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Geschichtserzählung
Unter Geschichtserzählung versteht die Geschichtsdidaktik eine in der Regel durch die Lehrkraft im Unterricht vorgetragene Erzählung historischer Inhalte, …
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Begriff und Bedeutung
Eine Geschichtserzählung ist in der Geschichtsdidaktik eine meist von der Lehrkraft im Unterricht vorgetragene Erzählung historischer Inhalte. Sie zeichnet sich durch Homogenität, Literarizität und Fiktionalität aus. Lehrkräfte können solche Geschichten selbst gestalten oder bereits vorhandene Erzählungen übernehmen, etwa für eine Vorlesung oder einen Lehrervortrag. Auch Schülerinnen und Schüler können Geschichtserzählungen erstellen; diese Fähigkeit gehört zur narrativen Kompetenz, also zur Fähigkeit, Geschichte sinnhaft als Erzählung darzustellen.
Entwicklung, Chancen und Kritik
Geschichtserzählungen haben eine lange Tradition in der mündlichen Überlieferung und waren bis in die 1960er Jahre ein gängiger Teil des Geschichtsunterrichts. Mit der 68er-Bewegung und der Revision von Unterrichtsmethoden wurden sie kritisiert: Sie könnten suggestive Unterhaltung stärker fördern als eigenes Denken. Viele Erzählungen waren zudem stark personalisiert oder stellten Ereignisse unreflektiert als eindeutig dar.
In der DDR blieb die durch Mühlstädt allgemein verbreitete Geschichtserzählung als Methode unangefochten, weil ihre politisch-ideologische Wirkung erwünscht war. Besonders deutlich wird dies an Erzählungen über Ernst Thälmann.
Die Kritik hängt mit Merkmalen der Erzählform zusammen: Literarische Mittel können historische Fakten überlagern, und ein geschlossener Erzählverlauf kann eine eindeutige Deutung nahelegen. Zugleich bietet fiktionales Erzählen Chancen: Es kann die Imaginationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler unterstützen, Emotionen ansprechen und Geschichte anschaulich sowie lebendig vermitteln. Durch exemplarische Fälle lassen sich auch abstrakte oder komplizierte historische Ereignisse verständlich machen.
Kriterien für gute Geschichtserzählungen
Damit Geschichtserzählungen möglichst historisch fundiert sind und keine eindeutige Sichtweise erzwingen, sollen sie mehrere Kriterien erfüllen:
- Der dargestellte Gegenstand muss triftig, also sachlich bedeutsam und begründet ausgewählt sein.
- Die Darstellung muss historisch korrekt sein: Ort, Zeit, Figuren, Handlungen, Gedanken und Gespräche müssen historisch vorstellbar sein.
- Sie soll Multiperspektivität ermöglichen, also verschiedene mögliche Sichtweisen berücksichtigen.
- Personen sollen sinnvoll personifiziert werden; dies ist nicht dasselbe wie eine einseitige Personalisierung von Geschichte.
- Irritierende Momente sollen kritisches und distanziertes Denken anregen.