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Bergbau in Deutschland
Am Südrand des Ruhrgebietes streicht kohleführendes Oberkarbon auch an der Erdoberfläche aus, hier ein Flöz der Witten-Formation (Westfal A), Steinbruch an der …
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Bedeutung und Grundzüge
Bergbau in Deutschland umfasst die Gewinnung von Salzen, Erzen, Stein- und Braunkohle sowie Steinen und Erden auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Er ist seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. belegt; ein sehr früher Fundort ist das Feuersteinbergwerk Abensberg-Arnhofen. Später folgten keltischer Eisen- und Kupferbergbau sowie eine intensive römische Bergbautätigkeit. Der Rammelsberg in Niedersachsen wurde fast über 1000 Jahre nahezu ununterbrochen betrieben und gehört seit 1992 als Besucherbergwerk zum UNESCO-Welterbe.
Bis zur Industrialisierung dominierten Erze und Salz. Vor allem Blei, Kupfer, Silber und Eisen wurden gewonnen. Seit dem 19. Jahrhundert rückte Kohle als Energieträger und Grundlage der Montanindustrie – also der eng verbundenen Bereiche Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie – in den Mittelpunkt. Im 20. Jahrhundert kam die intensive Förderung von Uranerz hinzu; nach 1945 diente sie unter anderem der sowjetischen Atomindustrie und Atomwaffenherstellung.
Der Bergbau prägte Wirtschaft, Technik, Landschaft und regionale Identitäten. Der Steinkohlebergbau unterstützte Deutschlands Aufstieg zur bedeutenden Industriemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Montanunion, die Kohle- und Stahlproduktion gemeinschaftlich ordnete, zu einem wichtigen Schritt der europäischen Einigung. Heute besitzen besonders Braunkohle, Salze sowie Steine und Erden wirtschaftliche Bedeutung. Die deutsche Steinkohleförderung endete 2018, weil sie ohne staatliche Subventionen gegenüber internationaler Konkurrenz unwirtschaftlich war. Bedeutend bleiben außerdem die international tätige Bergbau-Zulieferindustrie und die universitäre Ausbildung.
Geologische Grundlagen und Rohstoffe
Deutschlands Geologie ist auf engem Raum sehr vielfältig. Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirge, Süddeutsches Schichtstufenland, Alpenvorland, Alpen und Oberrheingraben besitzen deshalb unterschiedliche Rohstoffvorkommen. Grundsätzlich lassen sich Lagerstätten im Deckgebirgs- und Übergangsstockwerk von denen des Grundgebirges unterscheiden.
Das Deckgebirge besteht überwiegend aus ungefalteten Sedimentgesteinen, die nach dem Unterkarbon entstanden. Steinkohle liegt vor allem in oberkarbonischen und unterpermischen Schichten am Rand und innerhalb der Mittelgebirgsschwelle, etwa im Ruhrgebiet, Aachener Revier und Saarrevier. Die jüngere Braunkohle entstand im Tertiär und liegt meist in Senkungsgebieten wie dem Rheinischen, Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Weil sie relativ oberflächennah vorkommt, wird sie überwiegend im Tagebau gewonnen; die meist tiefer liegende Steinkohle wurde unter Tage abgebaut.
Stein- und Kalisalze des Zechsteins entstanden durch wiederholtes Eindampfen eines Binnenmeeres. Sie werden besonders dort gewonnen, wo Salz zu Salzstöcken aufstieg, etwa in Zielitz, Staßfurt und im Werra-Kalirevier. Weitere Lagerstätten des Deckgebirges sind der kupferhaltige Kupferschiefer, die Uranlagerstätte Königstein, Erdöl und Erdgas sowie Eisenerze. Die Eisenerzlagerstätte Salzgitter gilt mit geschätzten 1,6 Milliarden Tonnen Erz als größte Deutschlands, wird aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr abgebaut. Wichtige Baustoffe sind Sand, Kies, Kalkstein, Ton, Gips und Naturwerksteine.
Das gefaltete, teilweise metamorphe und von Graniten durchsetzte Grundgebirge tritt besonders in den Mittelgebirgen oberflächennah auf. Klassische Erzregionen sind Harz und Erzgebirge. Am Rammelsberg bildeten sich Blei-, Kupfer- und Zinkerze durch Stoffaustritte sogenannter Schwarzer Raucher am Meeresboden; solche Vorkommen heißen sedimentär-exhalative oder SEDEX-Lagerstätten. Im Umfeld spätvariszischer Granite entstanden unter anderem Zinn-, Wolfram-, Molybdän-, Lithium- und Seltenerdelement-Lagerstätten. Hydrothermale Ganglagerstätten bildeten sich, als heiße Lösungen durch Gesteinsspalten zirkulierten und Minerale ausfällten. Sie enthalten beispielsweise Blei, Zink, Kupfer, Silber, Gold, Kobalt, Wismut, Nickel oder Uran.
