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Heilig-Geist-Kirche (München)

Die Pfarrkirche Heilig Geist ist eine römisch-katholische Kirche am Viktualienmarkt in München und gehört zu den ältesten erhaltenen Kirchengebäuden der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bauform
  2. 2. Entstehung, Zerstörung und Wiederaufbau
  3. 3. Barocke Ausstattung und Hochaltar
  4. 4. Fresken und weitere Kunstwerke
  5. 5. Orgel, Glocken und Pfarrei

Überblick und Bauform

Die Pfarrkirche Heilig Geist ist eine römisch-katholische Kirche am Viktualienmarkt in München. Sie gehört zum Erzbistum München und Freising, ihr Patrozinium ist der Heilige Geist. Als eines der ältesten erhaltenen Kirchengebäude der Stadt war sie bis 1806 zugleich Spitalkirche und ist heute Pfarrkirche.

Der heutige Bau ist eine gotische, dreischiffige Hallenkirche. Bei einer Hallenkirche sind Mittel- und Seitenschiffe ungefähr gleich hoch und bilden einen einheitlichen Innenraum. Die Kirche besitzt einen Umgangschor mit 9/16-Abschluss am Ostchor. Das Innere und die Ausstattung wurden im 18. Jahrhundert barockisiert, also im Stil des Barock umgestaltet. Das Langhaus wurde 1885/88 um drei Joche nach Westen erweitert; die heutige Westfassade ist neobarock und von Giovanni Antonio Viscardis Stil beeinflusst.

Entstehung, Zerstörung und Wiederaufbau

Um 1208 gründete Herzog Ludwig I. der Kelheimer außerhalb der alten Stadtmauer vor dem Talburgtor ein Spital. Dazu gehörte vermutlich von Anfang an eine romanische Kapelle der heiligen Katharina von Alexandrien. Im Schutzbrief Papst Innozenz’ IV. von 1250 für das Spital wird sie erstmals als „ecclesia sancti spiritus de Monacho“ erwähnt, also als Heilig-Geist-Kirche von München. Bis ins 14. Jahrhundert wurde sie sonst Katharinenkapelle genannt.

1271 wurde das Heilig-Geist-Spital zur dritten Münchner Pfarrei erhoben; die Kapelle wurde damit Pfarrkirche des Spitals. Beim Stadtbrand von 1327 wurden Spital und Kapelle zerstört. Der gotische Nachfolgebau wurde 1392 durch den letzten Baumeister Gabriel Ridler vollendet.

1724/30 barockisierten Johann Georg Ettenhofer und die Gebrüder Asam die Kirche; 1729 entstand der Turm am Chor im Osten. Nach der Säkularisation riss man das Spital 1806 ab, um Raum für den Viktualienmarkt zu schaffen. 1907/08 wurde die Kirche grundsaniert und um die südliche Vorhalle ergänzt. Luftangriffe zerstörten sie 1944/45 bis auf die Außenmauern. Der Wiederaufbau begann 1946 und ist laut Artikel bis heute nicht abgeschlossen. Der Hochaltar wurde 1955 geweiht, die barocke Turmhaube 1957/58 wiederhergestellt. Seit 1973 werden unter Erwin Schleich Fresken, Hochaltar und Innenraum rekonstruiert.

Barocke Ausstattung und Hochaltar

Die reiche Ausstattung der festlich geschmückten Kirche entstand überwiegend um 1724/30. Den Régence-Stuck im Mittelschiff schuf Egid Quirin Asam, den Stuck der Seitenschiffe Matthias Schmidtgartner; Georg Biehl fertigte den Stuck im späteren Verlängerungsbau. Régence bezeichnet eine Übergangsform vom Barock zum Rokoko. Die kriegsgeschädigte barocke Kanzel wurde 1953/57 durch eine moderne ersetzt.

