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Christian Wessely
Christian Wessely (* 1965 in Graz) ist ein österreichischer Fundamentaltheologe und Agraringenieur. Er forscht und lehrt an der Universität Graz.
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Profil und Bedeutung
Christian Wessely (* 1965 in Graz) ist ein österreichischer Fundamentaltheologe und Agraringenieur. Er forscht und lehrt an der Universität Graz und arbeitet außerdem ehrenamtlich als ständiger Diakon in der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus in Nestelbach bei Graz. Seine Tätigkeit verbindet wissenschaftliche Theologie, praktische kirchliche Arbeit sowie die Beschäftigung mit Film, Fernsehen und Computerspielen.
Im Mittelpunkt seines theologischen Ansatzes steht eine praxisorientierte Fundamentaltheologie. Fundamentaltheologie befasst sich mit den Grundlagen des christlichen Glaubens und der Kirche. Wessely möchte theologische Sprache verständlich und alltagstauglich machen und die Kirche eng mit dem Leben der Menschen verbinden.
Ausbildung und kirchliche Tätigkeit
Nach der Volks- und Hauptschule besuchte Wessely die Höhere Bundeslehranstalt für Landwirtschaft (HBLA) in Raumberg und legte dort 1984 die Matura ab. Von 1984 bis 1986 studierte er zunächst Elektrotechnik. Danach wechselte er zum Studium der katholischen Fachtheologie in Graz.
1991 schloss er seine Ausbildung als Agraringenieur ab, 1992 folgte der Abschluss als Mag. theol. 1996 promovierte er mit Auszeichnung zum Dr. theol. Seine Dissertation behandelte „Mythologische Strukturen in der Unterhaltungsindustrie“. Dafür verwendete er Material aus George Lucas’ Star-Wars-Trilogie sowie aus den AD&D-Computerspielen Ultima, Ultima Underworld und Doom. Seit 2000 ist Wessely Landwirtschaftsmeister. 2004 habilitierte er sich im Fach Fundamentaltheologie, und zwar im Bereich fundamentaltheologische Ekklesiologie. Ekklesiologie ist die theologische Lehre von der Kirche.
1999 wurde Wessely zum ständigen Diakon der Römisch-Katholischen Kirche geweiht. Seitdem übt er diese Aufgabe ehrenamtlich in der Pfarre St. Jakobus zu Nestelbach bei Graz aus. Bis 2013 war er Mitglied des Diözesanrates; außerdem arbeitet er in der Schieds- und Schlichtungskommission seiner Heimatdiözese Graz-Seckau mit. Wessely ist seit 1992 verheiratet und hat zwei Kinder.
Theologischer Ansatz und Forschungsfelder
Wesselys theologischer Grundansatz ist durch seine eigene Erfahrungswelt und seine praktische Tätigkeit als Diakon geprägt. Er tritt für das Ziel einer breiten Volkskirche ein und wendet sich entschieden gegen binnenkirchliches Elitendenken. Die Kirche soll nach seiner Auffassung beim Volk und im Volk präsent sein. Diese Präsenz versteht er als Bringschuld der Kirche, nicht als Holschuld des Volkes.
Der Begriff „Volk“ ist dabei weit gefasst. Wessely unterscheidet einen „sakralen“ binnenkirchlichen Raum und einen „profanen“ Raum außerhalb dieses Umrisses. Der sakrale Raum wird durch die „Grundvollzüge der Kirche“ beschrieben: Diakonia, Leiturgia und Martyria, die in der Koinonia verbunden sind. Diakonia bezeichnet den Dienst, Leiturgia den Gottesdienst, Martyria das Zeugnis und Koinonia die Gemeinschaft. Zusätzlich wird der sakrale Raum durch die „Notae Ecclesiae“ gekennzeichnet: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. Nach Wessely soll der sakrale Bereich in den profanen Raum „ausfransen“ und diesen durch kirchliche Präsenz zum Fanum, also zum heiligen Raum, machen.
Aus seiner Praxis heraus beschäftigt er sich mit Problemen des religiösen Erlebens im menschlichen Alltag. Auf der Grundlage grundlegender liturgischer Handlungen entwickelte er eine vereinfachte Einführung in die Fundamentaltheologie. Diese orientiert sich grundsätzlich an Sakramenten, Sakramentalien und zeitgebundenen Festen. Das Werk richtet sich als Schnellreferenz an formal oder sachlich Fernstehende, an Interessierte und an Angehörige anderer Religionen. Wegen seiner Themenbreite ersetzt es jedoch keine vollständig ausgearbeitete Fundamentaltheologie, etwa für ein Studium.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit audiovisuellen Medien und Computerspielen. Seit 2015 gibt Wessely gemeinsam mit Daria Pezzoli-Ogliati das Journal for Religion, Film and Media (JRFM) heraus. Außerdem ist er Mitglied der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie. Bei der Aufarbeitung der Endphaseverbrechen in Nestelbach bemühte er sich 2025 gemeinsam mit A. Binder und W. Wildberger um die Errichtung eines Gedenksteins mit den Namen der Opfer. Wessely ist zudem Mitglied der D.O.N.A.L.D. und der Akademie der donaldischen Wissenschaften.
Ausgewählte Publikationen
Zu Wesselys Veröffentlichungen gehören wissenschaftliche Arbeiten zur Religion in populären Medien, zur Kirche und zum katholischen Glauben. 1997 erschien „Von Star Wars, Ultima und Doom. Mythologisch verschleierte Gewaltmechanismen im kommerziellen Film und in Computerrollenspielen“ (Frankfurt am Main u. a.: Pustet). Das Werk knüpft an seine Beschäftigung mit mythologischen Strukturen in Filmen und Computerspielen an.
2004 veröffentlichte er „Gekommen, um zu dienen. Der Diakonat aus fundamentaltheologisch-ekklesiologischer Sicht“ (Regensburg: Pustet). Mit „Einfach katholisch. Was katholische Christen glauben und wie sie feiern“ legte er 2010 eine verständliche Einführung vor; eine dritte, überarbeitete Neuauflage erschien 2016 in Print und als E-Book.
2012 veröffentlichte Wessely den Beitrag „Der populäre Film und der religiöse Glaube. Diagnostische Versuche“ im „Handbuch Theologie und Populärer Film“, Band 3, herausgegeben von Thomas Bohrmann, Werner Veith und Stephan Zöller (Paderborn: Ferdinand Schöningh, S. 63–81, ISBN 978-3-506-77535-1).
Gemeinsam mit Johann Hirnsperger gab er 2018 „Wege zum Heil? Religiöse Bekenntnisgemeinschaften in Österreich: Alt-Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (AAGÖ) und Islamisch-Schiitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (Schia). Mit Beiträgen aus anderen Religionsgemeinschaften“ heraus (Theologie im kulturellen Dialog; 7d, Innsbruck: Tyrolia). Mit Evelyn Knappitsch veröffentlichte er 2015 außerdem „Der Fall Ludwig Teschler. Ein zufällig aufgefundenes Handschriftenkonvolut und die Rekonstruktion eines Magiedeliktes im 17. Jahrhundert“, als Open-Access-Publikation der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.