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Grameen Bank

Die Grameen Bank (Bengalisch: গ্রামীণ ব্যাংক, Grāmīṇ Byāṃk; etwa: Dörfliche Bank) ist ein 1983 gegründetes Mikrofinanz-Kreditinstitut, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Grundprinzip
  2. 2. Entstehung und Kreditmodell
  3. 3. Programme und Verbreitung
  4. 4. Lage und Eigentum
  5. 5. Kritik und Auszeichnungen

Zweck und Grundprinzip

Die Grameen Bank ist ein 1983 gegründetes Mikrofinanz-Kreditinstitut mit Sitz in Dhaka, Bangladesch. Sie vergibt Mikrokredite, also kleine Darlehen, an Menschen ohne Einkommenssicherheiten. Ihr Ziel ist, Armut zu lindern: Menschen sollen Kapital für eine selbstständige Erwerbstätigkeit erhalten, etwa für Material oder Rohstoffe. Anders als bei gewöhnlichen Krediten dienen nicht Sachwerte als Sicherheit, sondern die gegenseitige Verantwortung kleiner Kreditgruppen. Zur Grameen Bank gehören außerdem Gesellschaften unter anderem aus Telefon-, Energie-, Textil- und Baubranche sowie weiteren Dienstleistungen.

Entstehung und Kreditmodell

Der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus gründete die Bank am 2. Oktober 1983. Nach einer großen Hungersnot in Bangladesch suchte er seit 1976 nach Möglichkeiten, die Lage einkommensschwacher Menschen zu verbessern. Er beobachtete, dass viele nur wenig Kapital brauchten, aber auf Geldverleiher mit Wucherzinsen oder auf Rohstofflieferanten angewiesen waren. Dadurch blieb trotz harter Arbeit kaum Gewinn übrig. Große Banken lehnten Kredite wegen fehlender Sicherheiten ab; zudem ist der Arbeitsaufwand pro Kunde bei kleinen Darlehen hoch.

Yunus begann 1976 selbst Geld zu verleihen und erhielt die Kredite samt Zinsen zurück. Sein Modell richtet sich fast ausschließlich an Frauen: Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer schließen sich in Dörfern zu kleinen, von Bankmitarbeitern geschulten Gruppen zusammen und bürgen füreinander. Zunächst erhalten zwei Gruppenmitglieder einen persönlichen Kredit. Erst wenn diese eine Zeit lang regelmäßig zurückzahlen, bekommen weitere Mitglieder ein Darlehen. Die Kundinnen und Kunden werden Mitglieder und Miteigentümer der Bank. Für Erstkredite, die oft weniger als 50 Dollar betrugen, wird eine Rückzahlung von mehr als 98 % genannt. Mitglieder müssen außerdem ein Sparkonto bei der Bank einrichten und fortlaufend besparen.

Für einen Kredit gelten zwei Bedingungen: Antragstellende müssen erklären, wofür sie das Geld verwenden wollen; der Kauf von Radio- oder Fernsehgeräten ist verboten.

Programme und Verbreitung

Die Bank vergibt an Bettler zinslose Kredite bis 100 Taka, gerundet 1,05 Euro am 13. August 2017. Dazu kommen eine kostenlose Lebensversicherung und ungewöhnlich lange Laufzeiten. Die Teilnehmenden werden nicht gezwungen, das Betteln aufzugeben; die Rückzahlungsraten liegen in diesem Programm jedoch bei mehr als 50 %.

Mit Grameen Telecom und Grameenphone verbessert die Gruppe Telefonverbindungen in Dörfern. Das 1997 gestartete Projekt Village Phone ermöglicht Frauen, mit einem Kredit ein Handy zu kaufen und Gesprächsminuten zu vermieten. Dadurch können Menschen in armen ländlichen Regionen telefonieren, während die Verleiherinnen ein kleines Einkommen erzielen.

Das Konzept wird in 60 Entwicklungsländern angewendet. Die Bank entwickelte auch Darlehen zu besonderen Bedingungen, beispielsweise Hausbaudarlehen für Familien.

Lage und Eigentum

Nach eigenen Angaben hatte die Grameen Bank im Oktober 2007 7,34 Millionen Kreditnehmer, davon 97 % Frauen. Insgesamt waren bis dahin 6,55 Milliarden Dollar verliehen worden. 2.468 Zweigstellen mit 24.703 Mitarbeitern betreuten über 70 % beziehungsweise 80.257 Dörfer. Die Rückzahlungsquote der vergebenen Kredite wird mit 98,35 % angegeben. Die Kunden besitzen 94 % der Bank, der Staat 6 %. In mehr als 30 Jahren schrieb die Bank nur in drei Jahren rote Zahlen.

Im März 2011 wurde Yunus aus Altersgründen als Geschäftsführer entlassen. Seine Klage dagegen blieb erfolglos. Der Oberste Gerichtshof von Bangladesch stufte die Bank als staatliche Institution und nicht als Privatbank ein; deshalb gelte für ihre Beschäftigten das staatliche Rentenalter von 60 Jahren. Yunus war damals 70 Jahre alt. Er warf der Regierung vor, die Bank kontrollieren zu wollen, und befürchtete Misswirtschaft, Ineffizienz und Profitstreben.

Kritik und Auszeichnungen

Kritik betrifft sowohl die Finanzierung als auch Folgen des Kreditmodells. Jeffrey Tucker vom Mises Institut bemängelte, die Bank sei ohne staatliche Finanzierung nicht lebensfähig; außerdem griffen Mitarbeitende teilweise in das Privatleben von Kreditnehmern ein. Nach lokalen Untersuchungen stiegen Mitgiftforderungen trotz eines Verbots durch die Bank deutlich; außerdem sind Fälle bekannt, in denen Ehemänner das System missbrauchten. Sudhirendar Sharma berichtete von Gruppen, die Kredite zu höheren Zinsen weiterverleihen und Gewinne abschöpfen. Er erwartete negative Langzeitfolgen.

Ein Deutschlandfunk-Feature vom 20. Juli 2010 kritisierte provisionsabhängige Kreditvermittler, die Menschen in Mikrokredite drängen könnten, sowie psychischen und physischen Druck auf säumige Schuldnerinnen und Schuldner. Es nannte eine bescheidene Erfolgsbilanz: 20 % der Kunden schafften den Sprung in den Erfolg, während 80 % in Schuldknechtschaft blieben. Die Journalistin Kathrin Hartmann berichtete nach Gesprächen mit Kreditnehmerinnen von Rückzahlungsschwierigkeiten, weiteren Krediten zur Bedienung bestehender Schulden und einer Schuldenfalle.

2006 erhielten die Grameen Bank und Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis zu gleichen Teilen für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Die Bank erhielt 2000 den Gandhi-Friedenspreis der indischen Regierung.

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