Bergrecht und historische Entwicklung
Seit dem Hochmittelalter waren wertvolle Bodenschätze rechtlich vom Grundeigentum getrennt. Diese Bergfreiheit bedeutete, dass der Grundeigentümer nicht automatisch über die Bodenschätze verfügen durfte. Das Sondernutzungsrecht des Königs oder Kaisers hieß Bergregal. Als wichtige Rechtsgrundlage gelten die 1158 auf dem Reichstag von Roncaglia unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa aufgezeichneten Regalien. Landesherren und Städte regelten den Bergbau später durch Bergordnungen; Privatpersonen konnten ein vom Grundeigentum getrenntes Bergeigentum erwerben. Bergleute erhielten teilweise Privilegien wie Befreiung von öffentlichen Lasten und Kriegsdienst, Waffenrecht und Bauland. Dadurch entstanden typische Bergstädte wie Goslar, Freiberg, Freital und Marienberg.
Im Harz entwickelte sich im 10. und 11. Jahrhundert ein frühes Zentrum der Silbergewinnung. Im 12. und 13. Jahrhundert stiegen Metallbedarf, Erzförderung und Metallproduktion deutlich. Wichtige deutsche Reviere waren der Westharz, das Erzgebirge und das Mansfelder Revier. Holz blieb bis zum 19. Jahrhundert wichtigster Energieträger und zugleich Baumaterial. Der Übergang zum Tiefbau erforderte unter anderem Wasserkunst, also technische Anlagen zum Heben und Ableiten von Wasser. Pestepidemien, Klimaverschlechterung und die Erschöpfung oberflächennaher reicher Erze schwächten den Bergbau im Spätmittelalter.
Im 15. und 16. Jahrhundert setzte ein neuer Aufschwung ein. Verbesserte Wasserkraftanlagen ermöglichten großräumige Bergbau-Infrastrukturen. Am Ende des 16. Jahrhunderts führten südamerikanische Silberkonkurrenz und später die Folgen des Dreißigjährigen Krieges jedoch zu einer Krise. Die Bergakademie Freiberg wurde zur weltweit ältesten noch bestehenden montanwissenschaftlichen Bildungseinrichtung. Wegen des hohen Holzverbrauchs des sächsischen Bergbaus entwickelte Hans Carl von Carlowitz erstmals eine nachhaltige, wissenschaftliche Forstwirtschaft.
Das preußische Allgemeine Berggesetz von 1865 ersetzte zahlreiche regionale Bergordnungen; Sachsen erließ 1868 ein eigenes Allgemeines Berggesetz. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wich die direkte staatliche Lenkung zunehmend einer staatlichen Aufsicht.
Industrialisierung und Bergbauregionen
Deutschland trat um die Mitte des 19. Jahrhunderts in das Industriezeitalter ein. Anders als in England war zunächst nicht die Textilindustrie entscheidend: Nach 1871 wurden Montanindustrie und Eisenbahnbau zu Schlüsselindustrien der Hochindustrialisierung. Kohle lieferte Energie, während Eisenbahnen Rohstoffgebiete, Industriezentren und Absatzmärkte miteinander verbanden. Führende Kohle- und Schwerindustrieregionen waren das Ruhrgebiet, das Saarrevier und Oberschlesien. Oberschlesien konnte sich nach seinem Eisenbahnanschluss ab 1842 zum zweitgrößten Schwerindustriezentrum des Deutschen Reichs nach dem Ruhrgebiet entwickeln.
Die wichtigsten deutschen Steinkohlereviere waren Ruhr und Saar. Weitere abbauwürdige Vorräte lagen in Aachen, am Erkelenzer Horst und bei Ibbenbüren. Im Aachener Revier endete die Förderung 1992, am Erkelenzer Horst 1997 und in Ibbenbüren 2018. Das Zwickau-Oelsnitzer Revier wurde nach Erschöpfung der Vorräte bis 1978 stillgelegt. Im Döhlener Revier endete der Steinkohlenabbau 1967; die anschließende Gewinnung uranerzhaltiger Kohle lief bis 1989. Der gesamte deutsche Steinkohleabbau wurde 2018 eingestellt.
Deutschland förderte 2012 insgesamt 178 Millionen Tonnen Braunkohle und stand damit weltweit auf Platz 1; sie lieferte ungefähr 25 % des deutschen Stroms. Die Förderung konzentrierte sich auf Lausitz, Mitteldeutschland und Rheinland. Das Mitteldeutsche Revier umfasst etwa 4000 km². Seine Kohle entstand vom Eozän bis zum Miozän vor 16 bis 47 Millionen Jahren; die durchschnittliche Gesamtmächtigkeit beträgt rund 35 m, im Geiseltal maximal 120 m. Von 39 Tagebauen wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 36 stillgelegt. Die Förderung sank von 106 Millionen Tonnen 1989 auf 21 Millionen Tonnen 2014. Nach dem Planungsstand von 2019 sollte die Braunkohleverstromung spätestens 2038 enden.
