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Traumnovelle

Die Traumnovelle ist eine Novelle von Arthur Schnitzler. Sie erschien 1925 kapitelweise in der Berliner Modezeitschrift Die Dame. Die erste Buchausgabe kam …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Veröffentlichung
  2. 2. Auslöser der Krise
  3. 3. Fridolins nächtliche Erlebnisse
  4. 4. Albertines Traum und Fridolins Suche
  5. 5. Aussprache und Figuren
  6. 6. Wirkung und Bearbeitungen

Kern und Veröffentlichung

Die „Traumnovelle“ ist eine Novelle von Arthur Schnitzler. Sie erschien 1925 kapitelweise in der Berliner Modezeitschrift „Die Dame“; die erste Buchausgabe kam 1926 im S.-Fischer-Verlag heraus. Im Mittelpunkt steht die scheinbar harmonische Ehe des Arztes Fridolin und seiner Frau Albertine. Unter dieser Oberfläche wirken jedoch unerfüllte erotische Wünsche, Träume und Fantasien, die zu Entfremdung und einer schweren Ehekrise führen.

Die Novelle erzählt vor allem von einer Nacht und dem folgenden Tag. Fridolin gerät dabei in eine Reihe rätselhafter, erotisch aufgeladener Begegnungen. Albertine erlebt währenddessen einen Traum, in dem Liebe, Untreue, Grausamkeit und Rache miteinander verbunden sind. Wichtig ist dabei der Gegensatz von Wirklichkeit und Traum: Beide Ebenen zeigen, dass die Beziehung der Eheleute durch unbewusste Wünsche gefährdet ist. Am Ende führt eine Aussprache dazu, dass Fridolin und Albertine die Gefahr erkennen und vorläufig überwinden.

Auslöser der Krise

Fridolin ist Mitte 30 und Arzt an der Wiener Poliklinik; Albertine ist Mitte 20 und kümmert sich um die gemeinsame sechsjährige Tochter. Nach einem Maskenball im Karneval, bei dem beide mit anderen geflirtet haben, sprechen sie über geheime Wünsche. Albertine erzählt von einem Mann, der sie im Sommerurlaub in Dänemark stark angezogen hatte. Fridolin berichtet, dass er dort ein sehr junges Mädchen nackt am Strand gesehen und sich von ihr fasziniert gefühlt hatte. Untreu geworden ist keiner von beiden.

Trotzdem wird deutlich, dass Albertine mit ihrer Lage unzufrieden ist. Sie hätte vor der Ehe gern eigene Liebeserfahrungen gesammelt, so wie es Fridolin als Mann möglich war. Diese Offenheit erschüttert Fridolin. Noch am selben Abend wird er zu einem Krankenbesuch gerufen. Sein Patient, ein Hofrat, ist bereits gestorben. Dessen Tochter Marianne gesteht Fridolin ihre Liebe, obwohl sie mit Dr. Roediger verlobt ist und nach Göttingen ziehen will. Fridolin küsst sie auf die Stirn, empfindet aber nichts. Die Begegnung verstärkt seine innere Unruhe.

Fridolins nächtliche Erlebnisse

Fridolin wandert verwirrt durch Wien. Nach einer Demütigung durch einen Studenten überlegt er, ob er diesen zum Duell fordern soll. Später folgt er der Prostituierten Mizzi auf ihr Zimmer. Er will zunächst nur mit ihr reden; als er sich doch auf sie einlassen will, lehnt sie ab. Fridolin bietet Geld an, das sie nicht annimmt, und küsst zum Abschied ihre Hand.

In einem Kaffeehaus trifft Fridolin seinen früheren Studienfreund Nachtigall, der als Pianist auf geheimen Veranstaltungen spielt. Nachtigall berichtet von einem gefährlichen Ball, bei dem er mit verbundenen Augen spielen muss. Fridolin drängt ihn, ihm Zutritt zu verschaffen. Dafür leiht er sich beim Kostümverleiher Gibiser ein Mönchskostüm. Dort sieht er Gibisers Tochter im Pierrettenkostüm mit zwei Männern in Femrichterkostümen, was die unheimliche Atmosphäre verstärkt.

Mit der Parole „Dänemark“ gelangt Fridolin zu einer geheimen Versammlung in einer Villa. Dort erscheinen Männer als Mönche und Frauen als Nonnen; später treten Frauen auf, die nur einen Schleier tragen. Eine Frau warnt Fridolin mehrfach, sofort zu gehen. Als er die zweite Parole des Innenhauses nicht kennt, wird er als Eindringling entlarvt. Die Männer verlangen, dass er die Maske abnimmt. Seine Warnerin erklärt, sich für ihn zu opfern. Fridolin wird ermahnt, keine Nachforschungen anzustellen, und aus dem Haus gebracht. Was mit der Frau geschieht, bleibt offen.

