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Die Verwandlung (1975)
Die Verwandlung ist ein deutscher Fernsehfilm des Regisseurs Jan Němec. Er basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka. Der Film wurde am 30.
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Film und Grundidee
Die Verwandlung ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 1975 mit einer Länge von 55 Minuten. Regie und Drehbuch stammen von Jan Němec; die Musik komponierte Evžen Illín. Der Film basiert auf Franz Kafkas gleichnamiger Erzählung und wurde am 30. Oktober 1975 im ZDF ausgestrahlt. Die Originalsprache ist Deutsch.
Im Mittelpunkt steht der Handlungsreisende Gregor Samsa, der eines Morgens als „ungeheures Ungeziefer“ erwacht. Der Film zeigt nicht, wie Gregor aussieht. Stattdessen erlebt das Publikum die Handlung weitgehend aus seiner Perspektive und erschließt seine Gestalt aus den Reaktionen der Familie und anderer Personen. Dadurch wird die Verwandlung vor allem als Veränderung von Gregors Stellung innerhalb der Familie und seiner Beziehung zu den anderen dargestellt.
Gregors Verwandlung und ihre Folgen
Gregor Samsa erwacht nach unruhigen Träumen und glaubt zunächst, er habe nur verschlafen. Sein Wecker ist auf vier Uhr gestellt, inzwischen ist es fast sieben. Da die Tür seines Zimmers von innen verschlossen ist, klopfen nacheinander seine Mutter, seine Schwester Grete und sein Vater. Sie fragen, was geschehen sei und ob es ihm nicht gut gehe.
Zusätzlich erscheint der Prokurist, weil Gregor nicht mit dem Frühzug zur Arbeit gefahren ist. Gregor versucht, aus dem Bett zu kommen und zur Tür zu gelangen. Das gelingt ihm nur kriechend. Schließlich dreht er den Schlüssel um und öffnet die Tür. Seine Eltern und der Prokurist sehen seine veränderte Gestalt. Die Mutter fällt in Ohnmacht, der Vater beginnt zu weinen, und der Prokurist zieht sich verunsichert zurück.
Die Familie weiß zunächst nicht, wie sie mit Gregor umgehen soll. Der Vater treibt ihn in sein Zimmer zurück. Nur Grete zeigt Verständnis: Sie bringt ihm Essen, das Gregor dankbar annimmt. Noch am selben Tag überprüft der Vater die finanziellen Verhältnisse der Familie. Gregor war seit dem Zusammenbruch der Firma seines Vaters der Ernährer der Familie gewesen. Nun stellt sich heraus, dass noch mehr Geld vorhanden ist, als Gregor angenommen hatte.
Grete beginnt, Gregors Zimmer zu putzen. Gemeinsam mit der Mutter räumt sie Möbel hinaus. Als Gregor plötzlich vom Kronleuchter fällt, erschrecken beide; die Mutter wird erneut ohnmächtig. Gregor verlässt sein Zimmer, woraufhin der Vater Äpfel nach ihm wirft. Einer dieser Äpfel trifft Gregor und bleibt in seinem Körper stecken. Gregor leidet mehr als einen Monat an der Verletzung.
Allmählich erkennt die Familie, dass Gregor trotz seiner Gestalt noch immer ein Familienmitglied ist und geduldet werden muss. Jeden Abend wird die Wohnzimmertür geöffnet, damit er sich sein Essen holen kann. Später kümmert sich Grete nicht mehr um die Reinigung, sodass ein Zimmermädchen eingestellt wird. Gregor erhält sein Essen nur noch lieblos; außerdem stellt die Familie nicht mehr benötigte Gegenstände in sein inzwischen leeres Zimmer.
Die Familie vermietet drei Zimmer an drei Herren, um ein sicheres Einkommen zu haben. Die Mieter achten streng auf Ordnung und Sauberkeit und erwarten gutes Essen, das Gregors Mutter für sie zubereitet. Eines Tages entdecken sie Gregor und kündigen sofort. Grete ist über die Situation verärgert und erklärt, es sei nicht zumutbar, weiterhin mit ihm unter einem Dach zu leben. Er müsse verschwinden.
Gregor nimmt sich diese Worte zu Herzen, zieht sich in sein Zimmer zurück und stirbt. Am nächsten Tag findet das Zimmermädchen ihn „krepiert“ am Boden, schafft ihn aus dem Zimmer und informiert die Familie. Die Angehörigen trauern nur kurz. Sie beschließen, den Tag gemeinsam bei einem Spaziergang zu verbringen und sich auszuruhen. Dabei kommen sie überein, eine kleinere, billigere und praktischere Wohnung zu suchen, da die bisherige Wohnung noch von Gregor ausgesucht worden war. Den Eltern fällt außerdem auf, dass Grete zu einem jungen, hübschen Mädchen herangewachsen ist. Sie meinen, es sei an der Zeit, einen Mann für sie zu suchen.
