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Folgen der globalen Erwärmung für den Weinbau
Zu den Folgen der globalen Erwärmung gehört auch eine veränderte Pflanzenentwicklung. Die Rebe als wärmeliebende Pflanze ist davon betroffen.
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und Bedeutung des Klimawandels
Die globale Erwärmung verändert die Entwicklung der Weinrebe und damit den gesamten Weinbau. Die Folgen können positiv oder negativ sein und unterscheiden sich je nach Region. Entscheidend sind Sonnenstrahlung, Wasser, Boden beziehungsweise Mineralstoffe sowie die Lage und ihre Exposition. Die Rebe benötigt spezielle klimatische Bedingungen, besitzt aber je nach Rebsorte und Unterlage ein unterschiedlich großes Anpassungsvermögen.
Manche Sorten haben ein breites Anbauspektrum. Andere, häufig autochthone Sorten, sind eng an die besonderen Bedingungen ihres Terroirs angepasst. Terroir bezeichnet dabei das Zusammenspiel der örtlichen Umweltbedingungen, unter denen sich eine gebietstypische Weinqualität entwickelt. Gerade solche Sorten können durch die globale Erwärmung stark gefährdet werden.
Witterungsschwankungen beeinflussen Ertragsmenge und Weinqualität und führen zu typischen Jahrgangsunterschieden. Die Erwärmung wirkt sich unter anderem auf Pflanzenentwicklung, Vegetationsdauer, Rebsortenspektrum, Ertrag, Traubenqualität, Beereninhaltsstoffe, Laubarbeiten, Ertragsregulierung, Bodenpflege, Pflanzenschutz, Schadorganismen und Traubenverarbeitung aus. Der stärkste Einfluss geht vom Temperaturanstieg aus, der sich in nördlichen europäischen Weinbauregionen bisher häufig vorteilhaft auf die Reife ausgewirkt hat.
Phänologie, Reife und Weinqualität
Steigende Temperaturen beschleunigen das Wachstum, während niedrigere Temperaturen es verzögern. Milde Winter, warme Frühjahre und heiße Sommer führen zu einer früheren phänologischen Entwicklung. Diese lässt sich mit Temperatursummen beschreiben. Die mittlere Wärmesumme pro Tag lag 2010 um 1,5 °C höher als 1950; dadurch wurde die Entwicklung um mindestens 14 Tage beschleunigt. Szenarien erwarten einen weiteren Anstieg.
Bei Riesling in Geisenheim begann der Austrieb gegenüber dem Durchschnitt der letzten 40 Jahre ab 1970 um 5 Tage früher. In Veitshöchheim bei Würzburg wurde bei Müller-Thurgau ein um 8 Tage früherer Austrieb beobachtet. Die Vegetationszeit wird dadurch länger. Müller-Thurgau verkürzte seine Vegetationsdauer im Zeitraum 1988–2002 jedoch nur um etwa 5 Tage auf 158 Tage und nutzt die zusätzliche Zeit nicht für weitere Zuckereinlagerung, sondern beendet die Reife bei einem bestimmten Reifezustand. Später reifende Sorten wie Silvaner, Grüner Veltliner, Burgundersorten und Riesling können die verlängerte Vegetationszeit besser nutzen.
Die Rebblüte hängt besonders vom Temperaturverlauf im Mai ab. Der Blütebeginn ist nicht direkt vom Austrieb abhängig. Die Temperatur beeinflusst außerdem Befruchtung und Blühdauer. Mit dem Blühende beginnt die Beerenentwicklung, deren Zeitpunkt für die Lesereife entscheidend ist. In Krems an der Donau verlagerte sich die Rebblüte bei Grüner Veltliner im Zeitraum 1965–2011 im Juni um etwa 11–14 Tage nach vorn. In den letzten 15 Jahren begann sie dort statt früher meist Mitte bis Ende Juni bereits am Monatsanfang.
Ein frühes Blühende, beispielsweise 1993, 2000, 2003 oder 2007, führt zu einem früheren Reifebeginn und häufig zu höherem Zuckergehalt. Eine sehr späte Blüte, etwa 1965 oder 1980, verzögert die Traubenreife. Zwischen Blühende und Reifebeginn besteht eine hohe Korrelation. Aufzeichnungen des Lesetermins bei Riesling am Schloss Johannisberg im Rheingau reichen bis 1750 und zeigen einen immer früheren Lesetermin. Bis 2100 wird eine weitere Verfrühung der Lesereife um 10 Tage erwartet.