Der Hochaltar entstand 1728–30 nach einem Entwurf von Nikolaus Gottfried Stuber. Antonio Matteo arbeitete ihn aus Tegernseer Marmor, die Schnitzarbeiten schuf Johann Georg Greiff 1730. Aus dem früheren Hochaltar von 1661 übernahm man Ulrich Loths Bild Die Ausgießung des Heiligen Geistes von 1644. Der Tabernakel mit Anbetungsengeln stammt von 1902 aus der Mayer’schen Hofkunstanstalt. Nach den Kriegsschäden wurde der Altar 1952/53 weitgehend original wiederhergestellt.

Fresken und weitere Kunstwerke

Cosmas Damian Asam malte 1724–30 im Mittelschiff die Fresken König David mit der Harfe, Gründung des Hl.-Geist-Spitals und Lobpreisung Gottes durch die Engel; im Chor befindet sich Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes. Ludwig Glötzle schuf für das 1885–88 verlängerte Langhaus Fresken mit Papst Leo XIII. mit Maria und Heiligen sowie der heiligen Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik. Karl Manninger rekonstruierte alle Mittelschifffresken nach den Kriegszerstörungen 1971–75 und 1990.

Im rechten Seitenschiff steht der Josefs- oder Nothelferaltar. Sein Altarblatt malte und signierte Johann Heinrich Schönfeld wohl 1666/67; es zeigt die vierzehn Nothelfer in einer zweizonigen Komposition und hebt den heiligen Vitus besonders hervor. Dort befinden sich außerdem drei Bilder der Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Verstand und Rat, 1753 von Peter Jakob Horemans. In der Kriegergedächtniskapelle hängt ein spätgotisches Kruzifix von 1510, wohl aus der Leinbergerschule.

Im linken Seitenschiff steht der Marienaltar von 1956 mit der Hammerthaler Muttergottes von um 1440. Der Dreifaltigkeitsaltar von 1957 trägt die Figurengruppe Krönung Mariens von 1681. Weitere Horemans-Bilder von 1753 zeigen Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht; die im Krieg zerstörte Gabe der Wissenschaft schuf Karl Manninger um 1990 neu. Im Chorumgang und unter der Empore befinden sich unter anderem Altäre, Gemälde und Grabdenkmäler, darunter die Bronzegrabdenkmäler Herzog Ferdinands von Bayern von Hans Krumpper aus dem Jahr 1608 und seiner Gemahlin.

Orgel, Glocken und Pfarrei

Die heutige Orgel geht auf eine 1976 erworbene Hausorgel zurück, die ursprünglich für eine Römische Villa gebaut worden war. Ludwig Eisenbarth baute sie 1977 um und ergänzte sie wesentlich. Das Schleifladen-Instrument besitzt 27 Register auf zwei Manualen und Pedal; Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. Als Koppeln sind II/I, I/P und II/P vorhanden. Geplant ist ein neues großes Instrument, das der Raumgröße entspricht.

Von den ursprünglich sechs Glocken blieben nach den beiden Weltkriegen nur zwei. Das heutige Geläut umfasst vier Glocken: die Heiliggeist-Glocke von 1860 von Ignaz Bauer aus München (935 kg, 117 cm, f¹), die Hammerthaler Muttergottes-Glocke von 1950 von Karl Czudnochowsky aus Erding (650 kg, 97 cm, g¹), die St.-Josef-Glocke von 1930 von Gebr. Ulrich aus Kempten (450 kg, 88 cm, a¹) und die Brezenreiter-Glocke von 2012 aus der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau (346 kg, 81 cm, c²). Die Brezenreiterglocke wurde am 27. Mai, einem Pfingstsonntag, im Turm aufgehängt. Ihr Name erinnert an die mittelalterliche Tradition des Brezenreiters des Heilig-Geist-Spitals.

Samstags um 15 Uhr wird der Sonntag eingeläutet. Vor Messen läutet die große Glocke 15 Minuten vorher, fünf Minuten vor Beginn erklingen alle Glocken; am Gründonnerstagabend wird zehn Minuten lang geläutet. St. Maximilian wurde 1903 als Tochterpfarrei errichtet.

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