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Das Geisterhaus

Inhaltsangabe. Bearbeiten. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Clara del Valle, die sich am Schluss des Romans als die Großmutter der Erzählerin erweist …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Einordnung
  2. 2. Familie Trueba und die frühen Konflikte
  3. 3. Liebe, Politik und Diktatur
  4. 4. Erzählweise und historische Bezüge
  5. 5. Deutsche Fassung und Adaptionen

Werk und Einordnung

Das Geisterhaus ist der 1982 veröffentlichte Debütroman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende; der Originaltitel lautet La casa de los espíritus. Die deutsche Veröffentlichung erschien 1984 in Frankfurt am Main. Der Roman erzählt über mehrere Generationen von einer reichen Oberschichtsfamilie in einem ungenannten lateinamerikanischen Land, das an zahlreichen Details als Chile erkennbar ist.

Die Handlung reicht von der Wende zum 20. Jahrhundert bis zur Militärdiktatur nach dem Putsch in Chile 1973 gegen Salvador Allende, einen entfernten Onkel der Autorin. Das Werk wird dem magischen Realismus zugeordnet: Übersinnliche Ereignisse gehören dabei selbstverständlich zur erzählten Wirklichkeit.

Familie Trueba und die frühen Konflikte

Im Zentrum stehen Clara del Valle, die sich am Ende als Großmutter der Erzählerin herausstellt, und ihr Ehemann Esteban Trueba. Clara verfügt seit ihrer Kindheit über übersinnliche Fähigkeiten: Sie sieht Katastrophen voraus und bewegt Gegenstände ohne Berührung. Nach dem Tod ihrer Schwester Rosa, die versehentlich durch für ihren Vater bestimmtes Rattengift vergiftet wird, schweigt Clara neun Jahre lang.

Esteban Trueba stammt aus verarmtem Bürgertum. Nachdem Rosa, seine Verlobte, während seiner Abwesenheit stirbt, baut er das verfallene Landgut Drei Marien zu einem Mustergut aus. Er gilt zugleich als effizient und jähzornig; Arbeiter und Inquilinos, also auf dem Gut lebende abhängige Pächter, behandelt er brutal. Er vergewaltigt wiederholt Töchter der Gutsbewohner und zeugt zahlreiche uneheliche Kinder.

Später heiratet Esteban Clara. Während er meist auf Drei Marien lebt, widmet sie sich spiritistischen Treffen im Stadthaus. Das Paar hat drei Kinder: Blanca sowie die Zwillinge Jaime und Nicolas. Die Ehe zerbricht endgültig, als Esteban der schwangeren Blanca wegen ihrer Beziehung mit Pedro Tercero García mehrere Zähne ausschlägt. Clara spricht bis zu ihrem Tod kein Wort mehr mit ihm.

Liebe, Politik und Diktatur

Blanca liebt Pedro Tercero García, den Sohn des Gutsverwalters. Esteban lehnt die Beziehung wegen des sozialen Unterschieds ab. Pedro wird Kommunist und muss Drei Marien verlassen; Blanca wird von ihm schwanger. Esteban verheiratet sie gegen ihren Willen mit dem Franzosen Jean de Satigny. Nachdem sie dessen sexuelles Doppelleben entdeckt, kehrt sie in ihr Elternhaus zurück und bringt ihre Tochter Alba zur Welt.

Alba verbindet die zerstrittene Familie. Jaime wird Arzt in einem Armenkrankenhaus, Nicolas scheitert mit seinen wirtschaftlichen Projekten und tritt später einer asiatischen Sekte bei. Esteban wird konservativer Senator, bekämpft die Linke und beteiligt sich nach deren Wahlsieg an Planungen für einen gewaltsamen Umsturz. Sein Gut wird enteignet; Pedro Tercero, inzwischen ein populärer Sänger, wird Minister der Linksregierung.

Nach dem Militärputsch wird Jaime, ein Freund des Präsidenten, verhaftet, gefoltert und ermordet. Esteban erkennt zunächst nicht den Charakter des neuen Terrorregimes. Er hilft Blanca und Pedro Tercero jedoch bei der Flucht nach Kanada. Als Alba verhaftet, in ein Konzentrationslager gebracht, gefoltert und missbraucht wird, erkennt er seinen Irrtum. Mit Hilfe seiner früheren Geliebten Tránsito Soto wird Alba befreit.

Ihr Folterer, Polizeioberst Esteban García, ist ein Nachkomme von Pancha García, die Esteban Trueba einst vergewaltigt hatte. Er und Alba sind damit Enkel Estebans und Cousins. Aus Rache für seine Stellung als unbeachteter Bastardnachkomme verfolgt er Alba und Blanca. Am Ende schreibt Esteban mit Claras Hilfe die Familiengeschichte auf; nach seinem Tod mit über neunzig Jahren vollendet Alba die Erzählung.

Erzählweise und historische Bezüge

Die weiblichen Hauptfiguren Nívea, Clara, Blanca und Alba tragen Namen mit der Bedeutung „weiß“. Der Roman schließt mit denselben Worten, mit denen er beginnt.

Die Geschichte hat historische und autobiographische Bezüge. Der sozialistische Präsident stirbt beim Putsch im bombardierten Präsidentenpalast; die Romanhandlung ähnelt damit dem Sturz Salvador Allendes. Anders als im Roman bestätigten Allendes Leibärzte seinen Suizid, und spätere Untersuchungen bestätigten diese Darstellung. Isabel Allende schrieb das Buch vor diesen Untersuchungen.

Die Beteiligung der USA am Sturz der sozialistischen Regierung wird mit Project FUBELT verbunden. Im Roman beschießen amerikanische Flugzeuge den Präsidentenpalast; tatsächlich waren es Kampfjets der Fuerza Aérea de Chile. Die letzte Rede des Präsidenten erinnert an Salvador Allendes tatsächliche letzte Rede. Isabel Allende schrieb im venezolanischen Exil und entwickelte das Buch aus einem Brief an ihren sterbenden, neunundneunzigjährigen Großvater.

Deutsche Fassung und Adaptionen

Die deutsche Übersetzung stammt von Anneliese Botond. Sie nennt an mehreren Stellen ausdrücklich „Chile“, obwohl Allende das Land im spanischen Ausgangstext nicht beim Namen nennt.

Bille August verfilmte den Roman 1993 mit Jeremy Irons, Meryl Streep, Winona Ryder, Glenn Close und Antonio Banderas. Der Film verändert die Generationenfolge: Blanca und Alba werden zu einer Figur zusammengeführt; Jaime, Nicolas und Miguel fehlen. Die Film-Alba ist während des Umsturzes noch ein Kind, während Blanca verhaftet und gefoltert wird und die Erzählerrolle übernimmt.

Die Uraufführung einer Dramatisierung fand am 30. Januar 2014 im Akademietheater in Wien statt. Regie führte Antú Romero Nunes, der die Textfassung gemeinsam mit Florian Hirsch erstellte.

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