Perspektive und filmische Gestaltung
Der gesamte Film wird aus Gregors Perspektive erzählt. Seine Gestalt als Ungeziefer ist nicht zu sehen; die Kamera zeigt die Welt überwiegend aus seiner Sicht. Damit folgt Jan Němec einer Entscheidung Kafkas: Auch in der literarischen Vorlage wird das Insekt nicht zeichnerisch dargestellt, sodass die Vorstellungskraft des Publikums frei bleibt.
Lange Textpassagen werden aus dem Off gesprochen. Dies entspricht im Film dem Monolog der Erzählung: Anfangs denkt und spricht Gregor noch, später wird nur noch über ihn gesprochen. Naheinstellungen der ehemals herrschaftlichen Etagenwohnung aus vielen Perspektiven erzeugen eindringliche Bilder und machen Gregors Welt erfahrbar. Die Blicke und Handlungen der anderen Personen, die Gregor erst zum „Ungeziefer“ machen, werden häufig aus einer Untersicht gezeigt.
Der Regisseur übernimmt von Kafka auch die genaue Beschreibung von Gegenständen. Viele Requisiten erfüllen dabei mehrere Funktionen. Obwohl sich der Film eng an die Vorlage hält, gibt es wichtige Abweichungen. Němec deutet die Geschichte als ödipalen Konflikt; deshalb sind Gregors Eltern deutlich jünger als in Kafkas Erzählung. Auch Gregors Tod erhält eine erotische Spannung. Um die Nähe zu Kafkas Biografie zu betonen, wird ein Bild Gregors in Uniform durch ein Bild von Kafka selbst ersetzt.
Am Ende des Abspanns steht eine Notiz Kafkas vom 17. September 1920: „Ich stand niemals unter dem Druck einer andern Verantwortung als jener, welche das Dasein, der Blick, das Urteil anderer Menschen mir auferlegten.“ Damit hebt der Film besonders die Bedeutung der Beziehungen und der Reaktionen anderer Menschen hervor.
Literarischer Hintergrund und Bewertung
Franz Kafka schrieb Die Verwandlung 1912 in knapp sieben Wochen. Die Erzählung weist autobiografische Züge auf und behandelt im Kern Kafkas Schwierigkeiten mit seinem Vater. Diese Erfahrungen prägen den Vater-Sohn-Konflikt zwischen Gregor Samsa und seinem Vater. Gregors Verhältnis zu Grete ähnelt Kafkas Zuneigung zu seiner Schwester Ottla. Wie im Film wird auch in Kafkas Werk die Verwandlung nicht als Zeichnung gezeigt. Anfangs kann Gregor noch denken und sprechen; später sprechen die anderen nur noch über ihn. Eine Abweichung des Films betrifft die Bedienerin: Bei Němec erscheint sie als junges Mädchen, während Kafka eine alte Frau beschreibt.
Die Kritiken bewerten vor allem den Verzicht auf eine sichtbare Darstellung Gregors positiv. Prisma.de sah die Inszenierung als „ganz im Sinne von Franz Kafka“, weil Kafka die Gestalt der Fantasie der Lesenden überlassen und sie nicht durch eine Zeichnung festgelegt habe. Im Film lasse sich Gregors schreckliche Gestalt nur aus den Reaktionen seiner Familie und seiner Umwelt erahnen.
Dieterwunderlich.de hob hervor, dass man Gregor zwar höre und die Handlung häufig aus seiner Perspektive sehe, er aber selbst nicht ins Bild komme. Die sich bewegende Bettdecke mache sichtbar, wie er darüber krabble. Diese Lösung wurde als geschickt und die Kameraführung als ungewöhnlich und hervorragend bezeichnet; insgesamt sei eine faszinierende und beklemmende Literaturverfilmung entstanden.
Auch mediendienste.info bewertete es positiv, dass die äußere Verwandlung nicht gezeigt wird. So bleibe es der Fantasie des Publikums überlassen, sich das Unfassbare vorzustellen. Die Handlung zeige auf schockierende Weise, wie ein Mensch zum Aussätzigen werden könne und sein „Verschwinden“ als Erlösung erscheine. Die symbolhafte Handlung erinnere an das Schicksal schwerkranker oder behinderter Menschen.
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