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Columbus Before the Queen
Columbus Before the Queen, auch König Ferdinand nimmt Kolumbus die Ketten ab, ist ein Historiengemälde von Emanuel Leutze aus dem Jahr 1843.
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Kern des Gemäldes
Columbus Before the Queen, auch König Ferdinand nimmt Kolumbus die Ketten ab, ist ein Historiengemälde von Emanuel Leutze aus dem Jahr 1843. Es ist in Öl auf Leinwand gemalt, misst 97,9 × 129,4 cm und befindet sich im Brooklyn Museum. Das Werk gehört stilistisch zur Düsseldorfer Malerschule und behandelt die Geschichte von Christoph Kolumbus. Innerhalb von Leutzes Kolumbus-Zyklus ist es das dritte von wenigstens sechs Bildern.
Das Bild zeigt keinen genau dokumentierten Raum, sondern einen imaginierten Thronsaal der Alhambra. Dort erscheint Kolumbus am 17. Dezember 1500 vor Königin Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon. Er muss sich nach seiner dritten Seefahrt rechtfertigen. Die Katholischen Könige hatten ihm 1492 den Auftrag gegeben, einen Seeweg nach Indien zu finden. Auf dem Boden liegen die Ketten, in die ihn der neue Vizekönig Francisco de Bobadilla in Santo Domingo auf Hispaniola nach Vorwürfen spanischer Siedler hatte legen lassen. In diesen Ketten war Kolumbus nach Spanien gebracht worden. Laut dargestellter Episode wollte Kolumbus die Ketten erst ablegen, als er vor die Könige trat und Begnadigung erhielt.
Das Bild ist wichtig, weil es Kolumbus nicht nur als historische Person zeigt, sondern als dramatische Heldenfigur. Leutze stellt den Moment so dar, dass Fragen nach Ehre, Schuld, Autorität, Forschung und Anerkennung sichtbar werden. Zugleich spiegelt das Gemälde ein Geschichtsbild des 19. Jahrhunderts: Historische Figuren werden idealisiert, dramatisiert und als Träger größerer Ideen dargestellt.
Historischer Hintergrund
Kolumbus hatte mit seinen Fahrten das eigentliche Ziel, einen Seeweg nach Indien zu finden, verfehlt. Anders als Vasco da Gama, der 1498 den Seeweg durch Umschiffung Afrikas fand, gelangte Kolumbus in die Neue Welt. Seine Reisen führten zur Entdeckung Amerikas 1492 und zur Begründung eines spanischen Kolonialreichs.
Wichtig ist dabei: Zur Zeit von Kolumbus wusste weder er selbst noch seine Umgebung, dass ein neuer Kontinent entdeckt worden war. Die Vorstellung, dass es sich um einen neuen Kontinent handelte, setzte sich erst nach der Veröffentlichung von Amerigo Vespuccis Reisebericht Mundus Novus im Jahr 1502 durch.
Die Szene im Gemälde verdichtet also mehrere historische Spannungen: Kolumbus erscheint als Entdecker, dessen Fahrten große Folgen hatten, aber zugleich als Angeklagter, der sich gegen Vorwürfe verteidigen muss. Die auf dem Boden liegenden Ketten stehen für seine Demütigung und Gefangenschaft. Seine Haltung und Gestik sollen dagegen seine Unschuld und den Anspruch auf Wiederherstellung seiner Ehre ausdrücken.
Bildaufbau und Figuren
Leutze gestaltet den Thronsaal in historistischer Fantasie. Historismus bedeutet hier, dass ältere Stile und historische Formen frei aufgegriffen und neu kombiniert werden. Der Raum ist mit maurischen Architekturformen und Dekoren ausgestattet, sehr reich, orientalisierend und eklektizistisch. Eklektizistisch heißt, dass Elemente verschiedener Stile gemischt werden. Viel Gold, eine starke Farbenfülle sowie zahlreiche Muster und Texturen erzeugen einen schwelgerischen Kolorismus, also eine besonders wirkungsvolle Farbgestaltung. Durch die Tiefenperspektive schaut der Betrachter über mehrere Arkaden in weit entfernte Prachtgemächer.
Im Vordergrund links befindet sich ein figurenreicher Hofstaat. Neben dem Königspaar und der zentralen Figur des Kolumbus fällt ein Kardinal besonders auf, vor allem durch sein rotes Gewand mit Galero, einem geistlichen Hut. Er sitzt wie das Königspaar und hört den Erklärungen des Seefahrers mit nachdenklichem Ausdruck zu.
Auf der rechten Bildseite ist ein weiterer hoher Geistlicher dargestellt, der wegen seines Standes ebenfalls auf einem Stuhl sitzen darf. Er wirkt etwas mürrisch und studiert eine Karte, die offenbar die entdeckten Länder zeigt. Neben ihm steht ein Ritter in Brustharnisch. Seine Haltung mit angewinkelten Armen und sein empörter Gesichtsausdruck zeigen, dass Kolumbus am Hof auf Zweifel und Anfeindungen trifft.
Ein Page am unteren rechten Bildrand spielt unbeeindruckt vom Hauptereignis mit einer Draperie. König Ferdinand blickt versonnen in die Tiefe des Raums. Königin Isabella wirkt dagegen gelangweilt oder genervt: Sie fasst sich an die Stirn, scheint sich abzuwenden, ihr Blick ist gesenkt, und ihr rechter Arm hängt schlaff über der Lehne ihres Throns.
