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Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut (englisch für ‚Augen weit geschlossen') ist der letzte vollendete Film des US-amerikanischen Filmregisseurs Stanley Kubrick, der nur wenige …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Entstehung und Produktion
  4. 4. Deutung
  5. 5. Veröffentlichung und Wirkung

Überblick

Eyes Wide Shut ist ein Spielfilm von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1999. Er war Kubricks letzter vollendeter Film; der Regisseur starb im März 1999 wenige Tage nach Fertigstellung des Filmschnitts. Der Film ist eine Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle, verlegt die Handlung aber in das New York der Gegenwart. Die Hauptrollen spielen Tom Cruise als Dr. William „Bill“ Harford und Nicole Kidman als Alice Harford.

Der Film dauert 153 Minuten, wurde im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten produziert und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Er handelt von Ehe, Eifersucht, sexueller Versuchung, Fantasie, sozialer Rolle und der Frage, wie sicher Menschen ihre eigene Beziehung und ihre eigene Wahrnehmung einschätzen können. Obwohl Eyes Wide Shut finanziell erfolgreich war, wurde seine Qualität von Kritikern sehr unterschiedlich beurteilt, besonders im Vergleich zu anderen Filmen Kubricks.

Handlung

Der New Yorker Arzt Bill Harford und seine Frau Alice besuchen eine Weihnachtsparty von Bills reichem Patienten Victor Ziegler. Beide flirten dort mit anderen Gästen. Bill trifft seinen alten Studienfreund Nick Nightingale wieder, der inzwischen Pianist ist. Später wird Bill zu Victor gerufen, weil eine Frau namens Mandy nach Drogenkonsum kaum noch ansprechbar ist. Bill hilft ihr, und Victor bittet ihn, über den Vorfall zu schweigen.

Am nächsten Tag streiten Bill und Alice beim gemeinsamen Marihuanakonsum über Untreue und Eifersucht. Alice erzählt Bill, dass sie im letzten Sommerurlaub einen Marineoffizier begehrt habe und sogar bereit gewesen wäre, für ihn Mann und Tochter zu verlassen. Diese Offenbarung erschüttert Bill. Kurz darauf muss er zu einem verstorbenen Patienten. Dessen Tochter küsst ihn und gesteht ihm ihre Liebe, doch Bill verlässt die Wohnung, als ihr Verlobter erscheint.

Bill irrt danach durch das nächtliche New York. Er begegnet der Prostituierten Domino und geht mit ihr in ihre Wohnung, bricht die Begegnung aber ab, als Alice ihn anruft. In einem Jazzclub erfährt er von Nick, dass dieser in derselben Nacht bei einer geheimen Veranstaltung spielen soll. Der Zutritt ist nur mit dem Losungswort „Fidelio“ möglich; Nick muss dort mit verbundenen Augen spielen. Bill besorgt sich in einem Kostümverleih eine Verkleidung. Dabei sieht er, wie Mr. Milichs minderjährige Tochter mit zwei verkleideten japanischen Männern entdeckt wird.

Im Schloss Somerton wird Bill Zeuge einer maskierten Zeremonie, auf die eine Orgie folgt. Eine unbekannte Frau warnt ihn und bittet ihn, sofort zu gehen. Bill bleibt trotzdem, wird als Eindringling enttarnt und bedroht. Die Frau nimmt die Schuld auf sich, sodass Bill gehen darf, allerdings unter der Bedingung, zu schweigen und keine Nachforschungen anzustellen. Zu Hause weckt er Alice aus einem sexuellen Albtraum, in dem sie mit vielen Männern geschlafen und Bill ausgelacht hat.

Am nächsten Tag versucht Bill, Nick zu finden, erfährt aber, dass dieser frühmorgens mit zwei bedrohlichen Männern aus seinem Hotel verschwunden sei. Beim Kostümverleih bemerkt Bill, dass seine Maske fehlt; Mr. Milich bietet ihm indirekt die sexuellen Dienste seiner Tochter an. Bill fährt erneut nach Somerton und erhält einen Brief, der ihn vor weiteren Nachforschungen warnt. Später erfährt er, dass Domino HIV-positiv ist. Aus der Zeitung und im Krankenhaus erfährt er vom Tod Amanda Currans, die er als die Frau aus Somerton erkennt.

