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Buddhismus in Kambodscha

Als Staatsreligion erfuhr der Mahāyāna am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts unter der Regierung König Jayavarmans VII. höchste Förderung. Sein …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stellung und Hauptformen des Buddhismus
  2. 2. Orden, Tempel und religiöses Leben
  3. 3. Kolonialzeit und Unabhängigkeit
  4. 4. Buddhismus unter den Khmer Rouge
  5. 5. Wiederaufbau und gegenwärtige Organisation
  6. 6. Buddhistische Bildungsstätten

Stellung und Hauptformen des Buddhismus

Der Buddhismus ist in Kambodscha seit der Zeit des Khmer-Großreichs vom 9. bis zum 15. Jahrhundert präsent. Mahāyāna-Buddhismus wurde besonders unter König Jayavarman VII. am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Staatsreligion gefördert. Sein Nachfahr Srindravarman, der ab 1295 regierte, führte Theravāda-Lehren ein. Dem Theravāda, einer buddhistischen Richtung, hängen heute geschätzte neunzig Prozent der Bevölkerung an; Lehre und Alltagspraxis entsprechen weitgehend denen in Laos und Thailand.

Mahāyāna-Tempel gibt es fast nur bei der vietnamesischen Bevölkerung im Grenzgebiet oder bei missionierenden chinesischstämmigen Gruppen, etwa im Nonnenkloster Mahā Pana Vihara nahe dem Flughafen von Phnom Penh. In Angkor Wat, dessen Religionszugehörigkeit sich mehrfach änderte, befinden sich buddhistische Altäre.

Orden, Tempel und religiöses Leben

König Ang Duong wurde 1841 in Udong wieder inthronisiert und führte 1855 die Thammayut-nikai ein. Diese strengere, an Thailand orientierte Ordensschule erhielt unter König Norodom I. ihren Hauptsitz im Wat Botum Vatthey nahe dem Königspalast und verbreitete sich vor allem in Städten. Die Mehrheit der Mönche gehört zum Mahānikai.

Die Thammayut unterschied sich vom Mahānikai durch eine strengere Auslegung des Vinaya, also der Ordensregeln, durch die Art, die Robe zu tragen, und durch stärkere Bildungsorientierung. Viele ihrer Angehörigen studierten in Thailand. Etwa drei Prozent der kambodschanischen Mönche gehörten ihr an. Beide Gruppen hatten jeweils einen vom König ernannten Sangharaja („Patriarch“). Bei Streit entschied zunächst der Mekon, der oberste Mönch eines Verwaltungsbezirks, danach ein geistlicher Gerichtshof; im Zweifelsfall hatte der Herrscher das letzte Wort.

Dorftempel waren soziale und moralische Zentren. Vor dem westlichen Bildungssystem ab Anfang der 1930er Jahre boten sie Knaben die einzige, wenn auch rudimentäre Bildung. Häufig sollte der Erstgeborene längere Zeit oder dauerhaft ordiniert bleiben. Mönche wirkten auch als Wahrsager. Neben dem Buddhismus wurden Geister und die „Witwe Penh“ verehrt. Weißgewandige Nonnen, Dounji, befolgten nur die zehn großen Gebote.

Kolonialzeit und Unabhängigkeit

Das französische Protektorat wurde 1863 sowie 1867/68 errichtet; eine zivile Kolonialverwaltung bestand nach den Unruhen von 1886. Erst nach dem Ersten Weltkrieg griffen die Franzosen stärker in religiöse Fragen ein. Wegen enger Kontakte der Thammayut nach Thailand sahen Kolonialherren sie als möglichen Einflussagenten des Nachbarstaates. Eine königliche Bibliothek und eine Pāli-Schule sollten Studienreisen nach Thailand und damit siamesischen Einfluss verringern. Verordnungen von 1918 und vom 31. August 1929 sollten Abweichungen von der „wahren Lehre“ ohne königliche Genehmigung verhindern. Ab 1929 erschien ein verbindlicher Khmer-Tripitaka.

1937 hatte die Thammayut 87 Tempel und 1.500 Mönche, die Mehrheitsschule rund 2.500 Tempel und gut 60.000 Mönche. Am 20. Juli 1942 demonstrierten Mönche in Phnom Penh nationalistisch für die Unabhängigkeit.

Die Verfassung, die Norodom Sihanouk am 6. Mai 1947 oktroyierte, erklärte den Buddhismus zur Staatsreligion und garantierte zugleich Glaubensfreiheit. 1961 zählte die Mahānikai etwa 52.000 Ordinierte in rund 2.700 Tempeln; die Thammayut hatte 100 Tempel und 1.460 Mönche. Vor 1975 blieben die Verwaltungen beider Schulen getrennt. Sie besaßen je elf geistliche Ränge: Die unteren sieben hießen zusammen thananukram, die oberen vier rajagana. Der sechste Kongress der World Fellowship of Buddhists fand vom 14. bis 22. November 1961 in Phnom Penh statt.

