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Anatomie eines Falls

Anatomie eines Falls (Originaltitel: Anatomie d'une chute, internationaler Titel: Anatomy of a Fall) ist ein französischer Spielfilm von Justine Triet aus …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Tod und Gerichtsprozess
  3. 3. Drehbuch und Besetzung
  4. 4. Produktion und Synchronisation
  5. 5. Veröffentlichung, Erfolg und Preise

Überblick

Anatomie eines Falls (Originaltitel: Anatomie d’une chute; internationaler Titel: Anatomy of a Fall) ist ein französisches Justizdrama von Justine Triet aus dem Jahr 2023. Der 151 Minuten lange, französisch- und englischsprachige Film erzählt von der deutschen Schriftstellerin Sandra Voyter, die nach dem Tod ihres französischen Ehemanns unter Mordverdacht gerät. Im Mittelpunkt stehen die unklare Todesursache, der Gerichtsprozess und die Frage, wie viel sich aus Erinnerungen, Aussagen und Tonaufnahmen über eine Beziehung herausfinden lässt.

Die Hauptrollen spielen Sandra Hüller als Sandra, Swann Arlaud als ihr Verteidiger Vincent und Milo Machado Graner als ihr Sohn Daniel. Weitere wichtige Rollen übernehmen Samuel Theis als Samuel Maleski und Antoine Reinartz als Staatsanwalt. Der Film wurde 2023 in Cannes uraufgeführt, gewann dort die Goldene Palme und erhielt bei den Oscars 2024 den Preis für das Beste Originaldrehbuch.

Tod und Gerichtsprozess

Sandra und Samuel Maleski leben mit ihrem elfjährigen, seit einem Unfall stark sehbehinderten Sohn Daniel in einem Chalet in den französischen Alpen bei Grenoble. Sandra ist eine erfolgreiche Romanautorin, Samuel Dozent an einer nahe gelegenen Universität. Während Samuel das Dachgeschoss ausbaut, um es an Touristen zu vermieten, kehrt Daniel von einem Spaziergang mit dem Hund Snoop zurück. Er findet seinen Vater blutüberströmt und reglos im Schnee. Samuel ist offenbar vom Balkon oder Fenster des Dachgeschosses gefallen und stirbt.

Die Polizei kann nicht klären, ob es ein Unfall, ein Suizid oder eine von Sandra begangene Tötung war. Kurz vor dem Tod hatte Sandra ein Interview mit der Studentin Zoé Solidor geführt; Samuel spielte dabei im Dachgeschoss auffällig laute Musik. Sandra beauftragt den Strafverteidiger Vincent, der früher in sie verliebt war. Er empfiehlt, auf einen Suizid hinzuweisen, weil ein Unfall wenig glaubwürdig erscheine. Dennoch wird Sandra angeklagt.

Im Prozess schildert Sandra zunächst, sie habe nach dem Interview gearbeitet und geschlafen, bis Daniel sie gerufen habe. Später berichtet sie, Samuel habe früher einen Suizidversuch unternommen. Der Prozess untersucht zugleich die Ehe der Eltern: Samuel vermied seit Daniels Unfall sexuelle Intimität, während Sandra Beziehungen mit anderen Personen hatte. Daniel war in London verletzt worden, nachdem Samuel vergessen hatte, ihn von der Schule abzuholen; auf dem Heimweg erlitt Daniel einen Unfall, der seinen Sehnerv beschädigte.

Samuel leidet unter Schuldgefühlen, einer Schreibblockade und finanziellen Problemen durch Daniels Arztkosten. Sandra verarbeitet dagegen private Ereignisse in erfolgreichen Romanen. Besonders belastend wirkt eine Tonaufnahme eines heftigen Streits am Tag vor Samuels Tod. Samuel hatte Alltagsszenen heimlich für ein geplantes Romanprojekt aufgenommen. Auch Daniels Aussagen sind nicht eindeutig; deshalb begleitet die Justizangestellte Marge ihn und Sandra.

Daniel prüft eine Erinnerung an Samuels früheren Suizidversuch, indem er Snoop Aspirin gibt. Der Hund erkrankt ähnlich schwer wie damals, weil er vermutlich schon früher von Samuel erbrochene Tabletten gefressen hatte, und wird gerettet. Als letzter Zeuge berichtet Daniel von einem Gespräch mit Samuel auf dem Weg zum Tierarzt: Samuel habe über Snoops möglichen Tod und darüber gesprochen, dass das Leben der anderen weitergehen müsse. Daniel deutet dies als Vorbereitung auf Samuels eigenen Tod. Sandra wird freigesprochen und kehrt schließlich zu Daniel und Snoop zurück.

