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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Geschichte der Gedenkstätte · Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen in der DDR · Brandanschläge 1992 und weitere Vorfälle · Sonderausstellungen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Einordnung
  2. 2. Ausstellungskonzept und Bildungsangebote
  3. 3. Sowjetisches Speziallager
  4. 4. Gedenken und Entwicklung in der DDR
  5. 5. Angriffe und Sonderausstellung

Aufgabe und Einordnung

Die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen liegt auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenhausen in Oranienburg, nördlich von Berlin. Sie ist zugleich Gedenk- und Lernort sowie modernes zeithistorisches Museum. Ihr Ziel ist, Geschichte an den authentischen, also tatsächlich historischen, Orten erfahrbar zu machen.

Die Einrichtung gehört zur Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, einer von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Brandenburg finanzierten Stiftung öffentlichen Rechts. Direktor ist seit dem 1. Juni 2018 der Historiker Axel Drecoll; er folgte Günter Morsch nach, der mehr als 25 Jahre tätig gewesen war. Seit 2006 befindet sich auf dem ehemaligen Lagergelände auch die Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Mit ihr arbeitet die Gedenkstätte unter anderem durch gemeinsame Seminare und die Beteiligung an Gedenkveranstaltungen zusammen.

Ausstellungskonzept und Bildungsangebote

Die Gedenkstätte verfolgt ein dezentrales Konzept: Die 13 Ausstellungen sind über das Gelände verteilt und verbinden jeweils die konkrete Geschichte eines Ortes mit einem größeren Thema. Inhaltlich behandeln sie das KZ Oranienburg von 1933 bis 1934, das KZ Sachsenhausen von 1936 bis 1945, die Konzentrationslager-SS, jüdische Häftlinge, den Haftalltag, das Krankenrevier, den Zellenbau, Mord und Massenmord, die Inspektion der Konzentrationslager, das Außenlager „Klinkerwerk“, das sowjetische Speziallager Nr. 7/Nr. 1 sowie die spätere Geschichte der Gedenkstätte.

Die Dauerausstellung „Medizin und Verbrechen. Das Krankenrevier des KZ Sachsenhausen 1936–1945“ wurde 2004 in den original erhaltenen Baracken R I und R II eröffnet. Mit 800 m² und etwa 100 Exponaten ist sie die größte Ausstellung der Gedenkstätte. Die Sanierung und Neugestaltung des Ortes waren zu den Feiern zum 60. Jahrestag der Befreiung im April 2005 weitgehend abgeschlossen; das Gesamtkonzept stammt von hg merz architekten museumsgestalter.

Angeboten werden Überblicks-, Themen- und Einzelführungen sowie pädagogische Ganz- und Mehrtagesangebote. Die Gedenkstätte kann aber auch ohne Führung besucht werden. Eine Außenstelle ist die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald.

Sowjetisches Speziallager

Nach der erneuten Zugänglichkeit wichtiger Akten und Meldungen von Betroffenen und Angehörigen begann die Erforschung des sowjetischen Speziallagers Nr. 7/Nr. 1, das von 1945 bis 1950 bestand. Im März 1990 wurden nördlich des eigentlichen Lagers und im Wald in Richtung Schmachtenhagen 28 Massengräber bezeichnet und gefunden. Der ehemalige Lager-Schornsteinfeger Oels hatte deren Aushub während seiner Internierung von 1945 bis 1948 von den Dächern aus beobachtet. Da das Lager bis 1950 weiterbestand, sind weitere, bislang unentdeckte Massengräber wahrscheinlich.

Das Lager wurde nach seiner Auflösung größtenteils abgerissen. Weil sich die DDR-Gedenkstätte aus politischen Gründen vor allem den Opfern des Faschismus widmete, wurden nur wenige Funde aus der Zeit des Speziallagers gemacht. Im Dezember 2001 eröffnete an der Nordspitze des Geländes, nahe dem größten Massenfriedhof „Am Kommandantenhof“, das Museum zur Geschichte des Speziallagers. Auf 350 m² informiert es über Vorgeschichte, Aufbau, Organisation und räumliche Struktur des Lagers. 27 Biografien veranschaulichen die Häftlingsgesellschaft; außerdem behandelt die Ausstellung extreme Haftbedingungen sowie Sterben und Tod.

