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Digital Detox
Digital Detox (dɪdʒ.ɪ.təl ˈdiː.tɒks, englisch für digitale Entgiftung) bezeichnet einen teilweisen oder kompletten Verzicht der Nutzung digitaler Medien für …
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Grundidee und Bedeutung
Digital Detox bedeutet einen teilweisen oder vollständigen Verzicht auf digitale Medien für einen begrenzten Zeitraum. Ziel ist es, sich digitaler Vernetzung und ständiger Erreichbarkeit zu entziehen. Dadurch sollen Stress verringert und Aufmerksamkeit wieder stärker auf die reale Welt gelenkt werden.
Digital Detox ist ein Trend der letzten Jahre und steht im Zusammenhang mit umfassenderen Bewegungen wie Dopamin-Fasten und freiwilliger Einfachheit. Diese richten sich nicht nur gegen digitale Medien, sondern allgemein gegen die starke Reizüberflutung der Gegenwart. In Deutschland gaben 2022 in einer repräsentativen Umfrage 41 % der Befragten an, schon einmal einen Digital Detox gemacht zu haben.
Problematische Nutzung digitaler Medien
Ein wichtiger Hintergrund von Digital Detox ist die starke Nutzung digitaler Medien im Informationszeitalter. Mit der digitalen Revolution und besonders mit sozialen Medien sind neue Abhängigkeitssymptome entstanden. Das wird häufig Internetabhängigkeit genannt. Gemeint ist eine pathologische oder zwanghafte Nutzung des Internets. Sie kann mit Entzugserscheinungen verbunden sein, zum Beispiel Ängstlichkeit, Gereiztheit oder Traurigkeit, wenn das Internet plötzlich nicht mehr verfügbar ist.
In fortgeschrittenen Stadien kann extensive Nutzung die Arbeitsfähigkeit und soziale Kompetenzen beeinträchtigen. Die Begriffe Handyabhängigkeit und Internetabhängigkeit bezeichnen eine suchtartige Nutzung von Smartphones beziehungsweise des Internets. Seit Juni 2018 führt die WHO Onlinespiel-Sucht als Krankheit; sie betrifft aber nur einen relativ kleinen Teil des Gesamtbereichs.
In der Fachwelt ist umstritten, wie Internetabhängigkeit genau einzuordnen ist: als eigenständige Erkrankung, als Symptom einer anderen Grunderkrankung, als Störung der Impulskontrolle, als Zwangsstörung oder als substanzungebundene Abhängigkeit. Eine fehlende Definition und Standardisierung erschwerten bisher die Bildung eines klaren Krankheitsbegriffs, die Festlegung von Behandlungsbedarf und die Bereitstellung von Ressourcen.
Untersuchungen zeigen, dass durchschnittliche Nutzer etwa alle 12 Minuten zum Mobiltelefon greifen und ihr Handy rund 80 Mal am Tag entsperren. Dabei ist ein achtstündiges Zeitfenster als Schlafphase eingerechnet. Der Informatiker Alexander Markowetz von der Universität Bonn wertete Nutzungsdaten von 60.000 Menschen aus. Demnach verbrachten die Probanden durchschnittlich zweieinhalb Stunden täglich am Handy. Mit erhöhter Nutzung digitaler Medien geht laut Artikel eine sinkende Konzentrationsfähigkeit einher, die vielfach nur noch acht Sekunden je Thema beträgt.
Warum die Nutzung so stark wird
Drei Eigenschaften digitaler Medien können eine extensive Nutzung fördern. Erstens gibt es fast ständig Internetzugang. Zweitens ist dieser Zugang ortsunabhängig, also an sehr vielen Orten möglich. Dadurch steht eine übermäßige Menge an Informationen dauerhaft bereit. Drittens sind digitale Medien sehr schnell: Benachrichtigungen und interaktive Funktionen ziehen immer wieder Aufmerksamkeit auf sich und verlängern die Nutzungszeit.
Auch Strategien der Kundenbindung tragen dazu bei, dass Menschen digitale Medien länger nutzen. Unternehmen gestalten Apps und Dienste so, dass Nutzer möglichst viel Zeit und Aufmerksamkeit dort verbringen. Sean Parker, Mitbegründer von Napster, Plaxo und Causes sowie Berater der Meta Platforms, beschrieb die Motivation bei der Entwicklung früher Anwendungen sinngemäß mit der Frage, wie man so viel Zeit und Aufmerksamkeit der Nutzer wie möglich bekommen könne. Ähnliche Strategien gibt es auch im Fernsehen, wo Formate entwickelt werden, die Zuschauer möglichst lange halten und hohe Quoten erzielen sollen.
