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Dammbruchargument
Als Dammbruchargument, genannt auch Slippery-Slope-Argument bzw. Argument der schiefen Ebene, bezeichnet man eine Argumentationsweise (bzw. rhetorische …
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Bedeutung und Funktionsweise
Ein Dammbruchargument, auch Slippery-Slope-Argument oder Argument der schiefen Ebene, ist eine Argumentationsweise beziehungsweise rhetorische Technik. Dabei warnt eine Seite die andere davor, einen bestimmten Schritt oder eine Handlung auszuführen. Die Begründung lautet: Diese Handlung könne „den Damm brechen“ und eine nicht mehr aufzuhaltende Ereigniskette auslösen – ähnlich einem Domino- oder Lawineneffekt.
Das englische Bild der schiefen Ebene meint: Wer nicht verhindert, ins Rutschen zu geraten, könne nicht mehr anhalten; negative Folgen seien dann unausweichlich. Das Argument ist kein streng deduktives Argument, also kein Schluss, bei dem das Ergebnis zwingend aus den Voraussetzungen folgt. Es wird vor allem praktisch und anwendungsorientiert in ethischen Diskussionen eingesetzt.
Ein Dammbruchargument ist relevant, wenn die vorhergesagte Entwicklung plausibel ist, eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit besitzt und ihr mögliches Ergebnis moralisch abzulehnen wäre.
Typische Merkmale
Nach Douglas Walton haben Dammbruchargumente sechs typische Merkmale:
- Sie werden in konkreten Entscheidungssituationen verwendet.
- Sie gehören zu Dialogen, in denen jemand überzeugt werden soll.
- Sie weisen auf schlimme Folgen hin.
- Sie beruhen auf Vermutungen und Hypothesen und sind deshalb widerlegbar.
- Ihre Überzeugungskraft kann unterschiedlich stark sein; nur selten handelt es sich um Trug- oder Fehlschlüsse.
- Häufig kehren sie die Beweislast um: Das Gegenüber soll dann begründen, warum die befürchtete Entwicklung nicht eintreten werde.
Ähnliche Formulierungen
Ähnliche Bedeutungen haben etwa die Redewendungen „Spirale der Gewalt“, „Vergiftung der Atmosphäre“, „Herabsetzen von Hemmschwellen“, „einen Präzedenzfall schaffen“, „Abstumpfen“, „Gewöhnungseffekt“, „die Büchse der Pandora öffnen“, „da kann ja jeder kommen“ und „wenn das alle täten“.
Im angelsächsischen Raum gibt es weitere Bezeichnungen, darunter wedge-argument beziehungsweise the thin end of the wedge, the foot in the door, the genie in the bottle, the snowball argument und the camels' nose in/under the tent.
Beispiele aus Medizin und Recht
Gegner neuer medizinischer Verfahren verwenden Dammbruchargumente, um deren Einsatz einzuschränken, zum Beispiel bei der Präimplantationsdiagnostik (PID).
Ein weiteres Beispiel ist die Diskussion über die Erlaubnis der sogenannten „Rettungsfolter“. Sie wurde in Deutschland besonders nach der Entführung des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler kontrovers geführt. Diskutiert wurde, ob eine Amtsperson in absoluten Notstandssituationen einen Straftäter durch Folter oder folterähnliche Methoden zu einer Aussage zwingen dürfte, wenn dadurch ein Opfer in Lebensgefahr gerettet werden könnte.
Ein großer Teil der Rechtslehre hielt dagegen ein Dammbruchargument: Es sei nicht abzuschätzen, wo Folter beginnen oder enden würde, welche Maßnahmen wann zulässig wären, wie mit einem relativ schmerzunempfindlichen Täter umzugehen wäre und wann keine andere „rechtmäßige“ Maßnahme mehr zur gewünschten Information führen könnte. Befürchtet wurde, dass mit dem ersten Schritt ein Point of no Return überschritten werde und das Prinzip des Folterverbots im Laufe der Zeit Schritt für Schritt aufgegeben würde.