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Effizienzlücke
Die Effizienzlücke ist eine Berechnungsmethode, um die Auswirkungen von Gerrymandering auf die Zuweisung von Wählern zu Wahlbezirken in einer Mehrheitswahl …
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Begriff und Berechnung
Die Effizienzlücke ist eine Berechnungsmethode, mit der die Auswirkungen von Gerrymandering auf die Zuweisung von Wählern zu Wahlbezirken in einer Mehrheitswahl verglichen werden. Gerrymandering bezeichnet die Manipulation von Wahlkreisgrenzen, um die Zahl der von einer politischen Partei gewonnenen Wahlbezirke auf Kosten einer anderen Partei zu erhöhen.
Für die Berechnung werden in allen Wahlbezirken die „verschwendeten Stimmen“ beider Parteien addiert. Als verschwendet gelten alle Stimmen für einen unterlegenen Kandidaten. Bei der siegreichen Partei zählen außerdem die Stimmen, die über der erforderlichen Gewinnschwelle liegen. Die Effizienzlücke ist die Differenz zwischen den verschwendeten Stimmen der beiden Parteien, geteilt durch die Gesamtzahl aller Stimmen:
Effizienzlücke = (verschwendete Stimmen der Partei 1 − verschwendete Stimmen der Partei 2) / Gesamtzahl der Stimmen.
Nicholas Stephanopoulos und Eric McGhee entwickelten die Methode 2014. Nach ihrer Argumentation beträgt die Effizienzlücke bei einer fairen Wahlkreisverteilung und zwei etwa gleich populären Parteien null, weil beide Parteien gleich viele Stimmen verschwendet haben.
Politisches Beispiel und Sitzvorteil
Im Fall „Gill v. Whitford“ entschied ein US-Bezirksgericht 2016 gegen die Legislativbezirkgrenzen von Wisconsin aus dem Jahr 2011. Dabei wurde teilweise eine Effizienzlücke von 11,69 % zugunsten der Republikaner herangezogen. Bei den Wahlen in Wisconsin 2012 erhielten republikanische Kandidaten 48,6 % der Stimmen, gewannen aber 61 % der 99 Bezirke.
Das Gericht stellte fest, dass die unterschiedliche Behandlung demokratischer und republikanischer Wähler gegen den 1. und 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verstieß. Der Staat Wisconsin legte gegen das Urteil Berufung beim Obersten Gerichtshof ein.
Die Effizienzlücke kann auch als Sitzvorteil angegeben werden. North Carolina und Pennsylvania werden als die beiden US-Bundesstaaten mit dem höchsten Sitzvorteil von 3 Sitzen genannt.
Mit der Effizienzlücke verwandt sind unberücksichtigte Stimmen bei Verhältniswahlen. Eine Sperrklausel, in Deutschland etwa die Fünf-Prozent-Hürde, führt dazu, dass Stimmen für Parteilisten unterhalb der Sperrklausel bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt werden. Diese Stimmen werden durch Addition der prozentualen Stimmenanteile dieser Parteien berechnet; dabei können zweistellige Prozentwerte erreicht werden.
Rechenbeispiel mit fünf Bezirken
Es gibt 500 Wähler und zwei Parteien A und B. Die Wähler werden auf fünf Bezirke mit jeweils 100 Wählern verteilt. Partei A erhält insgesamt 227 Stimmen, also etwa 45 %, gewinnt aber vier Bezirke. Partei B erhält 273 Stimmen und gewinnt einen Bezirk.
In jedem gewonnenen Bezirk benötigt Partei A 51 Stimmen. In den Bezirken 1 bis 4 erhält sie jeweils 53 Stimmen; deshalb gelten dort jeweils 2 überschüssige Stimmen als verschwendet. Im fünften Bezirk gewinnt Partei B mit 85 zu 15 Stimmen. Alle 15 Stimmen von A sind dort verschwendet, während bei B 34 Stimmen über der Gewinnschwelle liegen.
Insgesamt verschwendet A 23 Stimmen, B dagegen 222 Stimmen. Daraus ergibt sich:
Effizienzlücke = (222 − 23) / 500 = 39,8 % zugunsten von Partei A.
Das Beispiel zeigt, dass Partei A mit weniger als der Hälfte der Gesamtstimmen vier von fünf Bezirken gewinnen kann, weil deutlich mehr Stimmen von Partei B verschwendet werden.