Die längere Vegetationszeit und höhere Wärmesumme ermöglichen häufig eine kleinere Blattfläche bei gleicher Fotosyntheseleistung. Dadurch sinken Verdunstungsfläche, Wasserverbrauch, Triebwuchs und Transpiration. Ein Rebstock am 50. Breitengrad in Geisenheim benötigt im Vergleich zu einem am 30. Breitengrad fast die doppelte Blattfläche für die gleiche Fotosyntheseleistung. Künftig könnten niedrigere Laubwände ausreichen; wegen der weiterhin großen jährlichen Schwankungen in nördlichen Gebieten ist dies derzeit noch nicht allgemein möglich.
Die Reife verläuft heute bei höheren Temperaturen. Die Weine wurden reifer, extrakt- und alkoholreicher; besonders wärmeliebende Rotweinsorten in nördlichen Anbaugebieten profitierten. Gleichzeitig sinkt durch hohe Temperaturen vor allem die Äpfelsäure. Die Säure ist neben dem Mostgewicht ein wichtiger Grundparameter und bestimmt die Frische. Eine zu schnelle Reife kann zu niedriger Säure und geringerer Aromaausprägung führen. Künftig können besonders Weißweine durch zu starken Säureabbau, frühen Botrytisbefall sowie Grün- oder Essigfäule beeinträchtigt werden. Frühreifende Sorten könnten zunehmend in sehr warmen Erntezeiten Probleme bekommen. Auch die Eisweinproduktion wird erschwert, weil die Frühwintertemperaturen möglicherweise nicht tief genug sind.
Extremwetter, UV-B-Strahlung und Schadorganismen
Die Häufigkeit von Extremtemperaturen hat zugenommen. Das zeigt sich an der steigenden Zahl der Tropentage, also Tagen mit Temperaturen über 30 °C. Extreme Hitze kann Blätter und Beeren direkt schädigen; bei Beeren spricht man von Sonnenbrand. Besonders gefährlich ist eine sehr heiße Periode nach einer kühlen Phase bei guter Wasserversorgung, sehr niedriger Luftfeuchtigkeit und hohem Sättigungsdefizit für Wasserdampf. Die Schäden hängen vom Zeitpunkt und Entwicklungsstadium ab und treten am häufigsten von Ende Juni bis Anfang August auf. Eine schnelle Frühjahrsentwicklung nach der Blüte kann junge Beeren weniger abgehärtet und sonnenbrandgefährdeter machen. Temperaturen über 40 °C führen in der Reifephase zu einer drastischen Abnahme der Äpfelsäure. Sonnenbrandgeschädigte Beeren müssen vor der Verarbeitung aussortiert werden.
Für Spätfrost lässt sich wegen des noch zu kurzen Vergleichszeitraums kein eindeutiger Zusammenhang mit der Erwärmung feststellen. Das Klimaszenario für Geisenheim 2001–2050 bestätigt die Annahme, dass sich das Frostrisiko im Rheingau trotz früheren Austriebs nicht erhöht. Spätfröste wird es weiterhin geben. Zur Hagelhäufigkeit sind derzeit keine Trends erkennbar.
Eine abnehmende Ozonkonzentration in der oberen Atmosphäre führte gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu stärkerer UV-B-Strahlung. Sie kann ungünstige Gerbstoffeinlagerungen in Beerenschalen fördern und dadurch die Weinqualität verschlechtern. In Geisenheim verzögerten Absorber-Folien bei Riesling die Reife; beschattete Trauben enthielten mehr grüne als gelbe Farbstoffe, während unbeschattete Sonnenbrandschäden zeigten. Ein Prüferpanel bevorzugte die Weine aus beschatteten Trauben. Wegen hoher Kosten und erheblicher Bewirtschaftungshindernisse sind solche Folien praktisch nicht geeignet. Aus Neuseeland, wo die UV-B-Strahlung um 50 % stärker als in Österreich ist, stammen dagegen Versuche mit Sauvignon Blanc, nach denen verbrannte Trauben den besseren Wein liefern können. 2019 verursachte eine Hitzewelle in den französischen Gebieten Gard, Hérault und Var „Brandflecken“ und Produktionsverluste.