Gleichzeitig wird eine vollständige Ablehnung digitaler Technik immer schwieriger. Gesellschaftliche Teilhabe und wichtige Informationen, etwa zu Notrufen, Öffnungszeiten oder diensthabenden Apotheken, sind ohne Internet zunehmend schwer oder manchmal unmöglich zu bekommen. Auch Konzepte wie Bring your own device, kurz BYOD, setzen den Besitz elektronischer Geräte und die Fähigkeit voraus, sie zu bedienen, zum Beispiel für Kurse, Seminare oder Studien.
Methoden zur Reduktion
Ein praktischer Ansatz von Digital Detox ist die bewusste Reduktion des Konsums. Die Süddeutsche Zeitung und der Tages-Anzeiger veröffentlichten im November 2017 sieben häufig zitierte Tipps zur digitalen Entgiftung, die von Fachleuten als praktikabel eingestuft werden.
Empfohlen wird, bestimmte Dienste auszulagern, etwa Uhr, Wecker, Taschenlampe oder Landkarte, damit das Smartphone nicht für alles benutzt werden muss. Außerdem kann es helfen, weniger Apps und häufiger den Browser zu verwenden, weil Apps durch Push-Nachrichten ständig Aufmerksamkeit erzeugen. Digital-Detox-Apps können als erster Schritt zur Selbstkontrolle dienen, indem sie über die tägliche Nutzungsdauer informieren.
Weitere Methoden betreffen soziale Regeln und Gewohnheiten: Man soll soziale Normen ansprechen, nicht sofort auf Fragen antworten und die eigene Verhaltensänderung kommunizieren. Smartphone-freie Zeiten durchbrechen das Prinzip ständiger Erreichbarkeit. Smartphone-freie Räume sind besonders in Familien mit Kleinkindern wichtig, um dauernde Ablenkung zu vermeiden. Auch Flugmodus oder Ausschalten schaffen Zeiten ohne eingehende Nachrichten.
Unterstützung durch Orte und Angebote
Ein Ortswechsel kann Digital Detox unterstützen. Wie bei vielen Suchterkrankungen gelten Ortsveränderung und ein geschlossenes Setting als hilfreiche Bedingungen für den Entzug. Reisen können deshalb bewusst eingesetzt werden. Einige Reisebuchverlage, etwa der Reisedepeschen Verlag, setzen auf Publikationen, die bewusstes und nachhaltiges Reisen ohne Smartphone ermöglichen.
Klosteraufenthalte und spirituelle Retreats enthalten meist ebenfalls einen Digital Detox; teilweise schreiben Veranstalter Smartphone-Verbote vor. Seit 2013 gibt es in den USA und seit 2015 auch in Deutschland ähnliche Ferienlager für Erwachsene ohne spirituellen Bezug. Das Wall Street Journal prägte dafür den Begriff Digital Detox Camps. Dort sollen Gemeinschaftsspiele, Tanzabende, Workshops, Nachtwanderungen, Talentshows, Entspannungstechniken, Yoga und gesunde Ernährung den Verzicht auf technische Geräte erleichtern. Als Erfinder solcher Digital-Detox-Kuren gelten die US-Amerikaner Levi Felix und Brooke Dean aus dem Silicon Valley.
Auch die Wellness-Branche greift Digital Detox auf. Das reicht von smartphonefreien Spa-Bereichen bis zu speziellen Digital-Detox-Paketen in Wellnesshotels. Die Entwicklung wird auch mit der Nachfrage der Urlauber erklärt, da eine Mehrheit der Gäste angibt, in Wellnesshotels keine mobilen Endgeräte nutzen zu wollen.
Hilfe und Aktionstage
Neben persönlichen Strategien und Ortswechseln gibt es Unterstützung durch Dritte. Zahlreiche Coaches, Psychologen und Psychotherapeuten bieten spezielle Hilfen an. Solche Angebote setzen aber voraus, dass Betroffene ein Problembewusstsein haben und eine Veränderung wünschen. David Greenfield gründete in West Hartford, Connecticut, das Center for Internet and Technology Addiction.
Auch manche Unternehmen versuchen, Beschäftigte zu einer reduzierten oder reflektierteren Nutzung digitaler Medien zu bewegen. Ziel ist dabei, die Leistungsfähigkeit zu steigern.
Ein öffentlich sichtbares Beispiel ist der Day of Unplugging, auf Deutsch etwa „Tag des Aussteckens“. Er wurde erstmals 2009 gefeiert und findet seitdem jährlich am ersten Freitag im März statt.