Die 1952 gegründete Buddhistenorganisation hatte Ende 1961 10.756 Mitglieder. Die 1949 gegründete Association d’assistance médicale Preah moha Ksatryani unterstützte den Bau des Krankenhauses Preah Kossamak für Mönche; das Haus mit 150 Betten wurde im Februar 1956 eröffnet und ist seit der Wiedereröffnung und Renovierung ab 1979 ein allgemeines Krankenhaus.

Buddhismus unter den Khmer Rouge

Am 17. April 1975 wurden die buddhistischen Organisationen aufgelöst. Studien seit 1999 widersprechen der verbreiteten Vorstellung, die Khmer Rouge hätten nach der Befreiung gezielt die meisten Mönche ermordet: Dem Artikel zufolge wurden gezielt vor allem führende Personen verhaftet. Der großen Mehrheit entzog die rasche gesellschaftliche Umgestaltung jedoch die Lebensgrundlage, weil kaum noch Nahrungsmittelspenden flossen. Viele mussten daher die Robe ablegen. Ihre Sterblichkeitsrate sei danach nicht höher gewesen als die der Gesamtbevölkerung. Zugleich bestand eine staatlich unterstützte Gruppe von zwanzig Ordinierten.

Wiederaufbau und gegenwärtige Organisation

Im September 1979 wurden im Wat Unnalom sieben Mönche reordiniert, die den Wiederaufbau der Sangha, also der Ordensgemeinschaft, übernahmen. Schätzungsweise 3.000 Mönche hatten überlebt; manche mussten neu ordiniert werden. Anfangs war die Ordination nur Männern über 50 Jahren erlaubt. Von ursprünglich 3.600 Tempeln wurden etwa 700 saniert. Seit ungefähr 1985 konnten buddhistische Feiertage und Tempelfeste wieder uneingeschränkt gefeiert werden.

Ein 1981 begonnener Versuch, die zwei Schulen in der Braḥ saṅgh raṇasirsa unter Tep Vong zu vereinigen, scheiterte 1991. Die Verfassung von 1993 schuf erneut die rechtliche Grundlage für eine eigenständige Thammayut. Ihr Patriarch wurde Bour Kry; die Mahānikai wird seit 2006 von Non Nget geführt. Tep Vong wurde 2006 zum „obersten Patriarchen Kambodschas“ ernannt, während Bour Kry Patriarch der Thammayut blieb. Beide haben nach der Verfassung von 1993 einen Sitz im Thronrat, der den König wählt.

2006 gehörten etwa 150 der rund 4.000 Tempel zur Thammayut. In den 1990er Jahren schätzte man rund 50.000 dauerhaft Ordinierte sowie bis zu 40.000 Kurzzeitordinierte oder Novizen unter 20, besonders in der Regenzeit. 2003 wurden 34.000 Mönche gezählt; ihre Zahl sank laut Artikel seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Ende der 1990er Jahre. Jährlich treffen sich etwa 800 führende Mönche zu Synoden. Dabei wurde unter anderem diskutiert, ob Mönche politisch aktiv sein und ihr Wahlrecht nutzen sollen.

Buddhistische Bildungsstätten

Seit 1933 bestanden dreijährige Pāli-Grundschulen für die 4. bis 6. Jahrgangsstufe. Sie vermittelten elementare Kenntnisse; danach konnten Mönche gegebenenfalls ein Lycée besuchen. Bis 1962 gab es rund 600 Grundschulen mit 830 Mönchs-Lehrern und über 10.000 Schülern, meist Novizen. Im Schuljahr 1969/70 besuchten 27.000 Schüler die Grund- und 1.328 die Sekundarschulen.

Das Lycée Preah Suramarith wurde 1955 gegründet. In vier Jahren wurden Pāli, Sanskrit, Khmer und weltliche Fächer unterrichtet. Die Hochschule Preah Sihamoni Raja wurde 1959 im Komplex des Wat Svay Popè in Phnom Penh gegründet; die Studierendenzahl stieg von 107 im ersten Jahr auf 176 im Jahr 1969/70.

Das buddhistische Institut entstand auf Anstoß König Sisowath Monivongs 1921, hieß ab 1925 Preah Raj Bannalai und war zunächst im Wat Unnalom untergebracht. Es forscht zu kambodschanischer Literatur, Kunst und Folklore und war von 1975 bis 1993 geschlossen. Die Tripitaka-Kommission erhielt 1929 den Auftrag, den gesamten Pāli-Kanon ins Kambodschanische zu übersetzen. Die Ausgabe Braḥ Traipiṭ umfasste 110 Bände und war 1969 vollständig. Als höhere buddhistische Bildungsanstalt gründete die Thammayut außerdem im Dorf Chambâk, etwa 45 km südlich von Phnom Penh, das Preah Sihanouk Dhammadhiraj.

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