Kolumbus als dramatische Hauptfigur
Christoph Kolumbus steht im Mittelpunkt der Szene. Er trägt ein dunkles Gewand mit Pelzbesatz und erscheint als Mann reifen Alters. Seine zentrale, fast statuarische Position hebt ihn deutlich aus der Komposition heraus. Auch die Beleuchtung betont ihn: Leutze lässt sein markantes Profil mit hoher Stirn und tief verschatteten Augenhöhlen hervortreten.
Kolumbus ist schmachvollen Vorwürfen ausgesetzt und ringt um die Wiederherstellung seiner Ehre. Sein Gesichtsausdruck und seine rechte Hand, mit der er sich auf die Brust fasst, sollen seine Unschuld beteuern. Mit der linken Hand verweist er auf die Karte seiner Entdeckungen. So zeigt Leutze einen zugespitzten dramatischen Moment: Kolumbus erscheint als tragische Figur, als Genie und Held der Menschheitsgeschichte, der vor weltlicher und geistlicher Macht für sich und seine Leistung eintritt.
Entstehung und künstlerische Einflüsse
Emanuel Leutze war ein deutsch-amerikanischer Maler. Nach einer ersten Ausbildung in Philadelphia reiste er nach Europa, um an der Kunstakademie Düsseldorf eine akademische Ausbildung als Kunstmaler zu erhalten. 1841/1842 war er Schüler des Akademiedirektors Wilhelm Schadow. In dieser Zeit begann Leutze, die Historienmalerei der Düsseldorfer Schule auf amerikanische Geschichtsthemen und Identitätsfragen anzuwenden.
Für den historischen Stoff orientierte sich Leutze an dem amerikanischen Schriftsteller Washington Irving. Irving hatte 1828 eine teilweise fiktionale Biografie über Kolumbus veröffentlicht, die dessen geschichtliche Bedeutung einem breiten Publikum vermittelte und auch die Episode von Verhaftung und Begnadigung im Jahr 1500 behandelte. Die Biografie erschien noch im selben Jahr in Frankfurt am Main auf Deutsch. Für Leutzes Vorstellung vom Ort des Geschehens könnte außerdem Irvings Tales of the Alhambra von 1829 wichtig gewesen sein, das ebenfalls auf Deutsch erschien.
Columbus Before the Queen entstand 1843 während eines Aufenthalts im Atelier von Wilhelm Kaulbach in München. Leutze war dorthin gekommen, um Alte Meister in der Pinakothek und zeitgenössische Historienmalerei von Peter von Cornelius und Kaulbach zu studieren. Das erste Werk seines Kolumbus-Zyklus, Columbus Before the Council of Salamanca von 1841, war in Düsseldorf entstanden und zunächst vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen erworben worden. Danach folgte The Return of Columbus in Chains to Cadiz von 1842. Mit diesem Werk gewann Leutze auf einer Ausstellung in Brüssel eine Goldmedaille und verkaufte es bald darauf an die Apollo Association.
In der Komposition ist Columbus Before the Queen stark von Carl Friedrich Lessing geprägt, besonders von dessen Gemälde Jan Hus zu Konstanz aus dem Jahr 1842. Beide Werke zeigen Parallelen in der Darstellung der Hauptfigur und in der Figur des Kardinals am linken Bildrand. Leutze übertrug ein idealisierendes Geschichtsverständnis des 19. Jahrhunderts auf Kolumbus: Wie Lessing Jan Hus dramatisierte und heroisierte, stellte Leutze Kolumbus als herausgehobene geschichtliche Figur dar.
Deutung, Rezeption und Besitzgeschichte
Der zeitgenössische Maler und Biograf Rudolf Wiegmann sah in Leutzes Kolumbusbildern eine gelungene Verbindung von „schöpferische[r] Phantasie“, „lebendige[r] Charakterauffassung“ und „ungemeine[r] Gewandtheit in der Composition“. Für ihn behandelten die Bilder Ideen, „von denen die heutige Menschheit bewegt wird“. Er verstand sie als Darstellung des „Kampf[es] der Wissenschaft und Forschung gegen sich überhebende Autorität und Aberglauben“ sowie des Kampfes eines „freien selbstbewußten Charakters gegen Cabale und Neid“.
Der moderne Kunsthistoriker Thomas W. Gaehtgens betonte besonders den Bezug zum US-amerikanischen Markt und Publikum. Er sah inhaltliche Verbindungen zu Louis Gallaits Gemälde Die Abdankung Karls V. von 1841 und deutete Leutzes Bild als Beitrag zu einem Narrativ der Nationenbildung. Kolumbus erscheine darin als „Gründungsvater Amerikas“. Die Szene könne als „Keim für die amerikanische Unabhängigkeit und Demokratie“ verstanden werden. Obwohl Kolumbus als Angeklagter dargestellt ist, wirkt er bei Leutze nobel, ruhig und argumentativ: ein „freier Mann“, entschlossen und königlicher als die Majestäten und Höflinge, vor denen er steht.
Die Provenienz des Gemäldes ist über mehrere Stationen bekannt. Zunächst erwarb es der New Yorker Kaufmann und Kunstsammler Abraham M. Cozzens. Nach seinem Tod im Jahr 1868 kam es durch eine Auktion in den Kunsthandel und danach in private Sammlungen, darunter Jonathan Sturges, Henry Sturges, Mrs. Henry Sturges und Mrs. James H. Frier. Später wurde es über den Dick S. Ramsay Fund und den Healy Purchase Fund B vom Brooklyn Museum in New York City erworben.