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Ich Du Inklusion

Ich. Du. Inklusion. ist der Name eines Dokumentarfilms von Thomas Binn. Er wurde in der Gemeinde Uedem im Landkreis Kleve am Niederrhein gedreht und am 4.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Aufbau des Films
  2. 2. Beobachtete Probleme im inklusiven Unterricht
  3. 3. Zielsetzung und Hintergrund des Regisseurs
  4. 4. Rezeption und unterschiedliche Bewertungen

Gegenstand und Aufbau des Films

Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft ist ein deutscher Dokumentarfilm von Thomas Binn aus dem Jahr 2017. Er ist 90 Minuten lang, deutschsprachig und ab FSK 0 freigegeben. Der Film wurde in Uedem im Landkreis Kleve am Niederrhein gedreht. Hauptschauplatz ist die Geschwister-Devries-Schule, eine katholische, dreizügige Grundschule. Sie steht in Größe und Ausrichtung stellvertretend für viele Grundschulen in Deutschland; einige dargestellte Bedingungen sind jedoch Besonderheiten des nordrhein-westfälischen Schulsystems.

Der Film begleitet eine Grundschulklasse ab ihrer Einschulung zu Beginn des Schuljahres 2014/2015 zweieinhalb Jahre lang. In der Klasse lernen Kinder mit und ohne Unterstützungsbedarf gemeinsam. Bei manchen Kindern ist zunächst noch unklar, ob und welcher Förderbedarf vorliegt. Fünf Schüler werden auch außerhalb des Unterrichts beobachtet. Sie gehören zum ersten offiziellen Inklusionsjahrgang in Nordrhein-Westfalen, in dem alle Kinder die Chance erhalten, eine Regelschule zu besuchen.

Die Rahmenhandlung bildet die Aufführung einer Fabel durch die Klasse. Sie beruht auf einer Bearbeitung des Stücks Ich bin anders du auch von Daniel Kallauch. Die Fabel vermittelt, dass jeder Mensch anders ist und Tätigkeiten, die anderen leichtfallen, möglicherweise gar nicht oder nur schwer ausführen kann.

Beobachtete Probleme im inklusiven Unterricht

Der Film zeigt Kinder mit Konzentrationsproblemen, Lernschwächen oder einem Aufmerksamkeitsdefizit. Pädagogische Fachkräfte und ergänzend eingesetzte, nicht-professionelle „Integrationshelfer“ können diese Schwierigkeiten nur teilweise auffangen. Das ist besonders bemerkenswert, weil die Schule bis zum Schuljahr 2013/2014 fünfzehn Jahre lang als Projektschule für gemeinsamen Unterricht gute Erfolge erzielt hatte.

Ausführlich dargestellt wird der Werdegang von Matthis. Er lernte erst spät sprechen und erhält logopädische Behandlung, damit seine Umgebung besser versteht, was er sagen möchte. Da er kurz vor seinem sechsten Geburtstag eingeschult wurde, gehört er zu den jüngsten Kindern der Klasse. Seine Mutter entschied vor der Einschulung, dass er zielgleich unterrichtet werden soll. Zielgleicher Unterricht bedeutet hier, dass er nach denselben Lernzielen wie die übrigen Kinder unterrichtet wird. Die Mutter hoffte, Matthis könne seinen Entwicklungsrückstand im inklusiven Unterricht schnell aufholen.

Im Schulalltag zeigt sich jedoch, dass Matthis nicht nur Sprachförderung benötigt. Eine andere offizielle Einstufung als die eines Schülers mit Förderbedarf ausschließlich im Bereich Sprachentwicklung zu erreichen, ist schwierig. Deshalb erhält die Schule keine zusätzlichen Lehrerstunden für seine umfassendere Förderung. Dasselbe Problem betrifft weitere Kinder, bei denen sich ein zusätzlicher Förderbedarf erst später zeigt.

Eine Schlüsselszene zeigt Matthis zu Hause beim Versuch, eine in Zahlen angegebene Uhrzeit in das Zifferblatt einer analogen Uhr einzutragen. Auch mit Hilfe gelingt ihm die Aufgabe nicht, obwohl sie angeblich alle anderen Kinder der Klasse beherrschen. Seine liebevoll erscheinende Mutter fordert ihn auf, sich anzustrengen, weil man mit einer analogen Uhr umgehen müsse. Sie erklärt, sie selbst würde ohne Blick auf eine Analoguhr nicht zu spät zu einer Bauernversammlung kommen.

