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Hidalgo County (Texas)
Das Hidalgo County ist eine Verwaltungseinheit (County) im US-Bundesstaat Texas. Der Sitz der County-Verwaltung (County Seat) befindet sich in Edinburg.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Raum
Hidalgo County ist eine 1852 aus Teilen des Cameron County gebildete Verwaltungseinheit im Süden des US-Bundesstaates Texas. Verwaltungssitz ist Edinburg, die größte Stadt ist McAllen. Das County gehört landschaftlich, wirtschaftlich und sozial zum Rio Grande Valley und wird statistisch als McAllen–Edinburg–Mission, TX Metropolitan Statistical Area geführt. Es ist besonders durch Landwirtschaft und den Anbau von Zitrusfrüchten geprägt. 2020 lebten dort 870.781 Menschen; mehr als 90 % der Bevölkerung sind hispanischer Herkunft.
Das County grenzt im Süden am Rio Grande an Mexiko und liegt im Osten etwa 50 Kilometer vom Golf von Mexiko entfernt. Von insgesamt 4099 km² Fläche entfallen 33 km² auf Wasser. Benachbarte Countys sind Brooks, Kenedy, Willacy, Cameron und Starr. Die weitgehend ebene Landschaft liegt 12 bis 60 Meter über dem Meeresspiegel. Der Norden besteht überwiegend aus Prärie mit hellen, sandigen und teilweise von Kalkstein unterlagerten Böden, die sich besonders für Viehzucht eignen. Im stärker bewaldeten Süden am Rio Grande ermöglichen fruchtbare, rötlich-tonige Lehmböden intensiven Ackerbau. Zu den mineralischen Ressourcen zählen Kalk, Sand, Kies und Erdöl.
Der dicht besiedelte Süden umfasst unter anderem McAllen mit rund 132.000, Mission mit 78.000, Edinburg mit 77.000, Pharr mit 71.000, Weslaco mit 36.000 und Mercedes mit 16.000 Einwohnern. Hidalgo am Rio Grande ist mit 12.500 Einwohnern die älteste Ansiedlung. Im nördlichen Teil gibt es außer dem nicht inkorporierten Linn mit 860 Einwohnern keine geschlossenen Ortschaften.
Wichtige Verkehrswege sind die Ost-West-Verbindungen US-Highway 83 und US-Highway 107 sowie der Nord-Süd-Highway 281. Farm-to-Market Roads verbinden Farmen und Ranches mit den Marktstädten. Flughäfen sind der McAllen-Miller International Airport, der Valley International Airport im benachbarten Cameron County und der städtische South Texas International Airport in Edinburg.
Das Klima ist subtropisch und subhumid, also warm und mäßig feucht. Die durchschnittlichen Temperaturen reichen von 8 °C im Januar bis 35 °C im Juli; die mittlere Jahrestemperatur beträgt 23 °C. Als durchschnittlicher Jahresniederschlag werden 23 Zoll angegeben. Die Tabelle für McAllen nennt insgesamt 565 mm und zeigt den September mit 114 mm als niederschlagsreichsten Monat.
Frühe Besiedlung und Grenzregion
Südtexas ist seit mindestens 11.000 Jahren besiedelt. Menschen an der Küste lebten eher vom Fischfang, Gruppen im Hinterland vorwiegend als Jäger und Sammler. Paläoindianer verwendeten ab etwa 9200 v. Chr. den Atlatl, eine Speerschleuder. Während der archaischen Periode von 6000 bis 2500 v. Chr. führten ungleich verteilte Nahrungsquellen teils zu mobiler Lebensweise, teils zu festeren Siedlungen. Zwischen 1300 und 1400 n. Chr. änderten sich die Siedlungsformen deutlich. Als wahrscheinliche Ursache gilt die Ausbreitung von Bisonherden nach Süden ab etwa 1200; wie abhängig die Bevölkerung von ihnen war, ist umstritten. Als die Herden um 1400 während der Kleinen Eiszeit wieder nordwärts zogen, wurde die inzwischen entwickelte Werkzeugtechnik für andere Zwecke weitergenutzt.
