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Fruchtkörper

Fruchtkörper (Karposoma) sind die Fortpflanzungsorgane mehrzelliger Pilze. Sie entsprechen dem, was man gemeinhin als „Pilz“ bezeichnet.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Fruchtkörpertypen und Vermehrung
  3. 3. Fruchtschicht außen oder an den Flanken
  4. 4. Fruchtschicht auf der Hutunterseite
  5. 5. Fruchtschicht im Inneren und Lage
  6. 6. Fruchtkörper bei Bakterien

Grundbegriff und Bedeutung

Fruchtkörper (Karposoma) sind die Fortpflanzungsorgane mehrzelliger Pilze und entsprechen dem, was im Alltag meist als „Pilz“ bezeichnet wird. Biologisch meint „Pilz“ jedoch den gesamten Organismus: Dazu gehört auch das meist in Boden oder Substrat verborgene Myzel.

Vergleichbar sind Fruchtkörper bei Pilzen mit den Blüten höherer Pflanzen. Bei Schleimpilzen heißt der Fruchtkörper Sporocarp, weil in ihm Meiosporen für die geschlechtliche Vermehrung entstehen. Er besteht aus verzweigten, mehr oder weniger miteinander verwachsenen Hyphen; diese sporenbildenden Hyphen werden generative Hyphen genannt.

Bei günstiger Temperatur, Feuchtigkeit und Nährstoffangebot können Fruchtkörper rasch wachsen. Ihre Form war früher ein wichtiges Merkmal zur systematischen Einteilung von Pilzen. Molekularbiologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Fruchtkörpermorphologie wenig über die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse aussagt.

Fruchtkörpertypen und Vermehrung

Bei Ständerpilzen (Basidiomycota) heißen die Fruchtkörper Basidiokarpe oder Basidiomata. Ihre Basidiosporen werden auf ständerartigen Hyphen, den Basidien, gebildet. Die Sporen werden oft aktiv abgeschleudert und meist durch den Wind verbreitet, beispielsweise bei Champignons und Steinpilzen.

Die Fruchtkörper der Schlauchpilze (Ascomycota) heißen Ascomata oder Ascokarpen. Ihre Sporen reifen in schlauch- oder sackförmigen Zellen, den Asci, und werden teilweise aus diesen herausgeschleudert. Morcheln und Trüffel sind Beispiele.

Bei Großpilzen bilden Fruchtkörper vor allem haploide Meiosporen für die geschlechtliche Fortpflanzung. Diese geschlechtliche Hauptfruchtform heißt Teleomorphe. Viele Ascomyceten und einige Basidiomyceten erzeugen außerdem durch mitotische Teilung ungeschlechtliche Konidiosporen. Die sie bildende Nebenfruchtform heißt Anamorphe. Von einigen niederen Pilzen ist nur diese ungeschlechtliche Vermehrung bekannt; sie werden Fungi imperfecti genannt.

Fruchtschicht außen oder an den Flanken

Die Formen werden grundsätzlich danach unterschieden, ob das Hymenium, also die Fruchtschicht, außen, unter dem Hut oder im Inneren liegt. Die Fruchtkörperform ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.

Resupinate Fruchtkörper liegen flächig auf Wirt oder Substrat; auch ihr Rand liegt an und ist nicht nach oben gebogen. Sie kommen bei Ständer- und Schlauchpilzen vor, und ihr Hymenium kann die ganze Oberfläche bedecken. Corticoide Fruchtkörper sind eine resupinate, krustenförmige und flache Form ohne abstehenden Rand oder Hutkante; sie ist für viele Rinden- und Schichtpilze typisch.

Becherförmige Fruchtkörper treten vor allem bei Ascomyceten auf, etwa bei Orangebecherlingen (Aleuria). Clavarioide Fruchtkörper sind keulen- oder korallenförmig, beispielsweise bei Holzkeulen (Xylaria), Wiesenkeulen (Clavulinopsis) und Korallen (Ramaria).

