Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Berlin-Chemie
Produkte · Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Therapeutika · Antidiabetika · Analgetika und Antirheumatika · Magen-Darm-Therapeutika · Schilddrüsentherapeutika …
Inhalt3 Abschnitte
Unternehmen und Entwicklung
Die Berlin-Chemie AG ist ein Pharmaunternehmen mit Sitz in Berlin und gehört seit 1992 zum italienischen Pharmakonzern Menarini. Sie ist innerhalb der Menarini-Gruppe für das Primary-Care-Geschäft zuständig, also für Arzneimittel der medizinischen Grundversorgung, und zwar in Deutschland sowie in mehr als 30 Ländern Mittel- und Osteuropas und Zentralasiens. Nach eigenen Angaben erreichte das Unternehmen 2023 einen Umsatz von 1,469 Milliarden Euro und Platz 20 unter den größten deutschen Pharmaunternehmen. Für 2024 werden 5.000 Mitarbeiter angegeben.
Als Ursprung gilt ein 1890 in Berlin-Adlershof gegründetes Werk für Laborpräparate der Chemischen Fabrik Kahlbaum. Nach dem Zusammenschluss mit der Schering AG begann 1927 die Arzneimittelentwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Adlershofer Standort von der Schering AG in West-Berlin getrennt, 1948 verstaatlicht und ab 1956 als VEB Berlin-Chemie geführt. In der DDR war das Unternehmen das drittgrößte Chemie- und Pharmaunternehmen; es stellte neben Medikamenten auch Kunststoffe und Pflanzenschutzmittel her. 1992 übernahm Menarini das Berliner Werk einschließlich der Warennamen.
In Deutschland beschäftigt Berlin-Chemie heute rund 2.000 Menschen, davon 1.500 in Berlin-Brandenburg. Standorte sind Berlin-Adlershof als Sitz und Produktionsort, Berlin-Britz für die Solida-Produktion und Großbeeren für die Logistik. Außerdem gibt es ein duales Studium sowie etwa 80 Auszubildende in acht Berufen.
Arzneimittel, Diagnostik und ästhetische Medizin
Berlin-Chemie konzentriert sich vor allem auf chronische Erkrankungen. Wichtige Produktgruppen sind Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Therapeutika, Antidiabetika, Analgetika und Antirheumatika, Magen-Darm-, Schilddrüsen- und Atemwegs-Therapeutika, Husten- und Erkältungspharmaka, Antiallergika sowie Arzneimittel für die Onkologie. Stand November 2024 produziert das Unternehmen Medikamente für Patienten in über 90 Ländern; Berlin ist zugleich Forschungszentrum der Menarini-Gruppe.
Seit 2015 darf Berlin-Chemie aufgrund einer Lizenzvereinbarung mit dem japanischen Hersteller Chugai Antikrebsmittel herstellen und vertreiben. Die Produktion von Infusionslösungen endete 2019. Ein früheres Lizenzabkommen mit Lilly-Pharma erlaubte den Vertrieb von Insulinen unter eigenen Markennamen; der Vertrag wurde im Mai 2023 gekündigt, worauf der Insulinvertrieb eingestellt wurde.
Seit 2001 gehört die Division A. Menarini Diagnostics Deutschland zu Berlin-Chemie. Sie bietet Diagnostikprodukte unter anderem für Diabetesdiagnostik, Immunhistochemie, Autoimmunität und Urinsediment an und ist nach DIN EN ISO 13485:2007 sowie EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Im Herbst 2023 kam ästhetische Medizin unter der Menarini-Marke RELIFE hinzu. Die Linie Definisse umfasst resorbierbare Fäden für minimalinvasive Gesichtsbehandlungen, Filler und Hydrobooster. RELIFE ist neben Deutschland in 22 Ländern vertreten, darunter elf europäischen Ländern.
Soziales Engagement und Pandemiehilfe
Seit 1978 gibt es bei Berlin-Chemie eine „Geschützte Betriebsabteilung“ mit heute etwa 30 geistig und körperlich behinderten Beschäftigten. Die vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) zertifizierte Abteilung übernimmt Hand- und Umkonfektionierungen von primärverpackten Arzneimitteln, verarbeitet Schulungsmaterialien und einen Teil der Unternehmenspost. 2018 erhielt sie beim Responsible-Care-Wettbewerb des Verbands der Chemischen Industrie den ersten Platz.
Ab Ende Dezember 2020 unterstützte Berlin-Chemie die Covid-19-Impfkampagne in Berlin: Mehr als 100 Beschäftigte halfen im Impfzentrum Arena Berlin bei der Aufbereitung des Impfstoffs. Während der Hochphase der Pandemie passte das Unternehmen außerdem kurzfristig Teile seiner Produktion in Berlin-Adlershof und Berlin-Britz an, um Krankenhäuser, Arztpraxen und Schulen mit Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung zu versorgen.