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5 Fakten zum Sturm auf die Bastille | MrWissen2go | Terra X
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Transkriptautomatisch erstellt · 64 Zeilen
- Der 14. Juli 1789 ist ein Tag, der bis heute unvergessen ist. Dieser Tag war der Startschuss für die Französische Revolution: der Sturm auf die Bastille.
- Was Ihr über dieses Ereignis wissen solltet, erfahrt Ihr jetzt. Hier kommen die wichtigsten fünf Fakten rund um den Sturm auf die Bastille.
- Wie jetzt?! Ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Ereignisse unserer Geschichte etwa Fake News? Nein, natürlich nicht. Aber der Reihe nach.
- Die Bastille wurde ursprünglich als Stadttor-Burg gebaut. Später nutzten sie verschiedene Könige als Staatsgefängnis. Auch 1789 ist die Bastille ein Gefängnis, allerdings mit nur wenigen Insassen. Aber dazu später mehr.
- Im Juli 1789 lagert in der Bastille eine Menge Schießpulver, weshalb es überhaupt erst zum sogenannten Sturm auf die Bastille kommt. 300 Fässer davon hat der französische König Ludwig XVI dorthin bringen lassen, in der Hoffnung, sie dem Zugriff der Bevölkerung zu entziehen.
- Denn Paris gleicht in den Tagen und Wochen vor dem 14. Juli 1789 einem Pulverfass. Die Franzosen begehren auf, wollen mehr Rechte und die absolutistische Herrschaft des Königs nicht länger hinnehmen.
- Der aber lässt Truppen aufmarschieren. Das Volk fühlt sich bedroht. Angst geht um. Schon zwei Tage vor dem Sturm auf die Bastille beginnen die Pariser sich zu bewaffnen.
- Jeder Ort, von dem es heißt, dass dort Waffen gelagert seien, wird geplündert. Das Problem: Ohne Schießpulver und ohne Munition sind die erbeuteten Waffen nutzlos.
- Am Morgen des 14. Juli 1789 bewegt sich eine bewaffnete Menschenmenge in Richtung der Festung Bastille, um das dort gelagerte Pulver zu holen. Der sogenannte „Sturm“ besteht aus gerade einmal knapp 1000 Parisern, dabei hat die Stadt schon damals mehr als eine halbe Million Einwohner.
- Doch ein Eindringen scheint für die aufgebrachte Menge unmöglich, denn die Bastille ist geschützt durch meterdicke Mauern und einen Festungsgraben. Mit ihren Waffen können sie keine Festung einnehmen, noch dazu haben sie kaum Munition.
- Trotzdem wird der Kommandant der Bastille Bernard-René de Launay nervös und begeht einen folgenschweren Fehler. Das Feuer Eröffnen - Sicher? - Schießen Sie: das ist ein Befehl!
- Die Menschen vor der Bastille sind dem Angriff hilflos ausgeliefert. Die Soldaten auf den Türmen haben freies Schussfeld. Zwischen dem Mauerwerk gibt es keinerlei Deckung vor dem Kugelhagel. Der Kommandant der Bastille lässt die Wehrlosen niederschießen.
- Mehr als 80 Menschen sterben. Mindestens noch einmal so viele werden verletzt. Angesichts der Toten schlägt die Wut der Menge in Hass gegen das despotische Regime um.
- Da erreicht ein Mann die Bastille, der das Blatt wenden wird. Denn er fährt andere Geschütze auf. Sein Name: Pierre-Augustin Hulin. Ein 30-jähriger Wäscherei-Besitzer und Ex-Offizier.
- Hulin hat Kanonen dabei und freies Schussfeld auf die Bastille. Jetzt ist die Gefahr für Kommandant de Launay real. Er sitzt auf 300 Fass Pulver.
- Wenn eine Kanonenkugel ins Innere trifft, fliegt die ganze Festung in die Luft. Er muss reagieren. De Launay steckt in der Zwickmühle. Er weiß, die Bastille ist zwar eine Festung, aber das Haupttor wird Kanonenkugeln nicht standhalten.
- Soll er erneut auf die Angreifer schießen lassen und ein noch größeres Blutbad anrichten? Wir dürfen nicht vergessen: De Launay ist Kommandant eines Staatsgefängnisses, eigentlich ein eher ereignisarmer Posten.
- In dieser unerwarteten Situation ist er völlig überfordert. Der einzige Ausweg hat mit diesem Zettel hier zu tun. Hektisch hat er ihn zusammengeschrieben.
- Darin enthalten ist eine kurze, aber wichtige Nachricht an die Angreifer vor der Bastille. Als sich der Zettel durch das Loch im Tor schiebt, herrscht Neugier und Aufregung unter den Belagerern.
- He! Was ist das? Los! Holt ein Brett für den Graben! Hulin nimmt den Zettel entgegen und kann kaum glauben, was er da liest.
