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Anfangs-Gründe des Generalbasses

Das Unterrichtswerk Anfangs-Gründe des Generalbasses ist ein musiktheoretisches Werk des Bachschülers Lorenz Christoph Mizler (1711–1778), welches 1739 in …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Ziel des Lehrwerks
  2. 2. Systematischer Aufbau und Übungen
  3. 3. Die Generalbass-Maschine und ihre Bedeutung

Gegenstand und Ziel des Lehrwerks

Anfangs-Gründe des Generalbasses ist ein musiktheoretisches Unterrichtswerk von Lorenz Christoph Mizler (1711–1778), einem Schüler Bachs. Es erschien 1739 in Leipzig. Der vollständige Titel lautet: Anfangs-Gründe des Generalbasses nach mathematischer Lehr-Art abgehandelt, und vermittelst einer hierzu erfundenen Maschine auf das deutlichste vorgetragen von Lorenz Mizlern.

Generalbass ist hier eine praxisorientierte Lehre: Eine Bassstimme wird anhand von Signaturen, also Ziffern unter oder über dem Basston, unmittelbar klanglich an einem „tauglichen musikalischen Instrument“ umgesetzt, beispielsweise an einem Tasteninstrument. Mizler will die Regeln so erklären, dass Anfänger sie systematisch nachvollziehen und am Instrument üben können.

Die Schrift verbindet musikalische Grundlagen, Generalbassunterricht und eine besonders strenge, an der „Mathematischen Lehr-Art“ orientierte Darstellung. Diese Methode verlangt, dass alle verwendeten Begriffe gründlich und geordnet erklärt werden. Deshalb behandelt das Werk neben dem eigentlichen Generalbass umfangreich die Allgemeine Musiklehre und nimmt dabei wiederholt auf die Wolffische Philosophie Bezug.

Systematischer Aufbau und Übungen

Das Werk umfasst 224 Paragraphen. Jeder Paragraph trägt nach den Prinzipien der Mathematischen Lehr-Art eine Überschrift, aus der die auf die Sprache bezogene Satzkategorie des folgenden Paragraphen hervorgeht.

Die Inhalte bauen schrittweise aufeinander auf:

  • § 1–44 behandeln elementare Begriffe.
  • § 45–85 erklären Intervalle und Dreiklänge. Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen; ein Dreiklang besteht aus drei gleichzeitig erklingenden Tönen.
  • § 86–110 stellen die Tonleitern vor.
  • § 111–166 enthalten weitere Ausführungen zur Allgemeinen Musiklehre.
  • § 167–174 empfehlen das Studium von Tonleitern in allen Tonarten.
  • Ab § 175 folgen erste Erklärungen zur akkordischen Gestaltung, zunächst als Übungen mit einzelnen Akkorden.
  • Ab § 186 behandelt Mizler das Hauptziel der Schrift: die Oktavregel.

Die Oktavregel soll durch zahlreiche Übungen am Instrument in allen Lagen und Tonarten gelernt werden. Außerdem gibt Mizler Hinweise zur Ausweichung, also zum vorübergehenden Wechsel in eine andere Tonart, sowie zur Verwendung von Vorhaltsdissonanzen. Eine Vorhaltsdissonanz ist ein zunächst spannungsvoll klingender Ton, der anschließend in einen passenden Ton weitergeführt wird.

Am Ende steht ein kleines, nicht ausgesetztes Notenbeispiel eines Generalbasses, das die praktische Anwendung zeigen soll. Es bleibt im Gesamtwerk eher isoliert, weil Noten dort fast durchweg fehlen. Mizler folgt damit seinem Grundsatz, die Inhalte vor allem durch sprachlich nachvollziehbare Erläuterungen zu vermitteln.

Die Generalbass-Maschine und ihre Bedeutung

Titel und Gestaltung unterschieden Mizlers Werk von zeitgenössischen Generalbassschulen. Sein bewusst gewählter Sonderweg führte zu Kritik. Nach der Darstellung des Artikels vollzog jedoch keiner seiner Kritiker Mizlers methodischen Ansatz vollständig nach.

Besonders misstrauisch wurde die dem Lehrwerk beigefügte „Maschine“ aufgenommen. Johann Adolph Scheibe verspottete sie als „Wundermaschine“, die angeblich Kompositionen hörend darauf prüfen könne, „ob sie gut, oder schlecht sind“, und eine „deutliche Kenntnis und Wissenschaft von allen Compositionsregeln und von allen übrigen Schönheiten der Musik“ vermittle.

Mizler wollte Musik jedoch nicht auf mechanische Abläufe reduzieren. In einem Gedicht erklärt er, der menschliche Geist sei überfordert, „dieses Spiel, Die Tone“ vollständig zu verstehen; das damit verbundene göttliche Geheimnis könne der Mensch nicht rational erfassen. Die Maschine hatte einen deutlich begrenzteren Zweck: Sie diente Anfängerübungen zur Oktavregel, dem „mechanischen Theiles aus der musikalischen Setzkunst“, wie Friedrich Wilhelm Marpurg übersichtliche und leicht systematisierbare Lernbereiche bezeichnete.

Mit „Maschine“ ist kein modernes technisches Gerät gemeint, sondern eine Art musikalischer Rechenschieber. Er ordnete Generalbass-Signaturen die Töne über einem bestimmten Basston zu. Steht beispielsweise unter einem Basston C eine 4, gibt die Maschine den Ton f an. Mizler wollte damit zeigen, dass das Generalbasssystem so nachvollziehbar ist, dass seine Vorgänge wie mathematische Operationen einer Rechenmaschine im Stil von Gottfried Wilhelm Leibniz mechanisch nachgebildet werden können.

Diese Nachvollziehbarkeit sollte auch den Unterricht lückenlos machen. Mizler bemerkte dabei Signaturen, die ihm nicht eindeutig genug erschienen. Das Verbot von Parallelführungen vollkommener Konsonanzen hielt er pädagogisch für nicht vermittelbar, weil man „noch nicht so weit gekommen“ sei (S. 75), dafür eine Begründung vorzulegen.

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