Wärmere Bedingungen können in nördlichen Weinbaugebieten wärmeliebende oder invasive Schadorganismen begünstigen. Zusätzlich wirken Feuchtigkeit, Trockenstress, Wirtspflanzen, Vektoren, Pflanzgutverkehr und Bewirtschaftung auf das Risiko ein. Die Goldgelbe Vergilbung wird durch die Amerikanische Rebzikade Scaphoideus titanus übertragen und ist in der Europäischen Union ein Quarantäneschadorganismus. In Deutschland wurde die Zikade 2024 erstmals im Markgräflerland nachgewiesen; 2025 wurde dort erstmals auch das Flavescence-dorée-Phytoplasma an Reben bestätigt. Befallene Rebstöcke müssen gerodet werden.
Die Pierce-Krankheit durch Xylella fastidiosa wird von xylemsaugenden Insekten übertragen. 2024 wurde Xylella fastidiosa subsp. fastidiosa erstmals an Weinreben in Italien gemeldet. Modellierungen erwarten bei mehr als etwa 2 °C globaler Erwärmung ein deutlich erhöhtes Epidemierisiko, besonders in Frankreich, Italien und Portugal. Die Kirschessigfliege Drosophila suzukii wurde 2008 erstmals in Europa und 2011 in Bayern, am Bodensee und am Oberrhein nachgewiesen. Milde Winter fördern ihre Überwinterung; sehr hohe Sommertemperaturen und Trockenheit können ihre Entwicklung begrenzen.
Durch die frühere Reife liegen die Trauben in einer wärmeren Jahreszeit. Wärme und Feuchtigkeit erleichtern den Befall durch Botrytis cinerea, Penicillium expansum und andere Fäulniserreger. Genannt werden außerdem Aspergillus, Alternaria, Rhizopus, Trichothecium, Mucor, Guignardia bidwellii sowie das Bakterium Acetobacter. Einige Erreger können Mykotoxine bilden, etwa Ochratoxin A, Patulin, Alternariol oder Trichothecene. Befallene Beeren müssen entfernt und bei Bedarf händisch von der Traube getrennt werden; sonst drohen Qualitätsverluste und erheblicher zusätzlicher Arbeitsaufwand.
Rebsorten, Weinbaugebiete und Wasserhaushalt
Der Huglin-Index ist ein bioklimatischer Wärmeindex. Er summiert von April bis September die Temperaturen über 10 °C und berücksichtigt Tagesmitteltemperatur, Temperaturmaxima und geografische Breite. Jede Rebsorte benötigt eine bestimmte Wärmesumme, um in einem Gebiet dauerhaft erfolgreich angebaut werden zu können. Wetterstationsdaten unterschätzen die Bedingungen in thermisch begünstigten Hanglagen, deren Temperaturen etwa 1,5–2 °C höher liegen können. Der Huglin-Index wird in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen und damit die Rebsorteneignung der Gebiete verändern.
Die Tabelle des Artikels ordnet unter anderem Müller-Thurgau und Blauen Portugieser dem Bereich 1500 ≤ H < 1600 zu, Riesling, Chardonnay, Silvaner, Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Grünen Veltliner dem Bereich 1700 ≤ H < 1800, Cabernet Sauvignon, Merlot und Welschriesling dem Bereich 1900 ≤ H < 2000 sowie Grenache und Syrah dem Bereich 2100 ≤ H < 2200. Bei 1500 < H wird keine Anbauempfehlung angegeben. Mit steigenden Wärmesummen haben südlich verbreitete Sorten wie Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah in Österreich und Deutschland bereits Anbaubedeutung erlangt.
Durch frühere Reife werden bisher spätreifende und höher gelegene Lagen geeigneter. Die potenzielle Anbaugrenze könnte sich um 200–400 km nach Norden und um 100–150 m nach oben verschieben. Insgesamt könnte die Weinbaufläche um mindestens die Hälfte zurückgehen. Höhere und spätreifende Lagen können, besonders für Weißweine, Weine mit guter Säurestruktur liefern.
