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Ernst-Reuter-Schule (Berlin)

Die Kinder lernen verschiedene Methoden, wie sie Aufgaben verstehen, Texte entschlüsseln (Lesestrategien), ihren Wortschatz erweitern und selbst Texte schreiben …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Schule und pädagogisches Profil
  2. 2. Entwicklung seit 1953
  3. 3. Abschlüsse, Sprachen und Lernförderung
  4. 4. Mentale Gesundheit und soziales Lernen
  5. 5. Vorbereitung auf Beruf und Studium
  6. 6. Projekte, Partner und Gebäude

Schule und pädagogisches Profil

Die Ernst-Reuter-Schule in Berlin-Gesundbrunnen ist eine Integrierte Sekundarschule (ISS) mit eigener gymnasialer Oberstufe und gebundenem Ganztagsbetrieb. Sie liegt zwischen Stralsunder Straße und Bernauer Straße, unmittelbar neben der Gedenkstätte Berliner Mauer. Träger ist das Land Berlin. Im Schuljahr 2025/2026 besuchen etwa 950 Schülerinnen und Schüler die Schule; Schulleiter ist Marc Eggert.

Als ISS hat die Schule kein Probejahr. Der Weg zum Abitur umfasst 13 Schuljahre, sodass die Jugendlichen mit der 11. Klasse ein zusätzliches Jahr zur Vorbereitung auf die Abiturphase haben. In den Jahrgängen 7–10 wird jede Klasse von zwei Klassenleitungen sowie einer Erzieherin oder Sozialarbeiterin als festem Team begleitet. Zu Schuljahresbeginn und zum Halbjahr finden Bilanz- und Zielgespräche über den Lernprozess statt.

Das Schulmotto lautet „Ich höre. Ich sehe. Ich lerne.“ Dahinter steht die Vorstellung, dass Jugendliche die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen und verstehen sollen. Lernen soll gelingen, indem sie gehört und gesehen werden und zugleich eigenständig Erfahrungen sammeln.

Ein fester Bestandteil sind die sogenannten Spaces: gemeinsame Termine für Projektarbeit außerhalb des üblichen Fachunterrichts. Sie orientieren sich an den Interessen und Begabungen der Jugendlichen. Der Science Space behandelt wissenschaftliche und naturwissenschaftliche Fragen. Im Art Space entstehen unter anderem Theateraufführungen, Ausstellungen und Filme. Der Social Space beschäftigt sich mit Gesellschaft, eigenen Standpunkten und sozialer Gestaltung, etwa durch eine Schülerzeitung oder die Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Berliner Mauer. Im Tech Space werden Projekte aus Konstruktion, Robotik und angewandter Technik umgesetzt, beispielsweise Seifenkisten oder 3D-Modelle. Während einer halbjährlichen Space-Woche werden die Ergebnisse Mitschülerinnen, Mitschülern und Eltern präsentiert.

Entwicklung seit 1953

Die Schule wurde am 12. Oktober 1953 als „9. Oberschule Praktischen Zweiges“ eröffnet. Nachdem der erste Regierende Bürgermeister Berlins, Ernst Reuter, am 29. September 1953 gestorben war, erhielt sie am 9. Dezember 1953 auf Antrag Otto Suhrs den Namen „Ernst-Reuter-Schule“. Sie lag in Reuters ehemaligem Wahlkreis; zugleich entsprach die Förderung der Bildungsansprüche junger Menschen seinen politischen Zielen. Schon das erste Schulprogramm betonte Lernen durch Anreize, Handeln, Begreifen und Projekte sowie die Beteiligung der Eltern.

Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde sie zur „Schule an der Mauer“. Unter Rudolf Huth, Schulleiter von 1966 bis 1988, entstand ein Modellprojekt zur sozialen Integration durch intensiven Medieneinsatz und außerunterrichtliche Maßnahmen. Seit 1973 bemühte sich die damalige Hauptschule um die Umwandlung in eine Gesamtschule. 1980 nahm die integrierte Ganztagsgesamtschule ihre ersten Schülerinnen und Schüler im 7. Jahrgang auf. Ab 1983/84 hieß sie „Ernst-Reuter-Oberschule“ und war eine reine Gesamtschule mit 1050 Lernenden und etwa 100 Lehrkräften.