Der Erzbergbau umfasste zeitweise mehrere tausend Bergwerke. Besonders wichtig waren Silber, Zinn, Wismut, Kobalt und Uran. Für Sachsen und Thüringen wurden Vorräte von 800.000 t Zinn, 230.000 t Wolfram, 18.000 t Wismut und 132.000 t Uran angegeben. Der Bedarf an Eisenerz für die Stahlproduktion wird inzwischen vollständig durch Importe gedeckt; ein noch aktives Eisenerzbergwerk ist die Grube Wohlverwahrt-Nammen in Porta Westfalica.
Erdöl, Erdgas und heutige Wirtschaft
Die deutsche Erdölförderung begann 1858 in Wietze in Niedersachsen und damit noch vor der Förderung in den USA. Ein vergleichbarer Ölboom entstand jedoch nicht. In den 1960er-Jahren deckte heimisches Erdöl noch mehr als 30 % des Bedarfs der Bundesrepublik, später nur noch 2,5 bis 3 %. Mehr als die Hälfte der deutschen Erdgasproduktion stammt aus Niedersachsen, besonders aus der Region Weser-Ems; sie deckt 10 bis 12 % des inländischen Bedarfs.
Neben dem Braunkohletagebau mit knapp 20.000 Beschäftigten bestanden nach Angaben der Industrievereinigung Rohstoffe und Bergbau etwa 40.000 Arbeitsplätze im Untertagebau unter Bergaufsicht. Den größten Anteil daran hatte der Salzbergbau. Der gesamte Rohstoffsektor einschließlich Montanindustrie erreichte ein Güteraufkommen von mehr als 264 Milliarden Euro, rund 6,4 % des Güteraufkommens der Gesamtwirtschaft, und beschäftigte etwa 1,2 Millionen Menschen. Mengenmäßig waren Steine und Erden mit mehr als 600 Millionen Tonnen am wichtigsten. Sie werden häufig in kleinen Betrieben gewonnen und sind für Bau, Infrastruktur und Industrie unverzichtbar.
Der Erzbergbau ist eingestellt, doch besonders Sachsen und das Erzgebirge besitzen bedeutende Vorkommen von Zinn, Lithium und Wolfram. Dort gibt es Bestrebungen, Lagerstätten wirtschaftlich wieder zu erschließen. Das 2013 eröffnete Bergwerk Niederschlag bei Oberwiesenthal fördert Fluss- und Schwerspat und war zum angegebenen Zeitpunkt das neueste deutsche Untertagebergwerk.
Zum Erbe des Bergbaus gehören unterirdische Erdgaslager. Mit 50 von weltweit über 600 Speicherbetrieben lag Deutschland hinter den USA, Russland und der Ukraine auf Platz 4 und besaß das größte Speichervolumen der Europäischen Union. Für die dauerhaften Folgekosten des Steinkohlebergbaus, die sogenannten Ewigkeitskosten, wurde 2007 die RAG-Stiftung gegründet.
Folgen, Risiken und gesellschaftliches Bild
Bergbau hinterließ tiefgreifend veränderte Industrie- und Kulturlandschaften. Bereits seit dem Mittelalter waren Waldverbrauch, Wasserwirtschaft und Bergbau eng verbunden. In der Gegenwart bestimmen vor allem Umweltfolgen sowie die besonderen Gefahren der Arbeit unter Tage das öffentliche Bild.
Zwei schwere Unglücke prägten die gesellschaftliche Erinnerung. Am 7. Februar 1962 starben bei einer Explosion im saarländischen Bergwerk Luisenthal 299 Bergleute. Das Unglück führte in Deutschland und international zu umfangreichen Anpassungen der Sicherheitsmaßnahmen. Beim Grubenunglück von Lengede-Broistedt am 24. Oktober 1963 kamen 29 Menschen ums Leben. Mehrere dramatische, erfolgreiche Rettungsaktionen für eingeschlossene Bergleute wurden als „Wunder von Lengede“ bekannt.
Die Interessen des Rohstoffbergbaus werden unter anderem von der Vereinigung Rohstoffe und Bergbau vertreten. Für Braunkohleunternehmen besteht der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein, für die Gesteinsindustrie der Bundesverband Mineralische Rohstoffe. Die Beschäftigten des Stein- und Braunkohlebergbaus wurden nach 1945 von der IG Bergbau vertreten; seit 1997 gehört ihre Interessenvertretung zur IG Bergbau, Chemie, Energie.