Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Deutsch-Französischer Garten

Der Deutsch-Französische Garten (DFG) (französisch Jardin Franco-Allemand) ist ein Landschaftspark in Saarbrücken mit einer Reihe von Unterhaltungseinrichtungen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Entstehung und historische Bedeutung
  3. 3. Gestaltung und Ehrenfriedhof
  4. 4. Seilbahn und Wasserorgel
  5. 5. Weitere Einrichtungen

Überblick und Lage

Der Deutsch-Französische Garten (DFG; französisch „Jardin Franco-Allemand“) ist ein Landschaftspark in Saarbrücken mit verschiedenen Unterhaltungseinrichtungen. Er dient vor allem der Naherholung und wird von Menschen beiderseits der deutsch-französischen Grenze genutzt. Der Eintritt ist – abgesehen von wenigen besonderen Veranstaltungen – frei.

Der Park liegt am südwestlichen Stadtrand Saarbrückens nahe dem deutsch-französischen Grenzübergang Goldene Bremm. Seine Fläche beträgt etwa 50 ha. Von Alt-Saarbrücken aus ist er zu Fuß erreichbar; außerdem kann man mit dem Fahrrad oder mit Buslinien anreisen, die die Haltestellen DFG Nord und DFG Süd bedienen. Vom Saarbrücker Zentrum und vom französischen Großraum Forbach-Stiring-Wendel ist der Park jeweils in etwa zehn Minuten erreichbar. Mit dem Auto führt die Anfahrt über die Europastraße 50, die auf deutscher Seite von der A 6 und auf französischer Seite von der Autoroute A320 gebildet wird.

Entstehung und historische Bedeutung

Das Gelände war ursprünglich eine Acker-, Wiesen- und Waldlandschaft außerhalb Saarbrückens. Im 19. Jahrhundert wurde es zu einer Grünanlage mit Waldbestand ausgebaut und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war es Teil des Schlachtfeldes unterhalb der Spicherer Höhen. Nach der Deutschen Reichsgründung entstand im nördlichen Teil 1890 das Freibad Deutschmühlenbad. Um 1900 hieß das Areal „Kaiser-Wilhelm-Park“ und sollte vor allem die Erinnerung an den Sieg über Frankreich wachhalten.

Nach 1919 lag das Gelände wegen des Verlusts von Elsaß-Lothringen unmittelbar an der Grenze. Ab 1935 wurden dort im Zusammenhang mit dem Ausbau der französischen Maginot-Linie befestigte Stellungen des Westwalls angelegt. Von den damaligen Bunkeranlagen und Panzersperren sind heute noch 18 Bunker sichtbar. Im südlichen Teil wurde ab 1932 um den Deutschmühlenweiher ein Zoo angelegt. Er besaß bald Felsanlagen und große Tierhäuser, musste aber 1939 bei der Evakuierung Saarbrückens aufgegeben werden; die Großtiere wurden von der Wehrmacht erschossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Saarland bis Ende 1947 unter französischer Militärregierung und war anschließend bis 1956 ein autonomes staatsähnliches Gebilde. Nach der Ablehnung des Saarstatuts am 23. Oktober 1955 trat das Saarland am 1. Januar 1957 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Mit dem wirtschaftlichen Anschluss am 6. Juli 1959 wurde es endgültig als vollwertiges Bundesland in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert. Die dadurch entstandenen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich führten zu Verhandlungen über eine gemeinsame, grenzüberschreitende Gartenschau. Deutsche und französische Gartenarchitekten konzipierten den Garten als Symbol der angestrebten Freundschaft zwischen Frankreich und der jungen Bundesrepublik.

Am 23. April 1960 eröffneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Premierminister Michel Debré die erste und einzige „Deutsch-Französische Gartenschau“. Im selben Jahr fand keine weitere Bundesgartenschau statt. In den folgenden Jahren wurde der DFG als Naherholungsgebiet und Veranstaltungsort auf beiden Seiten der Grenze angenommen. Heute gilt er als Kulturgut der Nachkriegsjahre und setzt eine Gartenbautradition fort, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückreicht.

