Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Droge (Pharmazie)

Drogen werden als natürliche Rohstoffe für die Gewinnung arzneilich wirksamer Inhaltsstoffe sowie auch als Hilfsstoffe in der Arzneimittelherstellung genutzt.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Arten und Einteilung
  3. 3. Gewinnung, Verarbeitung und Lagerung
  4. 4. Qualität und Kontrolle
  5. 5. Anwendung als Tee und Arzneimittel

Begriff und Bedeutung

Pharmazeutische Drogen, auch Arzneidrogen, sind haltbar gemachte Teile von Pflanzen, Pilzen, Tieren oder Mikroorganismen. Meist werden sie durch Trocknung haltbar gemacht. Dazu zählen auch biologische Stoffe ohne zelluläre Struktur, etwa Wachse, Harze und andere Abscheidungsprodukte. Früher wurden auch mineralische Arzneidrogen beschrieben; heute sind Arzneidrogen überwiegend pflanzlicher Natur.

Sie dienen als natürliche Rohstoffe: Aus ihnen können arzneilich wirksame Inhaltsstoffe gewonnen werden, außerdem können sie als Hilfsstoffe bei der Herstellung von Arzneimitteln eingesetzt werden. Chemisch definierte, aus biologischem Material isolierte Arzneistoffe heißen biogene Arzneistoffe. Die wissenschaftliche Lehre von Arzneidrogen wird Drogenkunde oder Pharmakognosie genannt und gehört zur pharmazeutischen Biologie.

Der Fachbegriff ist vom umgangssprachlichen Gebrauch zu unterscheiden: Im Alltag meint „Droge“ oft verkürzt eine Rauschdroge, also eine Substanz oder Zubereitung zur Erzeugung eines Rauschzustands oder zur Befriedigung einer Abhängigkeit.

Arten und Einteilung

Pflanzliche Drogen werden nach dem verwendeten Pflanzenteil eingeteilt: Blüten-, Blatt-, Frucht-, Kraut-, Rhizom-, Rinden-, Samen- und Wurzeldrogen. Beispiele sind Lindenblüten (Tiliae flos), Kamillenblüten (Matricariae flos), Ginkgo-biloba-Blätter (Ginkgo folium), Sennesblätter (Sennae folium), Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus), Eichenrinde (Quercus cortex), Echtes Johanniskraut (Hyperici herba) und Süßholzwurzel (Liquiritiae radix). Pflanzliche Drogen ohne zelluläre Struktur sind beispielsweise Arabisches Gummi (Gummi arabicum), Myrrhe, Perubalsam (Balsamum peruvianum) und Rohopium.

Auch Pilze können Drogen liefern, etwa Isländisches Moos (Lichen islandicus) und Medizinische Hefe (Faex medicinalis). Tierische Drogen mit zellulärer Struktur haben kaum noch pharmazeutische Bedeutung, werden aber noch für homöopathische Zubereitungen verwendet; Beispiele sind Medizinischer Blutegel (Hirudo medicinalis), Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus) und Honigbiene (Apis mellifera). Tierische, nichtzelluläre Drogen sind unter anderem Bienengift (Apisinum), Propolis, Bienenwachs (Cera alba), Lebertran (Jecoris aselli oleum), Schlangengift (Lachesis) und Wollwachs (Adeps lanae).

Eine weitere Einteilung richtet sich nach der chemischen Natur der wirksamen Inhaltsstoffe. Man unterscheidet Alkaloid-, Ätherischöl-, Bitterstoff-, Gerbstoff-, Glycosid-, Saponin- und Schleimstoffdrogen.

Gewinnung, Verarbeitung und Lagerung

Drogen werden aus Wildbeständen gesammelt oder aus Kulturen geerntet; dabei müssen Bestimmungen des Artenschutzes beachtet werden. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach der höchsten Wirkstoffmenge und dem Pflanzenteil: Rinden werden im Allgemeinen im Frühjahr, Kräuter kurz vor der Blüte, Blätter zu Beginn oder während der Blütezeit und Blüten kurz nach dem Aufblühen geerntet. Samen und Früchte erntet man kurz vor oder während der Vollreife, Wurzeln und Rhizome ab dem Spätherbst nach der Vegetationsperiode.

