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Der Asra

Der nächste Zeilensprung führt zu einer kurzen Anspannung, die sich alsbald in einer Konfrontation entlädt. Schließlich verstärkt das letzte Enjambement die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kerninhalt
  2. 2. Handlung des Gedichts
  3. 3. Form und sprachliche Mittel
  4. 4. Entstehung
  5. 5. Wirkung und spätere Bezüge

Kerninhalt

„Der Asra“ ist ein Gedicht von Heinrich Heine. Es erschien zuerst am 2. September 1846 im „Tübinger Morgenblatt für gebildete Leser“ (Nr. 210) und wurde 1851 erneut in Heines drittem Gedichtband „Romanzero“ veröffentlicht. Dort ist es das 15. Gedicht des Zyklus „Historien“.

Das Gedicht behandelt die unerfüllbare Liebe eines jungen Sklaven zu einer Sultanstochter. Die Begegnung findet täglich zur Abendzeit an einem Springbrunnen statt. Während die Sultanstochter dort auf und nieder geht, steht der Sklave ebenfalls dort und wird „bleich und bleicher“. Als sie ihn schließlich nach Namen, Herkunft und Familie fragt, nennt er sich Mohamet aus Yemmen und sagt, sein Stamm seien die Asra, „Welche sterben wenn sie lieben“. Damit wird die Liebe als etwas dargestellt, das für ihn nicht erfüllbar ist und zugleich tödlich werden kann.

Handlung des Gedichts

Das Gedicht besteht inhaltlich aus einer kurzen, stark verdichteten Szene. Zuerst wird die regelmäßige Bewegung der „wunderschönen Sultanstochter“ beschrieben: Täglich geht sie am Abend am Springbrunnen auf und nieder, „Wo die weißen Wasser plätschern“.

Danach wird der junge Sklave eingeführt, der zur gleichen Zeit am gleichen Ort steht. Auch diese Begegnung geschieht täglich. Seine körperliche Veränderung zeigt seine innere Lage: Er wird „bleich und bleicher“.

In der dritten Strophe kommt es zur direkten Begegnung. Die Fürstin tritt auf ihn zu und verlangt Auskunft über seinen Namen, seine Heimat und seine „Sippschaft“, also seine Abstammung oder Familie.

In der letzten Strophe antwortet der Sklave. Er heißt Mohamet, stammt aus Yemmen und gehört zum Stamm der Asra. Entscheidend ist der letzte Vers: Die Asra sind diejenigen, „Welche sterben wenn sie lieben“. Damit wird seine Liebe offenbart, ohne dass er sie ausdrücklich ausspricht.

Form und sprachliche Mittel

Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit jeweils vier Versen. Es hat keinen Endreim. Als Versmaß verwendet Heine durchgehend den trochäischen Vierheber: Ein Trochäus ist ein Versfuß aus einer betonten und einer unbetonten Silbe; Vierheber bedeutet, dass dieser Rhythmus viermal im Vers erscheint. Die Kadenz ist weiblich, das heißt, die Verse enden auf eine unbetonte Silbe.

Mehrere Wiederholungen und Zeilensprünge strukturieren das Gedicht. Der gleiche Versanfang in Vers 1 und Vers 5 („Täglich“) zeigt, dass die Begegnung nicht zufällig, sondern ritualisiert ist. In der zweiten Strophe werden außerdem die letzten beiden Verse der ersten Strophe wiederholt. Dadurch wird betont, dass beide Figuren gleichzeitig am Springbrunnen anwesend sind.

Ein Enjambement ist ein Zeilensprung, bei dem ein Satz über das Versende hinaus weiterläuft. Im ersten Vers steigert ein Enjambement die Wirkung des Adjektivs „wunderschöne“ und hebt zugleich den sozialen Rang der „Sultanstochter“ hervor. Ein weiterer Zeilensprung erzeugt kurze Spannung, bevor es zur Konfrontation kommt. Das letzte Enjambement verzögert die Nennung von Namen und Herkunft und verstärkt so die Offenbarung des Liebenden. Zugleich ist damit der Tabubruch vollzogen.

Entstehung

Der Stoff des Gedichts geht auf die Geschichte von Madschnūn Lailā zurück. Heine lernte diese Erzählung durch Anton Theodor Hartmanns Übersetzung „Medschnun und Leila. Ein persischer Liebesroman“ kennen.

Eine weitere Anregung fand Heine in einer Handschrift, die Stendhal in „De l’amour“ zitierte. Am 2. September 1846 wurde „Der Asra“ im „Morgenblatt für gebildete Leser“ veröffentlicht.

Wirkung und spätere Bezüge

Das Gedicht wurde mehrfach musikalisch und literarisch aufgegriffen. 1856 erschienen die „6 Lieder“ des russischen Komponisten Anton Rubinstein. 1863 vertonte Carl Loewe das Gedicht.

Durch eine Übersetzung des bosnischen Dichters Aleksa Šantić ging Heines „Asra“ unter dem Titel „Kraj tanana šadrvana“ in das bosnische Liedgut ein. Der deutsch-bosnische Schriftsteller Saša Stanišić wies, wie zuvor Dževad Karahasan und andere, darauf hin, dass diese Sevdalinka eine Übersetzung von Heines Gedicht ist.

Auch in der Literatur und im Film taucht das Gedicht auf. In Theodor Fontanes „Der Stechlin“ nimmt die Figur Czako darauf Bezug und vergleicht beim Besuch eines Imkers das Schicksal der Drohne beim Hochzeitsflug der Königin mit dem Heineschen Asra. In Christian Petzolds Film „Roter Himmel“ (2023) rezitiert Nadja, gespielt von Paula Beer, das Gedicht zwei Mal kurz nacheinander.

1879 erschien außerdem ein „Gedichtbuch von Ludwig Ganghofer“ mit dem Titel „Vom Stamme Asra“. Ein direkter Bezug zu Heines Gedicht ist laut Artikel nicht erkennbar.

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