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Eiland (Roman)

Eiland ist das utopische Gegenstück zu Huxleys bekanntem dystopischen Roman Brave New World, welcher 1932 erschien und oft mit George Orwells 1984 verglichen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundidee
  2. 2. Farnabys Auftrag und Ankunft auf Pala
  3. 3. Gesellschaft und Lebensweise der Palanesen
  4. 4. Farnabys Wandel und das Ende Palas

Werk und Grundidee

Eiland ist der letzte Roman des britischen Autors Aldous Huxley. Er erschien 1962, die deutsche Ausgabe 1973. Der Roman bildet das utopische Gegenstück zu Huxleys dystopischem Roman Brave New World von 1932. Im Mittelpunkt steht der zynische englische Journalist William Asquith „Will“ Farnaby, der auf der fiktiven südostasiatischen Insel Pala strandet und dort eine nahezu utopische Gesellschaft kennenlernt.

Grundideen des Romans hatte Huxley bereits 1946 im Vorwort zu einer neuen Ausgabe von Brave New World beschrieben. Als Alternative zu einer primitiven oder einer technisch beherrschten Gesellschaft entwarf er eine Gemeinschaft mit dezentraler Wirtschaft, kooperativer Politik und einer Wissenschaft, die dem Menschen dient. Religion sollte als bewusstes Streben nach dem höchsten Ziel des Menschen verstanden werden. Eine „höhere“ Form des Utilitarismus sollte nicht allein nach dem größten Glück fragen, sondern danach, ob Gedanken und Handlungen dem Einzelnen und möglichst vielen anderen helfen, dieses höchste Ziel zu erreichen.

Farnabys Auftrag und Ankunft auf Pala

Will Farnaby führt absichtlich einen Schiffbruch herbei, um Zugang zur „verbotenen Insel“ Pala zu erhalten. Als Journalist, politischer Profiteur und Helfer des Ölbarons Lord Joseph Joe „Aldehyde“ soll er die Rani, die Königin von Pala, dazu bewegen, die Rechte an den Ölvorkommen der Insel an Lord Aldehyde zu verkaufen.

Mit einer Beinverletzung erwacht Farnaby am Ufer. Eine Maina ruft wiederholt „Attention!“, in der deutschen Übersetzung „Gib acht!“. Zwei Kinder entdecken ihn; das Mädchen spricht perfektes Englisch und gibt ihm eine Banane. Ihr Großvater Dr. Robert MacPhail und der junge Murugan Mailendra bringen Farnaby zu Roberts Haus. Dort behandelt Susila, Roberts Schwiegertochter und Mutter der Kinder, seine Verletzung erfolgreich durch Hypnotherapie. Susila trauert zu dieser Zeit um ihren Mann, Roberts Sohn, der kurz zuvor bei einem Kletterunfall gestorben ist.

Farnaby und Murugan kennen sich von einem Treffen mit Oberst Dipa, dem Diktator des benachbarten Militärstaats Rendang-Lobo. Auch Dipa interessiert sich für Palas Öl. Murugan erklärt, dass er der Sohn der Rani ist und bald als Raja die Herrschaft über Pala übernehmen soll. Da Murugan und seine Mutter außerhalb der Insel erzogen wurden, orientieren sie sich vor allem an westlichen Vorstellungen. Murugan ist materialistisch und habgierig. Die Rani verfolgt dagegen eine religiöse Erneuerung nach westlichem Vorbild, richtet sich spiritistisch nach ihrem „Meister“ Koot Hoomi und lehnt besonders die auf Pala üblichen Sexualpraktiken ab. Farnaby überzeugt sie, dass Lord Aldehydes Geld ihr bei der geplanten Reform des Landes helfen könne.

Gesellschaft und Lebensweise der Palanesen

Pala besitzt kein Militär und folgt einer pazifistischen Grundhaltung. Seine Gesellschaft verbindet wirksame Methoden der westlichen Medizin mit dem Mahayana-Buddhismus, einer fernöstlichen buddhistischen Tradition. Die Spiritualität der Palanesen ist tief im Alltag verankert, soll aber ohne Aberglauben auskommen. Zentrale Grundsätze sind, im Hier und Jetzt zu leben, Leiden und Tod unmittelbar anzunehmen und täglich zu meditieren.