Gestaltung und Ehrenfriedhof

Der Deutsch-Französische Garten gehört zu den wenigen noch erhaltenen größeren Parkanlagen, die in der Formensprache der 1950er und 1960er Jahre gestaltet sind. Mittelpunkt ist der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg angelegte Deutschmühlenweiher mit einer Wasserfläche von etwa 5 Hektar. Durch die Kriegsereignisse war er völlig verschlammt und zugewachsen. Um den Weiher entstand anschließend eine vielfältige Parklandschaft.

Ein Vorbild war das Prinzip der „Ferme Ornée“, das seinen Ursprung in der englischen Gartengestaltung des 18. Jahrhunderts hat. Zur Gestaltung gehören ein weitmaschiges Wegenetz, terrassenförmige Gärten mit Kulturpflanzen, Waldstücke, Einzelbäume, das „Tal der Blumen“ sowie ein umfangreicher Rosen- und Heidegarten. Das „Tal der Blumen“ wurde von den französischen Gartenarchitekten Jacques Sgard und Gilbert Samel entworfen und verwirklicht. Im Eröffnungsjahr wurden im deutschen Teil des Rosengartens 12.700 Rosen und im französischen Teil 15.000 Rosen gepflanzt. 2007 schrieb die Stadt Saarbrücken gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur einen Wettbewerb zur teilweisen Neugestaltung aus. Die Preisträger wurden Anfang 2008 ermittelt; ihre Entwürfe sollten ab 2009 schrittweise umgesetzt werden.

Im oberen Parkbereich liegt der am 16. Oktober 1870 eingeweihte Ehrenfriedhof. Er erinnert an Ehrenbürger und Honoratioren Saarbrückens sowie an Gefallene beider Seiten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Dort befinden sich unter anderem die Grabstätte von Bruno von François und ein Ehrenmal für die Gefallenen des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 53. Ein besonderes Ehrengrab erinnert an Katharine Weißgerber, genannt „Schultze Kathrin“. Sie barg und pflegte in der Schlacht bei Spichern unter eigener Lebensgefahr verwundete deutsche und französische Soldaten.

Seilbahn und Wasserorgel

Zu den bekanntesten Einrichtungen des Parks gehören die 1960 von der Firma Heckel erbaute Seilbahn und die Wasserorgel im Deutschmühlenweiher. Die Seilbahn überwindet einen Höhenunterschied von 20 Metern. Ihre Fahrstrecke ist 752 Meter lang; sie besitzt acht Stützen, ein Förderseil mit einem Durchmesser von 20 mm und erreicht eine Geschwindigkeit von 2,8 m/s. Mehrere Jahre war sie außer Betrieb und wurde bis Ostern 2007 wieder in Betrieb genommen.

Der Deutschmühlenweiher kann mit Tretbooten befahren werden. In ihm befindet sich eine der ersten deutschen Wasserorgeln. Die ursprüngliche Anlage bestand aus Kupfer und Plastik und hatte einen etwa 45 Meter langen Rohrkörper. Sie galt bis vor einigen Jahren als größtes Bauwerk dieser Art in Europa. Nach einem Defekt wurde sie 1997 durch eine kleinere Anlage ersetzt. Diese besitzt genau dieselbe Anzahl an Bildern, ist aber nur noch 30 Meter lang. Dafür besteht sie vollständig aus Edelstahl und ist technisch so ausgeführt, dass sie auch im Winter im Weiher bleiben kann, wodurch hohe Kosten für den Ab- und Aufbau eingespart werden.

Weitere Einrichtungen

Der DFG bietet außerdem eine Parkeisenbahn, einen Musikpavillon für Musik- und Theaterveranstaltungen sowie eine Waldbühne für bis zu 800 Zuschauer. Zum Gelände gehören ferner ein Vier-Sterne-Hotel und die „Saarland-Spielbank“ mit „Großem und Kleinem Spiel“.

Eine weitere frühere Attraktion war die „Gulliver-Welt“. Sie zeigte auf einer Fläche von 22.000 m² etwa 70 Nachbauten weltberühmter Originale; außerdem befand sich dort ein Freizeitpark. Die „Gulliver-Welt“ wurde im Oktober 2012 geschlossen und im Blumengarten Bexbach wieder aufgebaut.

Weiterlesen