- Wir haben 20 Zentner Schießpulver. Wir werden die Bastille, das ganze Viertel in die Luft sprengen, wenn ihr die Kapitulation nicht akzeptiert. Das ist, das ist die Kapitulation! Sie kapitulieren. Beim Ehrenwort eines Offiziers, wir akzeptieren!
- Heißt: Die Bastille wurde nicht mit Gewalt erstürmt; sie hat kapituliert. Die Soldaten öffnen freiwillig die Tore. Eigentlich bedeutet Kapitulation Waffenstillstand. Aber die Menge ist im Blutrausch.
- Drei Offiziere und drei Soldaten werden bei der Erstürmung getötet, der Kommandant wenig später gelyncht. Die Erstürmung war also eher eine Einnahme und endete grausam.
- Bleu-blanc-rouge – blau- weiß-rot. Die Farben der französischen Nationalflagge, der Trikolore sind weltbekannt. Den Grundstein dafür legt dieser junge Mann hier. Sein Name: Camille Desmoulins.
- Der junge Pariser Anwalt gehört zur neuen intellektuellen Elite, die sich im Frankreich der 1770er und 1780er Jahre herausgebildet hat. Sie ist geprägt von den radikalen Vorstellungen der Aufklärung.
- Camille Desmoulins trifft sich regelmäßig mit Gleichgesinnten im Palais Royal in Paris. Dort sind politische Debatten offen möglich. Am 12. Juli 1789, also zwei Tage vor dem Sturm auf die Bastille, herrscht dort aber helle Aufregung.
- Der Grund: Der König hat den bei der Bevölkerung beliebten Finanzminister Jacques Necker entlassen und seine Truppen in Paris positioniert. Er will den Drang der Bürger nach Mitbestimmung im Keim ersticken.
- Daraufhin hält der junge Anwalt Desmoulins, obwohl er stark stottert, eine leidenschaftliche Rede, und entzündet den revolutionären Funken. Bürger! Ihr wisst genau, dass die Nation gefordert hatte dass Necker ihr erhalten bleibt.
- Dass ein Denkmal für ihn errichtet wird: Aber er wurde davongejagt. Kann man euch frecher trotzen? Nach diesem Streich werden sie alles wagen! Desmoulins predigt, als einer der ersten, den Aufruhr.
- Lasst uns alle die grüne Farbe tragen, die Farbe der Hoffnung! Zu den Waffen! Zu den Waffen. Zu den Waffen! Dieser Moment ist die Initialzündung für die Revolution. Die Rede dieses jungen Mannes, den eben noch keiner kannte,
- gilt bis heute als der Auftakt für alles, was danach passieren wird. Die Bewaffnung der Bevölkerung – und der Sturm auf die Bastille. Dieses unscheinbare Blatt wird übrigens zum Symbol des Sturms auf die Bastille und zum Erkennungszeichen der Anhänger der Revolution.
- Es ist der Vorläufer der sogenannten Kokarde. Das ist eine Art Bandschleife, die an Kleidung oder Kopfbedeckung geheftet wird, und mit der sich schon am nächsten Morgen die neu gegründete Bürgermiliz schmücken wird.
- Wenn auch nicht mehr in grün, wie bei diesem Blatt hier, sondern in den alten Farben der Stadt Paris: blau-rot. Es ist also Desmoulins, der mit dem Kastanienblatt ein Abzeichen für Freiheitskämpfer einführt.
- Mit ihm beginnt der Brauch, Kokarden zu tragen. Die Bürgermiliz trägt eine blau-rote. Für die Trikolore fehlt das weiß. Wie kommt das dazu?
- Sogar König Ludwig XVI wird jetzt klein beigeben und die blauroten Farben von Paris als Ergänzung zur weißen Farbe des Königs annehmen. Die drei Farben der Trikolore haben zusammengefunden. Sie sind bis heute die Farben der französischen Nation.
- Und sie stehen für positive Errungenschaften der Revolution, nicht für ihre düsteren Seiten. Denn an diesem Tag werden erstmals in der Geschichte Frankreichs die vorherrschenden Machtkonstellationen auf den Kopf gestellt.
- Das Besondere: Es sind die einfachen Leute, die die Bastille angreifen. Der sogenannte Dritte Stand. Frankreich ist im 18. Jahrhundert eine Ständegesellschaft. Über allem steht der König.
- Der erste und zweite Stand, Geistliche und Adlige, genießen viele Privilegien. Alle anderen, also 98 Prozent der Bevölkerung, bilden den Dritten Stand. Sie haben kaum Rechte. Dafür tragen sie die Hauptsteuerlast.
- Und genau solche Ungerechtigkeiten wollen die einfachen Leute jetzt nicht mehr hinnehmen. Diese Menschen werden später von der Nationalversammlung geehrt, bekommen Ordensbänder, Geld und eine Ehrenurkunde wie diese.
- Denn der Sturm auf die Bastille markiert den Aufbruch in eine neue Zeit. Im Nationalarchiv in Paris liegt heute noch die Original-Liste der sogenannten „Sieger der Bastille“. 871 Namen stehen darauf.
