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Ich räume auf

Ich räume auf ist ein deutscher Filmessay aus dem Jahr 1979, der auf der gleichnamigen Streitschrift der expressionistischen Dichterin Else Lasker-Schüler …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grunddaten und Thema
  2. 2. Konflikt mit den Verlegern
  3. 3. Armut, Protest und Ziel
  4. 4. Titel und Vorlage
  5. 5. Darsteller und Kritik

Grunddaten und Thema

Ich räume auf ist ein deutscher Filmessay von Georg Brintrup aus dem Jahr 1979. Der Film ist 60 Minuten lang, wurde auf Deutsch produziert und entstand in Deutschland. Regie und Drehbuch stammen von Georg Brintrup; die Produktion übernahmen Hartmut Bitomsky, Christhardt Burgmann und der Westdeutsche Rundfunk Köln. Die Kamera führte Ali Reza Movahed, der Schnitt stammt von Carlo Carlotto. Die Musik verbindet Arnold Schönberg mit klassischer arabischer Musik.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Streitschrift der expressionistischen Dichterin Else Lasker-Schüler. Eine Streitschrift ist ein kämpferischer Text, in dem jemand öffentlich Anklage erhebt oder eine starke Meinung vertritt. Im Mittelpunkt steht Lasker-Schülers Vorwurf, dass ihre Verleger sie ausbeuten, während sie selbst in großer Armut lebt.

Konflikt mit den Verlegern

Die Handlung spielt Anfang der Zwanziger Jahre. Die jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler fühlt sich von Gerechtigkeit getrieben und greift ihre Verleger an, ohne Rücksicht darauf, dass einige ihrer Werke noch ungedruckt sind. Sie glaubt, auf schändliche Weise ausgebeutet zu werden.

Eine wichtige gedankliche Grundlage ist Karl Marx’ Theorie vom Mehrwert. Mehrwert meint hier den Gewinn, den ein Kapitalist aus der Arbeit anderer zieht. Im Film wird Marx mit dem Satz zitiert: „Ein Schriftsteller ist ein produktiver Arbeiter, nicht insofern er Ideen produziert, sondern insofern er den Buchhändler bereichert, der den Verlag seiner Schriften betreibt, oder sofern er der Lohnarbeiter eines Kapitalisten ist.“ Damit wird Literatur als Arbeit gezeigt, an der vor allem Verleger verdienen können.

Besonders legt sich Else Lasker-Schüler mit drei Männern an: ihrem Hauptverleger Paul Cassirer, dem Kunsthändler Alfred Flechtheim und dem Verleger Kurt Wolff. Sie begegnet ihnen in Büros, im privaten Umfeld oder im Romanischen Café in Berlin. Alle drei wurden vor dem Ersten Weltkrieg zu Millionären und sollen sich nach ihrer Ansicht an ihrem „innerlichsten Besitz“ bereichert haben.

Armut, Protest und Ziel

Else Lasker-Schüler selbst lebt im Film in großer Armut. Sie ist so mittellos, dass sie ihre eigenen Bücher vom Ladentisch rauben muss. Außerdem haust sie in dunklen Kellerräumen und deckt sich nachts mit Bettvorlegern zu, um nicht zu frieren. Sogar an Selbstmord in der Spree denkt sie. Sie verwirft diesen Gedanken aber, weil ihr Tod ihren Verlegern ihrer Meinung nach nur als wirkungsvolle Reklame nützen würde.

Stattdessen will sie Dichter und Schriftsteller dazu bringen, sich wie Arbeiter zu organisieren. Ihr Gedanke ist: Die Dichtung aller Dichter kann unmöglich nur einem „Geldmenschen“ gehören, sondern gehört der ganzen Menschheit. Um andere für dieses Ziel zu gewinnen, zieht sie mit ihrer Streitschrift durch Städte und liest sie öffentlich vor.

Titel und Vorlage

Der Filmtitel Ich räume auf übernimmt den Titel von Else Lasker-Schülers Anklageschrift Ich räume auf! Meine Anklage gegen meine Verleger. Diese Broschüre erschien 1925 bei Lago in Zürich.

Der Titel fasst den kämpferischen Kern des Films zusammen: Lasker-Schüler will mit den Verhältnissen zwischen Dichtern, Kunst, Geld und Verlagen abrechnen.

Darsteller und Kritik

Else Lasker-Schüler wird von Gisela Stein gespielt. Weitere Rollen übernehmen Frank Burkner als Paul Cassirer, Hanns Zischler als Alfred Flechtheim, Ulrich Gregor als Kurt Wolff, Hans Christoph Buch als Franz Werfel und Harun Farocki als Freund von Flechtheim.

Monika M. Hielscher beschrieb den Film 1980 in der Zeitschrift Medium als eng an Else Lasker-Schülers Klage gegen ihre Verleger orientiert. Sie hob hervor, dass Filmbilder und Schriftsprache behutsam und genau verbunden würden. Der Film sei „sehr poetisch“ und thematisiere mit einer Geste von „heroischem Realismus“ die Ausbeutung und Korruption ästhetischer Produktion, also künstlerischer Arbeit.

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