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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Deutsche Jakobiner

Als Deutsche Jakobiner oder Deutsche revolutionäre Demokraten werden diejenigen Personen bezeichnet, welche die Ideen der Französischen Revolution, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Zielsetzung
  2. 2. Versuch einer Republik in Mainz und am Rhein
  3. 3. Strömungen im Norden und Westen
  4. 4. Republikanische Ansätze in Süddeutschland
  5. 5. Verschwörung in Österreich und Ungarn

Begriff und Zielsetzung

Deutsche Jakobiner, auch deutsche revolutionäre Demokraten, waren Personen, die die Ideen der Französischen Revolution, besonders im Sinne des Jakobinerklubs, in Deutschland verwirklichen wollten. Ihr zentrales Ziel war das Ende der Fürstenherrschaft. Die Bewegung war regional unterschiedlich ausgeprägt: Manche Gruppen verlangten eine demokratische Republik, andere hofften vor allem auf staatliche Reformen, politische Freiheit oder soziale Gleichheit.

Versuch einer Republik in Mainz und am Rhein

Wegen der Nähe zu Frankreich und des Durchzugs französischer Truppen war die jakobinische Bewegung im südlichen Deutschland besonders stark. Geistige Unterstützung kam vor allem aus Straßburg, einem Zentrum französischer Revolutionspropaganda. In der Mainzer Republik wurde 1792/93 erstmals versucht, die revolutionären Ideen praktisch umzusetzen.

Auch nach dem Ende der Schreckensherrschaft bestanden republikanische Strömungen fort. 1797 wollten Joseph Görres und weitere Beteiligte mit Unterstützung des Generals Lazare Hoche eine rheinische Republik gründen. Dafür entstanden Volksgesellschaften; in Koblenz, Bonn und Köln wurden Freiheitsbäume aufgerichtet und die Republik ausgerufen. Der Versuch endete bald durch den französischen Vormarsch an den Rhein und wegen des geringen Rückhalts in der Bevölkerung. Die Einordnung der cisrhenanischen Bewegung als radikaldemokratisch ist umstritten: Sie stand vielmehr stark in der Tradition der Aufklärung und erwartete Fortschritt von wenigen „Männern der Aufklärung“, nicht von der Masse.

Strömungen im Norden und Westen

In Hamburg und Schleswig-Holstein entstand innerhalb der politischen Öffentlichkeit eine radikale Richtung, die neben Freiheit auch soziale Gleichheit verlangte. Die Anhänger der Aufklärung teilten sich: Angehörige des Großbürgertums sympathisierten mit den Girondisten, während Handwerker und einige Intellektuelle die Jakobiner und Maximilien de Robespierre unterstützten.

Georg Conrad Meyer veröffentlichte die Zeitschrift Der neue Mensch. Darin forderte er unter anderem eine gleichmäßige Vermögensaufteilung, jedoch ohne Enteignung der Besitzenden. Trotz dieser Forderungen hofften auch radikale norddeutsche Kreise weiterhin auf Reformen des Staates; Meyer blieb Bewunderer Friedrichs II. Konkrete Pläne zur Umsetzung ihrer Ziele gab es in Norddeutschland nicht.

Im linksrheinischen, seit 1794 von der französischen Armee besetzten Gebiet trat Franz Theodor Biergans als deutscher Jakobiner hervor. Der frühere Mönch wandte sich nach dem Einmarsch der Franzosen von der Kirche ab und kämpfte in Köln als Anhänger französischer Revolutionsideale gegen Kirche und Feudalherren. Ab 1795 gab er in Köln Brutus oder der Tyrannenfeind und 1796 in Aachen Brutus der Freye heraus.

Republikanische Ansätze in Süddeutschland

Die süddeutschen Republikaner waren keine einheitliche Gruppe. Einfluss übten die Helvetische Republik, französische Agenten und Propagandisten, studentische Zirkel sowie fränkische Reichsritter aus. Letztere erhofften sich eine Adelsrepublik, um der Mediatisierung zu entgehen. Daneben bestanden Oppositionsgruppen in manchen Ständeversammlungen und Reichsstädten. Gemeinsam war diesen unterschiedlichen Kräften vor allem die Ablehnung des Ancien Régime, also der jeweils bestehenden alten Herrschaftsordnung.

Ernst Jägerschmidt war von der Helvetischen Republik beeinflusst. Es bestanden Pläne, mit französischer Hilfe den Rastatter Kongress zu sprengen, doch Frankreich unterstützte dies nicht. In Basel entstand 1799 eine umfangreiche Schrift mit einem am französischen Vorbild ausgerichteten Verfassungsentwurf für Deutschland.

In Bayern fanden Vorstellungen einer süddeutschen Republik sogar bei Teilen des Adels und der Beamtenschaft Unterstützung. Viele Flugschriften waren jedoch nicht so radikal, dass sie einer konstitutionellen Regierung widersprochen hätten. Die Reformtätigkeit Maximilian von Montgelas schwächte die Bewegung deutlich. Joseph von Utzschneider, ein führender bayerischer Republikaner, wurde später hochrangiger Beamter im bayerischen Finanzministerium.

Verschwörung in Österreich und Ungarn

Leopold II. wollte den Einfluss von Bürgern und Bauern in den ungarischen Landständen sowie entsprechenden Einrichtungen einiger österreichischer Erblande vergrößern. Er unterstützte deshalb Reformer wie Ignaz Joseph Martinovics, die dafür etwa in Flugschriften eintraten. Nach der Thronbesteigung Franz’ II. wurden diese Pläne aus Furcht vor der Revolution beendet. Enttäuschte Reformer radikalisierten sich: Martinovics verlangte die Beseitigung der Monarchie und eine demokratische Republik nach französischem Vorbild.

Wahrscheinlich schrieb Franz Hebenstreit, der „österreichische Babeuf“, ein Lied, das die Hinrichtung Ludwigs XVI. verteidigte und Bauern zum Aufstand aufrief. Zwischen Wien und Budapest bestanden Verbindungen, außerdem nach Klagenfurt zu Franz Paul von Herbert. In Wien bildete sich ein Kreis von etwa 80 Personen, der 1794 einen Staatsstreich plante, ihn aber nicht ausführte. Nach einer anderen Theorie war die Verschwörung eine Erfindung des Wiener Polizeichefs Johann Anton von Pergen, um auf Wunsch Kaiser Franz’ II. Kritiker wie Andreas Riedel auszuschalten. Caroline Pichler berichtete in ihren 1844 posthum veröffentlichten Denkwürdigkeiten aus meinem Leben über Verhaftungen und Verhaftete, darunter Freunde ihres Vaters.

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