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August Stramm

August Stramm. deutscher Dichter und Dramatiker des deutschen Expressionismus ... Projekt Gutenberg (deutsch). August Stramm „Krieggrab“ und Übersetzung in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was ist August Stramm?
  2. 2. Leben bis 1912
  3. 3. Durchbruch, Krieg und Tod (1912–1915)
  4. 4. Werk und Wirkung
  5. 5. Wichtige Werke

Was ist August Stramm?

August Stramm (geboren am 29. Juli 1874 in Münster, gefallen am 1. September 1915 bei Horodec östlich Kobryn, im heutigen Belarus) war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Expressionismus. Der Expressionismus ist eine Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts, die innere Erlebnisse und Auflehnung gegen Traditionen ausdrückt. Stramm gilt als einer der radikalsten Spracherneuerer dieser Zeit: Er zerstörte Wortformen und Satzbau (Syntax) und setzte Sprachelemente neu zusammen. Seine Kriegsgedichte aus dem Ersten Weltkrieg gelten als herausragende lyrische Zeugnisse dieses Krieges.

Leben bis 1912

Stramm wuchs in Münster, Düren, Eupen und Aachen auf und legte 1893 am königlichen Kaiser-Wilhelms-Gymnasium in Aachen (heute Einhard-Gymnasium) das Abitur ab. Danach trat er in den Postdienst ein, wurde Postsekretär und arbeitete ab 1897 im Seepostdienst zwischen Deutschland und den USA. 1902 legte er die Verwaltungsprüfung für Post und Telegrafie ab, heiratete Else Krafft und schrieb sein erstes Drama, Die Bauern. 1903 und 1904 wurden die Kinder Ingeborg und Helmuth geboren. Ab 1905 lebte die Familie in Berlin-Karlshorst. Neben dem Beruf studierte Stramm bis 1908 an der Berliner Universität und promovierte 1909 an der Universität Halle über das Welteinheitsporto. Im selben Jahr wurde er zum Postinspektor befördert.

Durchbruch, Krieg und Tod (1912–1915)

Um 1912 fand Stramm zu seinem eigenen Stil. In Werken wie Rudimentär und Die Haidebraut verbinden sich naturalistische Themen mit Sprachexperimenten, wahrscheinlich beeinflusst vom italienischen Futurismus. Es entstanden Gedichte, die für den Expressionismus wegweisend wurden, zum Beispiel Freudenhaus (1914). Über diese Werke lernte er Herwarth Walden kennen, den Herausgeber der Zeitschrift Der Sturm, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Die Anerkennung im Sturm löste Stramms letzte und produktivste Schaffensphase aus, geprägt vor allem von Kriegsgedichten (später gesammelt in Tropfblut, 1919).

Stramm hatte 1896/97 als Einjährig-Freiwilliger gedient. Bei Kriegsbeginn 1914 kam er als Hauptmann der Reserve zum Badischen Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 110 im Elsass. Im Januar 1915 wurde er Kompanieführer im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 272, das bei Chaulnes an der Somme im Stellungskrieg kämpfte. Ende Februar 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Im April kam er an die Ostfront, nahm an der Schlacht von Gorlice teil und wurde am 19. Mai Bataillonskommandeur. In der Schlacht bei Radymno und im Juli bei Grodek kämpfend, erhielt er das Österreichische Militärverdienstkreuz. Am 1. September 1915 fiel er beim Angriff auf russische Stellungen am Dnepr-Bug-Kanal. Sein Grab auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf bei Berlin enthält auch seinen Sohn Helmuth (gestorben 1925) und seine Frau Else (gestorben 1947).

Werk und Wirkung

Stramms Gedichte, etwa Patrouille, zeichnen sich durch schlichte, reduzierte Sprache aus. Oft wird keine Grammatik verwendet; Substantive, substantivierte Verben und Neologismen (neugeprägte Wörter) bilden den Hauptbestandteil. Durch Knappheit, Härte und weit getriebene Sprachexperimente unterscheiden sich seine Gedichte deutlich von früheren Expressionisten wie Georg Heym und Theodor Däubler, die noch von Neuromantik und Symbolismus beeinflusst waren. Stramms zerhackte Rhythmen, Satz- und Wortfetzen machen seine Gedichte zu den überzeugendsten lyrischen Zeugnissen des Ersten Weltkriegs, da kaum einem anderen Autor das Grauen dieses ersten Maschinenkriegs in einer angemessenen neuen Form gelang. Nach Meinung des Literaturwissenschaftlers Ralf Schnell fand das Weltkriegserlebnis bei Stramm seinen stärksten deutschsprachigen lyrischen Ausdruck überhaupt.

Schon mit den ersten Veröffentlichungen im Sturm nahmen junge Autoren in- und außerhalb Deutschlands seinen Stil auf, darunter Kurt Heynicke, Walter Mehring, Lothar Schreyer, Kurt Pinthus, Franz Richard Behrens, Kurt Liebmann, Otto Nebel, Kurt Schwitters, Tytus Czyżewski und Hendrik Marsman. Auch die expressionistische Prosa von Alfred Döblin wurde beeinflusst. Zu späteren Stramm-Anhängern gehören Arno Schmidt (dessen frühe Prosa 1946–1956 stilistisch von Stramms Lyrik beeinflusst ist), Gerhard Rühm und Ernst Jandl.

Wichtige Werke

Dramen: Die Bauern (1902/05), Das Opfer (1909, verschollen), Der Gatte (1909/11), Die Unfruchtbaren (um 1910), Rudimentär (um 1910), Sancta Susanna (um 1912, Grundlage für Paul Hindemiths gleichnamigen Operneinakter), Die Haidebraut (1914), Erwachen (1914), Kräfte (1914, Uraufführung 12. April 1921 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin, Regie: Max Reinhardt), Krieg (unvollendet, 1914, verschollen), Geschehen (postum 1915).

Lyrik und Prosa: Auswanderer! (Essay 1903), Der Letzte (Prosa 1914), Warten (Prosa 1914), Traumwiese (Gedicht um 1914, verschollen), Die Menschheit (1914/17), Blüte (1914), Frostfeuer (1914), Du (Liebesgedichte 1915), Vorfrühling (1915), Untreu (1915), Weltwehe (1915), Sturmangriff (1915), Vorübergehen (1915), Tropfblut (Gedichte, postum 1919).

Wissenschaftliche Arbeit: Das Welteinheitsporto. Historische, kritische und finanzpolitische Untersuchungen über die Briefpostgebührensätze des Weltpostvereins und ihre Grundlagen (Halle, Kaemmerer 1910) – seine Dissertation.

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