Vor der europäischen Besiedlung lebten in der weiteren Region etwa 60 archaische Gruppen. Bedeutend waren die Coahuilteken im Landesinneren und die Karankawa an der Golfküste. Ab ungefähr 1200 verbreiteten sich Pfeil und Bogen. Im 18. Jahrhundert dehnten Lipan-Apachen und Comanchen ihren Aktionsraum bis in das untere Rio-Grande-Tal aus.
Spanische Erkundungen erfolgten im 16. Jahrhundert sowie 1638 unter Jacinto García de Sepúlveda, 1687 unter Alonso de León und 1747 unter Miguel de la Garza Falcón. José de Escandón begann 1749 mit der Anlage von Siedlungen südlich des Rio Grande, darunter Reynosa, Camargo, Mier und Revilla. Von dort aus wurde auch das spätere County besiedelt. La Habitación, der Ursprung des heutigen Hidalgo, entstand 1774. Bis zum Texanischen Unabhängigkeitskrieg entwickelte sich eine wirtschaftlich tragfähige Viehzucht.
Weil Mexiko das Gebiet südlich des Nueces River weiterhin als Teil von Tamaulipas ansah, blieb seine staatliche Zugehörigkeit bis zum Amerikanisch-Mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848 umstritten. Danach diente die Old Military Road beziehungsweise Gila Road als Versorgungsweg und Route von Goldsuchern nach Kalifornien. Um 1850 bestanden etwa 50 Farmen; zur Viehzucht kamen Gemüse- und Obstanbau.
Countybildung und Modernisierung
1852 wurde Hidalgo County als eigenständiger Landkreis gegründet und nach Miguel Hidalgo y Costilla, einem Vorkämpfer der mexikanischen Unabhängigkeit, benannt. Erster Verwaltungssitz war La Habitación, das zunächst Edinburg genannt wurde, aber nicht mit dem heutigen Edinburg identisch ist. Konflikte zwischen alteingesessenen Landbesitzern und neu zugezogenen texanischen Siedlern mündeten 1860/61 in die von Juan Nepomuceno Cortina geführten Cortina Wars. Cortina wollte die Rechte der alten Eigentümer wiederherstellen. 1860 kämpften seine Anhänger bei La Bolsa gegen die Texas Rangers.
Während des Amerikanischen Bürgerkriegs wurde das Gebiet zu einer Basis organisierter Viehdiebstahlbanden. 1870 hatte das County nur rund 2400 Einwohner. Ab 1875 gingen Texas Rangers unter Captain Leander H. McNelly gegen Banden auf beiden Seiten der Grenze vor. Politisch dominierten lange die Demokratische Partei und das Netzwerk des südtexanischen Politikers James B. Wells. Der mehrmalige Sheriff John Closner war eine zentrale örtliche Figur. Ende des 19. Jahrhunderts eskalierten Streitigkeiten über Blockwahl und andere unlautere Praktiken gewaltsam. Republikanische Gegner Closners proklamierten Anfang der 1890er kurzzeitig eine „Unabhängige Republik von Hidalgo“ und erhoben Zölle an der Grenze, bis die US-Regierung dies untersagte.
Zwei Neuerungen beendeten die wirtschaftliche Stagnation: Bewässerungsanlagen förderten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die kommerzielle Landwirtschaft, und 1904 erhielt das County Anschluss an die St. Louis, Brownsville and Mexico Railway. Die Eisenbahn löste einen starken Zuzug aus dem Norden und Mittelwesten aus und veränderte Bevölkerung und politische Machtverhältnisse. Grenzkonflikte verschärften sich durch den Garza War Anfang der 1890er, die Mexikanische Revolution von 1910 bis 1920 und den Aufmarsch von US-Truppen für General Pershings Nordmexiko-Operation von 1913 bis 1916. Hunderttausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Mexiko prägten die Bevölkerungsstruktur zusätzlich.
Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert
Zwischen 1900 und 1930 wuchs die Bevölkerung von knapp 7000 auf rund 77.000. Land kostete um 1900 etwa 25 Cent je Morgen, 1910 bereits mehr als 300 US-Dollar. Zitrusfrüchte sowie Gemüse und Obst wurden wirtschaftlich bestimmend; daneben baute man Zuckerrohr, Reis und Baumwolle an. Die flächendeckende kommerzielle Landwirtschaft begann um 1907. In den 1920er-Jahren setzte sich die LKW-Landwirtschaft durch, welche Waren und Arbeitskräfte beweglicher machte. Das 1908 gegründete Chapin wurde als neuer Verwaltungssitz in Edinburg umbenannt; der frühere Sitz erhielt den Namen Hidalgo.