Während der Vegetationszeit von April bis Oktober ist die Niederschlagsversorgung besonders wichtig. Die Rebe kann dank ihrer Anpassungsfähigkeit, ihrer Saugkraft von bis zu 1,6 mPa und Wurzeln von bis zu 10 m Tiefe auch geringe Wasservorräte nutzen. Mit steigender Sonneneinstrahlung, Temperatur und Windgeschwindigkeit sowie sinkender relativer Luftfeuchtigkeit nimmt jedoch die potenzielle Verdunstung zu. In Geisenheim stieg sie während längerer sommerlicher Trockenperioden von 28 mm im Jahr 1950 auf heute über 62 mm. Regional sind die Wasserdefizite unterschiedlich.
Trockenstress mindert besonders bei Weißweinsorten Qualität und Typizität. Er kann zu vorzeitiger Laubvergilbung, Notreife, geringeren Erträgen, niedriger Säure, Mangel an Extrakten und Aminosäuren, Aromamangel, Fehltönen, untypischer Alterung und Gärproblemen führen. Eine angepasste Wasserversorgung kann dagegen die Assimilationsfähigkeit erhalten, ein ausgeglichenes Zucker-Säure-Verhältnis fördern, den Gärverlauf verbessern und das Alterungspotenzial erhöhen. Tropfbewässerung kann Wasserdefizite ausgleichen. Starkniederschläge fördern Bodenerosion und verschlechtern die Wasserspeicherung. Wasserstress kann außerdem durch unausgeglichene Nährstoffversorgung die Traubenwelke begünstigen; ihre Ursachen sind komplex.
Anpassung im Weingarten
Ein Weingarten wird als mehrjährige Kultur ungefähr 30–40 Jahre genutzt. Entscheidungen bei der Neuanlage, etwa zu Sorte, Unterlage und Nährstoffversorgung des Unterbodens, lassen sich während dieser Zeit kaum ändern. Anpassungen müssen deshalb besonders bei neuen Anlagen sorgfältig geplant werden.
Auf Trockenstandorten sollen Nährstoffe in tiefere Bodenschichten eingebracht werden. Eine gute Humusversorgung verbessert Entwicklung und Wasserspeicherung. Kalium besitzt eine Schlüsselstellung: Schon leichter, verdeckter Kaliummangel erhöht den Wasserverbrauch. Wichtig ist daher eine optimale Kaliumversorgung im gesamten Wurzelhorizont, besonders weil der Bedarf während der Traubenreife steigt.
Bei der Sortenwahl sind Vermarktungsfähigkeit und Trockenresistenz maßgeblich. Cabernet Sauvignon und Chardonnay sind beispielsweise weniger trockenstressanfällig als Zweigelt und Grüner Veltliner. Die Kombination mit der Unterlagsrebe beeinflusst die Trockenresistenz stark. Lockerbeerige Klone, etwa Mariafeld M1 oder Freiburger L-Klone beim Blauen Burgunder, können die Reife verzögern und Fäulnis vermindern; solche Klone stehen aber noch nicht für die meisten Sorten zur Verfügung. Neuzüchtungen bieten Potenzial für Trockenheitsresistenz, Lockerbeerigkeit und Krankheitswiderstandsfähigkeit.
Früher wurden Unterlagen zur Reifeverfrühung gewählt, künftig eher zur Reifeverzögerung und wegen ihrer Trockenresistenz. Richter 110, Paulsen 1103 und 140 Ruggeri können Reife verzögern und sind trockenheitstoleranter, in Deutschland jedoch nicht zugelassen; in Österreich besteht diesbezüglich keine Zulassungsbindung. Börner und Fercal gelten ebenfalls als gut trockenheitstolerant. Nachteilig können kräftiges Wachstum und fehlende Langzeiterfahrungen in nördlichen Gebieten sein.
Eine bodennahe Traubenzone beschleunigt die Reife. In nördlicheren Gebieten kann sie höher angeordnet werden, was auch Fäulnispilze vermindert. Hohe Erträge verzögern die Reife; reifefördernd wirken dagegen Ertragsregulierung, kurze Rebschnitte, moderate Teilentblätterung, ein optimales Blatt-Frucht-Verhältnis und bestimmte Phytohormone. Künftig können solche Maßnahmen zu stark verfrühen. Ertragreiche Systeme wie die Minimalschnitterziehung wirken reifeverzögernd.
