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Ernst Willkomm
Ernst Adolf Willkomm (* 10. Februar 1810 in Herwigsdorf bei Zittau; † 24. Mai 1886 in Zittau) war ein deutscher Schriftsteller.
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Ernst Willkomm als Schriftsteller
Ernst Adolf Willkomm (* 10. Februar 1810 in Herwigsdorf bei Zittau; † 24. Mai 1886 in Zittau) war ein deutscher Schriftsteller. Er veröffentlichte zeitkritische Romane, Reiseskizzen und Erzählungen. Damit behandelte er sowohl gesellschaftliche Fragen seiner Gegenwart als auch Eindrücke aus Reisen und verschiedene Formen erzählender Literatur.
Willkomm war der Sohn des Pfarrers Karl Gottlob Willkomm. Ab 1822 besuchte er das Gymnasium in Zittau. Sein jüngerer Bruder Heinrich Moritz Willkomm wurde später als Botaniker bekannt. Seit 1830 studierte Ernst Willkomm an der Universität Leipzig zunächst Jura, danach Philologie, also Sprach- und Literaturwissenschaft, sowie Ästhetik, die Lehre vom Schönen und von Kunst. In Leipzig kam er mit Vertretern des Jungen Deutschland in Kontakt, darunter Karl Gutzkow. Junges Deutschland bezeichnet hier eine literarisch-politische Bewegung der Zeit.
Bereits 1833 erschienen sein erster Roman Julius Kühn und das Trauerspiel Bernhard, Herzog von Weimar. Ein Trauerspiel ist ein dramatisches Werk mit ernster, meist tragischer Handlung. Mit dem Roman Die Europamüden griff Willkomm 1838 ein Stichwort auf, das Heinrich Heine 1828 geprägt hatte. Es fasste einen wichtigen Aspekt des Denkens im Vormärz zusammen, also der Zeit vor der Revolution von 1848/1849. Der Roman entstand zwischen Januar und Juni 1837 und trägt den Untertitel Ein modernes Lebensbild.
Reisen, Redaktion und spätere Jahre
1844 gehörte Willkomm zum Kreis um den Komponisten Robert Schumann. Dieser Kreis traf sich regelmäßig in der Restauration Zum Kaffeebaum. In den Jahren 1845/1846 reiste Willkomm nach Italien. Seine Erlebnisse verarbeitete er 1847 in Italienische Nächte, einer Reisebeschreibung mit Reiseskizzen und Studien, sowie im Roman Die Nachtmahlsbrüder in Rom.
1849 war Willkomm Kriegsberichterstatter im Schleswig-Holsteinischen Krieg und anschließend Redakteur der Lübecker Zeitung. 1850 heiratete er in Flensburg die Jugendschriftstellerin Anna Marie Christine Rosendahl (1826–1879), die Tochter des Kaufmanns Christian Rosendahl. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Nachdem Willkomm 1852 seine Stelle bei der Lübecker Zeitung aufgeben musste, zog er nach Hamburg. Dort arbeitete er bis 1857 als Redakteur der belletristisch-kritischen Zeitschrift Jahreszeiten sowie als Feuilletonredakteur des Hamburger unparteiischen Korrespondenten. Ein Feuilleton ist der meist kulturelle oder unterhaltende Teil einer Zeitung.
1859 eröffneten Willkomm und seine Frau in Hamburg ein Mädchenpensionat, also ein Internat beziehungsweise eine Schule mit Unterkunft für Mädchen. Nach dem Tod seiner Frau gab er es 1880 auf und zog sich nach Zittau zurück. Dort starb er am 24. Mai 1886. Seine Jugenderinnerungen erschienen 1887 posthum, also nach seinem Tod, als Fragment.
Werkformen und ausgewählte Veröffentlichungen
Willkomms Veröffentlichungen umfassen Lyrik, Dramen, Romane, Novellen, Erzählungen, Märchen- und Sagensammlungen sowie Reisebeschreibungen. Früh erschienen neben Julius Kühn und Bernhard Herzog von Weimar das lyrische Buch der Küsse (1834) und die Civilisationsnovellen (1837–1839). Weitere Beispiele für seine erzählende Literatur sind die Novellensammlung Grenzer, Narren und Lotsen (1842), Sagen und Märchen aus der Oberlausitz (1843), Eisen, Gold und Geist. Ein tragikomischer Roman (1843, 4 Teile) und Weisse Sclaven oder die Leiden des Volkes (1845), ein fünfbändiger Roman.
Reise- und Ortsdarstellungen bilden ebenfalls einen wichtigen Teil seines Werks. Dazu gehören Wanderungen an der Nord- und Ostsee (1850), Im Walde und am Gestade (1854) sowie Von Berlin nach Hamburg. Nebst Schilderungen aus Lübeck und Hamburg (1855). Hamburg dient auch als Schauplatz in R(h)eeder und Matrose. Ein Hamburger Roman (1857) und Banco. Ein Roman aus dem Hamburger Leben (1857).
Auch nach 1857 veröffentlichte Willkomm fortlaufend Romane und kürzere Prosa, darunter Meteore (1858), Dichter und Apostel (1859), Verirrte Seelen (1860), Die Töchter des Vatikan (1860), Moderne Sünden (1861), Männer der Tat (1861), Gesellen des Satan (1866), Im Glücke verwildert (1873) und Wunde Herzen (1875). Zu seinen später genannten Texten zählen außerdem Der verhängnißvolle Schatten, erschienen 1857 in Die Gartenlaube, sowie Der Schlickläufer. Geheimnisvolle Geschichten von der Nordseeküste, herausgegeben von Theo Schuster 1991. Unter „Weitere Veröffentlichungen“ werden Der Halligmann, Erzählungen eines Wattenschiffers und Vorgesichte aufgeführt.