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Echte Mehltaupilze
Die Echten Mehltaupilze (Erysiphaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Helotiales. Innerhalb der Leotiomycetes, einer Klasse der Schlauchpilze.
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Wesen und Bedeutung
Die Echten Mehltaupilze (Erysiphaceae) sind eine Familie der Schlauchpilze (Ascomycota) innerhalb der Ordnung Helotiales und der Klasse Leotiomycetes. Sie bilden eine monophyletische Gruppe: Alle ihre Arten stammen von einer gemeinsamen Abstammungslinie ab. Als obligat biotrophe Ektoparasiten leben sie zwingend auf lebenden Pflanzen und wachsen überwiegend außen auf deren Oberfläche. Sie verursachen den Echten Mehltau bei verschiedenen höheren Pflanzen, darunter vielen Nutz- und Zierpflanzen. Deshalb haben sie große wirtschaftliche Bedeutung.
Typisch ist ein weißer, abwischbarer Belag auf der Blattoberfläche. Trotz ihres äußerlichen Wachstums entziehen die Pilze den Pflanzen Nährstoffe. Das kann dazu führen, dass Blätter welken und schließlich abfallen.
Befall, Vermehrung und Überwinterung
Auf dem Wirt bildet der Pilz ein oberflächliches Mycel, also ein Geflecht aus Pilzfäden. Dieses bildet Haustorien aus. Haustorien sind besondere Saugorgane: Sie verankern sich in den Zellen der Epidermis, durchstoßen deren Zellwand, nicht aber die Plasmamembran. Auf diese Weise wird der Pilz mit Nährstoffen versorgt.
Während der Vegetationsperiode entstehen aus dem Mycel Konidienträger mit Konidien. Konidien sind Sommersporen; ihre Verbreitung ermöglicht die Massenvermehrung. Am Ende der Vegetationsperiode entstehen durch die Verschmelzung unterschiedlich ausgeprägter Pilzfäden an befallenen Pflanzenorganen Fruchtkörper. Diese heißen Kleistothezien oder Chasmothecien und enthalten Ascosporen, die kleiner als Konidien sind.
Der Pilz kann als Mycel in den Knospen der befallenen Pflanze überwintern. Beim Austrieb wächst er erneut, bildet wieder Konidienträger und Konidien. Der Wind verbreitet die Konidien, wodurch neue Infektionsherde entstehen.
Echter Mehltau ist vom Falschen Mehltau zu unterscheiden. Vertreter der Peronosporales, die ebenfalls „Mehltau“ genannt werden, entwickeln einen gräulich-bläulichen Pilz auf der Blattunterseite und werden als Falscher Mehltau bezeichnet.
Beispiel Spitzahorn und Merkmale
Sawadaea tulasnei, auch Uncinula tulasnei genannt, ist ein spezifischer Ektoparasit des Spitzahorns (Acer platanoides). Der Befall kann optisch dramatisch wirken, gefährdet den Wirtsbaum aber nicht ernstlich. Eine Bekämpfung mit Fungiziden ist daher nicht notwendig. Durch Verbrennen abgefallenen Laubes im Herbst kann das Risiko eines erneuten Befalls im folgenden Jahr verringert werden.
Die Kleistothezien auf dem weißlichen Mycel erscheinen als etwa 100 µm große Kugeln. Unreife Fruchtkörper sind gelb, reife schwarz. Farblos erscheinende Anhängsel helfen bei stärkerer Vergrößerung bei der Artbestimmung: Bei Sawadaea tulasnei sind sie einseitig gekrümmt; bei der auf Feld-Ahorn schmarotzenden Art Sawadaea bicornis (Uncinula bicornis) sind sie gegabelt.
Labor, Resistenz und ökologische Rolle
Weil alle Echten Mehltaupilze obligat biotroph sind, lassen sie sich nicht auf Nährmedien kultivieren. Das erschwert die Erhaltung von Reinkulturen für Resistenzprüfungen, also Untersuchungen, ob Pflanzensorten gegen einen Erreger widerstandsfähig sind. Bei Wirtsarten, bei denen die Mehltauresistenz ein sortenunterscheidendes Merkmal ist, muss der Phytopathogen besonders sorgfältig rein erhalten werden. Erysiphe pisi wird beispielsweise unter semi-sterilen Bedingungen auf Fiederblättern anfälliger Erbsensorten kultiviert. Wenn Resistenz nicht zur Unterscheidung von Sorten dient, können Prüfungen unter natürlichen Befallsbedingungen erfolgen.
Echter Mehltau ist außerdem für einige mycetophage, also pilzfressende, Marienkäferarten lebensnotwendig. Der Sechzehnfleckige und der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer ernähren sich ausschließlich von Mehltau.
Systematik und wichtige Gattungen
Die Familie Erysiphaceae wurde 1861 von Edmond Tulasne und Charles Tulasne beschrieben. Die frühere Ordnung Erysiphales wurde 1884 von Eugenius Warming und 1922 nochmals von Helen Gwynne-Vaughan beschrieben. Phylogenetische Studien zeigten, dass ihre Einordnung als eigene Ordnung die Helotiales paraphyletisch machen würde. Seit 2021 ist Erysiphales daher ein Synonym und zählt offiziell zu den Helotiales.
Nach Braun (2012) sowie Wijayawardene und Mitarbeitern (2021) gehören unter anderem folgende Gattungen zur Familie: Erysiphe mit 478 Arten, Podosphaera mit 124 Arten, Phyllactinia mit 117 Arten, Pseudoidium mit 80 Arten, Golovinomyces mit 66 Arten und Leveillula mit 49 Arten. Weitere genannte Gattungen sind Arthrocladiella, Blumeria, Brasiliomyces, Bulbomicroidium, Caespitotheca, Cystotheca, Microidium, Neoerysiphe, Parauncinula, Pleochaeta, Queirozia, Sawadaea, Takamatsuella und Typhulochaeta.
Beispiele für wirtschaftlich oder gärtnerisch wichtige Arten sind Blumeria graminis an Getreide und Gräsern, Erysiphe necator an Weinrebe, Erysiphe pisi an Erbse, Podosphaera aphanis an Erdbeeren, Podosphaera leucotricha als Apfelmehltau an Apfel, Podosphaera macularis an Hopfen sowie Podosphaera pannosa an Rose und Steinobst. Erysiphe alphitoides verursacht Eichenmehltau an Eichen.