- Die werden letztendlich dann zu Volkshelden gemacht. Es ist nicht mehr der Offizier, der General. Es sind nicht mehr die Privilegierten, die Helden sind. Sondern mit dem Sturm auf die Bastille wird für Frankreich der einfache Mann zum Volkshelden.
- Oder der einfache Mann kann zum Volkshelden werden, wenn er sich für die gemeinsame Sache einsetzt. Ihre Namen geraten bald wieder in Vergessenheit.
- Was aber bleibt ist die Tatsache, dass es das französische Volk war, das eine Revolution entfachte, die sich über ganz Europa ausbreiten sollte. Erbaut wird die Bastille bereits im 14. Jahrhundert als Stadtbefestigung.
- Im 17. Jahrhundert wird sie Staatsgefängnis. Schon damals ranken sich zahlreiche Mythen und Schauergeschichten um die Bastille. Angeblich verschwinden dort politische Widersacher des Königs auf unbestimmte Zeit.
- Es heißt, sie müssen elendig bei Wasser und Brot dahinschmachten. Die Wirklichkeit ist eine andere. Sie diente sogar als eine Art Luxusgefängnis für Leute von Stand und Rang.
- Einer der bekanntesten Häftlinge dürfte der Philosoph Voltaire gewesen sein. Er wird 1717 für elf Monate in die Bastille gesperrt, weil er mal wieder den Adel beleidigt hatte.
- Ein weiterer berühmter Insasse ist Marquis de Sade. Der Schriftsteller und „Vater des Sadismus“ saß ganze fünf Jahre in der Bastille ein. Aber das nur am Rande.
- Im Unterschied zu den Schauergeschichten, die von den Journalisten und Schriftstellern verbreitet worden waren, lebten im Juli 1789 in der Bastille ganze sieben Häftlinge und das waren meistens Kleinkriminelle, Urkundenfälscher und alle möglichen Betrüger.
- Noch vor dem Sturm auf die Bastille ist der Abriss der Festung längst beschlossen. Unmittelbar danach macht der Pariser Bauunternehmer Francois Palloy, der den Auftrag zum Abriss erhält, daraus ein Millionengeschäft.
- Er verkauft die Steinquader Stück für Stück, teilweise mit Inschriften, als Souvenir und macht damit eine Menge Geld. Cleveres Bastille-Merchandising.
- An diesem 14. Juli 1789 schaffen die einfachen Leute das, was bis zu diesem Zeitpunkt keiner für möglich gehalten hat: Sie bringen die alten Machtkonstellationen ins Wanken und die Macht des Königs beginnt zu bröckeln.
- Schon im Jahr 1791 wird Frankreich konstitutionelle Monarchie. Das heißt: Statt Allmacht des Königs, bekommt das Land eine Verfassung. Doch damit nicht genug: Im Jahr darauf wird Frankreich zur Republik ausgerufen und König Ludwig XVI nur wenig später hingerichtet.
- Der Tag des Sturms auf die Bastille wird zum Symbol für Freiheit und Menschenrechte. Und das, obwohl dieser Tag alles andere als unblutig war. Warum?
- Eine Antwort darauf findet sich im Nationalarchiv in Paris. Gut verwahrt lagert hier das Original der ersten „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ Europas.
- Dieser Gewölbesaal ist eigentlich für die Öffentlichkeit verschlossen. Nur Regierungsmitglieder dürfen ihn betreten. Dieses Dokument ist fundamental für die Geschichte Frankreichs.
- Es wurde noch im August 1789 erstellt, nur wenige Tage nach dem Sturm auf die Bastille. Die Abgeordneten der Nationalversammlung listeten darin 17 Artikel auf, die den Grundstein für eine neue Regierungsform legten.
- Schon ein Jahr später wurde diese Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte zur Präambel der ersten Verfassung der Französischen Republik. Und zwar bis heute.
- Denn sie bildet die Grundlage dessen, was wir heute als selbstverständlich erachten, aber weltweit immer wieder hart erkämpft und erhalten werden muss:
- Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Religionsfreiheit und vieles mehr. Die Basis der modernen Demokratie. Heute ist von der Bastille nichts mehr übrig. Doch ihr Mythos bleibt. Aber nicht mehr als Bollwerk der Willkürherrschaft des Königs.
- Sondern als das Wahrzeichen eines siegreichen Freiheitskampfes. Der Sturm auf die Bastille war der Auftakt für eine der größten Veränderungen in der Gesellschaft.
- Rund 90 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille wird der 14. Juli zum französischen Nationalfeiertag erklärt. Der 14. Juli erinnert nicht nur an den Sturm auf die Bastille, der alles andere als unblutig war,
- sondern auch an die Französische Revolution als Ganzes. Bis heute prägen diese Ereignisse das Verständnis unserer modernen Demokratie. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, viel zitiert, und bis heute gültig? Was meint Ihr? Schreibt’s gerne unten in die Kommentare.
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