Der Zuzug überwiegend protestantischer Neusiedler veränderte das zuvor stärker von kulturellem Ausgleich und akzeptierten „Mischehen“ geprägte Zusammenleben. Besonders in neuen Städten wie Weslaco und McAllen entstanden ethnisch getrennte Wohngebiete, Schulen, Geschäfte und Restaurants. Schulen für mexikanischstämmige Kinder waren häufig überfüllt, schlechter ausgestattet und mit unerfahreneren Lehrkräften besetzt. Armut und Bildungsbenachteiligung verstärkten sich dadurch gegenseitig.
Die 1914 von Republikanern gegründete Good Government League beendete schließlich die Macht des Wells-Netzwerks, trug mit widersprüchlicher Politik gegenüber der hispanischen Mehrheit aber zu einem rassistisch aufgeladenen, gewaltsamen Klima bei. Langfristig blieb die Demokratische Partei vorherrschend. 1930 bestanden mit rund 41.000 als „mexikanisch“ und 36.000 als angelsächsisch eingestuften Menschen zwei ähnlich große Bevölkerungsblöcke.
1940 lebten über 106.000 Menschen im County. Etwa 4300 Landwirtschaftsbetriebe erzeugten vor allem Baumwolle, Mais und Zitrusfrüchte; im Norden dominierten Rinder-, Schaf- und Geflügelhaltung. 1934 nahm Otto C. Woods die erste produzierende Erdöl-Förderanlage in Betrieb. Während des Zweiten Weltkriegs errichtete die U.S. Army das Moore Air Field. Nach dem Krieg boomte der Zitrusanbau, doch der Einsatz vieler Wanderarbeiter verschärfte soziale Probleme. Während der Bürgerrechtsbewegung organisierten sich Hispanics zunehmend und gelangten häufiger in öffentliche Ämter. Die Pharr Police Riots von 1971 wurden durch strukturelle Polizeigewalt gegen Angehörige der hispanischen Mehrheit ausgelöst.
Zur Jahrtausendwende galten die sozialen Fortschritte als gemischt. Die politische Integration hatte zugenommen, doch 1987 lag das Pro-Kopf-Jahreseinkommen der Metropolregion Edinburg–McAllen bei geschätzt 7000 US-Dollar und damit am unteren Ende der USA; zugleich hatte das County die höchste Arbeitslosenquote. In Colonias, ethnisch getrennten hispanischen Ansiedlungen, fehlten oft angemessene Wohnungen, Strom und fließendes Wasser. Weitere Probleme waren Drogenhandel und -konsum entlang der Routen mexikanischer Kartelle. Umstritten sind die Maquiladoras, durch die Freihandelszone des NAFTA-Abkommens von 1994 begünstigte Montagebetriebe: Sie schaffen Billiglohnarbeit und senken damit einerseits die Arbeitslosigkeit, können nach Ansicht von Kritikern andererseits strukturelle Armut verfestigen.
Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Bildung
Das Wachstum erfolgte besonders in zwei Phasen: von Beginn bis Mitte des 20. Jahrhunderts und erneut seit den 1970er-Jahren. Die Einwohnerzahl stieg von 181.535 im Jahr 1970 über 569.463 im Jahr 2000 und 774.769 im Jahr 2010 auf 870.781 im Jahr 2020. Für 2016 wurden 828.334 Einwohner angegeben, darunter 91,5 % Hispanics oder Latinos, überwiegend mexikanischer Herkunft. Das Medianalter betrug 28,8 Jahre, gegenüber 34,2 Jahren in Texas und 37,7 Jahren in den USA.