Ein wissenschaftliches Referat erforscht, sammelt und veröffentlicht zur Geschichte des Speziallagers. Der Verein Kindheit hinter Stacheldraht e. V. sammelt Berichte Betroffener und arbeitet Kinderschicksale im Speziallager auf. Die Darstellung dieses Lagers war in Oranienburg umstritten: Bei der Eröffnung des Speziallager-Museums im August 2001 warf das russische Außenministerium ihm vor, Verbrechen des Faschismus und Handlungen der sowjetischen Besatzungsmacht gleichzusetzen. Opferverbände warnten dagegen vor einer Verharmlosung des NKWD-Lagers und seiner Haftbedingungen.

Gedenken und Entwicklung in der DDR

Für einzelne Opfergruppen bestehen eigene Erinnerungsorte. 2006 wurde ein Gedenkstein für die mehr als 700 inhaftierten katholischen Geistlichen aufgestellt. Er nennt die 96 in Sachsenhausen gestorbenen Geistlichen aus mehreren europäischen Ländern. Ebenfalls seit 2006 gibt es eine Gedenkstelle für evangelische Häftlinge.

Nach der Nutzung des Geländes durch das sowjetische Speziallager bis 1950 und durch die Kasernierte Volkspolizei plante die DDR ab 1956 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. Sie wurde am 22. April 1961 eröffnet. Das zentrale Mahnmal trägt die Plastik „Befreiung“ von René Graetz. In der Halle steht eine Bronzeplastik von Waldemar Grzimek mit drei Figuren, die Widerstand beziehungsweise Siegesbewusstsein, Trauer und Tod symbolisieren sollen.

Die DDR-Gedenkstätte umfasste nur etwa fünf Prozent der Fläche des ehemaligen Konzentrationslagers und beschränkte sich auf den Bereich des ehemaligen Häftlingslagers. „Station Z“ und der Erschießungsgraben wurden durch die Versetzung der Lagermauer einbezogen. Am Appellplatz entstand eine halbkreisförmige Mauer aus kreuzförmigen Betonelementen, welche die Giebel des ersten Barackenrings andeutet. Große Teile des früheren Lagerbereichs wurden abgerissen, aufgeforstet, militärisch oder wirtschaftlich genutzt oder verfielen. Bis 1989 besuchten tausende DDR-Schulklassen, Delegationen und weitere Gruppen die Gedenkstätte; sie war auch Ort sportlicher, politischer und militärischer Veranstaltungen.

Angriffe und Sonderausstellung

Am 26. September 1992 brannten Neonazis die Baracke 38 nieder. In ihr befand sich ein „Museum für die Leiden der jüdischen Kameraden“. Der Anschlag geschah zehn Tage nach dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, in der Nacht vor Rosch ha-Schana. Zwei Täter wurden ermittelt und 1995 zu Haftstrafen verurteilt. Nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurden 2024 insgesamt 52 rechte und antisemitische Vorfälle im Zusammenhang mit dem ehemaligen KZ registriert, gegenüber 31 im Vorjahr. Dazu zählten Sachbeschädigungen, Hakenkreuzschmierereien und rechte Äußerungen bei Führungen sowie in E-Mails.

1997 beschädigten Neonazis wenige Tage nach ihrer Aufstellung Skulpturen des Künstlers Stuart N. R. Wolfe auf dem Weg vom Oranienburger Bahnhof zur Gedenkstätte. Nachdem die Stadt sie entfernen lassen wollte, kehrten die reparierten Skulpturen nach Protesten der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in den öffentlichen Raum zurück.

Die Sonderausstellung „BitterSüß, Geschichte(n) des Hungers: Zuckerdosen aus dem sowjetischen Speziallager Nr. 7/Nr. 1 Sachsenhausen 1945–1950“ lief vom 12. August 2005 bis zum 31. August 2006. Sie zeigte Aluminiumdosen, die Häftlinge ab 1947 für Zucker- und Marmeladerationen nutzten. Die Gegenstände dokumentierten Mangelernährung, massenhaftes Verhungern, Isolation und erzwungene Untätigkeit. Über Dosen mit eingravierten Namen erzählte die Ausstellung die Lebensgeschichten von 16 ehemaligen Häftlingen und machte die unterschiedliche Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft sichtbar.

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