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Deutsches Fremdwörterbuch
Das Deutsche Fremdwörterbuch (DFWB) ist ein mehrbändiges Fremdwörterbuch zur deutschen Gegenwartssprache mit worthistorischer Ausrichtung.
Inhalt5 Abschnitte
Kern und Bedeutung
Das Deutsche Fremdwörterbuch (DFWB) ist ein mehrbändiges Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, das Fremdwörter mit Blick auf ihre Wortgeschichte beschreibt. Es gilt als Standardwerk der historischen Fremdwortlexikographie, also der wissenschaftlichen Beschreibung von Fremdwörtern in ihrer historischen Entwicklung.
In der Neubearbeitung ist das DFWB ein selektives historisches Bedeutungs- und Belegwörterbuch. „Selektiv“ bedeutet, dass nicht alle Fremdwörter aufgenommen werden, sondern vor allem der Kernbereich der in der deutschen Standardsprache fest verankerten und geläufigen Fremdwörter und Fremdwortfamilien. Ein „Belegwörterbuch“ stützt seine Aussagen auf Textstellen, in denen ein Wort tatsächlich verwendet wurde.
Entstehung und Neubearbeitung
Das DFWB geht auf eine Anregung Friedrich Kluges zurück und war ursprünglich als Ergänzung zum Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm gedacht. Der erste Band A–K erschien 1913 und wurde von Hans Schulz begründet. Nach Schulz’ Tod übernahm Otto Basler das Werk 1923. Er konnte den zweiten Band L–P 1942 und eine Lieferung zum Buchstaben Q fertigstellen.
1972 übergab Basler wegen seiner Erblindung die stark erweiterten Sammlungen dem Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Dort wurden unter Alan Kirkness von 1974 bis 1983 die restlichen Buchstaben R–Z in den Bänden III bis VI bearbeitet. 1988 wurde die erste Auflage mit einem ausführlichen Registerband abgeschlossen. Sie erschien insgesamt in sieben Bänden von 1913 bis 1988.
Seit 1990 arbeitete eine Projektgruppe der Abteilung Lexik des IDS an der Neubearbeitung der Alphabetstrecke A–Q. Die Leitung hatten zunächst Gerhard Strauß, von 2006 bis 2020 Herbert Schmidt und seit 2020 Dominik Brückner. Seit dem 1. Januar 2022 gehört das Projekt als Arbeitsbereich zum Projekt „Lexikographie sprachlichen Wandels“, geleitet von Petra Storjohann und Dominik Brückner. Bereits 2019 wurde beschlossen, die Arbeit am DFWB 2024 einzustellen.
Ziel der zweiten Auflage ist ein einheitliches und zeitgemäßes Wörterbuch des heute gebräuchlichen deutschen Fremdwortschatzes von A bis Z. Die zweite Auflage ist auf zwölf Bände veranschlagt und erscheint seit 1995. Bis heute liegen 8 Bände vor, von „a-Präfix – Antike“ bis „ideal – inaktiv“. Seit April 2016 sind die bis dahin erschienenen Bände der Neubearbeitung über OWID, das Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch des IDS, kostenlos online zugänglich.
Fremdwortbegriff und Ziel der Neubearbeitung
Die lange Entstehungszeit des DFWB führte zu einer zeitlichen Heterogenität: Es gibt drei große Bearbeitungsphasen, nämlich Schulz/Basler, die Fertigstellung am IDS und die Neubearbeitung. In dieser Zeit sind viele Fremdwörter aus dem Gebrauch verschwunden, während neue hinzugekommen sind. Weil das Wörterbuch einen Gegenwartsbezug hat, ist der behandelte Wortschatz dadurch zwangsläufig uneinheitlich.
Die Neubearbeitung der von Schulz und Basler bearbeiteten Strecke A–Q soll diesen Bestand zeitgemäß revidieren. Veraltetes Wortgut wird ausgesondert, Artikel werden aktualisiert oder erweitert. Dadurch soll ein homogeneres Werk entstehen, das aus den neu bearbeiteten Bänden A–Q und den Bänden R–Z der ersten Auflage besteht. Ein Grund dafür ist, dass in vielen Artikeln der alten Bände I und II die Darstellung der Wortgeschichte schon im frühen 20. Jahrhundert oder noch früher abbricht.
