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Danksagung (Wissenschaft)
Eine Danksagung (amerikanisches Englisch: acknowledgment; britisches Englisch: acknowledgement) ist eine weit verbreitete Form in publizierten Medien wie …
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Begriff und Funktion
Eine Danksagung in der Wissenschaft ist ein Textteil in Büchern oder wissenschaftlichen Publikationen, in dem Autorinnen und Autoren Helfern und Unterstützern danken. Im amerikanischen Englisch heißt sie acknowledgment, im britischen Englisch acknowledgement. Gedankt wird nicht nur namentlich genannten Personen, sondern auch geldgebenden Institutionen, gastgebenden Einrichtungen während eines Forschungssemesters oder einer Forschungsreise sowie Gästen bei Forschungsseminaren oder wissenschaftlichen Konferenzen.
Danksagungen sind wichtig, weil sie sichtbar machen, welche Arten von Unterstützung hinter wissenschaftlicher Arbeit stehen. Sie können Hinweise auf Finanzierung, Zusammenarbeit, Ideen, technische Hilfe oder soziale Beziehungen im Wissenschaftsbetrieb geben.
Platzierung und Gestalt
Bei Büchern steht die Danksagung in der Regel unmittelbar nach dem Vorwort oder der Widmung. Bei Fachaufsätzen erscheint sie entweder als Fußnote auf der Titelseite oder am Ende des Aufsatzes. Damit gehört sie zum Paratext, also zu den Textteilen, die einen Haupttext begleiten und einordnen.
Danksagungen sind deutlich weniger standardisiert als andere Formen wissenschaftlichen Schreibens. Deshalb lassen sie sich schwer einheitlich erfassen. Die standardisierte Erfassung beschränkte sich bisher vor allem auf Angaben zur Finanzierung von Forschung.
Arten von Danksagungen
Der Informationswissenschaftler Blaise Cronin unterschied 1995 sechs Kategorien von Danksagungen:
- Finanzierung: Zuschüsse oder Stipendien.
- Moralische Unterstützung: Hilfe durch die Heimatinstitution, die Familie oder durch das Überlassen von Ausrüstung.
- Redaktionelle Unterstützung: Sekretariatsarbeit oder Assistenz bei der Datenanalyse.
- Technische Unterstützung: Hilfe beim Umgang mit Computerprogrammen und Programmiersprachen.
- Ideengebung: Inspiration durch Doktorväter oder Mentoren.
- Intellektuelle Unterstützung: Kritik und Kommentare von Kolleginnen und Kollegen.
Die ersten beiden Kategorien betreffen den Zugang zu Ressourcen. Die dritte und vierte Kategorie betreffen Arbeitsabläufe und Verfahren. Die letzten beiden Kategorien beziehen sich auf Konzepte und Ideen. Nicht immer werden alle Beteiligten namentlich genannt. Einem Gutachter im Peer-Review, der den Autorinnen und Autoren unbekannt ist, wird häufig anonym als anonymous referee für Anregungen gedankt.
Motive der Autorinnen und Autoren
Die Gründe für Danksagungen können vielfältig sein. Eine zentrale Forschungsfrage ist, ob strategische Überlegungen dabei eine Rolle spielen. Diese Frage ist nicht abschließend beantwortet; es gibt Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Davon hängt ab, ob Danksagungen für die Evaluation von Wissenschaft geeignet sind oder als valide Forschungsdaten gelten können.
Der Anthropologe Eyal Ben-Ari schloss 1987 aus einer Untersuchung von Danksagungen in der Anthropologie, dass Dank an höherrangige Kollegen auch ein Versuch sein könne, Aufmerksamkeit zu gewinnen und die Karrierechancen junger Anthropologen zu verbessern. Dank könne außerdem eine Gegenleistung für empfangene Lehre sein, Zugehörigkeit zu Gruppen ausdrücken oder Solidarität zeigen. Danksagungen an untersuchte Personen könnten die Authentizität einer Ethnographie bestätigen. Dank an Familienmitglieder und Partner könne auf berufliche Spannungen hinweisen und den Ethnographen als soziale Person darstellen.
Ökonomen vertreten dagegen häufiger die Ansicht, dass Danksagungen ernst zu nehmende Daten sind. Ihr Argument lautet: Wenn strategische Danksagungen die Norm wären, könnten Autorinnen und Autoren einfach bekannten Personen danken, auch ohne tatsächliche Kommunikation.
Unterschiede nach Fach und Zeit
Bedeutung und Form von Danksagungen unterscheiden sich deutlich zwischen Disziplinen. Ein Grund ist, dass verschiedene Fächer unterschiedliche Arten von Unterstützung benötigen. Außerdem unterscheiden sich Publikationskulturen und die Intensität der Zusammenarbeit mit Redakteuren.
Ein Beispiel aus dem Jahr 1995 zeigt diesen Unterschied: In drei wichtigen ökonomischen Fachzeitschriften, der American Economic Review, dem Journal of Political Economy und dem Quarterly Journal of Economics, wurde etwa doppelt so vielen Kolleginnen und Kollegen für intellektuelle Unterstützung gedankt wie in drei vergleichbaren biologischen Zeitschriften, nämlich Quarterly Review of Biology, Journal of Experimental Biology und Biological Bulletin. Das wird damit erklärt, dass in den Naturwissenschaften Laborausrüstung und physische Unterstützung wichtiger sind, während in den Sozialwissenschaften soziale Interaktion eine größere Rolle spielt.
Grundsätzlich nehmen sowohl der Anteil von Artikeln mit Danksagungen als auch Länge und Ausführlichkeit der Danksagungen zu, zumindest bei Danksagungen für intellektuelle Zuarbeit. Dies wurde unter anderem für Geschichtswissenschaft, Finanzwirtschaft, Biologie und Volkswirtschaftslehre gezeigt. Zugleich verändert sich die Bedeutung einzelner Kategorien. Für die Fachzeitschrift Cell gilt beispielsweise, dass moralische oder organisationelle Unterstützung sowie Redaktionsassistenz zwischen 1975 und 2006 stagnierten, während andere Kategorien stetig zunahmen.
Danksagungen als Daten
Danksagungen können selbst als Forschungsdaten genutzt werden. Die Historikerin Emily Callaci sieht in ihnen eine Möglichkeit, Hierarchien und Exklusionsprozesse im akademischen Kontext zu untersuchen. Die Ökonomen Michael Rose und Co-Pierre Georg unterstützen diese Sicht und schlagen für die Analyse von Hierarchien soziale Netzwerkanalyse vor. Soziale Netzwerkanalyse ist eine Methode, mit der Beziehungen zwischen Personen oder Institutionen untersucht werden.
Rose und Georg zeigten außerdem einen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Häufigkeit von Erwähnungen, zumindest in der Finanzwissenschaft. Weibliche Wissenschaftler werden signifikant seltener in Danksagungen erwähnt als männliche Wissenschaftler mit gleichem Karrieralter und ähnlicher Produktivität.
Ein weiteres Beispiel ist der „Hilfsbereitschafts“-Indikator des Ökonomen Alexander Oettl. Er basiert auf der relativen Häufigkeit von Danksagungen. Danach haben Autorinnen und Autoren, die zugleich hilfsbereit und produktiv sind, einen wesentlich höheren Einfluss auf ihre Kolleginnen und Kollegen als produktive Wissenschaftler, die nicht hilfsbereit sind.