Nach dem Fall der Mauer rückte die Schule von einer Randlage in die neue Mitte Berlins. Zugleich verschärften der Verlust industrieller Arbeitsplätze und die Verarmung im damaligen Bezirk Wedding die sozialen Herausforderungen. Die Schule reagierte mit Schwerpunkten in Naturwissenschaften, Sport und Kunst sowie der Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

2006 fusionierte sie mit der aufgelösten Oberschule am Köllnischen Park und übernahm deren gymnasiale Oberstufe. Das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Schul- und Führungskulturen verlief schwierig. Hinzu kamen die Berliner Schulstrukturreform von 2010 und vermehrte Gewaltfälle von 2014 bis 2016. Seit 2016 wurde die inzwischen wieder Ernst-Reuter-Schule genannte Einrichtung unter Andreas Huth konsolidiert. Die Schulinspektion vom 1. Juli 2019 stellte deutliche Verbesserungen fest, insbesondere überdurchschnittlich gute Abschlussleistungen und wenige Abgänge ohne Abschluss. Marc Eggert übernahm am 1. August 2024 die Schulleitung. Eine Kernsanierung soll im Schuljahr 2026/27 beginnen.

Abschlüsse, Sprachen und Lernförderung

Mögliche Abschlüsse sind der berufsorientierende Abschluss (BoA), die Berufsbildungsreife (BBR), die erweiterte Berufsbildungsreife (eBBR), der Mittlere Schulabschluss (MSA), der schulische Teil der Fachhochschulreife und das Abitur nach drei Jahren Oberstufe. Leistungsstarke Jugendliche werden in den Abschlussklassen durch Zusatzkurse auf die Oberstufe vorbereitet; außerdem gibt es Prüfungsvorbereitung. Die gymnasiale Oberstufe umfasst durchschnittlich 250 Schülerinnen und Schüler.

In der 11. Klasse stehen unter anderem Theater, Philosophie, Informatik und Wirtschaft zur Wahl. Während der Abiturphase bietet die Schule Leistungskurse in Biologie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Geografie, Kunst und Politikwissenschaft an.

Unterrichtete Fremdsprachen sind Englisch, Französisch und Spanisch. Französisch und Spanisch können ab dem 11. Jahrgang als zweite Fremdsprache begonnen werden. Alle Sprachkurse unternehmen eine Kursfahrt in das jeweilige Sprachgebiet. In einer Profilklasse gibt es bilinguale Angebote, also Fachunterricht mit Anteilen in einer Fremdsprache. In den Spaces können außerdem Arabisch, Türkisch und Polnisch gelernt werden. Als akkreditierte Erasmus+-Schule arbeitet die Schule mit europäischen Partnerschulen zusammen. Kommunikation in der Zielsprache findet bei Schüleraustauschen oder digital über die Plattform eTwinning statt.

Das Sprachförderkonzept gilt in allen Fächern und Jahrgängen 7–10. Es soll helfen, Fachsprache und schwierige Alltagsbegriffe zu verstehen, Aufgaben zu bearbeiten, den Wortschatz auszubauen und eigene Texte zu schreiben. Zwei Schwerpunkte sind die sprachsensible Textarbeit mit Lesestrategien sowie der Umgang mit Operatoren. Operatoren sind Arbeitsverben in Aufgabenstellungen, die festlegen, was zu tun ist, beispielsweise etwas zu beschreiben oder zu erklären.

Mentale Gesundheit und soziales Lernen

Mit dem Programm „Me & We“ fördert die Schule die mentale Gesundheit. „Me“ bezeichnet die individuelle Stärkung, „We“ die Verantwortung für die Gemeinschaft. Die Jugendlichen sollen erfahren, dass persönliches Wohlbefinden, Zugehörigkeit und ein gutes soziales Miteinander eng miteinander verbunden sind.

Der Ansatz folgt der Primärprävention: Unterstützung beginnt nicht erst bei sichtbaren psychischen Belastungen, sondern soll durch positive Schulerfahrungen, emotionale Sicherheit und verlässliche Beziehungen frühzeitig vorbeugen. Dafür gibt es ein täglich stattfindendes „Me & We“-Mittagsband. In flexiblen Modulen entwickeln die Klassenleitungen gemeinsam mit der Schulsozialarbeit leicht zugängliche und partizipative Angebote, an denen die Jugendlichen aktiv mitwirken können.

Vorbereitung auf Beruf und Studium

Die Berufsorientierung soll Schülerinnen und Schüler frühzeitig auf Praktika, Ausbildung, Beruf und Studium vorbereiten. Dabei kooperiert die Schule unter anderem mit dem Pfefferwerk und im Projekt LeLe mit dem FVAJ. Für die Jahrgänge 9 und 10 gibt es individuelle Beratung sowie Unterstützung bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen. Ein zentraler Ort dafür ist der „Dialograum“.

