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Friedman-Doktrin

... Shareholder Value provoziert die Wirtschaftswelt. Abgerufen am 26. Januar 2021. ↑ Vivek Ramaswamy: 'Stakeholder Capitalism' Review: The Global, Olympian 'We' .

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern der Doktrin
  2. 2. Begründung und ökonomische Erweiterung
  3. 3. Wirkung in der Geschäftswelt
  4. 4. Kritik und Stakeholder-Theorie

Kern der Doktrin

Die Friedman-Doktrin, auch Aktionärstheorie genannt, ist eine normative Theorie der Geschäftsethik von Milton Friedman. Sie ordnet die Hauptverantwortung eines Unternehmens seinen Aktionären zu. Aktionäre gelten dabei als wirtschaftlicher Motor der Organisation und als die einzige Gruppe, gegenüber der das Unternehmen sozial verantwortlich ist. Daraus folgt als Unternehmensziel die Maximierung der Aktionärsrendite, also des Ertrags der Aktionäre.

Friedman fasste diese Sicht mit dem Satz „The Business of Business is Business“ zusammen. Nach seiner Auffassung sollen Aktionäre selbst entscheiden, welche wohltätigen Zwecke sie mit ihrem Geld unterstützen. Ein Firmenmanager sei von ihnen für geschäftliche Zwecke eingesetzt und solle deshalb nicht an ihrer Stelle über soziale Ausgaben entscheiden.

Begründung und ökonomische Erweiterung

Friedman stellte die Doktrin 1970 in einem Aufsatz für The New York Times vor. Er argumentierte, ein Unternehmen habe keine soziale Verantwortung gegenüber Öffentlichkeit oder Gesellschaft; seine einzige Verantwortung liege bei den Aktionären. In einem System freier Unternehmer und privaten Eigentums sei ein Firmenmanager Angestellter der Unternehmenseigentümer. Seine direkte Verpflichtung bestehe darin, das Unternehmen nach deren Wünschen zu führen.

Gibt eine Führungskraft Unternehmensgelder für soziale Zwecke aus, verteilt sie nach Friedman Geld anderer Personen: Sinkt dadurch die Rendite, betrifft dies das Geld der Aktionäre; steigen dadurch Kundenpreise, betrifft es das Geld der Kunden; sinken Löhne, betrifft es das Geld von Angestellten. Für soziale Zwecke seien daher Einzelpersonen die geeigneten Akteure. Aktionäre, Kunden und Beschäftigte könnten ihr eigenes Geld dafür einsetzen, wenn sie dies wollten.

1976 erweiterten die Ökonomen William H. Meckling (1922–1998) und Michael Jensen die Doktrin durch ein einflussreiches Paper. Es lieferte eine quantitative ökonomische Begründung für die Maximierung der Aktionärsrendite.

Wirkung in der Geschäftswelt

Die Friedman-Doktrin hatte erheblichen Einfluss. Joseph L. Bower und Lynn S. Paine von der Harvard Business School erklärten 2017, die Maximierung der Aktionärsrendite sei in der Finanzwelt und in weiten Teilen der Geschäftswelt allgegenwärtig. Sie präge unter anderem Leistungsmessung, Vergütung von Führungskräften, Aktionärsrechte, die Rolle von Vorständen und Unternehmensverantwortung. The Economist nannte die Doktrin 2016 „die größte Wirtschaftsidee“ und schrieb, Shareholder Value regiere die Geschäftswelt.

Ein wichtiges Ergebnis war die deutliche Zunahme aktienbasierter Vergütung, besonders für CEOs. Dadurch sollen die finanziellen Interessen von Führungskräften und Mitarbeitern mit denen der Aktionäre übereinstimmen. Zum 50. Jahrestag von „A Friedman Doctrine“ veröffentlichte The New York Times im September 2020 22 kurze Antworten von 25 Intellektuellen und Geschäftsleuten. Im November 2020 folgte ein Kompendium der University of Chicago Booth School of Business mit 28 Artikeln über Friedmans Erbe. Der Ökonom Alex Edmans urteilte, Friedmans Schlussfolgerung sei zwar falsch, der Artikel sei aber aufschlussreich, weil er die nötigen Annahmen sichtbar mache, unter denen sie wahr wäre.

Kritik und Stakeholder-Theorie

Die Doktrin ist umstritten. Kritiker bewerten sie als ökonomisch, rechtlich, sozial oder moralisch falsch. 2019 argumentierten die demokratischen Senatoren Chuck Schumer und Bernie Sanders in The New York Times, die durch die Doktrin geförderte aktienbasierte Vergütung habe Führungskräfte bereichert. Diese profitierten ebenfalls von Aktienrückkäufen und Dividenden, oft zum Nachteil der Unternehmen, für die sie arbeiteten.

Befürworter der Stakeholder-Theorie kritisieren, dass die Friedman-Doktrin soziale Verantwortung gegenüber einer Vielzahl von Stakeholdern nicht berücksichtige. Stakeholder sind alle Menschen, die von Unternehmensentscheidungen betroffen sind. Nach dieser Sicht ist es ethisch geboten, ihre Interessen einzubeziehen; dies könne zugleich Unternehmen und Aktionären nutzen.

Als Beispiel nennt der Artikel ein Unternehmen, das nach einer Naturkatastrophe Waren oder Dienstleistungen für Verletzte spendet. Das dient nicht unmittelbar den Aktionären, kann aber die Kundenloyalität stärken und damit letztlich auch dem Unternehmen und seinen Aktionären zugutekommen. 2019 änderten einflussreiche Unternehmensgruppen wie das Weltwirtschaftsforum und der Business Roundtable ihre Leitbilder und ersetzten die Friedman-Doktrin zugunsten des Stakeholder-Kapitalismus.

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