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Gedenkstätte Gudendorf
Die Gedenkstätte Gudendorf (Kreis Dithmarschen, Schleswig-Holstein) soll an sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter erinnern, die hier während des …
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Bedeutung und Lage
Die Gedenkstätte Gudendorf im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein erinnert an sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs in einem Lager in Gudendorf starben. Sie liegt im Landschaftsschutzgebiet Klev von Windbergen bis St. Michaelisdonn. Die Anlage ist zugleich ein Ort des Gedenkens an die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen und ein Aufruf zu Frieden und Völkerverständigung.
Lager und Nachkriegszeit
Kurz nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion im Jahr 1941 wurde in Gudendorf ein Gefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet. Viele Gefangene kamen bereits in einem erbärmlichen Zustand nach Schleswig-Holstein, weil sie nur unzureichend ernährt worden waren. Auf einer Fläche von rund einem Hektar standen an der heutigen Schulstraße Baracken. Das Lager gehörte zum STALAG XA Schleswig, einem Stammlager für Kriegsgefangene.
In der Nähe von Hindorf wurden an der Straße nach St. Michaelisdonn weitere Baracken als „Seuchenrevier“ aufgestellt. Ein Teil des Geländes wurde außerdem als Wehrertüchtigungslager genutzt. Im April 1944 verlegte man das seit 1941 in Kaltenkirchen-Heidkaten bestehende STALAG X Az „Erweitertes Krankenrevier“ nach Gudendorf. Dort wurden arbeitsunfähige und kranke sowjetische Kriegsgefangene untergebracht.
Über die genauen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gefangenen ist nur wenig bekannt. Die Zahl der Toten wird in der Forschung unterschiedlich angegeben. Schätzungen aus den Fünfzigerjahren gingen davon aus, dass 1944 und 1945 etwa 3.000 sowjetische Kriegsgefangene in Gudendorf starben. Der Historiker Martin Gietzelt konnte durch die Auswertung von Personalkarten dagegen 46 Verstorbene nachweisen und rechnet mit „weniger als einhundert Toten“. Deshalb kann die ältere Charakterisierung des Vorgängerlagers Heidkaten als „Sterbelager“ nach jüngeren Forschungen nicht mehr aufrechterhalten werden.
Nach dem Ende des Krieges wurde das Gelände zunächst als Auffanglager für Jugendliche aus den deutschen Ostgebieten, als Reservelazarett und als zivile Einrichtung des Kreiskrankenhauses Süderdithmarschen genutzt. 1946 entstand dort eine erste Gedenkstätte.
Denkmal und Bildsprache
Die heutige Gedenkstätte wurde 1960/61 auf Initiative des Kreises Süderdithmarschen errichtet. Verantwortlich waren der Kieler Landschaftsgärtner Hans-Erik Brodersen und der Bildhauer Siegfried Assmann aus Großhansdorf. Die Anlage ersetzte die kleinere Gedenkstätte von 1946 und war im Frühjahr 1961 fertiggestellt.
Im Zentrum steht eine 11 Meter hohe Betonsäule. In ihrer Aussparung befindet sich eine Bronzeplastik des Totenschiffers Charon aus der griechischen Mythologie. Dargestellt ist, wie Charon in seinem Nachen eine trauernde Mutter mit ihrem toten Sohn über den Fluss Acheron zum Eingang des Hades fährt. Das Boot ist so ausgerichtet, dass es bei der Annäherung an das Mahnmal direkt auf die Besucher zufährt.
Gräberfelder und Bestattungen
Drei symbolische Gräberfelder mit Steinringen erinnern an das mit Stacheldraht eingezäunte Gefangenenlager. Das erste Gräberfeld ist den Toten gewidmet, die in nicht gekennzeichneten Massengräbern im Dünensand der Umgebung liegen. Die Namen dieser Toten sind fast alle unbekannt.
Auf den beiden anderen Gräberfeldern wurden 1961 sowjetische Tote beigesetzt, die von Friedhöfen in Schleswig-Holstein umgebettet worden waren. Der Artikel nennt dafür 248 sowjetische Tote, darunter Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Bei der Beschreibung der Gesamtanlage werden außerdem weitere 228 Verstorbene erwähnt, die unter anderem aus Eggebek hierher umgebettet worden waren.
Jährliches Gedenken
1983 gründete sich ein Kreis von Personen aus der antifaschistischen und der Friedensbewegung. Diese Gruppe nennt sich Initiative Blumen für Gudendorf. Sie veranstaltet alljährlich um den 8. Mai auf dem Gudendorfer Ehrenfriedhof eine Mahn- und Gedenkveranstaltung. Dabei wird an die Toten erinnert und der Verbrechen des NS-Regimes gedacht. Zugleich versteht sich die Veranstaltung als Aufruf zu Frieden und Völkerverständigung.