Victor Ziegler erklärt Bill später, er selbst sei in Somerton gewesen. Er behauptet, Amanda Currans Tod habe nichts mit den Ereignissen dort zu tun, und die Drohung gegen Bill sei nur eine Farce gewesen. Zugleich sagt er, Bill würde nicht mehr ruhig schlafen können, wenn er die Namen der Teilnehmer erführe. Zu Hause findet Bill seine verlorene Maske neben Alice auf dem Kopfkissen. Er bricht zusammen und erzählt ihr alles. Am nächsten Morgen sprechen Bill und Alice beim Weihnachtseinkauf über ihre Zukunft. Alice meint, sie sollten dankbar sein, ihre Eskapaden überstanden zu haben, und sagt am Ende, sie müssten dringend miteinander schlafen.

Entstehung und Produktion

Kubrick hatte bereits 1968, nach 2001: Odyssee im Weltraum, die Idee, Schnitzlers 1926 veröffentlichte Traumnovelle zu verfilmen. Über Jahrzehnte änderten sich seine Vorstellungen: zeitweise dachte er an einen sehr ernsten Film mit Woody Allen, später an eine ironische Sex-Komödie mit Steve Martin oder Robin Williams, auch ein Historienfilm in London oder Dublin war im Gespräch.

Die konkrete Drehbucharbeit begann im November 1994. Kubrick entschied sich für eine ernste Fassung im New York der späten 1990er Jahre. Er schrieb das Drehbuch zusammen mit Frederic Raphael. Die Grundhandlung blieb weitgehend erhalten, wurde aber modernisiert und verändert. Anders als in der Novelle zeigt der Film den Ball am Anfang direkt. Die geheime Gesellschaft trägt im Film venezianische Masken statt Mönchs- und Nonnenkostümen. Die Orgie wird im Film deutlicher gezeigt als in der Vorlage. Neu hinzugefügt wurde Victor Ziegler, der Bills bürgerliche Welt mit der geheimen Gesellschaft verbindet.

Für die Hauptrollen wollte Kubrick ein echtes Ehepaar besetzen, um die Hemmschwelle bei bestimmten Szenen zu senken. Nach früheren Überlegungen zu Kim Basinger und Alec Baldwin fiel die Wahl auf Tom Cruise und Nicole Kidman. Wegen der ungewöhnlich langen Dreharbeiten mussten einige Rollen neu besetzt werden: Harvey Keitel wurde als Victor Ziegler durch Sydney Pollack ersetzt, Jennifer Jason Leigh als Marion durch Marie Richardson.

Die Dreharbeiten begannen im November 1996 und dauerten bis Januar 1998, mit Nachdrehs im April. Kubrick stand nicht unter Zeitdruck und ließ viele Szenen mehrfach spielen, um unterschiedliche Varianten zu erhalten. Obwohl der Film in New York spielt, wurde er wie Kubricks Filme seit 2001: Odyssee im Weltraum in England gedreht. New Yorker Straßen wurden als Set nachgebaut, Londoner Außenaufnahmen mit amerikanischen Telefonzellen ergänzt und Second-Unit-Aufnahmen aus New York mit Schnitt und Rückprojektion verbunden. Viele Innenaufnahmen entstanden in den Pinewood Studios.

Die Musik verbindet vorhandene Werke und eigens komponierte Stücke. Die Titelmusik ist der „Walzer Nr. 2“ aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Schostakowitsch, im Abspann als Jazz-Suite Nr. 2 bezeichnet. Besonders wichtig ist György Ligetis Musica Ricercata II: Mesto, Rigido e Cerimoniale, das mit der Bedrohung durch die geheime Gesellschaft verbunden ist. Jocelyn Pook komponierte zusätzliche Musik, unter anderem für Alices Monologe, die Orgie in Somerton und Bills Fantasien. In der Bildgestaltung wurden fast nur sichtbare Lampen als Lichtquellen genutzt; durch Push-Entwicklung entstand eine auffällige Körnigkeit. Für den US-Markt wurde die Orgienszene mit computergenerierten Personen entschärft, um eine NC-17-Freigabe zu vermeiden. Das war der erste Einsatz von CGI in einem Kubrick-Film.

Deutung

Eyes Wide Shut zeigt wie andere Kubrick-Filme eine scheinbar geordnete Alltagswelt, deren Fassade brüchig wird. Es gibt Anspielungen auf frühere Werke Kubricks, etwa den Namen „Bowman“ aus 2001: Odyssee im Weltraum, einen schwarzen Teppich, der an den Monolithen erinnert, und Kostüme, die auf Barry Lyndon verweisen.

Die Bildgestaltung arbeitet stark mit Rot und Blau. Rot wird unter anderem mit Erotik, Weiblichkeit und dem Ausbruch aus dem Alltag verbunden, Blau mit Kälte, Ferne, Alltag und Männlichkeit. Der Artikel betont aber, dass diese Farben nicht eindeutig zu lesen sind, sondern in verschiedenen Zusammenhängen auftreten. Kubrick erzeugt außerdem eine traumähnliche Wirkung durch Anschlussfehler, Perspektivwechsel, wiederkehrende Straßensituationen und eine veränderte Raumordnung im Kostümverleih. So entsteht das Gefühl, Bill bewege sich in einer unsicheren, traumartigen Welt.