Drehbuch und Besetzung

Anatomie eines Falls ist Justine Triets vierter Spielfilm. Sie schrieb das Drehbuch mit ihrem Lebensgefährten, dem Filmemacher Arthur Harari. Rechtlich beraten wurden beide vom Pariser Strafverteidiger Vincent Courcelle-Labrousse. Triet beschrieb den Film als „einen sehr französischen Film“: Anders als spektakulärere US-amerikanische Gerichtsfilme zeige er den französischen Prozessverlauf als ungeordnet.

Ausgangspunkt war Triets Wunsch, einen Albtraum erlebbar zu machen und den Zerfall eines Paares zu untersuchen. Der Prozess soll die Beziehung von Sandra und Samuel methodisch analysieren. Sandra Hüller war für Triet von Anfang an für die Hauptrolle vorgesehen; Swann Arlaud übernahm die zweite Hauptrolle. Samuel Theis spielt Samuel, der nur wenig zu sehen ist, für die Handlung aber entscheidend bleibt.

Für Daniel suchte Triet zunächst vier Monate lang ein sehbehindertes Kind. Danach weitete sie die Suche für drei weitere Monate auf nicht sehbehinderte Kinder aus und besetzte Milo Machado Graner. Er erhielt Klavierunterricht und wurde von erfahrenen Spezialisten darin angeleitet, eine starke Kurzsichtigkeit ohne Beeinträchtigung des peripheren Sehens darzustellen. Bis zum Drehbeginn kannte er das Ende nicht und sollte seinen Text nicht im Voraus lernen; seine Figur sollte dadurch glaubwürdig unsicher wirken.

Produktion und Synchronisation

Die Dreharbeiten begannen Anfang März 2022 und dauerten bis April 2022; vorgesehen waren neun Drehwochen. Hauptdrehort war das Gebiet Maurienne im Département Savoien in den französischen Westalpen. Triet wollte einen fast dokumentarischen Realismus und verlangsamte mit Editor Laurent Sénéchal das Tempo. Die Bilder sollten „unvollkommen, verschwommen und ein wenig verwackelt“ erscheinen.

Ursprünglich war 35-mm-Filmmaterial geplant, das wegen der vielen Aufnahmen zu teuer war. Kameramann Simon Beaufils nutzte daher ältere Objektive an einer Alexa-Kamera. Die Farbkorrektur ergab nach Triets Einschätzung ein „raues und farbenfrohes“ Material. Eine eigens komponierte Filmmusik gibt es nicht. Wichtige musikalische Kontraste entstehen zwischen einer Steelpan-Version von 50 Cents P.I.M.P. durch die Hamburger Bacao Rhythm & Steel Band und Klaviermusik von Chopin und Albéniz, besonders Asturias, das Daniel übt.

Produzenten waren Marie-Ange Luciani und David Thion. Die Produktionskosten betrugen 6,2 Millionen Euro. Die deutschsprachige Synchronfassung entstand bei der Cinephon Filmproduktions GmbH in Berlin nach Dialogbuch und unter Dialogregie von Stephan Hoffmann. Sandra Hüller synchronisiert ihre Figur selbst; Johannes Raspe spricht Vincent und Francis Fanselow Daniel.

Veröffentlichung, Erfolg und Preise

Die Premiere fand am 21. Mai 2023 im internationalen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes statt. Der französische Kinostart war am 23. August 2023, der deutsche am 2. November 2023. Am 2. Januar 2026 lief der Film erstmals im Ersten (ARD) und wurde in der ARD-Mediathek veröffentlicht.

Die Kritiken fielen überwiegend sehr positiv aus. Rotten Tomatoes verzeichnete nach der Premiere bei mehr als 283 Kritiken 96 Prozent positive Bewertungen und einen Durchschnitt von 8,6 von 10 Punkten. Metacritic erreichte 86 von 100 Punkten auf Grundlage von 44 englischsprachigen Kritiken. In Frankreich kam der Film 2023 auf 1,3 Millionen Kinobesucher und belegte unter französischen Produktionen Platz sechs. International spielte er 34,9 Millionen US-Dollar ein. In Deutschland wurden bis zum 24. März 2024 485.995 Besucher und knapp fünf Millionen Euro Einspielergebnis gezählt.

In der Saison 2023/24 erhielt der Film mehr als 200 Nominierungen und gewann mehr als 90 Preise. Zu den wichtigsten gehören die Goldene Palme in Cannes, zwei Golden Globe Awards für den besten fremdsprachigen Film und das beste Drehbuch, fünf Europäische Filmpreise, drei Prix Lumières und sechs Césars. Bei den Oscars 2024 gewann Justine Triet gemeinsam mit Arthur Harari für das Beste Originaldrehbuch. Zusätzlich war der Film als Bester Film, für Beste Regie, Besten Schnitt und Sandra Hüller als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

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