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Chinesische Stadtentwicklung

Chinesische Städte haben seit der Kaiserzeit unterschiedliche Veränderungen durchlaufen. Einflüsse kamen unter anderem aus dem Westen und dem Sozialismus.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der chinesischen Stadtentwicklung
  2. 2. Aufbau der traditionellen Kaiserstadt
  3. 3. Europäische Einflüsse auf die Küstenstädte
  4. 4. Städte im chinesischen Sozialismus
  5. 5. Reform, Öffnung und die moderne Millionenstadt

Grundzüge der chinesischen Stadtentwicklung

Chinesische Städte haben sich seit der Kaiserzeit mehrfach grundlegend verändert. Ihre Entwicklung wurde zunächst durch die politische und gesellschaftliche Ordnung des Kaiserreichs geprägt, später durch den Einfluss europäischer Kolonialmächte und danach durch den chinesischen Sozialismus. Seit der Reform- und Öffnungspolitik ab etwa 1978 entstanden schließlich viele moderne, international ausgerichtete Großstädte.

Die Stadtentwicklung lässt sich daher als Wechsel verschiedener Leitbilder verstehen: Die traditionelle Stadt war auf ein politisches Zentrum, eine klare Rangordnung und eine rechteckige Ordnung ausgerichtet. In der sozialistischen Zeit wurden diese Strukturen teilweise verändert und durch standardisierte Wohn- und Stadtformen ersetzt. Die moderne chinesische Stadt verbindet dagegen Elemente der Marktwirtschaft, des Welthandels, starker Zuwanderung und einer international geprägten Architektur mit eigenen städtischen Charakteristika.

Aufbau der traditionellen Kaiserstadt

Schon im chinesischen Kaiserreich und in den Vorgängerdynastien entstanden Grundformen, die die chinesischen Städte langfristig prägten. Im Zentrum lagen gewöhnlich die wichtigsten Gebäude, etwa der Kaiserpalast oder lokale Behörden, die sogenannten Yamen. Die räumliche Ordnung spiegelte die gesellschaftliche Rangordnung wider: Je näher ein Gebäude am Zentrum lag, desto höher war in der Regel der soziale Status seines Besitzers.

Diese Vorstellung lässt sich mit dem Bild des chinesischen Philosophen Konfuzius (551–479 v. Chr.) vom Herrscher als „Polarstern“ verbinden, der „an einem Ort [bleibt], während sich alle Sterne um ihn drehen.“ Das Zentrum stand damit sinnbildlich für die politische und gesellschaftliche Ordnung.

Auch die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen war wichtig. Die meisten chinesischen Kaiserstädte besaßen eine dominante Nord-Süd-Achse, und nahezu alle Häuser waren nach Süden ausgerichtet. Die Städte waren außerdem rechteckig angelegt: Sowohl die Außengrenzen als auch das Straßennetz folgten überwiegend einer rechteckigen Struktur. Ein Stadtplan Pekings aus dem Jahr 1902 zeigt diesen Aufbau deutlich; die Kaiserstadt lag in der Mitte.

Europäische Einflüsse auf die Küstenstädte

Ein wichtiger Einschnitt war die Kolonialisierung durch europäische Seemächte. Besonders stark zeigte sich dieser Einfluss im Perlflussdelta im Südosten Chinas. Portugal nahm die Stadt Macau bereits 1557 ein, und Hongkong wurde 1842 britische Kolonie.

Dadurch wuchs der Einfluss westlicher Länder auf benachbarte chinesische Küstenstädte, darunter Guangzhou, das damals als Kanton bekannt war. Anfangs waren europäische Siedlungen von den chinesischen Städten getrennt. Ein Beispiel ist die Insel Shamian in Guangzhou. Solche abgegrenzten Orte wurden später häufig zu Kristallisationspunkten der modernen chinesischen Stadtentwicklung und beeinflussten damit den heutigen Aufbau vieler Städte.

Städte im chinesischen Sozialismus

Mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 veränderte sich das Stadtbild deutlich. Die Regierung betrachtete die traditionellen Stadtzentren als Relikte eines asozialen Systems. Teile dieser Zentren wurden deshalb durch monotone Plattenbauten ersetzt. Diese standardisierten Wohngebäude sollten gleichwertige Lebensverhältnisse für die Bürger schaffen.

Auch die Ausrichtung mancher Städte wurde verändert. Eine neue Ost-West-Achse ersetzte teilweise die in der Kaiserzeit vorherrschende Nord-Süd-Ausrichtung. Damit sollte ein Zeichen gegen das frühere Weltbild gesetzt werden. Der zentrale Platz erhielt nun häufig eine politische und militärische Funktion und wurde unter anderem für Militärparaden genutzt. Ein bekanntes Beispiel ist der Tian’anmen-Platz in Peking, der 1989 durch ein Massaker bekannt wurde.

Reform, Öffnung und die moderne Millionenstadt

Ab etwa 1978 lockerten sich mehrere Veränderungen der sozialistischen Zeit. Die Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping leitete eine neue Phase der Stadtentwicklung ein. Die Regierung wandelte einzelne Regionen und Städte in Marktwirtschaften um, um ausländische Investitionen anzuziehen und den Export zu steigern.

In ganz China wurden mittlerweile sechs Sonderwirtschaftszonen geschaffen. Diese Zonen sollten Unternehmen und Geldgeber unter anderem durch Steuervergünstigungen anlocken. Auch andere Städte, besonders an den Küsten, wurden für den Welthandel geöffnet und erhielten dafür ebenfalls Begünstigungen, allerdings weniger als die Sonderwirtschaftszonen.

Die Öffnung führte zu starker Land-Stadt-Migration. Viele Menschen kamen aus dem ländlichen China in die Städte. Zuvor hatte ein strenges Meldesystem, das Hukou-System, diese Wanderung erschwert oder verhindert. Da Migranten weiterhin hohe Gebühren für ihre Registrierung in der Stadt zahlen mussten, blieben sie teilweise als illegale Wanderarbeiter in den Städten. Die Zahl der chinesischen Städte mit mehr als einer Million Einwohner stieg zwischen 1997 und 2012 von 27 auf über 50.

In vielen modernen chinesischen Millionenstädten zeigt sich ein ringförmiges Modell. Um ein ursprüngliches Stadtzentrum liegen stark segmentierte Gewerbe- und Wohneinheiten, die teilweise eigene Zentren besitzen und nach außen hin großflächiger werden. Um diese Kernstadt verteilen sich Satellitenstädte und kleinere Landstädte. Dazwischen liegen zahlreiche landwirtschaftliche Flächen. Satellitenstädte sind dabei kleinere Städte im Umfeld einer größeren Kernstadt.

Dieser Aufbau entstand vor allem in der Zeit der Reform- und Öffnungspolitik und ist daher besonders in den nach außen geöffneten Städten verbreitet. Die starke Zuwanderung zwang diese Städte, ihre überlieferten Strukturen aufzubrechen und neue Wohnmöglichkeiten sowie Industriestandorte zu schaffen.

In den für den Welthandel geöffneten Städten wurde das Stadtbild außerdem vielfältiger. Es entstanden Gebäude im internationalen Architekturstil, große Wolkenkratzer mit modernen Glasfassaden und aufwendig beleuchtete Prestigebauten. Gleichzeitig wurden historische Altstädte wieder restauriert, um insbesondere Touristen aus dem Westen anzuziehen. Chinesische Städte ähneln dadurch einerseits westlichen Metropolen, unterscheiden sich andererseits aber deutlich von den durch Planwirtschaft geprägten Regionen des Landes und bewahren eine eigene Charakteristik.

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