Albertines Traum und Fridolins Suche

Als Fridolin gegen vier Uhr morgens heimkehrt, findet er Albertine schlafend, aber unruhig. Sie lacht schrill, wird von ihm geweckt und erzählt ihren Traum. Darin sind beide am Wörthersee wie Prinz und Prinzessin gekleidet und erleben eine Art Hochzeitsreise. Nachdem Fridolin fortgeht, um verlorene Kleidung zu besorgen, begegnet Albertine dem Dänen und lässt sich von ihm verführen, während viele andere Paare um sie herum sind.

Im Traum wird Fridolin festgenommen, nackt in einem Burghof angekettet und später gefoltert. Eine Fürstin will ihn begnadigen, wenn er ihr Liebhaber wird; Fridolin bleibt Albertine treu. Albertine empfindet im Traum kein Mitgefühl, sondern möchte ihn wegen seiner Treue verhöhnen. Schließlich wird für ihn ein Kreuz errichtet. Fridolin ist von diesem Traum entsetzt und empfindet ihn, als hätte Albertine ihn wirklich betrogen und grausam verraten.

Am nächsten Tag versucht Fridolin, die Ereignisse der Nacht zu klären. Nachtigall ist laut Portier frühmorgens von zwei vermummten Herren abgeholt worden. Beim Kostümverleiher zeigt sich, dass die rätselhafte Geschichte um Gibisers Tochter nicht abgeschlossen ist. Fridolin findet später die Villa wieder und erhält einen an ihn adressierten Brief mit der „zweiten“ Warnung, keine Nachforschungen anzustellen. Aus Rache an Albertine will er verpasste Gelegenheiten nachholen, verführt aber weder Marianne noch Mizzi. Von Mizzi erfährt er nur, dass sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Als er von einer vergifteten Baronin D. liest, befürchtet er, sie könne seine Retterin gewesen sein. Im Pathologischen Institut kann er die Tote nicht zweifelsfrei identifizieren.

Aussprache und Figuren

In der folgenden Nacht kehrt Fridolin nach Hause zurück. Er will Albertine seine Erlebnisse erzählen, als wären sie ein Traum gewesen. Auf seinem Kopfkissen liegt jedoch die Maske seines Kostüms, die er versehentlich nicht zurückgegeben hatte. Albertine hat sie gefunden und dort hingelegt. Fridolin versteht dies als milde Warnung und als Zeichen möglicher Vergebung. Er beginnt zu weinen und beichtet Albertine alles. Sie hört ihn an, ohne ihn zu unterbrechen. Beide sind dankbar, dass sie aus wirklichen und geträumten Abenteuern heil davongekommen sind. Albertines Satz „Nun sind wir wohl erwacht“, ergänzt durch „für lange“, deutet eine vorläufige Rückkehr zur Klarheit an. Die Novelle endet am nächsten Morgen mit dem „hellen Kinderlachen“ der Tochter.

Die zentralen Figuren sind Fridolin und Albertine. Ihre Ehe wirkt zunächst intakt, ist aber durch unausgesprochene Wünsche gefährdet. Albertine steht für eine Frau, die früh geheiratet und ihre Triebe unterdrückt hat; ihr Traum kann als unbewusste Rache für diesen Verzicht verstanden werden. Fridolin begegnet vielen Personen, doch fast keine Begegnung wird eindeutig abgeschlossen. Ungeklärt bleiben etwa Nachtigalls weiteres Schicksal, Mizzis Krankheit und das Leben der Tochter des Kostümverleihers.

Wirkung und Bearbeitungen

Die „Traumnovelle“ erhielt gute Kritiken, konnte aber nicht an Schnitzlers großen Erfolg „Fräulein Else“ von 1924 anschließen. Schon ab den 1920er-Jahren galt Schnitzler als „Dichter einer versunkenen Welt“. Während des Nationalsozialismus waren seine Werke verboten. Seit den 1960er-Jahren setzte die wissenschaftliche Rezeption wieder stärker ein: Zunächst standen künstlerische Form und geschichtliche Einordnung im Vordergrund, später einzelne Motive, Aspekte und Schnitzlers moderne Auffassung von Wirklichkeit. 2026 erschien im Online-Projekt „Arthur Schnitzler digital“ eine historisch-kritische Edition, die überliefertes Material zur rund vierzigjährigen Entstehung dokumentiert.

Es gibt mehrere Bearbeitungen. 1969 wurde die Novelle von Wolfgang Glück mit Karlheinz Böhm verfilmt. 1999 verarbeitete Stanley Kubrick den Stoff in „Eyes Wide Shut“, verlegte Ort und Zeit nach New York der Gegenwart und besetzte Tom Cruise und Nicole Kidman; es war Kubricks letzter vollendeter Film. Weitere Bearbeitungen sind unter anderem Ludwig Wüsts Kammerspiel von 2007, Igor Bauersimas Bühnenfassung von 2011, Jakob Hinrichs’ Graphic Novel von 2012, eine Konzertlesung seit 2025 sowie eine Verfilmung von Florian Frerichs aus dem Januar 2025. 2018 bearbeitete und inszenierte Katja Langenbach die Novelle als Hörspiel für den Bayerischen Rundfunk.

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