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Bakongo

1885 wurden die Bakongo durch die Berliner Kongokonferenz endgültig kolonisiert; das längst nicht mehr existierende Reich wurde zwischen Frankreich, Belgien …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verbreitung
  2. 2. Sprachen
  3. 3. Gesellschaft, Religion und Lebensweise
  4. 4. Kongoreich und portugiesischer Kontakt
  5. 5. Kolonialzeit und politische Entwicklungen

Überblick und Verbreitung

Die Bakongo (Plural auch Kongo, Singular Mukongo) sind eine bantusprachige ethnische Gruppe im Mündungsgebiet des Flusses Kongo in Zentralafrika. Sie leben vor allem in der Demokratischen Republik Kongo (Kongo-Kinshasa), der Republik Kongo (Kongo-Brazzaville) sowie in angrenzenden Teilen Angolas, besonders in den Provinzen Zaire und Uíge, einschließlich Cabinda, und in Gabun. Ihre Gesamtzahl beträgt über 5 Millionen Menschen.

Sie bildeten das Hauptvolk des früheren Bantureichs Kongo. Obwohl dieses Reich später zwischen Kolonialmächten aufgeteilt wurde, blieb über die Kolonialgrenzen hinweg ein vergleichsweise homogener Kulturraum der Bakongo erhalten.

Sprachen

Ein großer Teil der Bakongo spricht Kikongo, allerdings in teils stark unterschiedlichen Dialekten. Nach 1960 wurde im damaligen Zaire eine standardisierte Schriftsprache entwickelt. Sie heißt Mono Kotuba und wird in den Grundschulen einiger Provinzen unterrichtet.

1992 gab es in den drei Ländern zusammen etwa 3,2 Millionen Sprecherinnen und Sprecher des Kikongo. In der Republik Kongo stellen die Bakongo 46 % der Bevölkerung. Zunehmend wird auch Lingála gesprochen: Diese Sprache verbreitete sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts von Kinshasa aus als Verkehrssprache, also als Sprache zur Verständigung zwischen Gruppen mit verschiedenen Muttersprachen. Für manche Bakongo ist Lingála Zweit-, oft auch Erstsprache.

Gesellschaft, Religion und Lebensweise

Traditionell war die Gesellschaft der Bakongo monogam und matrilinear organisiert. Monogam bedeutet, dass eine Ehe grundsätzlich zwei Personen umfasst; matrilinear heißt, dass Abstammung und Zugehörigkeit über die mütterliche Linie geregelt werden. Die Gesellschaft war in 12 Clans gegliedert. Heute sind auch patriarchalische Einflüsse aus Europa erkennbar.

Die traditionelle Religion unterscheidet eine materielle und eine spirituelle Welt. Beide überschneiden sich an bestimmten Punkten; die Ahnen vermitteln zwischen ihnen. Initiationsriten, also Übergangsriten in eine neue soziale oder religiöse Rolle, hatten große Bedeutung. Außerdem bestand eine ausgearbeitete Grabkultur mit großen Gräbern aus Holz oder Stein.

Heute sind die Bakongo fast vollständig Christen verschiedener Ausprägungen. Die katholische Kirche überwiegt, während besonders im angolanischen Teil die Baptisten stark vertreten sind. In der Demokratischen Republik Kongo entstand bereits um 1920 die synkretistische Kirche der Kimbanguisten; synkretistisch bedeutet, dass sie unterschiedliche religiöse Elemente verbindet. Sie hat inzwischen auch Anhänger in der Republik Kongo und Angola. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden zudem zahlreiche Erweckungskirchen gegründet.

Ursprünglich lebten die Bakongo vor allem als Waldpflanzer und Ackerbauern. Für den Eigenbedarf bauen sie Maniok, Bohnen, Süßkartoffeln und Sesam an. Bananen, Kaffee, Kakao, Mais, Erdnüsse und Palmöl dienen vor allem der Versorgung der großen Ballungsräume Brazzaville, Kinshasa und Luanda. Die Ernährungs- und Gesundheitssituation auf dem Land ist schlecht. Mehr als die Hälfte der Bakongo lebt inzwischen in Städten und arbeitet in unterschiedlichen Berufen, besonders im Handel.