Über alle Jahrgänge hinweg beschäftigen sich die Jugendlichen mit ihren beruflichen Interessen und Zielen. Zwei Kompetenzmodule untersuchen ihre Stärken: Im 9. Jahrgang geht es bei „Praxistage – Stärken im beruflichen Handeln“ um praktische Fähigkeiten, im 10. Jahrgang um Berufswahlkompetenz. Beide Module enden mit einem persönlichen Auswertungsgespräch.

In Klasse 9 findet ein Pflichtpraktikum statt, in Klasse 10 ist ein freiwilliges Praktikum möglich. Hinzu kommen Praxistage in Betrieben, Innungen und Fachschulen. Die 8. Klassen absolvieren drei betriebliche Schnuppertage; im 9. Jahrgang gibt es einen praxisbezogenen Betriebsexkursionstag. Am großen Bewerbertag der 10. Klassen nehmen jährlich bis zu 30 Betriebe teil. Die Jugendlichen können sich entsprechend ihren Interessen bei zwei von ihnen in Bewerbungsgesprächen vorstellen.

Die Lernenden dokumentieren den Prozess im Berufswahlpass und in einem Berufsorientierungsportfolio. Das Bewerberbüro hilft bei Unterlagen für Praktika und Ausbildungen. Projekttage behandeln in Klasse 9 die erfolgreiche Praktikumssuche und in Klasse 10 die Vorbereitung auf den Bewerbertag. Mit Zustimmung der Jugendlichen werden Ergebnisse an Lehrkräfte weitergegeben, damit gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten passende schulische Unterstützung organisiert werden kann.

Projekte, Partner und Gebäude

Als anerkannte Bega-Schule fördert die Ernst-Reuter-Schule besondere Begabungen durch zusätzliche Angebote und Kurse. Zur Ausstattung gehören ein Makerspace unter anderem für Robotik, ein Vivarium, eine Imkerei, ein Schulgarten und Werkstätten. Digitale Medien werden beispielsweise für Film, Kunst, Design und Schulradio eingesetzt. Eine digitale Lernplattform und ein Konzept zur digitalen Bildung ergänzen den Unterricht.

Die Schule ist UNESCO-Projektschule. Nachhaltigkeit, interkulturelles Lernen und Menschenrechte gehören zu den Schwerpunkten des Schulcurriculums. Praktisch umgesetzt werden sie unter anderem im Schulgarten sowie durch Schülerfirmen für Catering und textiles Gestalten. Mit der Stiftung Berliner Mauer arbeitet die Schule wegen ihrer Lage an der ehemaligen Mauer eng zusammen.

Das Pfefferwerk betreibt die Mensa und stellt Personal für Schulsozialarbeit, Erste Hilfe und Elternbegleitung. Gemeinsam mit der Schule führt es zwei Praxisklassen in den Jahrgängen 9 und 10. Weitere Kooperationen bestehen mit Gesicht zeigen! für eine Empowerment-Arbeitsgemeinschaft, mit dem Violence Prevention Network zu Antidiskriminierung und Antisemitismus sowie mit dem Projekt Heroes zur geschlechterreflektierenden Jugendarbeit. Die Jahrgänge 10 und 11 nehmen an Workshops zu Interreligiosität beziehungsweise Identität und Zusammenleben teil. Seit 2022 besteht zudem eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

Der Schulkomplex entstand in mehreren Bauphasen. Die Gebäude an der Stralsunder Straße 57 wurden 1952–1955 errichtet und 1957–1958 erweitert. Ihre niedrigen, freistehenden Bauten, großen Fenster und gartenähnlichen Freiflächen stehen für den nach Licht, Luft und Sonne ausgerichteten Schulbau der Nachkriegszeit. Entworfen wurden sie von Magistratsoberbaurat Kleinert und Heinz-Bolko Müller. Ein dreigeschossiger Verwaltungs- und Fachklassentrakt, zweistöckige Klassentrakte mit verglasten Verbindungsgängen sowie ein Musiksaal über dem Speiseraum gehören zur Anlage. Der Verbindungstrakt zum Turnhallenflügel an der Bernauer Straße wurde 1975–1978 durch ein größeres Schulhaus ersetzt. In einem Dossier des Berliner Senats wird der Komplex zusammen mit der Anna-Lindh-Grundschule als „Großschadensfall“ geführt.

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