Wichtig ist auch ein erweiterter Fremdwortbegriff. Als Fremdwörter gelten nicht nur Wörter, die aus fremden Sprachen entlehnt wurden, sondern auch Lehn-Wortbildungen. Das sind Wörter, die im Deutschen ganz oder teilweise mit entlehnten Wörtern, Wortstämmen oder Affixen gebildet wurden. Sie haben häufig keine direkte Entsprechung oder Vorlage in einer Fremdsprache. Besonders berücksichtigt werden aktuelle Entwicklungen der Wortbildung, etwa Zusammensetzungen mit älteren Fremdwörtern oder produktiv gewordenen Fremdwortstämmen und Fremdaffixen.
Auswahl der Stichwörter
Die Neubearbeitung folgt der Grundidee von Schulz und Basler: Das DFWB ist ein historisch-diachrones Auswahlwörterbuch. „Diachron“ bedeutet, dass die Entwicklung eines Wortes über die Zeit betrachtet wird. Erfasst werden vor allem allgemein geläufige oder integrierte Fremdwörter der gegenwärtigen deutschen geschriebenen Standard- bzw. Gemeinsprache. Die Gegenwart wird dabei weit verstanden: etwa von 1950 bis zur jeweiligen Bearbeitungsgegenwart.
Ein Stichwort muss grundsätzlich aus einer fremden Sprache entlehnt oder im Deutschen mit entlehnten Mitteln gebildet sein. Außerdem soll es in den ausgewerteten Korpora relativ häufig und breit gestreut belegt sein. Bevorzugt werden Fremdwörter aufgenommen, die sowohl historisch als auch in der Gegenwart bezeugt sind.
Nicht oder nur ausnahmsweise aufgenommen werden mehrere Randbereiche des Fremdwortschatzes. Dazu gehören sehr alte, längst integrierte Lehnwörter aus alt- oder mittelhochdeutscher Zeit wie „Fenster“, „Keller“, „Mauer“, „Pfaffe“ oder „schreiben“. Entlehnungen ab etwa dem Frühneuhochdeutschen können dagegen unabhängig vom Grad der Anpassung aufgenommen werden, etwa „Foto“, „Film“, „Flöte“, „Front“, „Dose“, „Möbel“, „Doktor“, „Klasse“ oder „Streik“.
Ausgeschlossen werden meist auch veraltete Fremdwörter, deren Bedeutung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr allgemein bekannt war, reine Fachtermini ohne allgemeinsprachliche Belege, fremde Wörter für fremde Sachen, regional beschränkte Fremdwörter, bestimmte Kunstwörter und Warenzeichen sowie Kurz- und Buchstabenwörter wie „EFTA“, „NATO“ oder „Laser“. Eigennamen werden vor allem dann relevant, wenn sie übertragen gebraucht werden, etwa in Bildungen wie „Achillesferse“, „Argusaugen“, „Ariadnefaden“ oder „Augiasstall“. Bei sehr neuen Entlehnungen aus den 1980er und 1990er Jahren werden Ausnahmen gemacht, wenn ihr Verbleib im Deutschen als gesichert gilt, zum Beispiel bei „Bestseller“, „Comeback“, „Discount“, „Diskothek“, „Fan“, „Fitneß“, „Party“ oder „Poster“.
Arbeitsweise der Redaktion
Die Arbeit an einem Wörterbuchartikel beginnt mit dem Suchen und Auswerten von Textquellen, die Belege für das betreffende Wort enthalten. Grundlage sind bis heute Millionen von Zetteln, auf denen über Jahrzehnte Belege gesammelt wurden. Diese Zettel sind im Institut für Deutsche Sprache alphabetisch in Zettelkästen geordnet.
Hinzu kommen elektronische Korpora, also große Sammlungen digitaler Texte, die mit Suchfunktionen schnell durchsucht werden können. Genutzt werden unter anderem die IDS-Korpora COSMAS, CD-ROMs und Online-Texte anderer Institutionen. Außerdem werden vorhandene Nachschlagewerke wie Wörterbücher und Enzyklopädien ausgewertet, teilweise ebenfalls in digitaler Form.
Auf dieser Materialbasis erstellt die Bearbeiterin oder der Bearbeiter den beschreibenden Teil des Artikels, den „Artikelkopf“. Er enthält Angaben zur Grammatik, zur Etymologie, also Herkunft und Entwicklung des Wortes, sowie zum Wortgebrauch. Dort werden auch Wortverwandtschaften dargestellt.
Im Belegteil werden die Aussagen aus dem Artikelkopf durch ausgewählte Textausschnitte dokumentiert. Jeder wichtige Befund soll also durch einen Beleg gestützt werden. Die Belege sind nach den Mitgliedern der Wortfamilie und chronologisch geordnet. Eine erste Fassung wird anschließend mehrfach redigiert, bis der Artikel fertig ist.