Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Argumentum ad ignorantiam
Das argumentum ad ignorantiam (lateinisch für „Argument, das an das Nichtwissen appelliert“), auch Scheinargument der Beweislastumkehr, ist ein logischer …
Definition und Grundschema
Das argumentum ad ignorantiam (lateinisch für „Argument, das an das Nichtwissen appelliert“), auch Scheinargument der Beweislastumkehr, ist ein logischer Fehlschluss. Dabei wird eine These für falsch erklärt, nur weil sie bisher nicht bewiesen werden konnte – oder umgekehrt eine These für richtig erklärt, nur weil sie bisher nicht widerlegt werden konnte. Der Fehlschluss wird ohne Sachargumente gezogen: Die argumentierende Person betrachtet ihre mangelnde Vorstellungskraft oder Unwissenheit als ausreichend für die Widerlegung oder Bestätigung einer These. Das grundlegende Schema ist, dass das Fehlen von Evidenz für eine Behauptung als Beweis dafür gilt, dass stattdessen eine andere Behauptung wahr ist, oder dass eine persönliche Voreingenommenheit als Beweis oder Widerlegung angenommen wird. Dies ist keine gültige Schlussweise im Sinne der formalen Logik.
Argument aus persönlichem Unglauben
Eine Abwandlung des argumentum ad ignorantiam ist das „Argument aus persönlichem Unglauben“. Es entsteht oft aus einem der Person selbst nicht bewussten Mangel an eigener Kompetenz. Hier wird der Umstand, dass eine These subjektiv als unglaublich oder unwahrscheinlich erscheint, als ausreichende Bedingung für ihre Zurückweisung angesehen. An ihre Stelle wird eine andere, subjektiv bevorzugte These als zutreffend gesetzt. Dieses Phänomen der unabsichtlichen Subjektivierung wurde 1999 von den Psychologen David Dunning und Justin Kruger beschrieben. Wichtig zur Abgrenzung: Das Argument aus Unwissenheit bzw. aus persönlichem Unglauben darf nicht mit der Reductio ad absurdum verwechselt werden. Die Reductio ad absurdum ist eine gültige Methode, bei der ein logischer Widerspruch benutzt wird, um eine These zu widerlegen.
Beispiele
Ein Beispiel für den Versuch, eine These durch die fehlende Widerlegung zu belegen, ist Kent Hovinds Wette gegen die Evolutionstheorie: Er verspricht demjenigen 250.000 Dollar, der beweisen kann, dass Gott nicht an der Entstehung des Lebens beteiligt war. Solche Aussagen sind prinzipiell unmöglich zu widerlegen. Zur Parodie dieser Wette veranstalteten Anhänger der Religionsparodie Fliegendes Spaghettimonster eine ähnliche Wette, bei der eine Million Dollar für den empirischen Beweis ausgelobt wurde, dass Jesus nicht der Sohn des Fliegenden Spaghettimonsters sei. Auch hier ist es vollkommen unmöglich, den Gegenbeweis anzutreten und die Wette zu gewinnen.