Pflanzliche Drogen sollen möglichst frei von Verschmutzungen und Insekten sein. Frische Pflanzen müssen rasch verarbeitet werden; getrocknete Drogen sind länger haltbar. Die Trocknung erfolgt schonend an der Luft bei normaler Umgebungstemperatur oder in Trocknungsanlagen mit Warmluft bei 35 bis 60 Grad Celsius. Die passende Temperatur hängt von der Beschaffenheit der Droge und der Empfindlichkeit ihrer Inhaltsstoffe ab.

Nach dem Trocknen werden Drogen häufig zerkleinert. Grob geschnitten heißt concisus, fein geschnitten minutim concisus und gepulvert pulvis. Unzerkleinerte Drogen werden als totus bezeichnet. Keimreduktionsverfahren können mikrobiellen Verderb während der Lagerung vorbeugen; die Behandlung mit Gammastrahlung oder Ethylenoxid ist in Deutschland jedoch nicht erlaubt. Drogen müssen trocken und lichtgeschützt gelagert werden.

Qualität und Kontrolle

Viele Qualitätsanforderungen für Drogen sind im Europäischen Arzneibuch festgelegt. Als Arzneistoffe oder Arzneimittel müssen sie festgelegten Standards entsprechen, die vor allem in Monografien der Arzneibücher oder im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) stehen. In Rezeptur und Defektur dürfen Apotheken nur Ausgangsstoffe verwenden, deren ordnungsgemäße Qualität festgestellt und dokumentiert wurde. Bei Fertigarzneimitteln mit Drogen oder Drogenzubereitungen muss der pharmazeutische Unternehmer im Zulassungsverfahren eine einwandfreie und standardisierte Qualität belegen.

Zur Prüfung gehören die Identitätsprüfung gegen Verwechslungen sowie Reinheitsprüfungen. Allgemein werden fremde Bestandteile, Aschegehalt und Trocknungsverlust bestimmt. Wichtig sind außerdem Untersuchungen auf Pestizidrückstände, Schwermetalle und mikrobielle Verunreinigungen sowie gegebenenfalls auf Schimmelpilzgifte und radioaktive Isotope. Je nach Inhaltsstoffen werden beispielsweise Bitterwert, Quellungszahl, Verseifungszahl oder biologische Aktivitäten wie die hämolytische Aktivität bestimmt. Spezifische Gehaltsbestimmungen können einen Mindestgehalt wirksamer Stoffe sichern.

Drogen mit stark wirksamen Inhaltsstoffen und geringer therapeutischer Breite, also einem kleinen Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis, werden als Pulver oder Extrakt mit normiertem Wirkstoffgehalt verwendet. Dies betrifft Alkaloide, Herzglykoside und Anthraglykoside. Neben dem Mindestgehalt ist eine Obergrenze vorgeschrieben, um Vergiftungen durch versehentliche Überdosierung zu vermeiden. Diese Standardisierung unterscheidet Arzneidrogen von Teepflanzen in Lebens- und Genussmitteln.

Bei Drogen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) führten unbekannte Stammpflanzen und unleserliche Beschriftungen zu Verwechslungen. Berichtet wurde zudem über Belastungen mit Schwermetallen, Schimmelpilzgiften und Pestiziden, bedenkliche Mengen von Aristolochiasäuren sowie Zusätze synthetischer Stoffe. TCM-Rezepturen gelten in Deutschland gemäß einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg als Arzneimittel; Apotheken müssen deshalb die Qualität der enthaltenen Drogen prüfen. Der DAC enthält eine Rahmenmonographie für die Prüfung von TCM-Drogen.

Anwendung als Tee und Arzneimittel

Zelluläre Drogen werden wegen ihres hohen Gerüststoffanteils fast immer als Auszug angewendet. Die einfachste Form ist Arzneitee: Grob oder fein geschnittene Teedrogen werden mit Wasser als Abkochung (Dekokt), Aufguss oder Kaltansatz (Mazeration) zubereitet. Bei Früchten der Doldenblütler ist es üblich, sie vor der Anwendung anzustoßen, also leicht zu quetschen, damit Wirkstoffe besser freigesetzt werden. Arzneitees werden lose oder in Teefilterbeuteln verkauft und können aus einer Droge oder aus Mischungen bestehen.