Kinder wachsen bilingual mit Englisch und Palanesisch auf. Ihre Erziehung findet in Kinderpflegevereinen statt, die jeweils aus zwanzig Familien bestehen. Das Bildungswesen verbindet Wissenschaft, Kunst und Techniken der Selbstkontrolle mit der persönlichen Suche nach Selbstverwirklichung. Die Gesellschaft geht offen mit Sexualität und tantrischen Sexualpraktiken um.

Ein weiterer Bestandteil der Kultur ist die Mokscha-Medizin, eine psychedelische, also die Wahrnehmung und das Bewusstsein stark verändernde Substanz. Sie soll den Menschen die Welt in einem Zustand der Erleuchtung zeigen. Auch die abgerichteten Mainas unterstützen die palanesische Lebensweise: Mit Rufen wie „Gib acht“, „Hier und jetzt, Jungs“ und „Karuna“ erinnern sie die Bevölkerung an Aufmerksamkeit, Gegenwärtigkeit und Mitgefühl.

Dr. Robert MacPhail berichtet Farnaby außerdem von den Ursprüngen dieser Gesellschaft. Sein Großvater Dr. Andrew MacPhail war vom damaligen Raja nach Pala geholt worden, um dessen Gesichtstumor zu behandeln. Die erfolgreiche Verbindung von Hypnotherapie und Chirurgie brachte erste wissenschaftliche Methoden sowie die englische Sprache auf die Insel. Zu den kulturellen Eigenheiten gehört auch eine Marionettenfassung von König Ödipus, deren Handlung so verändert wurde, dass sie glücklich endet.

Farnabys Wandel und das Ende Palas

Während seiner Reise über die Insel erkennt Farnaby zunehmend den Wert der palanesischen Lebensweise. Unter Susilas Anleitung setzt er sich mit seiner schwierigen Kindheit, seiner sorgenvollen Vergangenheit und dem Tod seiner Frau Molly auseinander. Zwischen beiden entsteht eine tiefe Bindung. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zustand von Lakshmi, Dr. Robert MacPhails krebskranker Frau.

Obwohl die Palanesen wissen, dass eine Invasion durch Oberst Dipas Truppen bevorsteht, geben sie ihren Pazifismus nicht auf. Auch Farnaby erkennt die Gefahr und begreift schmerzhaft, dass er selbst zum möglichen Untergang Palas beigetragen hat. Als ihn die Rani in einem dringenden Brief zu einem Treffen auffordert, entscheidet er sich gegen die Ausbeutung der Insel durch Lord Aldehyde und Oberst Dipa. Er ignoriert ihre Aufforderung und geht stattdessen zu Lakshmis Sterbebett. Lakshmi stirbt dort im Kreis ihrer Familie.

Schließlich lädt Susila Farnaby ein, die Mokscha-Medizin einzunehmen. In lebhaften, philosophisch dargestellten Visionen erlebt er einen Ich-Tod, also die vorübergehende Auflösung seines gewöhnlichen Selbstgefühls, und empfindet die Einheit von allem als ein „wissenloses Verstehen“. Zunächst erschrickt er über eine Gottesanbeterin, die nach der Paarung ihren Partner frisst. Susila fordert ihn jedoch auf, sich von der Medizin helfen zu lassen, das Schöne in allen Dingen wahrzunehmen.

Im Morgengrauen fallen Pistolenschüsse, und Militärfahrzeuge nähern sich vom Strand. Über einen Lautsprecher ruft Murugan die Bevölkerung dazu auf, ruhig zu bleiben und die Invasoren willkommen zu heißen. Er verkündet das neue vereinigte Königreich von Rendang und Pala, erklärt sich selbst zu dessen Monarchen und ernennt Oberst Dipa zum Ministerpräsidenten. Während die Militärfahrzeuge ins Inselzentrum fahren, erklingt erneut die Stimme der Maina: „Karuna, Karuna“ und „Gib acht“.

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