregen und über dem Hochland von Dekkan zu Konvektionsniederschlägen. Während der Trockenzeit
  78. im Winter liegt die ITC südlich des Äquators. Ein kräftiges Hoch liegt über dem Hochland von Tibet. Von da aus strömt kalte und trockne Luft in Richtung des Hochlandes von Dekkan. Dabei erwärmt
  79. sich die Luft trockenadiabatisch. Diese Erwärmung sorgt zusätzlich für die Austrocknung der Winde. So viel von mir zum Thema Monsun. Ich hoffe, das Video hat ein wenig Licht ins
  80. geographische Dunkel gebracht. Wenn noch Fragen offen sind, hinterlass mir gerne einen Kommentar. Lass auch gerne ein Like da und ein Abo, wenn du es nicht schon hast.
  81. Und dann würde ich mich freuen, wenn wir uns im nächsten Video wiederhören und sehen. Bis dahin.

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