Die Figuren lassen sich psychoanalytisch deuten. Alice bleibt äußerlich im bürgerlichen Familienleben, bricht aber in Träumen und Fantasien daraus aus. Bill wird durch ihr Geständnis erschüttert und versucht danach, selbst tatsächlich untreu zu werden. Da der Film Bills Weg fast ständig folgt, sieht das Publikum viel von seinen Geheimnissen, aber durch fehlende Voice-overs kaum seine Gedanken. Dadurch wirkt er passiv und schwer durchschaubar.

Der Maskenball in Somerton ist ein zentraler symbolischer Ort. Das Codewort „Fidelio“ verweist auf Beethovens einzige Oper, in der Leonore unter Tarnnamen ihren Ehemann Florestan befreit. Im Film wird diese Idee bürgerlicher Liebe ins Gegenteil verkehrt. Die Zeremonie wird durch religiöse und fremd wirkende Elemente gestaltet, darunter rückwärts abgespielte lateinische Mönchsgesänge, Hindugesänge, islamisch anmutende Architektur und orientalische Musik. Die Orgie ist nicht rauschhaft inszeniert, sondern mit ruhigen Kamerabewegungen und langsamen Überblendungen.

Die Maske hat mehrere Bedeutungen. Sie macht die Teilnehmer anonym, lässt Gesichter aber auch leblos erscheinen. Zugleich steht sie für gesellschaftliche Rollen: Menschen zeigen nach außen eine Rolle, während Absichten und Sehnsüchte verborgen bleiben. Alice lässt diese Rolle fallen, als sie Bill ihre Untreuefantasie gesteht. Bills Gesicht wirkt danach selbst maskenhaft, bis er am Ende zusammenbricht und Alice alles erzählen will.

Veröffentlichung und Wirkung

Warner Bros. kündigte Eyes Wide Shut Ende der 1990er Jahre als Geschichte über sexuelle Eifersucht und Obsession mit Tom Cruise und Nicole Kidman an. Weil lange nur wenige Informationen bekannt waren, entstanden zahlreiche Gerüchte, etwa über angebliche Sexszenen zwischen den Hauptdarstellern. Der von Kubrick geschnittene Trailer zeigte viele flirtende, küssende und nackte Szenen und steigerte die Erwartungen. Der fertige Film enthält jedoch keine Sexszene zwischen Cruise und Kidman.

Die erste Vorführung der finalen Schnittfassung fand am 1. März 1999 in New York statt. Kubrick war mit dem Ergebnis sehr zufrieden, starb aber sechs Tage später. Die Ton-Postproduktion war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass er den finalen Soundmix nicht mehr überwachen konnte. Der Film startete am 16. Juli 1999 in den USA. Die Europapremiere war am 1. September 1999 als Eröffnungsfilm der 56. Filmfestspiele von Venedig, in Deutschland kam er am 9. September in die Kinos. Bei Produktionskosten von etwa 65 Mio. US-Dollar spielte Eyes Wide Shut weltweit über 160 Mio. US-Dollar ein; inflationsbereinigt entspricht dies etwa 301 Mio. US-Dollar.

Die Kritik war bei Kinostart gespalten. Viele lobten die Leistungen von Nicole Kidman und Tom Cruise, besonders die Streitszene zwischen Bill und Alice. Kidmans Monolog wurde teilweise als Höhepunkt ihrer Karriere beschrieben. Andere Kritiker griffen Cruise scharf an. Positiv hervorgehoben wurden auch die beunruhigende, traumartige Stimmung und der Einsatz der Musik. Andere fanden den Film zu konventionell, kalt oder fehlgeleitet. Einzelne Kritikpunkte betrafen das Ende, die erklärende Szene mit Ziegler, die zweite Hälfte nach der Orgie oder die Verlegung der Handlung ins New York des späten 20. Jahrhunderts.

Trotz der gespaltenen Reaktionen erhielt der Film insgesamt ein gutes Presseecho. Rotten Tomatoes verzeichnet 76 % im Tomatometer, Metacritic 69/100. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden vergab das Prädikat „besonders wertvoll“. Eyes Wide Shut gewann mehrere Auszeichnungen, darunter 1999 den Filmcritica „Bastone Bianco“ Award in Venedig, 2000 den César als bester ausländischer Film und 2000 einen Golden Globe Award für die beste Originalmusik von Jocelyn Pook.

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