Teemischungen werden je nach Zusammensetzung und Anwendungsgebiet eingesetzt, zum Beispiel Species amarae zur Appetitanregung, Species digestivae für Magen und Verdauung, Species diureticae als harntreibende Mischung, Species laxantes als abführende Mischung, Species pectoralis als hustenlösender „Brusttee“ und Species sedativae als beruhigende Mischung. Auszüge klassischer Teedrogen können auch äußerlich als Umschläge, Spülungen, Wickel, Bäder oder Kräuterkissen verwendet werden.

Drogenzubereitungen entstehen durch Pulverisierung, Extraktion, Pressung oder Destillation, teils kombiniert mit Fermentation, Fraktionierung, Anreicherung und Reinigung. Bei Auszügen werden neben Wasser auch organische Extraktionsmittel wie niedere Alkohole eingesetzt, die lipophile Stoffe besser herauslösen. Es entstehen etwa Tinkturen, ätherische Öle, Presssäfte sowie Flüssig-, Dick- und Trockenextrakte. Diese können direkt verwendet oder zu unterschiedlichen Arzneiformen, den Phytopharmaka, weiterverarbeitet werden.

Manche Pflanzendrogen werden Arzneitees nur für Geschmack oder Aussehen als Schmuckdroge zugesetzt. Nichtzelluläre Drogen können Hilfsstoffe sein, etwa Gummi arabicum, Bienenwachs oder Wollwachs. Bestimmte Drogen und Drogenzubereitungen sind verschreibungspflichtig, teilweise mit Ausnahmen für homöopathische Verdünnungen oder äußerliche Anwendung. Dazu gehören Belladonnablätter, Schierlingskraut, Fingerhutblätter, Wurmfarnwurzelstock, Ephedrakraut und Brechnusssamen.

Weiterlesen

Zelle (Biologie) Eine Zelle (lateinisch cellula ‚Kämmerchen, Zelle') ist die kleinste lebende Einheit aller Organismen. Man unterscheidet Einzeller, also Lebewesen, … Wachs Somit werden Gemische verschiedener organischer Verbindungen (z. ... B. auch Kohlenwasserstoffe), die bei über etwa 40 °C schmelzen und dann eine Flüssigkeit … Droge Drogen sind also Substanzen, die in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermögen. Dies betrifft immer Funktionen der Psyche und meistens auch … Französische Sprache Vokale · ​/⁠ɑ⁠/​: pâte – / pɑt/ – Teig · ​/⁠ɔ⁠/​: sort – / sɔʁ/ – Schicksal · ​/⁠o⁠/​: sot – / so/ – dumm · ​/⁠u⁠/​: sous – / su/ – unter. Latein Verben ; Perfekt- stamm · 2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv, du habest geliebt, amāv-, -eri- ; Perfekt- stamm · 3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ … Blüte Die befruchtete Eizelle entwickelt sich zum pflanzlichen Embryo, die Samenanlage entwickelt sich zum Samen und die gesamten verbleibenden Teile der Blüte werden … Same (Pflanze) Samen entstehen, nachdem eine in den Samenanlagen sitzende Eizelle durch eine generative Zelle eines Pollenkorns befruchtet wurde. Aus der befruchteten Eizelle … Gammastrahlung Gammastrahlung – auch γ-Strahlung geschrieben – ist im engeren Sinne eine besonders durchdringende elektromagnetische Strahlung, die bei spontanen … Isotop Als Isotope (von altgriechisch ἴσος ísos „gleich“ und τόπος tópos „Ort, Stelle“) bezeichnet man die verschiedenen Atomarten desselben chemischen Elements. Destillation Bei der Destillation wird zunächst das Ausgangsgemisch zum Sieden gebracht. Der entstehende Dampf, der sich aus den verschiedenen flüchtigen Komponenten der zu … Fermentation Die Fermentation wird in der Biotechnologie als Umwandlung organischer Materie außerhalb lebendiger Organismen bewusst angewendet. Dies geschieht entweder durch … Alkohole Alkohole (arabisch الكحول , DMG al-kuḥūl) sind organische chemische Verbindungen, die eine oder mehrere an unterschiedliche aliphatische Kohlenstoffatome …