Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Gewinnvergleichsrechnung

Durch die Einbeziehung der Erlöse lässt sich die Vorteilhaftigkeit einer Investition besser beurteilen. Es wird der Gewinn jeder Alternative ermittelt und die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Zweck
  2. 2. Warum Erlöse unterschiedlich sein können
  3. 3. Beispieldaten
  4. 4. Berechnung der beiden Alternativen
  5. 5. Vorteile und Kritik

Kernidee und Zweck

Die Gewinnvergleichsrechnung ist ein statisches Verfahren der Investitionsrechnung. Sie dient dazu, mehrere Investitionsalternativen miteinander zu vergleichen. Sie erweitert die Kostenvergleichsrechnung, weil sie nicht nur Kosten, sondern auch Erlöse berücksichtigt.

Das Ziel ist, für jede Alternative den Gewinn zu ermitteln und anschließend die Alternative mit dem höchsten Gewinn auszuwählen. Dadurch kann die Vorteilhaftigkeit einer Investition besser beurteilt werden: Ein Investitionsobjekt mit niedrigen Kosten muss nicht automatisch Gewinn bringen.

Warum Erlöse unterschiedlich sein können

Erlöse können bei zwei Investitionsobjekten aus zwei Gründen unterschiedlich hoch sein.

Erstens können Investitionsobjekte eine unterschiedliche quantitative Leistungsfähigkeit haben. Das bedeutet: Sie können unterschiedlich viele Stück pro Periode herstellen. Bei gleichem Erlös pro Stück entsteht dann ein höherer Erlös pro Periode, wenn mehr Stück pro Periode gefertigt werden und der Absatzmarkt diese Menge zum unveränderten Preis aufnimmt.

Zweitens können Investitionsobjekte eine unterschiedliche qualitative Leistungsfähigkeit haben. Dadurch kann ein Investitionsobjekt einen anderen Erlös pro Stück erzielen. Daraus ergibt sich ebenfalls ein anderer Erlös pro Periode.

Beispieldaten

Im Beispiel soll ein Unternehmen zwischen zwei sich ausschließenden Investitionsalternativen wählen. Beide Anlagen haben eine Nutzungsdauer von 8 Jahren und einen Liquidationserlös am Ende der Nutzungsdauer von 0 €. Der Kalkulationszinsfuß beträgt jeweils 10 % pro Jahr. LE bedeutet Leistungseinheit.

Anlage I hat einen Anschaffungswert von 80.000 €, eine angenommene Auslastung von 10.000 LE/Jahr, fixe Kosten von 1.000 €/Jahr und einen Absatzpreis von 4,50 €/LE. Die variablen Kosten bei dieser Auslastung betragen 16.000 €/Jahr für Löhne und Lohnnebenkosten, 3.800 €/Jahr für Werkzeuge, Betriebsstoffe u. a. sowie 1.900 €/Jahr für Energie und sonstige variable Kosten.

Anlage II hat einen Anschaffungswert von 120.000 €, eine angenommene Auslastung von 15.000 LE/Jahr, fixe Kosten von 1.700 €/Jahr und einen Absatzpreis von 3,70 €/LE. Die variablen Kosten betragen 8.000 €/Jahr für Löhne und Lohnnebenkosten, 4.000 €/Jahr für Werkzeuge, Betriebsstoffe u. a. sowie 2.700 €/Jahr für Energie und sonstige variable Kosten. Die Kapazität beträgt bei beiden Anlagen 15.000 LE/Jahr, fließt aber laut Beispiel nicht in die Rechnung ein.

Berechnung der beiden Alternativen

Für Anlage I ergeben sich Abschreibungen von (80.000,00 EUR - 0,00 EUR) / 8 Jahre = 10.000,00 EUR/Jahr. Die kalkulatorischen Zinsen betragen ((80.000,00 EUR + 0,00 EUR) / 2) · 10 %/Jahr = 4.000,00 EUR/Jahr. Die variablen Kosten pro Leistungseinheit sind (16.000,00 + 3.800,00 + 1.900,00 EUR/Jahr) / 10.000,00 LE/Jahr = 2,17 EUR/LE.

Die Gesamtkosten von Anlage I betragen 1.000,00 EUR/Jahr + (2,17 EUR/LE · 10.000,00 LE/Jahr) + 10.000,00 EUR/Jahr + 4.000,00 EUR/Jahr = 36.700,00 EUR/Jahr. Der Gewinn ist 10.000 LE/Jahr · 4,50 EUR/LE - 36.700,00 EUR/Jahr = 8.300,00 EUR/Jahr.

Für Anlage II ergeben sich Abschreibungen von (120.000,00 EUR - 0,00 EUR) / 8 Jahre = 15.000,00 EUR/Jahr. Die kalkulatorischen Zinsen betragen ((120.000,00 EUR + 0,00 EUR) / 2) · 10 %/Jahr = 6.000,00 EUR/Jahr. Die variablen Kosten pro Leistungseinheit sind (8.000,00 + 4.000,00 + 2.700,00 EUR/Jahr) / 15.000,00 LE/Jahr = 0,98 EUR/LE.

Die Gesamtkosten von Anlage II betragen 1.700,00 EUR/Jahr + (0,98 EUR/LE · 15.000,00 LE/Jahr) + 15.000,00 EUR/Jahr + 6.000,00 EUR/Jahr = 37.400,00 EUR/Jahr. Der Gewinn ist 15.000 LE/Jahr · 3,70 EUR/LE - 37.400,00 EUR/Jahr = 18.100,00 EUR/Jahr. Anlage II hat zwar einen höheren Anschaffungswert, bringt aber mehr Gewinn.

Vorteile und Kritik

Ein Vorteil der Gewinnvergleichsrechnung ist ihr breiteres Anwendungsspektrum im Vergleich zur Kostenvergleichsrechnung. Sie kann auch Investitionen vergleichen, bei denen die Erlöse unterschiedlich sind. Außerdem ist sie, wie die Kostenvergleichsrechnung, einfach anwendbar.

Genannte Nachteile sind: Die Betrachtung des Gewinns ist periodenbezogen, der Gewinnvergleich ist kurzfristig, die Auflösung der Kosten in fixe und variable Kosten kann schwierig sein, die Zurechenbarkeit der Erlöse kann problematisch sein, und der Kapitaleinsatz wird nicht berücksichtigt.

In der betrieblichen Praxis wird die Gewinnvergleichsrechnung seltener angewendet als die Kostenvergleichsrechnung, obwohl sie insgesamt positiver zu beurteilen ist.

Lernvideos zu Gewinnvergleichsrechnung

Weiterlesen