Fruchtschicht auf der Hutunterseite

Pileate oder hutförmige Fruchtkörper sind hut- oder konsolenförmig. Auf der Hutunterseite liegt das Hymenophor, das von der Fruchtschicht überzogen ist. Es vergrößert deren Oberfläche durch Lamellen, Stacheln oder Röhren.

Ein Hut mit zentralem Stiel und Lamellen heißt agaricoid, weil er dem Champignon (Agaricus) ähnelt; der Fliegenpilz ist ein Beispiel. Bei Röhren statt Lamellen spricht man von boletoid, also steinpilzähnlich; der Steinpilz ist pileat und boletoid. Ein kurzer seitlicher Stiel kennzeichnet pleurotoide Fruchtkörper, wie beim Austernseitling (Pleurotus). Fächerförmige Fruchtkörper heißen flabelliform.

Effuso-reflexe oder halbresupinate Fruchtkörper liegen dem Substrat auf, haben aber hutartig aufwärts gebogene Ränder. Stereoide Fruchtkörper sind solche halbresupinaten Formen und typisch für viele Rinden- und Schichtpilze. Sekotioide Fruchtkörper stehen zwischen Hut- und Bauchpilz: Der Stiel ist oft fast völlig reduziert und nur als Columella im Hut erkennbar. Der Hut öffnet sich unvollständig oder gar nicht; Lamellen sind teilweise oder ganz durch eine kammerige oder schwammig-poröse Gleba ersetzt. Die Sporen fallen nicht ab, sondern werden verstäubt.

Fruchtschicht im Inneren und Lage

Gasteroide Fruchtkörper bilden ihre Sporen im Inneren, der Gleba, und werden meist Bauchpilze (Gastromyceten) genannt. Die fertile Gleba liegt über der sterilen Subgleba; bei manchen Bauchpilzen trennt ein pergamentartiges Diaphragma beide. Gleba und Subgleba umschließt die meist mehrschichtige Peridie, die Außenhülle. Bei einer zweischichtigen Peridie heißt die innere Schicht Endoperidie und die äußere Exoperidie.

Angiocarpe Fruchtkörper besitzen eine vorgeformte Öffnung zur Sporenausbreitung, cleistocarpe besitzen keine. Erdsterne haben als angiocarpe Form eine scheitelständige Öffnung der Endoperidie, das Peristom. Trüffel sind cleistocarp. Bauchpilze galten früher als eigene Verwandtschaftsgruppe, doch molekularbiologische Untersuchungen zeigen, dass sie innerhalb der Basidiomyceten mehrfach unabhängig entstanden sind.

Der neuere Begriff sequestrat bezeichnet Basidio- oder Ascomyceten, die Sporen nicht aktiv freisetzen und deren Basidien oder Asci im Inneren heranreifen. Er umfasst echte Trüffel ebenso wie trüffelartige oder sekotioide Fruchtkörper.

Die meisten Fruchtkörper wachsen oberirdisch und heißen epigäisch; die Pilze heißen dann Epigäen. Unterirdisch im Boden wachsende Fruchtkörper, typisch für Trüffel und Falsche Trüffel, heißen hypogäisch; entsprechende Pilze heißen Hypogäen.

Fruchtkörper bei Bakterien

Auch Myxobakterien (Myxobacteria), etwa Myxococcus xanthus und Stigmatella aurantiaca, können Fruchtkörper bilden. Sie entstehen am Ende eines für Prokaryoten außergewöhnlich komplexen Lebenszyklus als mehrzellige Strukturen von bis zu über 0,5 mm Größe und sind daher teilweise mit bloßem Auge sichtbar. Je nach Art entstehen einzelne oder verzweigte Fruchtkörper.

Sie enthalten Myxosporen. Diese dienen den Bakterien vor allem als Verbreitungseinheit und weniger als Überdauerungsform.

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