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Deutsches Chemie-Museum Merseburg

... Haber-Bosch-Verfahren. Diese Exponate sind in zwei großen Backsteingebäuden untergebracht. Die funktionsfähige Umlaufpumpe für das Hochdruckverfahren ist in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Bildungsarbeit
  3. 3. Zentrale Exponate
  4. 4. Technikpark und Chemieanlagen
  5. 5. Präsentation und Besichtigung

Überblick und Bedeutung

Das Deutsche Chemie-Museum Merseburg (dchm) wurde 1993 gegründet. Es zeigt die Entwicklung der chemischen Industrie in Mitteldeutschland anhand originaler Ausrüstungen und Anlagen. Das Museum befindet sich auf dem Campus Merseburg und umfasst eine Fläche von 36.255 Quadratmetern. Nach eigener Darstellung ist es in Europa einzigartig und besitzt Weltrang.

Die Sammlung umfasst rund 5.000 Objekte. Mehr als 300 davon können in einem Technikpark besichtigt werden. Viele Ausstellungsstücke stammen aus den Großunternehmen des mitteldeutschen „Chemie-Dreiecks“ Halle/Merseburg, Leipzig/Böhlen und Dessau/Bitterfeld, besonders aus den Leuna-Werken in Leuna und den Buna-Werken in Schkopau.

Entstehung und Bildungsarbeit

Das Museum entstand nach der deutschen Wiedervereinigung, als viele Industrie- und Chemieanlagen in Mitteldeutschland abgebaut wurden. Technikhistorisch bedeutsame Apparaturen und Anlagen sollten vor dem Verlust gerettet und in einer umfassenden Sammlung bewahrt werden.

Dazu wurde 1993 der Verein Sachzeugen der chemischen Industrie e. V. (SCI) gegründet. Er baute das Museum auf, führt es und organisiert seine Finanzierung. Der Verein arbeitet eng mit der Hochschule Merseburg zusammen. Diese wurde 1992 auf dem Campus gegründet und übernahm dort die Hausherrenfunktion von der ehemaligen Technischen Hochschule „Carl Schorlemmer“ Leuna-Merseburg.

1997 begann das Projekt „Chemie zum Anfassen“. In Schülerlaboren sollten einzelne Schüler und ganze Klassen chemisches Wissen durch eigene Experimente erwerben. 2003 wurden die Schülerprojekte erweitert und zum Konzept „Chemie zum Anfassen und Technik begreifen“ weiterentwickelt. Bis Ende 2005 nahmen rund 33.000 Schüler an 45 Praktikumsreihen mit insgesamt 500 einzelnen Experimenten teil.

Zentrale Exponate

Als wichtigste Ausstellungsstücke bezeichnet das Museum eine Ammoniak-Synthesekammer und die zugehörige große Umlaufpumpe. Beide stammen aus den Jahren 1916/1917 und damit aus der Anfangszeit der großtechnischen Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren. Bei diesem Verfahren wird Ammoniak im industriellen Maßstab hergestellt. Die beiden Exponate befinden sich in großen Backsteingebäuden in der Mitte des Museumsgeländes.

Die Umlaufpumpe gehört zu der dabei eingesetzten Hochdrucktechnik und ist weiterhin funktionsfähig. Sie wird in einem besonderen Ausstellungsraum präsentiert. Außerdem zeigt das Museum im Eingangsbereich und auf dem gesamten Gelände zahlreiche Typen von Pumpen und Kompressoren sowie weitere Ausrüstungen der chemischen Industrie.

Technikpark und Chemieanlagen

Im südlichen Teil des Museums stehen zahlreiche Anlagen, die verschiedene Arbeitsschritte und Produktionsverfahren der chemischen Industrie veranschaulichen. Dazu gehören:

  • ein Lüfterrad des Chemieanlagenbaus Grimma und ein Chemiezug,
  • ein Kratzkühler zur Entparaffinierung von Erdölfraktionen,
  • eine Anlage zum Mischen chemischer Stoffe,
  • eine historische Anlage zur Synthese von Zeolithen,
  • Beispiele zur Erklärung industrieller Nietvorgänge,
  • Anlagen zur mechanischen Stofftrennung,
  • Reaktoren zur Herstellung von Polyvinylchlorid und zur Elektrolyse von Calciumcarbid,
  • eine Anlage zur Hochdruckpolymerisation von Ethylen,
  • eine Destillationsanlage,
  • eine Kautschukbandmaschine und das Kautschuk-Prüflabor aus einer ehemaligen Anlage der Buna-Werke in Schkopau,
  • eine Produktionsreihe zur Chloralkalielektrolyse mit Diaphragmazelle, Membranzelle und Amalgamzelle.

Zu sehen ist außerdem ein Zug mit drei Wagen, wie sie für chemische Betriebe typisch waren. Dazu gehört eine Dampfspeicherlokomotive des Typs FLC aus der Produktion des Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg (LKM), die aus den Leuna-Werken stammt. Nach ihrer Außerdienststellung stand sie zunächst am Merseburger Bahnhof und später im Luftfahrt- und Technikmuseum Merseburg. Eine ebenfalls ausgestellte Akku-Lokomotive des Typs LEW EL 16 stammt aus Armeebeständen; Fahrzeuge dieses Typs wurden jedoch auch von Industriebetrieben wie den Leuna-Werken eingesetzt.

Präsentation und Besichtigung

Die Museumsobjekte sind nach Themen in Sachgruppen geordnet. Informationstafeln beschreiben und erklären die einzelnen Stücke genau. Besucher können deshalb selbst auswählen, welche Bereiche sie in welcher Reihenfolge besichtigen möchten.

Zusätzlich bietet der Besucherservice Führungen an. Dabei werden die Ausstellungsstücke geschichtlich eingeordnet und teilweise vorgeführt. Ein Beispiel ist die funktionsfähige große Umlaufpumpe, an der die im Museum dargestellte Hochdrucktechnologie erläutert werden kann.

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