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Alltagsgeschichte (Reportagereihe)
Alltagsgeschichte ist der Titel einer Fernsehreportagereihe der österreichischen Fernsehjournalistin Elizabeth T. Spira (1942–2019), welche von 1985 bis …
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Überblick und Konzept
Alltagsgeschichte ist eine österreichische Fernsehreportagereihe der Journalistin Elizabeth T. Spira (1942–2019). Sie wurde von 1985 bis 2006 für den ORF produziert, umfasst 60 Episoden und ist deutschsprachig. Die Ausgaben dauern meist 43–48 Minuten, manchmal 35–40 Minuten; von 1985 bis 1989 waren sie oft 60 Minuten lang. Ab 1998 bis 2006 war Cosmos Factory das Produktionsunternehmen.
Nach zehn Jahren bei teleobjektiv und einem kurzen Gastspiel bei Inlandsreport entwickelte Spira das Konzept gemeinsam mit dem Historiker Michael Mitterauer. Sie befragte und beobachtete Menschen überwiegend im öffentlichen Raum. Die Reihe richtet den Blick häufig auf die sogenannten „kleinen Leute“ und deren Probleme. Sie wurde auch außerhalb Österreichs bekannt und gilt als Schilderung der typisch österreichischen Seele. Spira erhielt dafür unter anderem den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik, den Johann-Nestroy-Ring und den Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung.
Gestaltung und behandelte Lebenswelten
Jede Ausgabe konzentriert sich auf eine bestimmte Örtlichkeit, gelegentlich auf ein Thema. Viele Folgen spielen in Wien. Besonders die heute selten gezeigten Folgen aus den 1980er-Jahren behandeln historische Hintergründe wie Kriegs- oder Kaiserzeit.
In den Gesprächen treten oft Menschen auf, die ungewöhnlich wirken oder sehr persönliche und emotionale Erfahrungen erzählen. Vor der Kamera entstehen regelmäßig heftige, teils politische Diskussionen. Spira ist nie zu sehen: Meist ist nur ihre Stimme bei den Fragen hörbar. In einigen, besonders älteren Folgen ist auch sie nicht zu hören; dann führt ausschließlich ein Sprecher durch die Sendung.
Typische Gestaltungsmittel sind Musik, eingespielte Melodien sowie manchmal deutsche oder internationale Schlager. Manche Ausgaben verwenden wiederkehrende Melodien. Außerdem werden einzelne Gegenstände wiederholt für einige Sekunden bildfüllend gezeigt. Ähnliche Elemente, etwa Musik, Fragestellungen und der Blick auf Gegenstände, nutzte Spira auch in ihrer bis 2019 erfolgreich produzierten Reihe Liebesg’schichten und Heiratssachen.
Folgen und besondere Ausgabe
Die Episoden entstanden von 1985 bis 2005/2006. Ihre Themen reichen von Kindheit, Schule, Arbeit und Jugend in der Kaiser-, Kriegs- und Nachkriegszeit bis zu Orten des Alltags wie Campingplatz, Gürtel, Park, U-Bahn, Kaffeehaus, Schrebergarten, Waschsalon, Bahnhof, Hotel, Markt, Würstelstand und Wohnsiedlungen. Beispiele sind Spiel nicht mit den Gassenkindern: Kindheit in der Kaiserstadt (1985), Am Stammtisch – Ein Heimatfilm (1988), Treffpunkt: U-Bahn (1993), Im Kaffeehaus (1994), Im Versatzamt (2000) und Bundesstraße B 54 (2005/2006).
Am Stammtisch aus dem Jahr 1988 wurde – abgesehen von kurzen Ausschnitten – 28 Jahre lang nicht ausgestrahlt. Gefilmte Personen äußerten menschenfeindliche und antisemitische Ansichten, besonders im Zusammenhang mit der Waldheim-Affäre und dem damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Spira, die selbst Jüdin war, bestand auf einer Ausstrahlung und wurde deshalb kurzzeitig beurlaubt. Die Erstausstrahlung der Folge erfolgte am 28. August 2016.
Ausstrahlung, Wiederholungen und Reichweite
In den späten 1990er-Jahren und zu Beginn der 2000er-Jahre lief die Reihe freitags ab etwa 21:10 Uhr auf ORF 2 und erreichte bis zu einer Million Zuseher je Ausgabe. Seit 2007 wiederholt ORF 2 im Sommer, von Juli bis Ende August oder Anfang September, ausgewählte Folgen aus den 1990er- und 2000er-Jahren sonntags. Der Beginn lag zunächst bei etwa 21:55 Uhr, seit 2016 bei etwa 23 Uhr. Wiederholungen erzielten zeitweise bis zu 500.000 Zuseher und bis zu 25 % Marktanteil; abgesehen von täglich aktuellen Informationssendungen gehörte die Reihe damit an Sommersonntagen zu den meistgesehenen ORF-Sendungen. Nach der Verlegung auf den späteren Sendeplatz sanken die Zahlen auf rund 200.000 Seher.
2017 liefen nur vier Wiederholungen im Juli, ab etwa 22:55 Uhr; im August zeigte der Sendeplatz neuere ähnliche Dokumentationen anderer Regisseure. Seit 2018 wird die Reihe auch im August wieder gezeigt. ORF III sendet seit 2015 unregelmäßig einzelne Folgen. Nach Spiras Tod im März 2019 liefen auf ORF III vom 2. Juli bis 3. September dienstags ab 20:15 Uhr jeweils vier Folgen, zusätzlich auf ORF 2 vom 23. Juli bis 27. August jeweils eine Folge um etwa 23:20 Uhr. Darunter waren teils lange nicht gezeigte Ausgaben der 1980er- und frühen 1990er-Jahre. Im Sommer 2020 zeigte ORF III seit 2. Juli donnerstags ab 21:05 Uhr jeweils drei Folgen; die ORF-2-Wiederholungen begannen am 19. Juli.
Teilweise ist die Reihe, überwiegend nachts, auf 3sat zu sehen; einzelne Folgen liefen 2008 und 2010 auf BR-alpha. Alle Ausgaben wurden im Format 4:3 produziert. Für ORF-III-Ausstrahlungen ab Sommer 2019 wurde das Bild auf 14:9 vergrößert, bei einzelnen Folgen auf 16:9.