Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Bubi Scholz
Gustav Wilhelm Hermann „Bubi“ Scholz (* 12. April 1930 in Berlin; † 21. August 2000) war ein deutscher Boxer. In den 1950er und frühen 1960er Jahren war er …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick
Gustav Wilhelm Hermann „Bubi“ Scholz wurde am 12. April 1930 in Berlin geboren und starb am 21. August 2000. Er war ein deutscher Boxer im Mittelgewicht, kämpfte in Rechtsauslage und gehörte in den 1950er und frühen 1960er Jahren zu den bekanntesten Boxern Deutschlands. Neben Max Schmeling galt er damals als einer der prominentesten deutschen Box-Stars.
Als Profiboxer bestritt Scholz zwischen 1948 und 1964 insgesamt 96 Kämpfe. Davon gewann er 88, 46 davon durch K. o. Er verlor nur zwei Kämpfe, beide nach Punkten, und erreichte sechs Unentschieden. Er wurde mehrfach Deutscher Meister und Europameister in verschiedenen Gewichtsklassen.
Jugend und Einstieg in den Boxsport
Scholz wuchs in Berlin-Prenzlauer Berg auf. Die Familie wohnte in der Choriner Straße 54. Sein Vater war Schmied, seine Mutter Hausfrau. Als Jugendlicher verdiente Scholz erstes Geld mit Zeitungsaustragen.
1944 begann er eine Mechanikerlehre. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ er sich zunächst zum Koch ausbilden. Ab 1947 besuchte er eine Berliner Boxschule. Schon früh fiel er als Rechtsausleger auf. Ein Rechtsausleger ist ein Boxer, der mit der rechten Hand und dem rechten Fuß vorn steht, anders als die häufiger vorkommende Linksauslage.
Boxkarriere und Titel
1948 gewann Scholz seinen ersten Kampf als Berufsboxer, ohne vorher als Amateur gekämpft zu haben. Erst im März 1958, in seinem 70. Profikampf, erlitt er seine erste Niederlage überhaupt, und zwar nach Punkten.
1951 wurde er durch einen Punktsieg gegen den Titelverteidiger Walter Schneider erstmals Deutscher Meister im Weltergewicht. Ein Punktsieg bedeutet, dass der Kampf nicht durch K. o. endet, sondern nach der Bewertung der Punktrichter entschieden wird. 1952 verteidigte Scholz diesen Titel zweimal erfolgreich gegen Karl Oechsle und Leo Starosch. Im Herbst 1952 legte er den Titel im Weltergewicht nieder und trat danach im Mittelgewicht an.
1955 wurde bei Scholz Tuberkulose festgestellt. Deshalb musste er anderthalb Jahre pausieren. Nach der Ausheilung gewann er im Juni 1957 durch K. o. gegen Peter Müller die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht. Im Mai 1958 verteidigte er diesen Titel gegen Max Resch ebenfalls durch K. o.
Im Oktober 1958 besiegte Scholz den Titelverteidiger Charles Humez durch Technischen K. o. in der 12. Runde und wurde Europameister im Mittelgewicht. Ein Technischer K. o. bedeutet, dass der Kampf abgebrochen wird, weil ein Boxer nicht mehr kampffähig ist oder nicht sicher weiterkämpfen kann. Scholz verteidigte seine deutschen und europäischen Mittelgewichtstitel erfolgreich gegen Hans-Werner Wohlers im Juli 1959, gegen Peter Müller im November 1959 und seinen Europameistertitel im Dezember 1959 gegen Andre Drille.
1961 legte Scholz seine beiden Mittelgewichtstitel nieder und wechselte ins Halbschwergewicht. Im Juni 1962 verlor er den Kampf gegen Harold Johnson um die Weltmeisterschaft. Am 4. April 1964 gewann er in der Dortmunder Westfalenhalle die Europameisterschaft im Halbschwergewicht gegen Giulio Rinaldi durch einen umstrittenen Disqualifikationssieg. Zuvor war Scholz in der 8. Runde ausgezählt worden, wurde aber Minuten später vom spanischen Ringrichter Sanchez Vilar zum Sieger erklärt. Danach beendete er seine Boxerkarriere.
Öffentliche Auftritte und Werke
Scholz’ Erfolg im Boxsport führte auch zu einer kurzen Karriere in der Unterhaltungsindustrie. 1960 spielte er in der Fernsehproduktion Der Meisterboxer des Kölner Millowitsch-Theaters neben Willy Millowitsch die Rolle des „Boxer Breitenbach“. Im selben Jahr war er als „Ralf Moebius“ in der Musikkomödie Marina zu sehen. 1961 spielte er in Schlagerparade 1961 die Rolle des „Rolf Hegener“.
Auch musikalisch trat Scholz in Erscheinung. 1959 und 1962 veröffentlichte er mit dem Orchester Werner Müller und der Vokalgruppe Die 3 Travellers mehrere Singles bei Telefunken und Metronome.
Scholz veröffentlichte außerdem autobiografische Bücher. 1959 erschien Ring frei. Der Weg eines Boxers, aufgezeichnet von Harvey T. Rowe. 1980 folgte Der Weg aus dem Nichts. Eine Neuauflage erschien 1998 unter dem Titel Der Weg aus dem Nichts: Die Autobiographie.
Leben nach dem Rücktritt
Nach dem Ende seiner Karriere als Profiboxer betrieb Scholz in Berlin die Werbeagentur „Zühlke und Scholz“. Er versuchte, an seine frühere Popularität als Sportler anzuknüpfen.
Er trat weiter gelegentlich im Fernsehen auf. 1971 spielte er in Thomas Engels Fernsehspiel Glückspilze eine Nebenrolle als Polizist. 1977 hatte er in der 20. Folge der Fernsehkomödienreihe Klimbim einen Gastauftritt als Boxtrainer. In diesen Jahren wurde auch zunehmend über Alkoholexzesse berichtet.
Tötungsfall, letzte Jahre und Verfilmung
Am Abend des 22. Juli 1984 erschoss Scholz in der gemeinsamen Berliner Villa im Rausch seine 49-jährige Frau Helga, die er 1955 geheiratet hatte. Am folgenden Tag wurde er festgenommen. Ende Juli 1984 versuchte er im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit, sich selbst zu töten, indem er sich die Pulsadern aufschnitt; er erlitt leichte Verletzungen.
Am 1. Februar 1985 wurde Scholz nach einem aufsehenerregenden Prozess wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht konnte ihm keinen Tötungsvorsatz nachweisen. Am 28. August 1987 wurde er aus der Haft entlassen. Danach litt er an Depressionen und war alkoholkrank. Im Dezember 1989 unternahm er erneut einen Suizidversuch durch Aufschneiden der Pulsadern und wurde lebensgefährlich verletzt aufgefunden.
1993 wirkte Scholz in dem Dokumentarfilm Mord aus Liebe von Georg Stefan Troller mit. Im Oktober 1993 heiratete er Sabine Arndt. 1997/98 erlitt er mehrere Schlaganfälle, danach wurde bei ihm fortschreitende Altersdemenz diagnostiziert.
1997/98 wurde sein Leben unter der Regie von Roland Suso Richter nach einem Drehbuch von Uwe Timm als Die Bubi-Scholz-Story verfilmt. Benno Fürmann spielte den jungen Scholz, Götz George den alten Scholz. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes konnte Scholz an der Premiere im Mai 1998 nicht teilnehmen. Nach seinem Tod am 21. August 2000 wurde er zunächst auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin beigesetzt; im August 2008 wurde sein Leichnam auf den Berliner Friedhof Heerstraße umgebettet.