Die Traubenzone soll 1–3 Wochen nach der Blüte früh, aber nur moderat ausgelichtet werden. Bei Nord-Süd-Zeilung soll dies bevorzugt auf der Ostseite, bei Ost-West-Zeilung auf der Nordseite geschehen, um die Trauben vor höchster Tageshitze zu schützen. Eine intensive späte Entblätterung von ES 75 bis ES 81 kann die Reife verzögern und Fäulnis reduzieren. Zu starke Entblätterung kann jedoch bei Weißweinen die Aromatik verändern: Silvaner kann rauchige Aromen und Riesling eine Petrolnote entwickeln.
Wegen der höheren Verdunstung müssen Begrünung und Bodenpflege an Standort und Niederschlag angepasst werden. Begrünung sollte bei fehlender Bewässerung eingeschränkt werden, damit Erosionsschutz und Humusanreicherung erhalten bleiben, der Wasserverbrauch aber sinkt. Humusdünger und Abdeckungen mit Stroh, Grünguthäcksel oder Rindenmulch erhöhen Wasserspeicherfähigkeit, verbessern Bodenstruktur, Durchwurzelbarkeit und Nährstoffversorgung und können die Reife verzögern. Angepasste Pflanzenschutzmaßnahmen, besonders gegen Fäulnispilze, werden wichtiger; Pflanzenschutzmittel dürfen jedoch nicht sachgerecht zur Reifeverzögerung eingesetzt werden.
Kellerwirtschaft und Weinbereitung
Exzellente Weine können nur aus besten Trauben entstehen. An heißen Tagen sollte die Lese in kühlen Nacht- oder Morgenstunden erfolgen. Eine sofortige Kühlung der Trauben verlangsamt temperaturabhängige Umwandlungs- und Abbauprozesse. Trockenstress kann Notreife verursachen; daraus entstehen später analytische und sensorische Probleme.
Wegen Grün-, Essig- und anderer Fäulnis müssen Trauben künftig stärker sortiert werden. Die Sortierung erfolgt entweder bereits bei der Lese im Weingarten oder vor der Verarbeitung im Keller. Befallene Beeren werden entfernt, damit sich Qualitätsverluste begrenzen lassen.
Erhöhte Gerbstoffgehalte in den Beerenschalen erfordern eine besonders schonende Verarbeitung und eine rechtzeitige, optimale Gerbstoffbehandlung im Most. Hohe Erntetemperaturen fördern den Abbau von Inhaltsstoffen. Oxidationsempfindliche Sortenaromen, beispielsweise bei Sauvignon Blanc, müssen geschützt werden. Eine reduktive Verarbeitung, kühle Vergärung sowie gekühlte und kontrollierte Gärung helfen, Aromatik und Qualität zu erhalten.
Durch die Erwärmung erreichen Trauben in fast allen Jahren ausreichende Zuckergehalte; eine Zuckeranreicherung ist deshalb seltener erforderlich als früher. Die höheren Zuckergehalte führen allerdings zu höheren, nicht immer gewünschten Alkoholgehalten. Geprüft werden Hefen, die aus Zucker weniger Alkohol bilden. Möglichkeiten des Alkoholentzugs werden je nach gesetzlicher Regelung genutzt, während Geräte zum Wasserentzug zur Erhöhung des Mostzuckers an Bedeutung verlieren.
Die Entsäuerung war bis Ende des 20. Jahrhunderts in manchen Jahren notwendig, ist heute aber meist nur noch ausnahmsweise erforderlich. In sehr frühen Jahren kann dagegen Säurezusatz nötig werden. Bei zu starkem Säureabbau lässt sich der Säuregehalt durch Säuerung anheben. Eine sehr frühe Lese ist keine geeignete Methode, um die natürliche Säure im Most zu erhalten. EU-Weinbaustaaten können eine Ausnahmegenehmigung für die Säuerung von Most und Wein erteilen, wenn die klimatischen Bedingungen verbreitet niedrige Säuregehalte erwarten lassen.