Kongoreich und portugiesischer Kontakt

Die Bakongo wanderten vermutlich im 3. Jahrhundert aus dem Süden zu. Sie siedelten sich zwischen dem heutigen Kinshasa und Matadi an, unterwarfen und assimilierten nach und nach Nachbarvölker wie Bambata, Mayumbe, Basolongo, Kakongo, Basundi und Babuende. Vom frühen Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert bestand im Nordwesten des heutigen Angola das Kongoreich, dessen Hauptvolk die Bakongo waren. Seine Hauptstadt war M’banza Kongo.

1483 kam es unter König Nzinga Kuwu zum ersten Kontakt mit Portugiesen. Er ließ sich von christlichen Missionaren als João I. taufen. Sein Sohn Nzinga Mbemba, etwa 1456–1543, wurde als König Afonso I. sein Nachfolger. Er organisierte seinen Hof nach portugiesischem Vorbild und korrespondierte mit König Manuel I. von Portugal auf Portugiesisch. Junge Bakongo wurden zum Studium nach Portugal geschickt; einer von ihnen wurde 1518 Titularbischof von Utica.

Afonso I. ließ bei Nachbarvölkern Sklaven jagen und übergab im Austausch gegen Waffen und andere Waren zehntausende Menschen an die Portugiesen. Diese setzten sie auf Zuckerrohrplantagen auf São Tomé und in Brasilien ein. Als weniger Menschen gefangen werden konnten, arbeiteten die Portugiesen mit Sklavenjägern anderer Völker zusammen und ließen auch Bakongo fangen. 1526 hielt ein portugiesischer Gouverneur Jugendliche, die in Portugal eine Schule besuchen sollten, darunter Angehörige Afonsos, zurück und verkaufte sie als Sklaven. Afonso versuchte, andere Waren anstelle von Sklaven anzubieten; König João III. „der Fromme“ lehnte dies ab. Afonso vertrieb die Portugiesen, verlor jedoch Ansehen und Macht. Das Reich zerfiel in viele Teile und wurde 1665 in der Schlacht von Ambuila endgültig zerschlagen.

Kolonialzeit und politische Entwicklungen

1885 wurden die Bakongo durch die Berliner Kongokonferenz endgültig kolonisiert. Das bereits nicht mehr bestehende Kongoreich wurde zwischen Frankreich, Belgien und Portugal aufgeteilt. Die kimbanguistische religiöse Bewegung wurde im 20. Jahrhundert zu einer Quelle der antikolonialen Bewegung.

In den 1940er und 1950er Jahren zogen durch das Wachstum der Hauptstadt Léopoldville viele Angehörige anderer Ethnien in das Siedlungsgebiet der Bakongo am unteren Kongo. Für die Identität und Vorherrschaft der Bakongo setzte sich die 1950 gegründete Association des Bakongo pour l'Unification, l'Expansion et de la Défense de la Langue Kikongo (ABAKO) ein. Seit 1955 wurde sie von Joseph Kasavubu geführt. Nach der Unabhängigkeit forderte sie einen dezentralen Staat und trug zum Sturz Patrice Lumumbas bei.

Während des Unabhängigkeitskrieges in Angola unterstützten die dortigen Bakongo meist die antikoloniale FNLA und den von ihr mitorganisierten Aufstand von 1961. Nach dessen Niederschlagung durch Portugal flohen Hunderttausende in die Demokratische Republik Kongo. Nach der Unabhängigkeit kehrten viele nach Angola zurück, oft jedoch nach Luanda und andere Städte statt in ihre Ursprungsgebiete; dort hatten sie häufig Integrationsprobleme. Im angolanischen Bürgerkrieg unterstützten sie zunächst die FNLA, später teilweise die UNITA, gegen die regierende MPLA. Nach Einführung des Mehrparteiensystems versuchte die FNLA erfolglos, politische Vertretung der Bakongo zu werden. Bei den beiden bisherigen Parlamentswahlen erreichte sie nur geringe, zuletzt geradezu unbedeutende Stimmenanteile. Daneben entstanden Dutzende partikularistischer Parteien der Bakongo, ohne nennenswerte Bedeutung zu gewinnen.

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