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Constance Debré
Constance Debré (* 10. Februar 1972 in Paris) ist eine französische Anwältin und Schriftstellerin. Constance Debré, 2025 …
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Person und beruflicher Weg
Constance Debré (* 10. Februar 1972 in Paris) ist eine französische Anwältin und Schriftstellerin. Sie wuchs in Paris auf, erwarb ihr Baccalauréat am Lycée Henri IV, studierte Jura an der Universität Panthéon-Assas und bestand eine Prüfung an der École supérieure des sciences économiques et commerciales. 2010 wurde sie Rechtsanwältin.
Sie arbeitete in einer amerikanischen Wirtschaftskanzlei sowie im Team von Jean-Denis Bredin und spezialisierte sich auf Börsenrecht. In ihrem ersten Verfahren vertrat sie ihren Vater François Debré, der 2011 gemeinsam mit Jacques Chirac wegen „Veruntreuung öffentlicher Gelder“ angeklagt war. Ab 2013 verteidigte sie mehrfach Personen, die wegen dschihadistischer Straftaten angeklagt waren; im selben Jahr wurde sie zur Zweiten Sekretärin der Konferenz der Pariser Anwaltskammer gewählt. 2015 gab sie die Anwaltskarriere auf, um ausschließlich zu schreiben. Im Sommer 2025 leitete sie als Samuel-Fischer-Gastprofessorin an der Freien Universität Berlin ein Seminar über Autofiktion, also Literatur, die autobiografische Erfahrungen mit erfundenen Gestaltungsmitteln verbindet.
Themen und Stil
Debrés Bücher behandeln das Spannungsverhältnis zwischen großbürgerlichem Privileg und sozialer Entwurzelung. Ihr Milieu beschreibt sie ironisch als „Upper Class der Deklassierten“. Ihre Sprache verbindet die nüchterne Faktenermittlung aus der juristischen Arbeit mit Themen wie Gewalt, Liebe und Klassenunterschieden.
Die Bücher Play Boy (2018), Love Me Tender (2020) und Nom (2022) bilden eine Trilogie und erzählen autofiktional von der „Suche nach dem richtigen Leben im Falschen“. Sie greifen unter anderem die namhafte Familie der Autorin, die Drogensucht ihrer Eltern, ihr Coming-out und den Sorgerechtsstreit um ihren Sohn auf. Zugleich entfernt sich die Stoffgestaltung vom rein autobiografischen Erzählen. Die Verwandlung von der verheirateten Wirtschaftsanwältin zur glatzköpfigen, tätowierten Schriftstellerin ist ein roter Faden der Trilogie.
Wichtige Bücher und Entwicklungen
Debrés Debüt Un peu là beaucoup ailleurs erschien 2004 und erhielt 2005 den Prix Contrepoint. Manuel pratique de l’idéal (2007), ein „Abecedarium des Überlebens“, enthält philosophische Reflexionen im Stil von Georges Perec und Roland Barthes.
Love Me Tender ist eine Selbstfindungsgeschichte über die Ablehnung bürgerlicher Normen. Die Protagonistin, ein Spiegelbild Debrés, entwickelt sich von einer verheirateten Anwältin aus prominenter Familie zu einer lesbischen Schriftstellerin. Sie gibt Besitz und traditionelle Lebensformen auf und sucht als „einsamer Cowboy“ ein authentisches, aber isoliertes Leben. Zentral ist auch der Sorgerechtsstreit um ihren Sohn. Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 2024. Eine Bühnenfassung unter der Regie von Pauline Ringeade hatte im April 2025 in der Berliner Volksbühne Premiere. Die Verfilmung von Anna Cazenave Cambet wurde am 20. Mai 2025 bei den Filmfestspielen von Cannes in der Sektion Un Certain Regard uraufgeführt und für die Queer Palm nominiert.
In Offenses (2023) und Protocoles (2026) richtet Debré den Blick auf Macht, Recht und institutionelle Gewalt. Offenses zeigt ein Mordverfahren und betrachtet das Justizverfahren als ritualisierte Maschinerie, ohne das Verbrechen psychologisch oder moralisch zu erklären. Protocoles rekonstruiert die letzten 35 Tage eines in den USA zum Tode Verurteilten anhand bürokratischer, technischer und medizinischer Abläufe der Hinrichtung. Die an juristische Protokolle angelehnte Form anonymisiert die Gewalt; als Schlussformel heißt es: „Wir wenden Protokolle an … Niemand tötet.“
Ausgewählte Werke und Auszeichnungen
Ausgewählte Werke sind Un peu là beaucoup ailleurs (2004), Manuel pratique de l’idéal (2007), Play Boy (2018), Love Me Tender (2020), Nom (2022), Offenses (2023) und Protocoles (2026). Die deutschen Ausgaben Love me tender (übersetzt von Max Henninger) erschienen 2024 und Play Boy (ebenfalls übersetzt von Max Henninger) 2025 bei Matthes & Seitz Berlin.
Für Un peu là beaucoup ailleurs erhielt Debré 2005 den Prix Contrepoint de Littérature française. Weitere Preise sind der Prix de La Coupole 2018 für Play Boy und der Prix Les Inrockuptibles 2020 für Love Me Tender. Für Love me Tender war sie 2024 für den Prix Première des Institut français nominiert, für Play Boy 2025 für den Spiegel Buchpreis.