Auch die Klassenlehrerin und eine Förderschullehrerin werden bei ihrer Arbeit gezeigt. Ebenso wie die kooperativ dargestellten Eltern stoßen sie wiederholt an unzureichende Rahmenbedingungen. In den meisten Unterrichtsstunden ist die Klassenlehrerin neben dem Filmteam die einzige erwachsene Person im Klassenraum. Dadurch entsteht der Eindruck einer nicht akzeptablen Form von Inklusion. Kritisiert werden zu wenig und teilweise nicht ausreichend qualifiziertes Personal, fehlende notwendige Mittel sowie langsame und bürokratische Behörden.

Zielsetzung und Hintergrund des Regisseurs

Die Filmemacher wollen mit der Langzeitdokumentation auch Menschen erreichen, die das Thema Inklusion bisher nur von außen betrachten. Sie möchten Kindern und Lehrkräften Gehör verschaffen, die öffentliche Diskussion erweitern und die Politik zu Austausch, klaren Angeboten und produktiven Vorschlägen bewegen. Die Debatte darüber, wie gute schulische Inklusion gelingen kann, soll nicht länger im gesellschaftlichen Abseits stattfinden.

Thomas Binn betont gemeinsam mit Eltern des Kölner Vereins „mittendrin“, dass der Film nicht dazu führen solle, die berechtigte Forderung nach ausreichendem Personal in eine Forderung nach dem Stopp oder einer Verlangsamung der Inklusion umzuwandeln. In einem Interview erklärt Binn das Scheitern der Bemühungen in Uedem vor allem mit fehlenden Ressourcen und der mangelnden Bereitschaft der Politik, das notwendige Geld auszugeben. Dadurch werde eine grundsätzlich sehr gute Idee, die Inklusion, beschädigt.

Binn begann sein Berufsleben als Kachel- und Luftheizungsbauer. 2004 schloss er in den Niederlanden ein Studium als Diplom-Sozialpädagoge mit dem Schwerpunkt Audiovisuelle Medien ab. Seit 2003 arbeitete er als freier Autor, Filmemacher und Fotograf und engagierte sich wiederholt als „freier Pädagoge“ in Grundschulprojekten. Nach eigener Einschätzung konnte er die Langzeitdokumentation in der Uedemer Schule auch deshalb realisieren, weil er zuvor eng mit dem Schulleiter in einem Jungenprojekt an der Schule zusammengearbeitet hatte.

Rezeption und unterschiedliche Bewertungen

Der Film wurde am 4. Mai 2017 erstmals in 60 deutschen Kinos gezeigt und im Verlauf des Jahres in vielen weiteren Kinos aufgeführt. Die erste Fernsehausstrahlung erfolgte am 10. Februar 2018 beim Sender Phoenix. Für den Vertrieb unterstützte Mindjazz Pictures die Produktion; ursprünglich hatte Binn den Film einem Fernsehsender anbieten wollen. Über den Film berichteten unter anderem moviepilot.de, filmstarts.de, kino.de, cineplex.de, nordrhein-westfälische Tageszeitungen, Spiegel Online und berlin.de. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) veranstaltete im Umfeld der Premiere Diskussionsveranstaltungen.

Die Bewertungen konzentrieren sich auf die Frage, ob der Film die Schwierigkeiten der schulischen Inklusion zutreffend darstellt. Eine Rezensentin des Bremer Weserkuriers zeigte sich erschüttert und meinte, der Film hinterlasse den Eindruck, das System sei noch lange nicht ausgereift. Der Thüringer Lehrerverband bewertete Binns Darstellung als treffend und erklärte, die Bedingungen in Thüringen seien sogar noch schwieriger, weil Grundschullehrkräfte inklusiven Unterricht dort fast immer allein erteilen müssten.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen setzte einen anderen Schwerpunkt. Sie kritisierte, die wenigen sonderpädagogischen Stunden würden nicht hauptsächlich dadurch verursacht, dass immer mehr Schulen Inklusion umsetzten, sondern auch dadurch, dass Nordrhein-Westfalen und die meisten anderen Bundesländer gleichzeitig ein paralleles Sondersystem aufrechterhielten. Außerdem bewertete sie die im Film geäußerte Kritik der Erwachsenen als überzogen, da sich die Kinder „völlig normal“ verhielten.

Bernd Ahrbeck, emeritierter Professor für Rehabilitationswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin, beurteilte inklusiven Unterricht nach anderen Maßstäben. Er betonte, Schule müsse Kinder auf Anforderungen des Erwachsenenlebens vorbereiten: Lesen, Schreiben, Rechnen und angemessenes Verhalten. Eine zu starke Relativierung pädagogischer Ziele zugunsten beliebiger Vielfalt könne daher im Widerspruch zu diesen Anforderungen stehen.

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