Anfang 2018 lag das Median-Haushaltseinkommen bei 36.094 US-Dollar, deutlich unter Texas mit 51.900 und den USA mit 53.000 US-Dollar. 31,2 % lebten in Armut und 32,0 % hatten keine Krankenversicherung. Die Verhältnisse unterscheiden sich örtlich stark. Im Muniz CDP waren alle 1574 Einwohner hispanischer Herkunft; das Medianalter lag bei 23,8 Jahren, das Median-Haushaltseinkommen bei 31.419 US-Dollar, die Armutsquote bei 35 % und der Anteil ohne Krankenversicherung bei 43,4 %.
Hidalgo County ist traditionell eine Hochburg der Demokratischen Partei. Abgesehen von 1860 sowie 1928, 1952, 1956 und 1972 gewannen bei Präsidentschaftswahlen stets demokratische Kandidaten. 2016 erhielt Hillary Clinton rund 68 %, Donald Trump 28 %. Auch wichtige County-Ämter und die damals vom County berührten Kongresswahlbezirke 15 und 28 waren mit Demokraten besetzt.
Die Landwirtschaft bleibt ein Kernsektor. 2002 gab es 2104 Farmen und Ranches mit etwa 2400 km² Nutzfläche; mehr als zwei Drittel dienten dem Anbau und 28 % als Weideland. Der Gewinn betrug 202.073.000 US-Dollar, zu neun Zehnteln aus Ernteverkäufen. Hauptprodukte sind Zuckerrohr, Zitrusfrüchte, Gemüse, Getreide, Baumwolle und Vieh. Hinzu kommen Lebensmittelverarbeitung, Mineralabbau sowie Erdöl- und Erdgasförderung; 2004 wurden 2.777.000 Barrel Erdöl gewonnen. Gesundheitswesen, Groß- und Einzelhandel sowie Erziehung beschäftigen jeweils etwa 40.000 Menschen, Fertigung, Tourismus und andere Dienstleistungen jeweils etwa 20.000. Ein County-Bericht von 2015 stellte fest, dass die Maquiladoras nicht den erhofften Aufschwung gebracht hatten.
Fünfzehn unabhängige Schuldistrikte decken Grund-, Mittel- und Highschools ab. Zu den Hochschulen gehören das South Texas College in McAllen und die University of Texas Rio Grande Valley. Diese setzt die 1927 gegründete University of Texas–Pan American erweitert fort, hat auch Standorte im Cameron County, zählt rund 20.000 Studierende und gilt als zehntgrößte Universität in Texas.
Medien, Natur und Kultur
Wichtigste Tageszeitung ist The Monitor mit Redaktionssitz in McAllen und nach Verlagsangaben rund 36.000 gedruckten Exemplaren. Lokale Nachrichten bieten außerdem Mid Valley Town Crier und Edinburg Review. Etwa ein Dutzend Radiosender sendet überwiegend auf Spanisch; das Musikangebot reicht von Border Music und Tex-Mex bis zu Country, Rock und Pop. Fernsehsender arbeiten im County, im benachbarten Cameron County und im mexikanischen Reynosa.
Wichtige Naturgebiete sind das Santa Ana National Wildlife Refuge am Rio Grande mit zahlreichen Vogelarten und freilebenden Exemplaren des Golfküsten-Jaguar sowie zwei insgesamt rund 14 km² große Teile der Las Palomas Wildlife Management Area. Im County stehen 23 Gebäude und Straßenzüge als Historic Places unter Schutz, darunter Border Theater, Teatro La Paz, Mission Citrus Growers Union Packing Shed und La Lomita Historic District in Mission, Casa de Palmas in McAllen, Cortez Hotel in Weslaco und Old Hidalgo School.
Das Pumphouse Museum/World Birding Center in Hidalgo bietet Führungen zur regionalen Vogelwelt. In McAllen liegen der Botanic Garden, das International Museum of Art & Science, die La Plaza Mall und das McAllen Convention Center mit 3500 Plätzen. Seit 1932 veranstaltet Mission jährlich die zweiwöchige Citrus Fiesta zur Förderung der Zitrusindustrie. Seit 1947 findet in Mercedes die Rio Grande Valley Stock Show statt, eine Viehzuchtmesse mit Parade, Rodeos und Prämierungen. Touristisch profitiert das County außerdem von „Wintertexanern“, die die kalte Jahreszeit an der Golfküste verbringen, von Ausflügen nach Mexiko und von den Naturreservaten.